Bevor eine polnische katholische Hochzeit gefeiert werden kann, muss gelernt werden. Der „Kurs przedmałżeński“ (Vor-Ehe-Kurs) ist verpflichtend. „30 bis 40 Personen nehmen daran teil“, sagt Pater Jan Kaczmarek aus der Ordensgemeinschaft der Resurrektionisten in Wien, „über sieben bis acht Wochen lang, jeweils an einem Abend in der Woche, wird auf das Sakrament der Ehe vorbereitet.“ Im Kurs geht es in erster Linie um die theologisch-biblische Bedeutung der Ehe, in zweiter Linie um die psychologische Komponente und Sexualität. Ist der Kurs absolviert, muss das künftige Ehepaar zur Beratungsstelle für natürliche Empfängnisregulierung. Danach wird ein Trauungsprotokoll angefertigt.
All das haben Anna Stańko und Raul Eitel bereits hinter sich, allerdings interkonfessionell. Warum sie sich für eine polnische Hochzeit und keine österreichische entschieden haben, erklärt Anna mit drei Worten: „Zu wenig Essen.“ Bei polnischen Hochzeiten gibt es neben dem großzügigen Mittagessen noch drei weitere warme Mahlzeiten und eine ganze Menge traditioneller Speisen: „śledzik“ (Matjes) und „ogórki“ (saure Gurken), aber auch viel Wodka.
Es gibt aber noch andere Gründe, warum das Brautpaar in knapp vier Wochen eine polnische katholische Hochzeit feiern wird. „Es wird anders gefeiert“, sagt Stańko, „zwei Tage lang.“ Die Hochzeitsfeier findet nach der kirchlichen Trauung statt und dauert oft bis zum nächsten Morgen. Am darauffolgenden Tag wird weitergefeiert. So soll es sein, denken viele Polen in Österreich. Allerdings: Häufig heiraten sie dann nicht in Österreich, sondern fahren zur Hochzeit lieber nach Polen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.07.2010)

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