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Rassismus: Das Vorurteil als täglicher Begleiter

31.07.2012 | 16:09 |  von ANIA HAAR (Die Presse)

Vorurteile dienen unter anderem dazu, das Verhalten anderer im Vorhinein einzuschätzen. Durch sie ergeben sich aber auch Gefahren – und das nicht nur, wenn sie in einem negativen Kontext verwendet werden.

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Wien. „Zugespitzt gesagt, sind Vorurteile für einen Menschen lebensnotwendig“, sagt Helga Amesberger, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Wiener Instituts für Konfliktforschung. Wenn man etwa über die Straße geht, geht man davon aus, dass sich die anderen Verkehrsteilnehmer den Regeln entsprechend verhalten. Aber letztlich weiß man nicht, ob sie es tatsächlich tun – daher ist es ein Vorurteil.

„Problematisch wird es, wenn das Vorurteil mit Abwertungen einhergeht, wenn das Eigene höher als das Andere gestellt wird“, sagt Amesberger. „Und wenn die vermeintlichen Eigenschaften der anderen von Natur aus, oder kulturbedingt gegeben, also als unveränderlich gesehen werden.“ Vorurteile zeichnen sich dadurch aus, dass Menschen zu homogenen Gruppen zusammengefasst werden, ohne jegliche Differenzierung. Zugeschriebene Eigenschaften treffen dann unterschiedslos auf alle Gruppenmitglieder zu.

Ein Beispiel dafür ist etwa die Verbindung von schwarzer Hautfarbe mit Drogendealen – und das kann direkte Folgen haben. „Wenn ein Polizist das glaubt, wird er sich auch entsprechend verhalten“, meint die Politikwissenschaftlerin, „und bei einer Kontrolle diesen Menschen genauer checken.“

Vorurteile sind ein Teil unserer Sozialisation, etwas lang Gewachsenes, sagt Amesberger. „Und viele Vorurteile sind uns nicht bewusst, so sehr sind sie Teil unserer Geschichte.“ Das Interessante dabei ist, dass die meisten rassistischen Bilder von Menschen zwei Seiten aufzeigen: eine positive Überhöhung und eine negative Abwertung. So liege demnach „Zigeunern“ und Schwarzen Musik und Tanz im Blut. Gleichzeitig werden sie als faul, naiv, betrügerisch stigmatisiert.

Transportvehikel Israelkritik

Aber es gibt auch Vorurteile, die subtiler auftreten. So wird etwa Kritik an der israelischen Politik gerne als Transportvehikel antisemitischer Ressentiments benutzt. „Ich erlebe es in vielen Diskussionen, wenn wir über die Benachteiligung von Minderheiten und den Rassismus in Österreich reden, dann kommt sehr schnell der Vergleich mit Israel: sie würden es mit den Palästinensern auch nicht anders machen“, sagt Amesberger.

Ähnlich verbreitet sei das Bild des „intellektuellen, gebildeten Juden“ der aber gerade durch seine „Schläue“ gefährlich erscheint. Es sind also bestimmte Bilder, die sich schnell dekodieren lassen – vorausgesetzt, das Wissen ist vorhanden. Einen Beitrag will das Buch „Kompetenz im Umgang mit Vorurteilen“, herausgegeben vom Sir-Peter-Ustinov-Institut, leisten. Primär für den Schulunterricht gedacht, beinhaltet die Publikation Tipps, Übungen und Abhilfen, etwa in Form rhetorischer Techniken oder Gegenargumentation.

Ein großes Problem dabei ist, dass auch im Zuge der antirassistischen Bildung und Aufklärung durch das wiederholte Aufzählen von Vorurteilen die Gefahr besteht, diese gleichzeitig zu tradieren und zu zementieren. Es ist also schwierig. Was laut Experten wie Amesberger hilft ist dennoch: „Bewusstsein schaffen, Bildung und sensibler Umgang.“

Psychischer Stress

Wenn rassistische Vorurteile nicht erkannt und reflektiert werden, bestimmen sie oft das Verhalten. „Es ist durch zahlreiche Studien erwiesen, dass die wiederholte Erfahrung von rassistisch motivierter Abwertung und Diskriminierung zu erhöhtem psychischen Stress führt und sich negativ auf die psychische Gesundheit auswirken kann, bis hin zu Depressionen und Angstzuständen“, sagt Leonore Lerch, Vorsitzende des Wiener Landesverbandes für Psychotherapie. „Rassistische Erfahrungen thematisieren alle Patienten mit Migrationshintergrund, die zu mir in die Praxis kommen.“

Auch wenn die Lebenssituationen dieser Menschen sehr komplex und unterschiedlich sind; manche Patienten sind in Österreich geboren und aufgewachsen, manche als Jugendliche oder Erwachsene nach Österreich gekommen – weil sie vor Krieg und Verfolgung fliehen mussten. Sind sie mit Vorurteilen konfrontiert, so können sie erneut traumatisiert werden.

„Es krankt die Gesellschaft“

„In der Psychotherapie ist es gerade bei Patienten, die von Rassismus betroffen sind, wichtig, sie in ihrem Selbstwert zu stärken, denn obwohl sie es sind, die unter Rassismuserfahrungen leiden, haben nicht sie das eigentliche Problem, sondern die, die aufgrund von Hautfarbe oder Herkunft diskriminieren.“ Die Psychotherapeutin ist sich sicher, dass es immer noch an Bewusstseinsbildung und Aufklärung fehle. „Es sind die Patienten, die leiden, aber im Grunde krankt die Gesellschaft.“

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48 Kommentare
 
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Gast: Störrisch....
07.08.2012 13:43
0 0

Vorurteile...

...na den Ösis dürfen wir die Vor-urteile nicht madig machen, weil wie könnte die dann diese so komplizierte Welt stupide in schwarz/weiß schubladisieren?

Eben...

Weniger Vorurteile und mehr Nachdenken über die eigene Person und entsprechende Erfahrungen wäre gut...

lebensnotwendig

„Zugespitzt gesagt, sind Vorurteile für einen Menschen lebensnotwendig“

trotzdem werden sie verkampft nahezu verboten :-)

Naja....

...bei dem, was sich in der Sphäre der Religion des Friedens und der Barmherzigkeit (zB. Syrien) so abspielt....

Gast: Anne
01.08.2012 16:15
3 0

Angeblich kein Vorteil haben

das ist schon ein Vorurteil !

Antworten Gast: Störrisch...
07.08.2012 13:44
0 0

Re: Angeblich kein Vorteil haben

..nein, das ist Selbstbetrug!

Gast: Na und?
01.08.2012 15:19
6 0

Wie schaut es mit dem importieren Rassismus aus?

Wenn die einen Einwanderer was gegen die anderen haben, sind dann die Österreicher dran schuld?

Wenn gleiche Straftaten unterschiedlich bewertet werden aufgrund des "kulturellen Hintergrundes" - ist da die Justiz gerecht?

Wenn diskutiert wird, ob und in welchem Umfang die Sharia in unser Recht ingetriert wird, ist Widerstand dagegen "schlecht"?

Man muß feststellen: Will man sein Gegenüber mundtot machen, greift man zur Rassismuskeule. Vernünftige Argumente können damit sofort aus der Welt geschafft werden!

Re: Wie schaut es mit dem importieren Rassismus aus?

Rassismus - belämpfende Rassismus-erzeugung :-)

ein Kreis schließt sich, wenn man den Feind seines Feindes blind einlädt und ermutigt

siehe Vorbild USA, Bandenkrieg etc

Gast: A.B.C.
01.08.2012 14:12
4 0

Ich habe Vorurteile gegenüber Marsmenschen

den das wäre im wahrsten Sinn ein unbegründetes Vorurteil, da ich diese nie kennengelernt habe.

Alles andere, kommt aus Erfahrungen die wir oder wer anderer immer wieder machen oder gemacht haben.

Nicht nur, dass Lebewesen sehr wohl zum Überleben die sogenannten "Vorurteile" - also eigene oder Fremde Erfahrungen zum Überleben brauchen, so wenig kann man Gefühle abschalten. Hier werden immer wieder Vorurteile (also Erwartungen sowohl positiver als negativer Art) mit unbegründeten Vorurteilen (Marsmenschen) vermischt. Wobei die zweite Gruppe garantiert nur einen Bruchteil ausmacht.

Außerdem ist es nicht ein Unterschied, ob ich etwa mit einem Diplomaten aus dem Land xy zu tun habe oder aber in Kreisen bin, wo ich diese Personen bloß als Dealer kennen lerne. Also auch das eigene Erleben spielt da mit und wie man sieht beide Seiten - ob die gute vom Diplomaten als auch die schlechte vom Dealer - stimmt und stimmt gleichzeitig nicht.


bitte ergänzen

http://www.dasbiber.at/content/wenn-ausl%C3%A4nder-ausl%C3%A4nder-hassen

"Bildung sensibilisiert" - hier ist wohl jemand auf die Bildungsphilister reingefallen - auch so ein kulturelles Vorurteil. Sind doch gerade die Gebildeten die größten kulturellen Autorassisten, die es gibt. Man lese nur im Stammblatt für Autorassisten = Standard - Kommentare unter den Artikeln zu Freiheitlichen, Volksmusik oder anderen "niedrigeren" Menschen.

Re: bitte ergänzen

Ethnischer Rassismus hier untereinander nennt sich dann Binnenrassimus (lt.Welt,DBR).

Re: Re: bitte ergänzen

Nur wenn man davon ausgeht, dass Steirer, Wiener usw... eigene Ethnien sind.

Autorassimus ist ja, wenn ein Österricher sagt, alle Österreicher sind dumm und damit eng gedacht sich mitmeint, da er ja selbst Österreicher ist. Deshalb sind die GrünInnen auch so grenzgenial schwachsinnig.

Gast: Störrisch...
01.08.2012 11:00
1 6

Der stumme Schrei nach Liebe bzw. Anerkennung...

Ich habe noch keinen einzigen zufriedenen Rassisten (bzw. Mensch mit vielen Vorurteilen)getroffen...alles arme, verwirrte, meist zu verbaler bzw. körperlicher Gewalt neigende zu bedauernde Wesen!

Rassisumus: Böses, Schwächen bzw. Unbekanntes im Selbst werden auf andere gespiegelt...also ein klassischer Fall von Selbstbetrug in Kombi mit Feigheit und Unwissheit...


*Positive und negative Vorurteile...

Vorurteile haben auch etwas mit Vorsicht und Erfahrungen zu tun (u.ist u.a. ein Prozess zur Urteilsbildung), leider auch gelegentlich mit Diskriminierung verbunden.

Manchmal hat es auch mit d.stereotypen Charakter eines Klischees zu tun, meist mit einem Körnchen Wahrheit einhergeleitet.

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Unverzichtbar

Vorurteile haben im Alltag den Charakter von Hypothesen, die durch Erfahrung bestätigt oder entkräftet werden können. Von vornherein sind Vorurteile weder „gut“ noch „böse“, wohl aber für das gesellschaftliche Zurechtkommen unverzichtbar. Vorurteile, wie in diesem Artikel, als verwerflich zu betrachten, ist selbst ein Vorurteil. Vorurteile zu verbieten ist zwecklos, sie können nur durch praktische Erfahrung aufgelöst werden. Werden sie allerdings durch Erfahrung bestätigt, verfestigen sie sich zum Urteil (z.B. fleißige Schwaben).

Re: Unverzichtbar

Irgenwie herzig, wie sie versuchen ihr absolutes nichtwissen in logische formulierungen zu verpacken. Aber wie die erfahrung lehrt: vorurteile werden sehr oft von generation zu generation weitergegeben. Intelligenz leider nicht.

Antworten Gast: Störrisch...
01.08.2012 11:26
1 6

Re: Unverzichtbar

Bitte um Beispiele dazu, welche (Vor-)Urteile (bitte nicht mit pers. Erfahrungen und daraus hoffentlich resultierender Weisheit verwechseln) nützlich und unverzichtbar sind?

Mir fallen keine ein...

Re: Re: Unverzichtbar

Vorurteile sind gesammelte Erfahrungen. Wenn jeder von uns vom Babyalter an alles von null an lernen müßte, wären wir arm dran. Unsere Stärke liegt darin, Vorurteile überprüfen und zu anderen Schlüssen kommen zu können.

Antworten Antworten Antworten Gast: Störrisch...
09.08.2012 16:32
0 0

Re: Re: Re: Unverzichtbar

Bitte benutzen Sie Ihr Wörterbuch...

Gesammelte Erfahrungen sind was anderes als Vorurteile, die haben nämich sehr selten was mit pers. Erfahrung zu tun.

Daher gibt es ja da auch unterschiedliche Wörter, weil nicht das gleiche!

Antworten Antworten Gast: Nurse Diesel
01.08.2012 11:47
0 0

Re: Re: Unverzichtbar

Lesen Sie von Theodore Dalrymple "In Praise of Prejudice", dann wissen Sie's.

Unverzichtbar

Vorurteile sind nichts anderes als Hypothesen, die durch Erfahrung bestätigt oder wiederlegt werden. In diesem Sinne haben sie im gesellschaftlichen Leben eine wichtige Funktion der Orientierung. Grundsätzlich sind sie weder gut noch böse. Vorurteile, wie in diesem Artikel, von vornherein als verwerflich einzustufen, ist selbst ein Vorurteil.

Antworten Gast: A.B.C.
01.08.2012 14:14
1 0

Re: Unverzichtbar

Ihre Darstellung ist sehr treffend.

Gast: Über die Natur
01.08.2012 08:37
5 1

Wo beginnt Rassismus?

Das ist doch schon von der Natur her gegeben und beginnt bei Mann und Frau, ein Mann kann keine Kinde gebären, ebensowenig wie Muttermilch geben, dagegen helfen auch alle Gleichberechtigungsgesetzte nichts!

Eine Frau tritt gegenüber einer Frau anders auf als eine Frau gegenüber einen Mann, und umgehrt detto, Biologisch und Hormonell bedingt.

Und wie es so schön heißt, zum streiten gehören zwei, ich hab sehr selten eine abfällige Bemerkung über Chinesische Einwanderer gehört, gehe sehr gern in einen auch Chinesisch Essen, wird immer freundlich und nett behandelt (klar gibt es Probleme, damit sollen sich die Zuständigen stellen beschäftigen, es gibt keinen Grund jetzt alles in einen Topf zu werfen...).

An dem Punkt würde ich ansetzten warum es zu gewissen Nationen größere und zu gewissen es eben weniger Probleme gibt, an der Hautfarbe kann es mal nicht liegen, an der Religion ebensowenig.

Antworten Gast: schlÄchter
01.08.2012 12:05
2 0

Re: Wo beginnt Rassismus?

sg über die natur!
noch ein kleiner nachtrag betreffend china/chinesen:
das unglaubliche selbstwertgefühl und der (durchaus berechtigte) stolz der chinesen ist übrigens ein gutes beispiel für diese thema.
alle nichchinesen sind in ihren augen barbaren und "fremde teufel". angesichts der jahrtausendealten kultur und masse des recihes der mitte durchaus nachvollziehbar.
würde mich interessieren wenn unsere westl. PC-und one-world/global village proponenten sich einmal damit auseinandersetzen würden - in zukunft werden wir das aber ohnehin viel deutlicher erfahren können/müssen.
auch im umgang mit anderen sich zusehends emanzipierenderen kulturräumen (islam, indien, lateinamerika...)

mfg
s.

Antworten Gast: schlÄchter
01.08.2012 10:28
4 0

Re: Wo beginnt Rassismus?

sg über die natur!
man kann noch weiter ausholen: "vorsicht" gegenüber fremden, unbekannten ist ein nötiger schutzmechanismus: wen lade ich zu mir ein, ist der "fremde", der unbekannte mir wohlgesonnen?
dem steht eine gastfreundschaft nicht als widerpart sondern als ergänzung gegenüber: ist der fremde wohlgesonnen oder gar hilfsbedürftig - man hilft ihm, weil jeder einmal fremd war oder hilflos und sich über hilfe freut.
"rassimsus" ist eine überzogene angst oder ein pauschalurteil-man wirft alle fremden - alle anderen in einen topf, wertet besußt überzogen und abfällig anhand äußerer merkmale oder einer bestimmten gruppenzugehörigkeit.
das kann in schlechten erfahrungen mit eben anderen liegen oder auch in einer eigenen minderwertigkeit (selbsterhöhung ist nötig) oder im absichern von privilegien.

was macht den anderen fremd. in erster linie wohl sprache, religion, tradition - also die kultur und auch meist kommt das aussehen dazu.

rassimsu gibt überall auf der welt-er gehört zum menschen - wie dargestellt. man möge eben auch bedenken-dass gerade einwanderer sehr an ihrer kultur hängen, weil es teil der selbstdeffinition, des selbstwertes ist. da gilt es dann eben abzwägen: bin ich bereit meine eigenen kultur in inkompatiblen bereichen aufzugeben wenn ich in eine andere eintrete oder will ich die andere fremde kultur zugunsten meiner verdrängen (zb weiße in amerika oder auch chinesen in singapur, türken in anatolien usw.)
mfg
s.


Antworten Gast: Störrisch...
01.08.2012 10:13
0 4

Re: Wo beginnt Rassismus?

...meiner Meinung nach beginnt er dort (wie auch im Artikel erwähnt) mit Erhöhung oder Abwertung.

Vergleiche ( Menschen untereinander) bringen zu 99% eine Illusion von Unter oder Überlegenheit....die einen von der Realität trennen!

Re: Wo beginnt Rassismus?

Der genetische Unterschied heißt
XX versus XY.
Wie wollen wir damit umgehen?

 
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