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Stadtbild: Denkmäler prägen Bild des „bösen Türken“

03.01.2012 | 16:27 |  von Milagros Martínez-Flener (Die Presse)

Den Belagerungen Wiens durch die Osmanen sind viele Denkmäler und Gedenktafeln gewidmet, mehr als anderen historischen Ereignissen. Forscher kritisieren, dass die Türken so als Feindbild einzementiert werden.

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Wien. „Die Schulkinder lernen viele Daten, in Erinnerung bleiben den meisten aber nur zwei: 1529 und 1683“, sagt Ernst Petritsch, Historiker am Österreichischen Haus-, Hof- und Staatsarchiv. Die Rede ist von den „Türkenbelagerungen“ Wiens. Dass die Belagerer eigentlich Osmanen waren, also aus einem Vielvölkerstaat stammten und bei Weitem nicht nur Türken waren, spiele keine Rolle. Schweden, Franzosen und Preußen konnten ihre Rolle als Feindbild bei den Österreichern längst ablegen, nicht aber die Türken.

Mehr als 200 Straßennamen, Gedenktafeln und Denkmäler erinnern die Wiener unentwegt an die osmanischen Belagerungen. Erinnerungen an andere historische Ereignisse gibt es in dieser Fülle nicht. Woher kommt dieses Ungleichgewicht? „Im Unterschied zu anderen Geschehnissen haben die Österreicher bei der Belagerung von 1683 zweifelsfrei einen Sieg gefeiert“, sagt Historikerin Maureen Healy vom Internationalen Forschungszentrum für Kulturwissenschaften an der Kunstuniversität Linz. Dass der polnische König Jan Sobieski die entscheidende Schlacht gewonnen hat, wird dabei häufig vergessen.

Die Türken als Bedrohung, und Siegesszenarien sind in der Politik gut einsetzbar, sagt Sozialanthropologe Johann Heiss. Zu diesem Thema hat er gemeinsam mit dem Historiker Johannes Feichtinger das Forschungsprojekt „Shifting Memories“ an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) durchgeführt. Ein Ergebnis war, dass die Türkendenkmäler im Laufe der Zeit instrumentalisiert wurden, um ein imaginiertes „Wir“ zu stärken und sich gleichzeitig gegen einen „Feind“ von außen abzugrenzen.

Diese Denkmäler werden heute von Wienern mit türkischem Migrationshintergrund auf unterschiedliche Art und Weise wahrgenommen. Für manche ist es eine emotionale Angelegenheit, sagt Silvia Dallinger, Mitglied des interdisziplinären Forschungsteams „Die Türken vor (und in) Wien“ an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. „So fühlen wir uns immer noch“, berichtete ihr eine Österreicherin mit türkischen Wurzeln beim Anblick der Capistrankanzel am Stephansdom, die den Geistlichen Giovanni da Capistrano triumphierend auf einem am Boden liegenden osmanischen Soldaten stehend zeigt.

Neue Zugänge in der Schule

Einige Wiener befürchten, dass diese Denkmäler eine historische Kontinuität mit den jetzigen Türken herstellen und aktuelle Feindbilder unbewusst mitprägen, ergänzt Dallinger. Einige Menschen türkischer Herkunft sehen die Denkmäler wiederum positiver: „Für manche sind diese Denkmäler ein Erinnerungszeichen dafür, wie groß und mächtig das damalige Osmanische Reich war“, berichtet Dallinger.

Ähnlich positiv deuten auch einige Kinder mit türkischem Migrationshintergrund die Belagerungen Wiens, wenn sie darüber in den Schulen lernen. „Aber das ist oft auch eine Reaktion auf Diskriminierungserfahrungen im Alltag, denen sie ausgesetzt sind“, sagt Johanna Witzeling, ebenso Doktorandin im ÖAW-Projektteam.

Dass das Thema der Belagerungen Wiens sensibel behandelt werden muss und Konfliktpotenzial bergen kann, zeigt sich auch darin, dass Schüler mit türkischem Migrationshintergrund teilweise mit negativen Zuschreibungen konfrontiert sind oder sich schuldig fühlen. Um diese Assoziationen zu verhindern, überlegen einige Lehrer, wie sie das Thema behandeln sollen, ohne dass sich die Kinder damit negativ identifizieren“, berichtet Witzeling. Ein Anfang wäre es schon, den Namen an die historischen Tatsachen anzupassen und statt von „Türkenbelagerungen“, von „Osmanischen Belagerungen“ zu reden.

Seite an Seite gekämpft

Die Vermischung der Türken mit den historischen Osmanen, die zahlreichen Denkmäler, wie etwa Kugeln von osmanischen Kanonen und die Tafeln, die von den zerstörten Häusern berichten, verstärken das Bild des „bösen Türken“, meinen die Forscher. Dass die Osmanen dagegen im Ersten Weltkrieg einst Seite an Seite mit Österreich kämpften, das sei längst vergessen.

Auf einen Blick
Projekt: „Die Türken vor (und in) Wien“. Zur Vermittlung und Vergegenwärtigung von Geschichtsbildern der ,osmanischen Bedrohung‘ in Österreich“ gibt es ein interdisziplinäres Dissertationsprojekt am Institut für Sozialanthropologie der ÖAW, das von den ÖAW-DOC-Team- Stipendiatinnen Silvia Dallinger, Judith Pfeifer und Johanna Witzeling durchgeführt wird. „Shifting Memories“ ist ein Projekt zur Erforschung der Vorgänge um die Errichtung jener Denkmäler, die an die „Türken“ (Osmanen) erinnern und das Bild der Türken mitprägen.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER
www.tuerkengedaechtnis.oeaw.ac.at

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164 Kommentare
 
1 2 3 4
Gast: Namegast
08.04.2012 16:29
0 0

Würde man diesen Abstrusen Aussagen Glauben schenken, könnte man das natürlich auch auf andere Denkmäler ausdehnen.

Vor ein einigen Jahrzenten gab es Österreich nicht. Dennoch gibt es in ganz Europa viele Denkmäler zu der damaligen Zeit.
Die müssen dann natürlich auch alle weg. Zumindest wenn man diesen Aussagen Glauben schenkt....

Gast: me myself
09.01.2012 10:42
0 2

genau so

Nach dem Durchlesen der Kommentare kann ich nur feststellen, dass es anscheinend dringend notwenig ist genau solche Forschungsprojekte zu forcieren. Das emotionalisierte Halb- oder besser Viertelwissen wird hier verteidigt ohne auch nur ein bissl auf die Inhalte des Artikels einzugehen. Oder gar ein wenig darüber nachzudenken....

Antworten Gast: and I
09.01.2012 12:53
1 1

Re: genau so

"Die Vermischung der Türken mit den historischen Osmanen"

Die "stolze" Vergangenheit der Osmanen hat nicht viel mit den heutigen Türken zu tun.

Die Heutigen Türken definieren sich erst seit "Atatürk" und seinen ethnischen Säuberungen.

Somit sollten diese Dankmäler welche eigentlich auf die Osmanen bezogen sind für Türken kein Problem darstellen.

Aber anscheinend bekommen sie in der Schule (Türkei?) etwas anderes eingetrichtert.

Kein Wunder dass diese unter einem Identitätsproblem leiden...

Gast: Himmelvatta
06.01.2012 10:50
8 0

Kennen wir doch schon!

In Afghanistan habens schon, in Ägypten wollens (Pyramiden und Sphinx) und bei uns werden sie wollen: Unwiderbringliche Denkmäler spr..en.gen.
Handlungsbedarf ist bei unseren "....." ein Frendwort. Also nur zu. Das wird viel Arbeit liebe Zúwanderer.
Wir bauen auf, sie zerstören. Die nächsten Generationen dürfen sich wirklich freuen, was wir ihnen hinterlassen.

Gast: Himmelvatta
06.01.2012 10:12
5 0

Das kennen wir!

In Afghanistan habens schon, in Ägypten wollens (Pyramiden und Sphinx) und bei uns werden sie wollen: Unwiderbringliche Denkmäler sprengen.
Handlungsbedarf ist bei unseren "....." ein Frendwort. Also nur zu. Das wird viel Arbett liebe Zúwanderer.
Wir bauenn auf, sie zerstören. Die nächsten Generationen dürfen sich wirklich freuen.

periskop
05.01.2012 08:31
13 0

Was für ein Historiker war denn da am Werk?

Keine Türken sondern Osmanen? Das Herrschergeschlecht der Osmanen stellte eine lange Reihe von Sultanen und stammte aus Anatolien. Türkischer als die Osmanen kann man gar nicht sein!

Die mit einem riesigen Geldbetrag gedungenen Polen unter König Sobieski tauchten erst am rechten Flügel des von Herzog Karl von Lothringen befehligten Entsatzheeres auf, nachdem die Schlacht schon 8 Stunden lang tobte. Sie wurden von den Türken zurückgeschlagen und stürzten sich dann auf das von Kampftruppen entblößte Feldlager der Türken, wo sie ungeheure Beute machten!

Wenn die Kaiserlichen und Reichstruppen am rechten Flügel nicht standgehalten hätten, bis sie vom siegreichen linken Flügel unterstützt werden konnten, hätte das schlimme Folgen gehabt!
Am nächsten Tag hat König Sobieski darauf bestanden, als Ranghöchster zuerst in die Stadt einziehen zu dürfen und hat sich dort als Sieger feiern lassen!

Der Kaiser war über das schmähliche Verhalten der Polen wütend und hat eine geplante Hochzeit deshalb abgesagt!

Antworten Arethas
05.01.2012 15:58
2 2

Re: Was für ein Historiker war denn da am Werk?

Natürlich kann man türkischer sein.

Mein ausführlicher Beitrag ist leider verschwunden, aber zB. die Großmutter des 1683 regierenden Herrschers war die Tochter eines griechisch-orthodoxen Priesters und hieß Anastasia, die Mutter von Bayezid I. war die "Valide Sultan" Gülçiçek Hatun, die ebenfalls aus Griechenland stammte.

So geht das weiter bis zum Anfang der Dynastie: "Murad war der vierte von sechs Söhnen Orhans I. Seine Mutter Nilüfer Hatun war die Tochter eines byzantinischen Statthalters."
Sein Vater Orhan wiederum hatte auch nur griechische Hauptfrauen.

Rein genetisch sind die Herrscher der Osmanen daher fast mindestens so griechisch wie türksich...

Antworten Antworten Gast: horusfalke
06.01.2012 20:41
3 1

Re: Re: Was für ein Historiker war denn da am Werk?

auch wenn man falsche dinge wiederholt behauptet, werden sie nicht richtig.
abgesehen davon, dass die statthalter im türkisch besetzten griechenland durchwegs tuerken waren, ist aus dem umstand, dass ein paar in griechenland geborene frauen in mehreren jahrhundten osmanengeschichte nicht dafür sorgen können, dass wie von ihnen behauptet " die osmanischen herrscher fast mindestens genauso griechisch wie türkisch waren"
abgesehen davon reden wir sowieso nicht von genetischen dingen, sondern von kulturellen und diesbezüglich ist die agressive vorgangsweise des "türken" damals durchaus mit der miniimperalisischen türkischen AKP politik von heute in verbindung mit einem agressiven islam in europa zu vergleichen.

Antworten Antworten Antworten Arethas
07.01.2012 17:01
1 1

Re: Re: Re: Was für ein Historiker war denn da am Werk?

Die Frage, die sich mir aufgrund der Behauptung oben stellte, war aber, ob man türkischer sein kann, und die Antwort lautet: Ja. In Zentralasien leben Millionen Menschen, die türkischer sind als die Osmanen.

Den Rest können Sie sich gerne schenken, weil in der von Ihnen verdrehten Form von mir nicht behauptet.

Gast: Guckst du
04.01.2012 23:24
0 26

Nicht als Feindbild einzementiert werden, sondern als Feinbild einzementiert "wurden" über Jahrhunderte.

Und das sitzt drin in den Köpfen der Österreicher. Das hat sich, nona wegen des langen Zeitraums, noch mehr verfestigt als die Neutralität. Dabei hat nichts Ewiggkeitsanspruch, weder das Bild des bösen Türken noch die Neutralität. Erklär das aber mal einem Österreicher.

Antworten Krainer
07.01.2012 11:30
3 0

Re: Nicht als Feindbild einzementiert werden, sondern als Feinbild einzementiert "wurden" über Jahrhunderte.

Ein Buchvorschlag: "Die vierzig Tage des Musa Dagh" von Franz Werfel

12 0

Erklär einem Serben

zuerst die Sache mit dem Amselfeld.

Antworten Antworten astuga
05.01.2012 14:13
7 1

Re: Erklär einem Serben

Einfach nach "Cele Kula" googeln, dann sieht man, wie nett die Osmanen am Balkan waren.


Gast: justerix
04.01.2012 22:24
20 0

stadtbild

"Die Wissenschaft und ihre Lehre ist frei" so heißt es schon im Staatsgrundgesetz aus 1867; der ÖAW ist das anscheinend "wurscht" und sie orientiert sich an der "Political Correctness".
In der früheren DDR gab es die Bezeichnung
"Geflügelte Jahresendfigur" für Engel; bald werden wir wieder soweit sein.
Und für diese ÖAW wird Steuergeld verjuxt!

Gast: Berger99
04.01.2012 22:14
18 0

Aus wikipedia

Verwüstungen in Burgenland und Niederösterreich [Bearbeiten]
Die Verbindung von Wien nach Wiener Neustadt war bereits durch die Tataren unterbrochen. Am 11. Juli eroberten die Osmanen nach drei Tagen Belagerung Hainburg und brannten es nieder. 90 Prozent der Bevölkerung wurden ermordet oder verschleppt. Nicht viel anders erging es den Orten Baden, Schwechat, Inzersdorf und der Favorita bei Wien. Sie wurden in den folgenden Tagen eingenommen und zerstört. Die Bevölkerung von Perchtoldsdorf wurde ebenso getötet und der Ort niedergebrannt, wie in Mödling, wo die Bewohner, die in die St. Othmarkirche flüchteten, in der Kirche umgebracht wurden. In Bruck wurde die Vorstadt von den Bewohnern selbst in Brand gesteckt. Nach vorheriger Weigerung einer Übergabe der Stadt, kapitulierten sie ebenso, wie bereits vorher Eisenstadt und Ödenburg. Die Stadt musste Kontributionen leisten, unter anderem 50 Wagen Gerste und Mehl für das Lager vor Wien. Am 14. Juli plünderten und verbrannten die Osmanen das Stift Heiligenkreuz.[10]

Antworten Gast: Für Objektivität
04.01.2012 23:25
1 19

Re: Aus wikipedia

Na dann schauns auch amal nach, wie die Unsrigen in den osmanischen Gebieten gewütet haben und erzählns hier nicht Einseitiges.

Antworten Antworten astuga
05.01.2012 14:18
8 0

Re: Re: Aus wikipedia

Lies Paul Fregosi, "Jihad in the West".

Oder "Die Entwicklung des geistigen Lebens in Bosnien unter der Einwirkung der türkischen Herrschaft", von Ivo Andric, Wieser Verlag.

Antworten Antworten Gast: Lingus
05.01.2012 11:34
12 0

Re: Re: Aus wikipedia

Sie meinen in den Gebieten die von den Osmanen erobert wurden - bitte mal im Geschichtsbuch nachblättern, wer die "Vorbesitzer" waren - BEVOR SIE hier Einseitiges von sich geben.

Stephanos
04.01.2012 20:58
21 0

Wer sind diese "FORSCHER",die Probleme mit der Geschichte haben?

Es ist absolut peinlich und würdelos.
Wie tief muss man sinken, dass die eigene Geschichte vor lauter AK uminterpretiert werden muss? Da ist mir jeder Türke mit seinem Nationalstolz lieber.

mako
04.01.2012 20:22
25 0

Super!

Für diese Studie zahlen wir Steuern!

mako
04.01.2012 20:14
25 0

Unglaublicher Schwachsinn, diese Studie.

Dafür wird unser Steuergeld ausgegeben.

Gast: Lingus
04.01.2012 19:53
29 0

Welche Staatsangehörigkeit

haben diese "Forscher"?

Sollten es Östereicher sein, ist diesen Lumpen umgehend die Staatsbürgerschaft zu entziehen!

Antworten Gast: Gegen Nabelgucker
04.01.2012 23:27
0 16

Re: Welche Staatsangehörigkeit

Ein bisschen weniger Nabelgucken würde allen Österreichern sehr gut tun. Immer nur den Blick subjektiv auf die eigene Geschichte, aber nicht objektiv auf Zusammenhänge richten, scheint aber eine ganz spezifische österreichische Qualität zu sein.

Antworten Antworten Gast: Bauchnabelschau
05.01.2012 12:19
5 0

ALLEN Österreich - wo wir wieder mal bei stumpfsinnigen Verallgemeinerungen und Pauschalurteilen wären...


Antworten Antworten Gast: Frustriert?
05.01.2012 12:04
11 0

Re: Re: Welche Staatsangehörigkeit


Ich bekomme fast jedesmal einen Lachkrampf wenn ich einen Türken über "objektive" Geschichte labern höre...

Antworten Gast: jou
04.01.2012 21:50
15 0

Re: Welche Staatsangehörigkeit

So isses, man muss sich wirklich überlegen ob die nicht in der Türkei besser aufgehoben wären. Sollten da Katholische dabei sein, können die ja in der Hagia Sophia beten. Bei der Geschichtskenntnis die diese Typen an den Tag legen ist das sicher kein Problem.

 
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