24.05.2013 11:26 Merkliste 0

„Österreich ist das islamischste Land der Welt“

10.07.2012 | 18:25 |  NERMIN ISMAIL (Die Presse)

Vor 20 Jahren flohen 90.000 Bosniaken nach Österreich. Was aus ihnen wurde, wie sie heute leben, und warum sie hierzulande vor allem die freie Glaubensausübung schätzen – eine Nachschau.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien. Für so manchen österreichischen Bosniaken ist 2012 ein markantes Jahr: Einerseits feiert dieser Tage das Islamgesetz sein 100-jähriges Bestehen, andererseits kamen viele von ihnen vor 20 Jahren und im Zuge des Balkankrieges ins Land. Doch wie leben diese Menschen heute?

„Ich bin glücklich und zufrieden, Österreicher zu sein“, sagt Ismet Hurtic. Der Salzburger ist 1992 mit der Hilfsorganisation „Nachbar in Not“ im Zuge des Bosnien-Kriegs nach Österreich geflüchtet. In diesem Jahr begann die Belagerung Sarajewos. „Die Wahl auf Österreich fiel spontan“, erzählt er heute. Immerhin war es eine Kriegssituation, in der man nicht viel Zeit zum Nachdenken habe.

Während des Bosnienkrieges von 1992 bis 1995 suchten 90.000 Menschen Zuflucht in Österreich. Von ihnen sind 60.000 geblieben, 11.000 kehrten nach Bosnien zurück, der Rest zog in andere Länder weiter. Heute leben 131.000 Personen aus Bosnien-Herzegowina in Österreich.

Hurtic könnte sich nicht vorstellen, woanders zu leben, schließlich sei er hier aufgewachsen. Trotzdem habe er beide Kulturen kennen gelernt und versuche, „aus beiden das Gute zu leben und das Schlechte zu vermeiden, um ein besseres Morgen für Österreich zu erreichen“, so der Salzburger.

 

Sehnsucht nach Lebensgefühl

Doch manchmal packt ihn die Sehnsucht nach der bosnischen Lebenskunst. Urlaube oder bosnische Freunde stillen diese dann. Nach Bosnien zurückzukehren komme für ihn nicht infrage, da er sich dort fremder vorkomme als hier. In nur einem Fall könnte er sich das Leben in Bosnien vorstellen: „Im Auftrag eines österreichischen Unternehmens.“ Auch bei der Ausübung seiner Religion sei er in Österreich „bestens aufgehoben“.

„Österreich ist das islamischste Land der Welt“, ist Hurtic überzeugt. Man könne seine Religion frei ausleben, solange man keine Mitmenschen missachte. Genau das fördere auch der Islam, und „deshalb passt er auch ideal zu einem aufgeklärten Österreich“. Er selbst habe eine österreichisch-islamische Identität und bete eben gerade da, wo er sich als Österreicher in seiner Heimat befinde. „Auf Skipisten, beim Bundesheer oder sonst wo.“

Auch Emilija Kelecija, eine Muslimin mit Kopftuch, sieht sich als Österreicherin, die ihre Religion gut leben kann. Dass der Islam vor 100 Jahren anerkannt wurde, sieht sie nicht als Besonderheit, sondern als Selbstverständlichkeit. „Ich sehe mich nicht als Bosnierin oder Österreicherin, ich bin Wienerin.“

Das sei ihre Stadt. Hier habe sie alles erlebt, woran sie sich erinnern könne. Für sie ist klar: „Österreich ist mein zu Hause.“ Seit der Flucht ist sie viermal in ihrem Herkunftsland gewesen. Diese Reisen beschreibt sie mit den Worten: „Hingehen und schauen.“ Schauen, wo die Wurzeln sind, schauen, wie der Krieg alles zerstörte. „Vielleicht ist das eine Realitätsverschiebung. Weil ich sehr viel verdrängt habe“, sagt die 31-Jährige.

Das Land und die Menschen seien noch zerstört, es sei bisher wenig Aufarbeitung passiert. „Bosnien ist wunderschön, und es hat trotz alldem noch diese Wärme.“ Mit einer gewissen Wärme begegnet Kelecija auch den Menschen. Wenn sie jemand anstarrt oder schlecht behandelt, bezieht sie das nie auf ihre Religion oder ihr Kopftuch.

 

Schwierigkeiten in Österreich

„Durchs Reden kommen die Leute zusammen“, sagt sie. Man müsse einfach aufeinander zugehen und miteinander sprechen. „Natürlich gibt es Stimmungsmacher, die versuchen zu hetzen. Doch Menschen, die sich davon anstecken lassen, schauen nicht weit über den Tellerrand“, ist sie überzeugt.

Damir Saracevic hingegen hat 18Jahre seines Lebens in Pirina verbracht und ist somit viel mehr mit dem Land vertraut. Der Anfang in Österreich war für ihn schwierig. „Personen mit Migrationshintergrund sind in den österreichischen Strukturen mit sehr vielen Hürden konfrontiert, angefangen bei der Dequalifizierung auf dem Arbeitsmarkt, über wenig Möglichkeiten zum sozialen Aufstieg bis zur Alltagsdiskriminierung“, erklärt der Familienvater. Diese Phänomene prägen weiterhin seinen Alltag, doch ist er glücklich, sich in bestimmten gesellschaftlichen Bereichen etabliert zu haben. Trotz der schlechten politischen und wirtschaftlichen Lage Bosniens ist eine Rückkehr für ihn nicht völlig ausgeschlossen, denn er fühle sich dort „zugehörig und willkommen“. Gern würde er auch zum sozialen Aufstieg des Landes beitragen.

 

Als Teil Österreichs

Bosnische Vereine und Gebetsräume gibt es jede Menge in Österreich. Es gibt Chöre, traditionelle und eher moderne Gemeinschaften, die sich auch um Folklore und die Kultur bemühen. „Es sind Wege, um einfach zusammenzukommen und nicht primär um die bosniakische Nationalität großartig zu stärken“, erklärt Emilija Kelecija. Einige der Vereine sind auch um Aufklärungsarbeit bemüht. Wie das Zentrum für zeitgemäße Initiativen in Linz, dessen Obmann Saracevic ist. „Es ist eine Plattform für Entwicklungszusammenarbeit zwischen Österreich und Bosnien und soll somit als kulturelle Brücke dienen.“

In Zukunft müssten wir miteinander statt nebeneinander leben, ist Hurtic überzeugt. „Der Islam ist ein Teil von Österreich und Europa, darüber zu debattieren ist ein Zeichen von Realitätsfremdheit.“ Aufeinander zuzugehen und Vorurteile abzulegen, kurzum miteinander zu leben sei die Devise.

Lexikon

Bosnien hat als muslimisches Land eine gewisse Nähe zum restlichen, größtenteils christlichen Europa. In der Geschichte hat schon immer ein Austausch stattgefunden. Bosnische Muslime sind offen und liberal in Bezug auf das Anderssein, nicht zuletzt aufgrund der Erfahrung aus dem Vielvölkerstaat Jugoslawien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.07.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

142 Kommentare
 
12 3 4
Gast: kittyhoward
19.08.2012 01:10
0 0

lang lebe österreich

Endlich mal einen gescheiten beitrag von dir nermin! Der mann hat recht österreich ist echt toll bin froh das hier mein land nennen zu können!!

90000 sind gekommen und 60000 sind geblieben

Asyl und Migration sind also doch entgegen aller Behauptungen von links miteinander verwandt-schau, schau. Hätte man gar nicht vermutet....

Super, toller Beitrag....


....alles super, politisch korrekt.

Aber mal ehrlich

wie viel Prozent der Bosnier sind wirklich integriert?

Die meisten wollen nach der Schulzeit mit Österreichern nichts mehr zu tun haben, haben dann nur mehr bosnische Freunde, heiraten bosnische Landsleute und sprechen daher im Alltag nur mehr serbokroatisch.

Für echte Integration wäre mehr Vermischung mit der einheimischen Bevölkerung notwendig.

Gast: ROTFRONT
11.07.2012 18:56
0 11

Auch wenn Ihr alle auch noch so herumtschentschts! Ich lass mir heute einen leckeren Kepab reichen!

Oder auch 2 davon und spüle es mit köstlich kühlem Efes runter.
Hmmmmmmmmmmm!!!!
Könnt' ich nicht machen, wenn eure Gesinnung nicht 45 in die Latrine geworfen worden wäre!

Antworten Gast: Get
12.07.2012 16:52
1 0

Re: Auch wenn Ihr alle auch noch so herumtschentschts! Ich lass mir heute einen leckeren Kepab reichen!

Geh zumArzt du brauchst Behandlung.

Antworten Gast: tschetschenische.tschentschen
11.07.2012 20:31
2 0

Re: Auch wenn Ihr alle auch noch so herumtschentschts! Ich lass mir heute einen leckeren Kepab reichen!

hier ään noiär zungänbrächer:die tschetschenen tschentschen umanaunda

Antworten Antworten Gast: Gääähn
11.07.2012 22:04
1 0

Re: Re: Auch wenn Ihr alle auch noch so herumtschentschts! Ich lass mir heute einen leckeren Kepab reichen!

Luuuustiig

Antworten Antworten Antworten Gast: xxxx
11.07.2012 23:19
0 0

Re: Re: Re: Auch wenn Ihr alle auch noch so herumtschentschts! Ich lass mir heute einen leckeren Kepab reichen!

Ha!
Ha!
Ha!
Ur
Lustig!

Antworten Gast: FNC
11.07.2012 20:28
5 0

Re: Auch wenn Ihr alle auch noch so herumtschentschts! Ich lass mir heute einen leckeren Kepab reichen!

Wir danken für diesen geradezu akademischen Kommentar, der Ihren ganzen Intellekt offenbart :-))

Re: Re: Auch wenn Ihr alle auch noch so herumtschentschts! Ich lass mir heute einen leckeren Kepab reichen!

Die "Rotfront" hat halt noch nicht kapiert, daß der Kebab nicht von den Bosniern kommt.
Aber egal-Hauptsache provozieren.

Gast: iowaea
11.07.2012 18:40
1 0

österreich

österreich ist vor allem das tollste land der welt.was tun die leute nicht,dass sie hier bei uns leben dürfen.jeder will zu uns kommen.das macht einen richtig stolz!tu felix austria!

Gast: Österreicher
11.07.2012 18:01
11 1

Die Österreicher wollen die Bosnier auf Dauer nicht im Land haben.

Sie wurden als Gäste auf Zeit wegen des Krieges akzeptiert aber jetzt ist ihre Rückreise längst überfällig - nämlich von allen.
So schauts aus.

Antworten Gast: Bosnier
07.08.2012 15:38
0 0

Re: Die Österreicher wollen die Bosnier auf Dauer nicht im Land haben.

Sie spinnen eindeutig...Das heisst kaempft mal fuer uns schoen. Und nach paar Jahren heisst es verschwindet? Ihr seit nicht mehr von nutzen?

Sie spinnen eindeutig, schnell mal den Psychologen kontaktieren.

Antworten Antworten Gast: österreich ist schön
12.08.2012 23:16
0 0

Ohne dem Vorposter zustimmen zu wollen -aber Asyl ist an sich ein Recht auf Zeit

und muss nur so lange gewährt werden wie die Lage in der Heimat der Flüchtlinge unsicher ist. Österreich war immerhin so großzügig (im Unterschied zB zur Schweiz), Kriegsflüchtlingen unbefristetes Asyl zu gewähren. Ich würde auch mal gerne ein Dankeschön lesen

Antworten Gast: Papa Schlumpf
11.07.2012 18:57
2 2

Re: Die Österreicher wollen die Bosnier auf Dauer nicht im Land haben.

Die sind seit 17 Jahren hier. Na was glaubst welche Staatsbürgerschaft die wohl verständlicherweise haben?
Die australische?

Antworten Antworten Gast: FNC
11.07.2012 20:29
1 3

Re: Re: Die Österreicher wollen die Bosnier auf Dauer nicht im Land haben.

Australische? Ist Österreich leicht das Land der Beuteltiere? Du meinst wohl austrianische!

Gast: total crash
11.07.2012 16:45
8 0

Im Einklang,

Presseförderung empfangende Medien und korrupte österr. Politiker (Genderneutral):

Alles Paletti, die nächste Wahl steht vor der Tür,also müssen sie sich um eben dieses Wählerpotential mit Schleimen und Kriechen um deren Wähler Stimmen kümmern,weil dann können`s alle zusammen so weiter besch ups machen und allen Korruptlern geht`s weiterhin gut,auf Kosten der Arbeiter und Steuerzahler;o(

Leitl`n, sad`s ned so dappat und geht diesen Österreich-Verleumder auf den Leim!!!!

Gast: Mein Problem sind die Religionen schlechthin...
11.07.2012 16:21
1 15

Die kath. Kirche ist um nichts besser als der Islam!

Wichtig ist die Freiheit, des kritischen Denkens zu ihr, Kunst als Chance der Aufarbeitung und Darstellung, versuche die Freiheit der Kunst einzuschränken gibt es von beiden Seiten, der Papst und die Zeitschrift Titanic zeigt, wohin es gehen könnte, wenn CDU Politiker fordern derartigen Menschen die Lizenz des Schreibens zu entziehen.

Der entscheidender Punkt ist, wie geht eine Religion mit der Freiheit der Kunst um, eine Freiheit die Österreich zu den wirtschaftsstärksten Staaten der Welt (pro Kopf) machte, und einer der größten Kultur und Kunstsammlungen der Welt besitzt.

Und ich erlaube mir an dieser Stelle all jene den Spiegel vor das Gesicht zu halten die so sehr gegen den Islam schreien, wer war es den der Thomas Bernhard am liebsten mit nassen Fetzen aus Österreich vertreiben wollte als er noch lebte, bekanntlich sind nur tote Künstler gute Österreicher, heute ist er fast Nationalheiliger, negative Kritik kommt fast einem Staatsverbrechen gleich!

Re: Die kath. Kirche ist um nichts besser als der Islam!

Wenn Sie den Unterschied wirklich nicht erkennen, nicht erleben/spüren, fahren Sie z.B. nach Afghanistan und verkünden dort Ihre Wünsche. Werfen Sie dort dem Islam vor, was Sie hier der Kath. Kirche und dem Islam vorwerfen.
Gute Reise.
P.S.:
Das Beste ist: Sie brauchen nur ein Oneway-Ticket.

Antworten Gast: FNC
11.07.2012 16:47
2 0

Re: Die kath. Kirche ist um nichts besser als der Islam!

Also du bist hier in der falschen Rubrik, du redest dauernd über die Freiheit der Kunst, das hat mit dem Thema (siehe Titel) nichts zu tun.

Schaut nach Mali !

Oder nach Teheran, oder Bagdad oder Afghanistan......so viel zu der lächerlichen Aussage, dass der Islam andere Menschen achte.........Manipulation PUR !

Antworten Gast: FNC
11.07.2012 16:48
1 1

Re: Schaut nach Mali !

Manipuliert werden wir alle und überall. Die meisten merken es bloß nicht :-))

Antworten Gast: Das war eine Straftat!
11.07.2012 16:27
0 3

Re: Schaut nach Mali !

Das war eine Straftat, und dafür hat sich inzwischen der Internationale Strafgerichtshof zuständig erklärt, dort werden sich auch die Täter zu verantworten haben, die Mühlen arbeiten zwar langsam dafür aber stetig und erfolgreich!

(Obwohl mich noch immer stört das die islamische Welt selbst nicht aufgeschrieen hat, wegen der Zerstörung ihrer eigenen Kultur!)

Antworten Antworten Gast: Märchentante
11.07.2012 20:15
3 0

Re: Re: Schaut nach Mali !

Guter Witz! Mali, Irak, Afghanistan usw. zittern schon ...

6 1

Wie schön es ist, nach den Regeln des Islam zu leben, wird hierzulande immer noch verkannt.

Ein sachtes Annähern und kennenlernen würde beiden Seiten zum Nutzen sein.
http://www.igfm.de/Irak-Frauen-durch-gerichtlich-angeordnete-Jungfrauentests-gedem.3230.0.html

 
12 3 4