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Weihnachten: Wie Migranten feiern und was sie schenken

20.12.2011 | 18:27 |  ILONA ANTAL (Die Presse)

Sechs von zehn Menschen mit Migrationshintergrund feiern am 24. Dezember Weihnachten. Auch rund 15 Prozent der türkischen Community feiern mit. Die beliebtesten Geschenke sind Gutscheine, Bücher, CDs und Kleidung.

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Wien. „Bei meinem ersten Mal sind alle eingeschlafen“, erzählt Lev Smagin. Der 27-jährige gebürtige Russe jüdischer Abstammung hat sein erstes Weihnachtsfest erst vor fünf Jahren gefeiert. Immerhin: „Durch Filme hatte ich ungefähr eine Vorstellung, wie so ein Weihnachtsfest aussehen kann.“ Eine Bedeutung hatte das Fest für ihn bis dahin nicht gehabt.

Nicht, als er mit acht Jahren mit seiner Familie von Russland nach Deutschland ging, auch nicht während seines Studiums in Tel Aviv. Erst 2006, als er wegen seiner damaligen Freundin nach Wien zog, stand die erste Weihnachtsfeier an. Denn die gebürtige Polin legte großen Wert darauf, dass er mit ihrer Familie mitfeierte – für Smagin wurde es ein prägendes Erlebnis. Denn nach einem für alle ermüdenden Tag half die ganze Familie bei der Vorbereitung des Abendessens mit. Das Essen selbst verlief schnell und intensiv, zur Verdauung folgte ein Schnaps. Und als dann endlich die Bescherung anstand, schliefen sie mit den Geschenken im Schoß sehr bald ein.

Lev Smagin lernte an diesem Weihnachtsabend eine Tradition kennen, die er aus seiner alten Heimat nicht kannte. Denn in Russland wurde mit der Revolution im Jahr 1917 das christliche Weihnachtsfest abgeschafft. Bestimmte Bräuche und Symbole wurden einfach zum Neujahrsfest übernommen.

So wie Smagin geht es auch vielen anderen Migranten in Österreich. Gefeiert wird trotzdem. So ergab eine Online-Umfrage des Marktforschungsinstituts Ethnopinion, bei der rund 500 Personen mit Migrationshintergrund befragt wurden, dass sechs von zehn Migranten am 24.und 25.Dezember Weihnachten feiern. Rund 18Prozent begehen das Fest gemäß der orthodoxen Tradition am 6.Jänner. Vor allem bei Frauen ist das Weihnachtsfest beliebt: Mehr als die Hälfte der „neuen Österreicherinnen“ (65Prozent) feiern Weihnachten und beschenken ihre Freunde und Verwandten.

Und auch was die Herkunft angeht, gibt es teils unterschiedliche Ergebnisse. So feiern besonders gerne die Migranten aus Ex-Jugoslawien Weihnachten. Zu ihnen gehört auch die Familie Nikolic. Die serbische Familie lebt seit sechs Jahren in Wien. Und Weihnachten am 24.Dezember ist ein Fixtermin – vor allem wegen der drei Kinder. „Es war nicht immer lustig für uns, und deswegen soll es für die Kinder etwas Besonderes sein“, sagt Familienvater Zivica Nikolic. Dieses Jahr will er seinen Kindern eine Gitarre schenken. Sein eigentliches Weihnachtsfest wird er erst am 6.Jänner feiern, so wie es in Serbien üblich ist. Um Geschenke geht es dann aber weniger, sondern vor allem um das Abendessen. Ein österreichischer Freund bringt ein Ferkel vorbei, das seine Frau zubereitet.

Die Religion spielt natürlich eine große Rolle dabei, ob Menschen mit Migrationshintergrund Weihnachten feiern. So können die meisten Muslime mit dem Fest der Geburt Christi nicht sehr viel anfangen. Allerdings – auch in der türkischen Community wird nach der Umfrage von Ethnopinion Weihnachten gefeiert, wenn auch nur von rund 15Prozent.

Eine große Rolle spielen auch bei Migranten Geschenke. Laut einer Verbraucherumfrage von Ernst & Young wollen dieses Jahr Österreicher um die 250 bis 300 Euro für Geschenke ausgeben – bei den Migranten ist eine ähnlich hohe Summe vorgesehen. Dabei sind die Vorlieben der Beschenkten und der Beschenkenden zum Glück ziemlich ähnlich.

 

Gutscheine ja, Bargeld nein

Laut der Studie bekommen die „neuen Österreicher“ am liebsten Gutscheine (36Prozent) geschenkt. Über Bücher und CDs (31 Prozent), aber auch Kleidung (20 Prozent) und Schmuck (17Prozent) freuen sich Migranten ebenfalls. Als absolutes „No-go“ sehen sie hingegen Bargeld. Nur rund zwei Prozent wollen Euroscheine unter den Christbaum legen.

„Das ist alles nur eine Geldmacherei“, sagt Andrei Miu. Der gebürtige Rumäne, der seit 2004 mit seiner Familie in Österreich lebt, gehört zu den insgesamt zwölf Prozent der Migranten, die gar nicht feiern. „Anfangs haben wir noch Weihnachten gefeiert“, erzählt er. Doch der Zauber sei für ihn mit der Zeit und mit dem Alter zerfallen. Denn: „Da ist es nur mehr ums Beschenken gegangen.“

Auf einen Blick

Umfragen unter Migranten: Das Online-Marktforschungsinstitut meinungsraum.at, die interkulturelle Wiener Stadtzeitung „Biber“ und die PR-Agentur „The Skills Group“ gründeten 2010 das interkulturelle Marktforschungsinstitut Ethnopinion.

Aufgabe: Das Team betreut (bei Bedarf auch mehrsprachige) Studien- und Umfrageprojekte unter den in Österreich lebenden ethnischen Communitys.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.ethnopinion.net

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.12.2011)

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6 Kommentare

auf vielfachen Wunsch

*g*

Gast: Frohes Fest
21.12.2011 10:25
5 0

Ein interessanter Bericht

Jetzt wärs noch schön, wenn Teile der Migr.Communities auch über die Vielfalt an Traditionen und Brauchtum der nichtmigr. Bevölkerung informiert würden.

Aber Spaß beiseite - noch besser wäre es, man würde endlich aufhören, die Welt in Migranten und Nichtmigranten einzuteilen.
Es ist langsam absurd, wie die Begriffe "Migrant", "Migrationshintergrund" u.a. inflationär und fast brainwashmäßig eingesetzt werden.
Gehört das zur "Divide et Impera"-Taktik der von den Eliten kontrollierten Medien? Nur ja schön die Bevölkerung - nicht nur begrifflich- auseinanderdividieren und einen Scheingegensatz zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen kultivieren? Und das tut man dann unter dem pseudohumanistischen Deckmäntelchen der "Diversity"-Philosophie- Ein Rad, das übrigens neu erfunden wurde - als hätte es vor der Einführung dieses Begriffs in den New Speak keine Vielfalt gegeben.
Diversity gabs immer - nur jetzt wird sie von den Eliten hevorgehoben, ja kultisch erhöht, um offenbar - im kollekten Unterbewusstsein - Gegensätze am Leben zu erhalten und den Zusammenhalt der Bevölkerungsgruppen zu unterminieren (versuchen).

Daher: Vielfalt ist gut, gabs immer - aber braucht nicht extra herausgehoben zu werden - noch dazu, wenn die dahinter stehenden Motive fragwürdiger Natur sein könnten.

Gast: santaklausiscoming
21.12.2011 03:45
11 2

in favoriten

habens mit einer kleinen messerstecherei gefeiert

Gast: keterum kenseo
20.12.2011 23:59
5 0

Den Rumänen verstehe ich.

Wenn er in seine Kirche geht, dort zum Geburtstag Jesu Christi eine Kerze anzündet, hat er Weihnachten richtig gefeiert.

Gast: jou
20.12.2011 23:52
9 3

Weihnachten...

ist ein germanisches Fest (Wintersonnenwende)welches von den "Christen" okkupiert wurde und dann als solches über die Welt ging. Wen's interessiert (der nicht aus "unserem" Kulturkreis kommt ) der soll's mitmachen, wen's nicht interessiert, der soll's bleiben lassen...ob's irgendwelche"Migranten" interessiert, interessiert uns nicht und sonstige Jubelmeldungen über großzügige Zugeständnisse an uns von jeweiligen Zuwanderern könnt IHR (=Politruks und Systemmedien) sonstwo verstauen... ok ?

Wenn die Zeitungen nur schreiben würden,

was Sie interessiert, wären die Leser offensichtlich arm dran.