Nachtleben: Die serbische Szene in Ottakring

17.05.2011 | 18:18 |  von Ida Labudović und Saša Miletić (Die Presse)

Die Ottakringer Straße ist das Zentrum des serbischen Nachtlebens in Wien. Jedes Wochenende sind es Hunderte Serben, die hier in den Discos und Clubs zu Turbo- und Popfolk schwitzen.

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Wien. In seiner Begleitung zahlen die Damen nicht. Eine ungeschriebene Verhaltensregel, die Petar Knežević aus Serbien, dem Heimatland seiner Eltern, kennt. Mit seinem Kosenamen Peki vermittelt der gebürtige Österreicher den Eindruck eines sanften Machos. Die Zigarette in der einen, den iPod in der anderen Hand sitzt er in seinem Lokal „Pedit“ mit ein paar Freunden zusammen.

„Ich wollte, dass mein Lokal keinen typisch serbischen Namen wie Nena oder Vanesa trägt“, erzählt der Besitzer des Pubs, das sich auf der Ottakringer Straße in Gesellschaft dutzender ähnlicher Gaststätten befindet. Ein paar hundert Meter vom Gürtel entfernt findet man sein Kaffeehaus, auf Serbisch „kafić“ genannt. Ein Schild vor dem Lokal preist den berühmten serbischen Šljivovica an, einen Pflaumenschnaps, den Serben zu Hause selbst brennen. Gegenüber der Eingangstüre läuft auf einem Bildschirm eine Sendung mit serbischer Volksmusik.

 

Singen über unerfüllte Liebe

Heute gibt es im „Pedit“ zwei Anlässe zu feiern: Peki hat vor Kurzem in Belgrad ein eigenes Musikvideo aufgenommen. Und sein Bruder Gogi Knežević, Kampfname „Lionheart“, wurde Boxweltmeister in der Kategorie Mittelgewicht. „Wir haben die ganze Nacht hier den Sieg meines Bruders gefeiert“, sagt Peki. Gojko Knežević boxt nicht nur. Neben dem Sport widmet er sich auch der von der SPÖ initiierten „Aktion gegen Gewalt“.

Als nächstes zeigt Peki seinen eigenen Auftritt auf Video. In seinem Lied „Škorpija“ singt er über die unerfüllte Liebe: „Das gilt aber nicht für mein echtes Leben“, meint er lachend. „In Serbien haben die Gefühle eine große Bedeutung: Man freut sich sehr, und man leidet sehr. Eine Mittelmäßigkeit bei Gefühlen gibt es nicht.“ Diesen großen Gefühlen gilt die Musik, die Knežević macht und die er „Popfolk“ nennt. Es geht darum, Gefühle zu zeigen – und ihre Überdimensionalität zu unterstreichen.

Popfolk ist genau das: eine Mischung aus ex-jugoslawisch geprägter Popmusik, deren Wurzeln bis in die 1970er und 1980er reichen, und Anleihen aus dem Folk beziehungsweise der serbischen Volksmusik. Der Pop-Teil zeichnet sich vor allem durch moderne Produktionsweise, Beats und elektronische Instrumente aus, die Folk-Komponente schwingt in der Melodie mit. Und natürlich in den Themen, die in Popfolk-Liedern behandelt werden.

In besagtem „Škorpija“-Video etwa geht es um eine unglückliche Liebe, die durch die Natur der Liebenden verhindert wird, durch deren Sternzeichen. Das passt genau ins Konzept. Popfolk wird auch als Antwort auf Turbofolk verstanden – diese Musikrichtung vermischt ebenfalls Popelemente mit Volksmusik, das jedoch auf eine ästhetisch „brutale“ Art und Weise. Turbofolk ist dem Folk eigentlich auch näher, was den Klang betrifft.

 

Neue Serbische Welle

Songs wie „Škorpija“ kann man stellvertretend für eine neue Welle in der musikalischen Massenproduktion Serbiens und des gesamten Balkans sehen. In der Ottakringer Straße, der sogenannten Balkanmeile, wimmelt es von Postern der Szenestars, die diverse Clubs bespielen. Den Stadtteil prägen diese Musik und der Popfolk-Turbofolk-Lifestyle. Es ist eine charmante, trashige Atmosphäre. Die einen begeistert sie. Die anderen stößt sie ab.

Zwar steht diese Art der Massenkultur, wie sie in der Ottakringer Straße stattfindet, nicht stellvertretend für alle Migranten aus Serbien. Doch jedes Wochenende sind es Hunderte, die hier in den Discos und Clubs zu Turbo- und Popfolk schwitzen. In dieser Szene zeigt man einander, wie man sich fühlt, wie man ist. Und das ist nicht nur für die Serben typisch, sondern für die gesamte ex-jugoslawische Community.

 

Gefährliche Sportübertragungen

Kneževićs Eltern sind in den Siebzigerjahren nach Wien gekommen und haben mehrere Lokale eröffnet. Mit ihrer Unterstützung ist Petar seit seinem 18. Lebensjahr in der Gastronomie tätig. Seit etwas mehr als einem Jahr besitzt er mit seinem Bruder ein eigenes Lokal, in dem sich Freunde regelmäßig treffen. Karaoke-Abende finden am Freitag und am Samstag statt, „dann ist es so voll, dass die Leute vor der Tür stehen“, beschreibt Kneževićs Freund Bojan Ilić seine liebste Freizeitbeschäftigung.

„Seit immer schon“, erzählt er, kommt er mit seinem Freund Kristian Mijučić auf die Ottakringer Straße, „um zusammen zu sein, zu plaudern, zu feiern und einander zu helfen. Hier sind wir weg vom Alltag.“

Sie alle fühlen sich in der Ottakringer Straße sicher. „Die einzige Gefahr, dass hier etwas passiert, besteht während der Sportübertragungen“, sagt Ilić. „Wir feiern gerne unsere Siege, aber manchmal verlieren die Leute unter dem Einfluss von Alkohol ihre Kontrolle“, meint Mijučić. Abgesehen davon ist es friedlich. Das bestätigt auch eine Österreicherin, die das Lokal mittlerweile regelmäßig besucht: „Seitdem ich die Serben persönlich kennengelernt habe, habe ich keine Angst mehr, wie ich sie früher hatte.“

Auf einen Blick

Auf rund 300.000 wird die Zahl der Menschen mit serbischem Migrationshintergrund in Österreich geschätzt – inklusive der bereits Eingebürgerten. Der Großteil von ihnen lebt in Wien. Die serbische Szene ist besonders stark auf der Ottakringer Straße vertreten – aber auch die anderen ex-jugoslawischen Communitys sind hier mit Lokalen sehr präsent.

Szene und Musik: Besonders beliebt ist in der ex-jugoslawischen Community der „Turbofolk“, eine Musikrichtung, die sich Ende der 1970er-Jahre von Serbien aus entwickelte. Die Mischung aus traditioneller Volksmusik, Schlager, Rock, Pop und Techno war nach dem Zerfall Jugoslawiens lange mit den nationalistischen Bewegungen der Nachfolgestaaten verknüpft.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2011)

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22 Kommentare
Gast: begeisterter Bierbrauer
18.05.2011 14:21
1

wo bleibt mein Kommentar?

frequentiert der Zensor selbst die Astro-Ceca-Szene?

Gast: Ausländischer Birkenstock
18.05.2011 14:16
4

...

Ich habe 6 Jahre in einer Seitengasse der Ottakringerstraße gelebt, die Situation ist Ghettoid (daher sollten die die es nicht wissen bitte nichts dazu sagen). Jedes Wochenende spielen sich "Straßenschlachten" ab (ganz besonders wenn Fußballabend ist). Man fühlt sich nicht mehr wohl - ganz besonders als Frau hat man Schwierigkeiten wenn man bei den Lokalen vorbeigeht um z.b. Einzukaufen (ist nicht lustig wenn irgendwelche Ekel einem hinterherpfeiffen, hinterherrufen, dich anzüglich ansehen).

?

wie vertragen sich eigentlich die Türken mit den Serben im 16.Bezirk?
Kroaten sollen auch nicht wenige dort leben ...
eine recht interessante Mischung ...

Ist die Presse jetzt ein Bezirksblatt ?


Gast: SCP
18.05.2011 09:22
1

wusste gar nicht ...

..., dass Vanesa ein typisch serbischer Name ist. Wohl eher Vesna?

„Ich wollte, dass mein Lokal keinen typisch serbischen Namen wie Nena oder Vanesa trägt“

Gast: MiroL
18.05.2011 08:44
5

Ein vollkommen sinnloser Artikel

wurde offenbar nur geschrieben um die Seiten zu füllen

Re: Ein vollkommen sinnloser Artikel

du kannst ja was besser reinschreiben.

Re: Re: Ein vollkommen sinnloser Artikel

Wie bitte? Glauben Sie tatsächlich, daß jeder, der dazu Lust hat, in der "Presse" schreiben darf. Auch wenn man immer öfter diesen Eindruck hat, so stimmt es doch nicht.

Ein sinnloser Kommentar

Ihr Kommentar ist hier einfach überflüssig.

den letzten Satz haben's offensichtlich

nimmer g'schafft. Lesens den, dann wissens lles!

Gut zu wissen...

...welche Wohngegenden man meiden sollte ;-)

Besser Serben

als Leute aus einem EU-Beitrittsland welches gar nicht in Europa liegt.

Antworten Gast: Anthony
19.05.2011 00:13
0

Re: Besser Serben

...aber Zypern ist doch schon EU-Mitglied???

14

so sieht es dort auch aus.

kein wunder das die einheimische von dort wegziehen.
aber wieso wohnen dort keine rot/grünen politiker?

So ein blödsinn

Als würden die Einheimischen zu Ihnen kommen und sich bei Ihnen über die Serben aufregen.
Schreiben Sie keinen blödsinn.

Gast: xxxx
17.05.2011 23:36
24

Ottakringerstraße

Fein, dass sich Serben in der Ottakringerstraße wohlfühlen. Vielen Wienern geht es schon lange nicht mehr so.

Re: Ottakringerstraße

die wiener fühlen sich genau so wohl wie die serben

Schön

.

Re: Schön

Hauptsache, es haut sich niemand die Schädeln ein!

Re: Re: Schön

eh nicht, da wird gleich geschossen;
ps: mein voriges posting war ernstgemeint

Re: Re: Re: Schön

Gürtelnähe ist eine sehr feine Gegend...

Re: Re: Re: Schön

ist mir bewusst, hab's schon verstanden. in der Presse wird das aber sehr verniedlicht!

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