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Wiener Juden: „Traurig, dass Antisemitismus noch Thema ist“

11.09.2012 | 15:13 |  Von Ida Labudovic (DiePresse.com)

Nach der Beschimpfung eines Rabbiners hörte sich „Die Presse“ in der jüdischen Gemeinde Wiens um. Kritik gibt es nicht nur an Österreich, sondern auch an Israel.

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Kürzlich sorgte die antisemitische Beschimpfung eines Rabbiners in Wiens Innenstadt für eine hitzige Debatte. Die Frage, die unausgesprochen im Zentrum stand, lautete: Wie lebt es sich eigentlich als Jude in Österreich? „Die Presse“ fragte nach.

Nach Auskunft der israelischen Botschaft in Wien leben etwa 1000 Israelis und zehnmal so viele Menschen jüdischen Glaubens in Österreich. Einer davon ist  Jehuda Levi (Name von der Red. geändert). Seine Eltern sind Ende der 1920er-Jahre von Russland nach Israel ausgewandert. Levi kam vor vierzig Jahren nach Wien, um Medizin zu studieren. Als Ärztlicher Direktor eines Spitals ging er hier auch in Pension.

„Damals war Wien eine schlafende Stadt“, sagt er, „inzwischen ist es eine herrliche internationale Stadt geworden.“ Am Anfang war die Stadt für Levi nicht so einladend, und die Beziehung zu den Menschen nicht immer einfach. Seine erste Vermieterin nannte ihn einen „Orientalen“, ein Kollege in der Arbeit „Spion“: „Wegen meines Akzentes merkt man auch heute, dass ich nicht aus Ottakring komme.“ Als Student war Levi Fremdenführer in Wien und Salzburg. Mit seinem selbstkritischen Humor und unzähligen Anekdoten hat er sich hier viele Freunde geschaffen.

Sowohl in Österreich als auch in Israel ist er sehr gern. Was ihn aber hier stört, ist die fehlende Sensibilität: „Es ist traurig, dass Antisemitismus noch immer ein Thema ist.“

Zu Israel hat Levi seine eigene Meinung. „Die Radikalisierung, sowohl die politische als auch die religiöse, finde ich nicht gut.“ Er bezeichnet sich selbst als säkularen Juden, am Versöhnungstag Jom Kippur wird er aber fasten: „Ich habe es meiner Großmutter versprochen.“

Wendepunkt: Vranitzkys Rede

Eines der wichtigsten Ereignisse nach der Gründung des Staates Israel  war für die jüdische Gemeinde Wiens die Überreichung des Beglaubigungsschreibens des Botschafters des Staates Israel in Österreich (September 1959). Um die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnisse mit Israel zu fördern, wurden Vertretungen verschiedener zionistischer Vereine eröffnet, wie z. B. Keren Hajessod – die zentrale Organisation der Spendensammlungen für Israel, Keren Kajemeth – der jüdische Nationalfonds oder Wizo –  die zionistische Frauenorganisation.

Im Juni 1993 hat Franz Vranitzky Israel besucht und dabei in seiner Rede die „moralische Verantwortung“ anerkannt, „weil viele Österreicher den Anschluss begrüßten, das Naziregime unterstützten und bei seinem Funktionieren halfen“. Gleichzeitig hat Vranitzky um Verzeihung jener gebeten, die entweder überlebt haben oder zu den Nachfahren der Opfer gehören. Der Besuch gilt als Beginn eines neuen Kapitels in den bilateralen Beziehungen zwischen Österreich und Israel.

Das Stammlokal vieler Israelis in Wien ist „Maschu, Maschu“, auf Hebräisch bedeutet es „etwas, etwas“. Damit ist etwas ganz Besonderes gemeint. Die Leibspeise vieler Israelis ist Falafel. Und das „Maschu, Maschu“ macht – angeblich – die besten der Stadt. Zu den Stammkunden gehört Eric Lary, ein Jazzmusiker, dessen Vorfahren aus dem Irak nach Israel gekommen sind. Schon als Kind hat er begonnen, Gitarre zu spielen, Jazz ist seine Liebe geworden: „Jazz kommt als Finale. Es ist nicht einfach, Jazz zu spielen, er vereinigt alle Musikrichtungen in sich.“

Nach Wien kam er Ende der 1980er-Jahre und begann als Straßenmusiker. Heute tritt Lary in verschiedenen Lokalen auf, wo er auch mit seiner Band „Origoquartet“ spielt. Wichtig für seine Karriere nennt er die CD „Jerusalem of Gold“ mit israelischer Folkmusik, die er verjazzt hat. Jedes Jahr am Jerusalem-Tag kann man seine Musik auf dem Judenplatz hören. Als religiös bezeichnet er sich aber nicht. „Ich glaube an Menschen und habe Kontakte mit allen, die gut sind. Das Einzige, in dem ich sehr traditionell bin, ist die Musik.“

Eine andere Einstellung hat Sarah Schwarz (Name von der Red. geändert): Für sie ist die Religion ein Lebensweg. Die kommenden Feiertage wird sie mit ihrer Familie und Freunden bei feierlichen Mahlzeiten und in der Synagoge verbringen. Ursprünglich stammt ihre Familie aus den USA. Sie ist vor wenigen Jahren nach Wien gekommen, mit ihrem Mann, einem Österreicher, den sie im Kibbuz kennengelernt hat. Die ersten Eindrücke, die die junge Pädagogin von ihrer neuen Heimat mitbekommen hat, waren „Bilder und Filme, die mit dem Holocaust verbunden waren“. Auch Beschimpfungen wie „Du gehörst nach Auschwitz“ hat sie schon erlebt. Trotzdem hat sie die Stadt gern. Was sie an Wien vermisst, ist mehr Hilfsbereitschaft.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.09.2012)

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69 Kommentare
 
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Inszenierungen...Irritationen

Billiger Polit-Aktionismus... und ein Plakat vor die Kamera halten. Manchmal gerät es auch zur Lächerlichkeit und bewirkt genau das Gegenteil, wenn man die Aufbauscherei (u.polit.Opportunismus)durchschaut.

Irgendwer muss ja verdächtigt werden, gut für den Parteien Hickhack (inkl.bewusster Irritationen).

Was vergessen od. verdrängt wird: bekanntlich bzw. zugegebenermaßen gibt es zwar eher verdeckten/versteckten Antisemitismus im linken, sozialistischen Spektrum, aber immerhin. U.a. die Wissenschaftler S. Salzborn und S. Voigt bestätigen diesen Zusammenhang bzw.Problem bei den Linken.
Irritationen überall.

Gast: Wahabit_semit
12.09.2012 20:30
2 0

Komisch nur dass die USA und die EU als engen Verbündeten

das einzige Land der Welt haben wo Juden die Einreise verboten ist.

Udn wo jüdische oder christliche Agitation streng verboten ist.

Es handelt sich um Saudi-arabien.

Unsere früher Justizministerin ist Letiererin eines Institutes von ebendiesem Land.

Dass dort das antisemtischste Regime der Jetztzeit herrscht scheint niemand zu stören.

DIe US-Regierung und BRD rüsten dieses Regime das vor Menschenrechtsverletzungen und Rückständigkeit nur so strotzt kräftig auf.

Wenn es denen um "Bekämpfung des Antisemitismus" geht, sollten sie endlich was gegen das rigideste islamische Regime, den Wahhabbiten, unternehmen.

Das ganze hzeigt dass es nicht um "Antisemitismus" geht, sondern um Stimmungsmache und eine Industrie die leben muss...

PS: dieses streng antisemitische Land besteht ebenfalls aus "Semiten" nämlich semitensprachigen Menschen.

Was zeigt welche Heuchelei mit diesem Begriff veranstaltet wird...

Reicht's irgendwann?

Ich hab's ja schon lächerlich genug gefunden, dass über die Beschimpfung einer Person ein Zeitungsartikel verfasst wird. Aber jetzt sind's dann bald fünf!
Ich würd einmal einen Artikel über einen katholischen Pfarrer schreiben, der beschimpft worden ist, oder gibt's da keinen, wie?
Die Wahrheit ist, dass darüber berichtet wird, weil er Jude ist. Weil das schockiert. Weil es so einen schönen Flair von Antisemitismus hat. Das wollen die Leser.
Hilter sells. Wieder und wieder.

Antworten Gast: Gast 0000
13.09.2012 08:46
0 2

Re: Reicht's irgendwann?

Gehen sie mal in sich - Sie haben offenbar grundsätzlich eine komplett andere Sicht der Geschichte und eine eklatante Wissenslücke noch dazu... Mehr ist zu diesem Kommentar nicht zu sagen - er spricht für sich selbst...

Gast: gast11
12.09.2012 17:39
3 3

ich bin a) anti-faschist, b) israel-kritiker und c) atheist

a) weil ich überzeugt bin, dass jeder mensch so wertvoll ist wie der nächste
b) weil ich glaube, dass man sich mit seinen nachbarn aussöhnen - oder wenigstens arrangieren sollte und
c) weil die bibel fiktion ist und der "glaube" lediglich der machtausübung dient.

abgesehen davon glaube ich, dass 90% der anti-semiten gar nicht wissen, wer die semiten sind!

Antworten Gast: Konservativer
12.09.2012 20:15
2 2

Re: ich bin a) anti-faschist, b) israel-kritiker und c) atheist

"b) weil ich glaube, dass man sich mit seinen nachbarn aussöhnen - oder wenigstens arrangieren sollte und "

Mit der Hamas aussöhnen.

Alles klar.

Ahnungslosigkeit Ihrerseits glasklar offengelegt, danke.

Re: Re: ich bin a) anti-faschist, b) israel-kritiker und c) atheist

Die Geister die ich rief
"1979 erlaubte Israel die Al-Mudschama und weitere lokale Ableger dieser Gruppe. In den 1980er Jahren sollen israelische Behörden den Aufstieg der Islamisten im Gazastreifen als Gegengewicht zur Fatah aktiv gefördert haben. Dies wurde in Israel in den 1990er Jahren öffentlich diskutiert.[24]"
aus wikipedia

Re: Re: ich bin a) anti-faschist, b) israel-kritiker und c) atheist

Solange ein Nachbar mit der totalen Vernichtung bedroht wird,gibt es keine Aussöhnung!

Gast: ObiwanKenobi g'schpritzt
12.09.2012 13:57
11 1

Was steckt dahinter,

...dass wir wieder im Vreschi... stecken? Als ganze Nation von angeblichen Antisemiten nämlich. Da ist es ganz egal, dass der Delinquent eigentlich ein Grieche oder wasweißichwas war.

Brauchen die Sozial"demokraten" wieder einen Boost aus NY für die kommenden NR Wahlen?

Hatten wir alles schon.

Hier steht überhaupt nix dergleichen!

Also ich empfehle dringend Artikel auch zu lesen, bevor man sie kommentiert.

Antworten Antworten Gast: Najanajanaja...
12.09.2012 21:33
1 0

Tassen im Schrank...sicher...

...aber nicht alle.

Lesen Sie die vorhergehenden Artikel, dann wissen Sie Bescheid.

Gast: Na geh...schon wieder Zensur...
12.09.2012 13:53
6 6

Dabei hab ich ja gar nix g'macht...

Wenn man lieb gehabt werden will, sollte man eben auch lieb zu anderen sein. das gilt für alle Rassen, Konfessionen, Länder und Hautfarben.

Antisemitismus ist so dumm, wie jeder Rassismus. Aber ist es wirklich Rassismus? Es ist ja aber gar keine Rasse, sondern eine Religion.

Die mosaische Glaubensgemeinschaft kennt die Vergebung nicht.

In der Volksschule schon lernen wir vom "bösen Pharao", der mit den sieben Plagen abgestraft wird. (Heuschrecken, Tod aller Erstgeborenen, etc.)

Dann lernen wir von David und Goliath. David, der mutige hebräische Hirtenbub (später ein ebenso toller König) und sein feind Feind, der Riese Goliath...ein Philister. Wissen Sie, was Philister heißt? Das heißt Palästinenser. (arab. El Philstini)

Bis heute liegen die Hebräer mit dem Pharao und Golitah im Clinch...seit über 3000 Jahren. Der Pharao und Goliath sind übrigens auch Semiten. Also, wer sich am Rapidplatz als Antisemit äußert, der ist auch gegen den Pharao und Goliath. (Ich hoffe, die Fussballrowdies wissen das!)

Es gibt kein Vergessen, kein Vergeben. Immer wird lamentiert und geklagt. Wenn man aber die Kindeskindeskindeskindeskindeskindeskinder immer noch zur Verantwortung ziehen und zur Kasse bitten will, dann darf man sich nicht wundern, wenn man nicht lieb gehabt wird.

Antworten Gast: Konservativer
12.09.2012 20:18
2 3

Re: Dabei hab ich ja gar nix g'macht...

"Die mosaische Glaubensgemeinschaft kennt die Vergebung nicht."

Vergebung von Kapitalverbrechen ist auch nur etwas für unterwürfige Schwächlinge, Feiglinge und eingerauchte Gutmenschen. Mit Verlaub.

Wenn ein Terrorist meine Familie auslöscht, dann vergebe ich ihm NIEMALS. Und wer das tut, hat keine Ehre.

Re: Dabei hab ich ja gar nix g'macht...

erschreckend ihre religionslehrer, bzwdas ergebnis

9 3

Beschimpfung

Rabbiner kommt zum Polizei-Kommandant: Die Fußball-Fans haben mich mit den Worten "....." und "...." beschimpft.

Polizei-Kommandant: Wer war das denn?

Rabbiner: Einer von den Fußball-Fans.

Polizei-Kommandant: "Na hörns, heut ist Fußball, hier sind hunderte Fußball-Fans unterwegs."

Rabbiner: Ist beleidigt und wendet sich an die Medien.

Antworten Gast: Gast 0000
13.09.2012 09:15
0 2

Re: Beschimpfung

... kann es sein, daß Sie daraus eine Art "lustige Doppelconférence" machen wollen?
Widerwärtigst.

Oder so:

"Herr Polizist, mich hat jemand beschimpft."

"Ja?"

"Ja."

"Ja, und?"

"Ja, nehmen's ihn fest, verhaften's ihn, sperrn's ihn ein!"

"Gehn's weiter."

Gast: saciperere
12.09.2012 11:19
12 2

Das Problem ist, dass man Sympathie und Freundschaft nicht anordnen kann

Das muss man sich erarbeiten, und es kann nicht verlangt werden. Man schafft sich einen echten Freund nicht, indem man beim geringsten Anlass und auch berechtigter Kritik sofort "Antisemitismus" schreit

Gast: Bruder Kain
12.09.2012 10:59
10 3

Wenn man "Antisemitismus" erst mit der Lupe suchen muss,,

dann ist das für manche ein Grund zur Traurigkeit, oder wie??

Antworten Gast: bruder abel
12.09.2012 11:20
1 8

gehnS mal auf ein rapidspiel

da gibts genug antisemitismus...ist aber egal, weil "heit is eh fußboi"

Gast: asdasd
12.09.2012 10:50
5 0

Nach der behaupteten Beschimpfung müsste es heissen, oder?


15 1

War....

der Urheber der Bechimpfungen nicht ein Grieche?

Vielleicht sollte sich „Die Presse“ in der jüdischen Gemeinde Athens umhören und fragen, ob sie lieber in Griechenland oder in Österreich leben wollen, ich bin sicher, die Antworten würden recht eindeutig ausfallen....

Antworten Gast: morten
12.09.2012 11:21
0 0

VERMUTLICH

war es ein deutscher, aber paok anhänger

Gast: smilefile
12.09.2012 09:41
5 0

Hm,....


Die Kulturgemeinde,-....und damit Hr. Deutsch, will von sich reden hören,....

Die Kulturgemeinde ist ein Privatverein!

Der Sprengel der Israelitischen Kulturgemeinde Wien umfaßt:
- die Bundesländer Wien und Niederösterreich, im Bundesland Burgenland: die politischen Bezirke Oberpullendorf, Mattersburg, Eisenstadt und Neusiedl am See, sowie die Freistädte Eisenstadt und Rust. Die Kulturgemeinde hat ihren Sitz in Wien.

Kulturgemeindeverband sind die Kulturgemeinde und alle Vereine, Stiftungen und Gesellschaften im weitesten Sinne, die von der Kulturgemeinde kontrolliert werden

Gast: Geschichte
12.09.2012 08:48
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Warum wollen manche die Geschichte auf einen Punkt beschränken?

Kolonialzeiten ( verschiedene europäische Staaten ), Verbrechen der USA gegen die Indianer, kommunistischer Terror in Osteuropa ( na welche Leute waren da in den Führungspositionen? ), ... Alles interessante Themen die aber totgeschwiegen werden.

Und was geschieht in der Gegenwart so? Fortschreitende Diktatur der Finanzmafia, Ausbeutung der Massen, ausgehend vor allem von diversen Familienclans.

Da muss man sich schon sehr beherrschen um klaren Kopf zu behalten und nicht alle in einen Topf zu schmeissen.

 
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