Gerasdorf. Die örtliche Prominenz hat bereits gefeiert. Immerhin nähert sich mit der kürzlich begangenen Dachgleiche ein zehnjähriges Tauziehen seinem Ende: Die Realisierung des fünftgrößten Einkaufszentrums Österreichs in Gerasdorf, direkt an der Wiener Stadtgrenze.
Allerdings wird die Eröffnung des Einkaufszentrums G3Gerasdorf 2012 die Letzte ihrer Art sein. Denn 2004 hat Niederösterreich ein neues Raumordnungsgesetz beschlossen, um den Wildwuchs an Einkaufszentren zu stoppen. Das G3 ist das Letzte, das noch die großzügige alte Raumordnung in Anspruch nehmen konnte.
Einzugsgebiet: 2,2 Mio. Kunden
Die zahlreichen Einkaufszentren, die bis zur Verschärfung der Raumordnung entlang der Wiener Stadtgrenze entstanden, wurden von Wien immer als Bedrohung gesehen. Immerhin wird dadurch massiv Kaufkraft abgezogen. Beispielsweise sind die Hälfte der Kunden der Shopping City Süd Wiener. Und mit dem G3 eröffnet nahe des 10.000-Einwohner-Orts Gerasdorf ein Einkaufszentrum, das einer wirtschaftlichen Kriegserklärung an das angrenzende Wien gleicht. Auf einer Grundstücksgröße von 193.000 Quadratmetern investiert die BAI (Bauträger Austria Immobilien) rund 200 Millionen Euro. Um diesen Betrag entstehen rund 200 Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von 70.000 Quadratmetern, die 1600 Arbeitsplätze schaffen sollen. 4000 Parkplätze stehen zur Verfügung. Das Einzugsgebiet soll den Betreibern zufolge rund 2,2 Millionen Einwohner umfassen.
„Deutlich spürbar“ für Wien
„Für den Wiener Handel wird die Eröffnung des G3 deutlich spürbar werden“, prognostiziert Handelsobmann Erwin Pellet von der Wiener Wirtschaftskammer: „Die Kunden aus dem Umland kommen nicht mehr nach Wien. Die werden an der Stadtgrenze abgefangen, die verlieren wir.“ Diese Einschätzung teilt Wolfgang Richter vom Standortberater Regioplan: „Verschiebungen wird es vor allem bei den großen Einkaufszentren geben.“ In anderen Worten: Die nahe gelegenen Shoppingcenter auf Wiener Boden, das Shopping Center Nord und das Donauzentrum, müssten mit Umsatzverlusten rechnen.
Dabei kämpft Wien mit einem zusätzlichen Problem: „Die Einkaufszentren in Wien sind ziemlich alt“, so Richter. Diese seien vor 30 bis 40 Jahren konzipiert worden, während sich in der Zwischenzeit das Kundenverhalten verändert hat.
Wie kann Wien kontern? Die Stadt benötige etwas Innovatives, beispielsweise das Tuchlauben-Quartier in der ehemaligen Bawagzentrale, in der Nobelmarken einziehen. Denn die Kunden würden heute nicht nur ein Einkaufserlebnis suchen, sondern auch „eine Besonderheit“, so Wirtschaftsexperte Richter.
Warum sich das G3 gerade in dem kleinen Ort Gerasdorf angesiedelt hat, beantwortet Bürgermeister Alexander Vojta so: „Der Standort wurde ausgesucht, weil er verkehrstechnisch so günstig liegt.“ Immerhin sei das G3 an die Schnellstraße S1, die Autobahn A5 und die Bundesstraße B7 angebunden. Vojta: „Wir wollen, dass die Kaufkraft in Niederösterreich bleibt und nicht nach Wien abfließt.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.12.2011)
Der American Dream platzt an der Grenze
Reportagereisen entlang der DonauVom Schwarzwald bis an das Schwarze Meer
Liu Bolin Der ''unsichtbare Künstler''
WienDie Votivkirche, eine ewige Baustelle
SpeiseplanErobern Würmer die Teller Europas?
Earth DayDie Erde und wie der Mensch auf ihr lebt
Wien MitteHauptzollamt - Ratzenstadl - The Mall
Haus in Prag explodiert Verletzte, Helfer, Scherben
Düngerfabrik explodiertDas Ausmaß der Zerstörung
WienEin Friedhof für ''die besten Freunde der Menschen''
Papst-StatueJohannes Paul, der Riesige, in Tschenstochau
27 Jahre im Wald Einsiedler in den USA verhaftet
Skifahren mit SonnenkraftSolar-Skilift verblüfft Experten
ChileTonnenweise tote Schrimps bedecken Strand
''The Rock'Vor 50 Jahren wurde Alcatraz geschlossen
KörperweltenKreislauf vom Entstehen und Vergehen
RiesenbaustelleDer Wiener Hauptbahnhof wächst
Tierischer FlitzerMarder stört Fußballmatch
Marsrover ''Curiosity''Meilensteine eines Neugierigen
''Eishockey unter Eis''Österreich schlägt Deutschland
SerbienDer Obdachlose, der ein Grab bewohnt
Stratos-SprungBaumgartners Rekorde offiziell anerkannt
KempinskiGlamour und Luxus, aber ohne Protz
Jahr der SchlangeHNO-Akrobatik zum chinesischen Neujahr
ChicagoLöschwasser verwandelt Lagerhaus in Eispalast
Gewehr gegen GutscheinSeattle sammelt Waffen ein
Naturhistorisches MuseumDie neuen Anthropologie-Säle
KirgistanDie ''Gruppe Schneeleopard'' macht Jagd auf illegale Jäger
NeujahrsschwimmenUnerschrocken ins neue Jahr

