Der Gesamtschaden beträgt etwa 1,3 Millionen Euro. Die Anklage wirft einem 37-jährigen Ungarn 30 vollendete und 18 versuchte Autodiebstähle, seinem 45-jährigen Landsmann 20 Autodiebstähle vor. Die zwei mutmaßlichen Mitglieder der "BMW-Bande" standen am Donnerstag in Eisenstadt vor Gericht. Der serienweise Diebstahl von Autos der Marken BMW und Audi in Ostösterreich hatte ab Juli 2010 für Schlagzeilen gesorgt.
Beide Angeklagte hätten aus finanziellen Motiven heraus gehandelt, erklärte Staatsanwalt Heinz Prinke. Der 37-Jährige habe die Autos ausgesucht, die dann durch Herauszwängen des Türschlosses geöffnet worden seien. Mittels einer Software, die sie in die Fahrzeuge überspielten, hätten die Täter die Diebstahlsicherung der Autos überlistet, um sie in Betrieb nehmen zu können. "Bei den Versuchen hat es deshalb nicht geklappt, weil die Software sich aufgehängt hat", so Prinke.
Vor dem Schöffensenat gab der 37-Jährige lediglich einen ihm ebenfalls angelasteten Pkw-Diebstahlsversuch aus dem Jahr 2003 in Linz - dabei wurde eine DNA-Spur gesichert - sowie jenen gescheiterten Coup im September 2010 zu, nach dem er schließlich festgenommen wurde. Sein mutmaßlicher Komplize, der wegen dieses Falles bereits im Vorjahr zu 20 Monaten Haft - davon sechs unbedingt - verurteilt wurde, bestritt überhaupt jegliche Schuld.
Für eine Täterschaft spreche auch der "Modus Operandi", der in Österreich "sonst eigentlich gar nicht" vorkomme, stellte der Staatsanwalt fest. Ihm widersprachen die Verteidiger: Allein durch die Methode ließe sich kein beweiskräftiger Zusammenhang herstellen.
Der 37-Jährige erzählte über den vermasselten Coup am 14. September 2010, nach dem er festgenommen wurde. Er habe mit dem Zweitangeklagten nach Holland fahren wollen. Weil sie "zu früh" dran gewesen seien, hätten sie in Wien einen Zwischenstopp eingelegt, wo der 37-Jährige in einem Lokal sein Geld und das Geld seines Begleiters verspielte.
Daraufhin habe er bei der Rückfahrt nach Ungarn versucht, im Burgenland einen BMW aufzubrechen, um daraus Wertsachen zu stehlen. "Das Auto hat sich nicht einmal aufsperren lassen", schilderte der 37-Jährige. Schließlich sei er von einem Zeugen gestört worden und habe die Flucht ergriffen.
Die Richterin hielt ihm vor, dass in der Nähe des Tatortes in Podersdorf auch ein zweiter Wagen aufgebrochen worden war: "Im zweiten Fahrzeug war er sehr wohl drinnen." Sein Mitangeklagter, der ihn belastet habe, sei bereits wegen dieser zwei Diebstahlsversuche verurteilt worden. "Das ist eine interessante Sache. Dann wurde er nämlich unschuldig verurteilt", gab der Angeklagte zur Antwort und meinte: "Ich habe sicher nicht die Absicht gehabt, einen BMW zu stehlen."
Aussagen von inhaftierten mutmaßlichen Komplizen tat der Angeklagte samt und sonders als haltlos ab. Man wolle ihn bloß belasten, lautete seine Rechtfertigung. "Es gibt eine Fiktion und sie hören jetzt die Wahrheit", versuchte der 37-Jährige seine eigenen Ausführungen zu untermauern.
Der Prozess wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. Bei der nächsten Verhandlung soll die Einvernahme der Angeklagten fortgesetzt werden. Außerdem will die Vorsitzende einen Ermittler sowie fünf inhaftierte, mutmaßliche Bandenmitglieder befragen.
(APA)
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