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Fremdenfeindliche Jugend: Schuld auch bei Medien?

03.01.2012 | 16:30 |  von CLARA AKINYOSOYE (Die Presse)

Eine Jugendstudie ergab, dass Wiener Jugendliche besonders türkische Migranten ablehnen. Sozialarbeiter und Vertreter türkischer Organisationen machen Medien und Politik für die schlechte Stimmung verantwortlich.

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Wien. 247.500 Menschen mit türkischem Migrationshintergrund leben in Österreich. Zu viele – wenn es nach einem beachtlichen Teil der Wiener Jugend geht. Zumindest lässt die „Jugend und Zeitgeist“-Studie des Instituts für Jugendkulturforschung diesen Schluss zu. 43,6 Prozent der 400 Befragten zwischen 16 und 19 Jahren stimmten bei einer Online-Umfrage der Aussage „In diesem Land leben schon zu viele Türken“ zu.

Während einige Politiker und Journalisten die Ergebnisse der Studie als Reaktion auf gewaltbereite türkische Jugendliche interpretieren, melden einige Experten Zweifel an der Methodik und Aussagekraft der Untersuchung an. Auch Paul Scheibelhofer, Soziologe an der Universität Wien, meint, es sei zwar grundsätzlich zu begrüßen, wenn es vermehrt Forschung zu Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus gäbe, aber Rassismus sei ein „komplexes, gesellschaftliches Phänomen und bedarf differenzierter Analysen“. Daher sei es fraglich, „wie aussagekräftig Erkenntnisse sind, die mittels einer Frage im Rahmen einer Online-Studie erhoben wurde“.

„Es wäre jedenfalls problematisch, solche Studien dazu zu nutzen, um Rassismus in einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe zu lokalisieren und dabei zu übersehen, dass es gesellschaftlich verbreitete Diskurse, Institutionen und Strukturen sind, die Rassismus verbreiten und reproduzieren.“ Der Ruf nach pädagogischen Lösungen, die „die Jugend weniger rassistisch machen sollen“ führe nicht weit genug, meint Scheibelhofer. Vielmehr müsse man sich fragen, wie diese Jugendlichen aufgewachsen sind und wer ihnen negative Bilder über „die Ausländer“ oder „die Türken“ vermittelt.

„Türkenfeindliche Stimmung“

Tatsächlich zeigen Studien immer wieder, dass viele Österreicher eine negative Einstellung zu Migranten haben. Gerade was türkische Migranten angeht, zeichnen Studien und Meinungsumfragen seit Jahren ein düsteres Bild. Für Ercan Karaduman, Sprecher der UETD (Union Europäisch Türkischer Demokraten) sind die Ergebnisse der „Jugendstudie“ eine Konsequenz der türkenfeindlichen Stimmung in Österreich. Es gelte nun, „eine Jugend in Schutz zu nehmen, die von Kindesbeinen an den ,bösen Türken‘ als Feindbild einer ansonsten angeblich zivilisierten und friedvollen ,österreichischen' Welt hingestellt bekommen hat“, schreibt er in einer Aussendung. Es läge in der Verantwortung der Politik und Medien, sich Gedanken zu machen, wie sie selbst mit Türken umgehen.
Ercan Yalcinkaya, Jugendarbeiter bei „Back on Stage“, weist auch den Medien eine zentrale Rolle zu. Die Informationen einiger österreichischer Zeitungen würden „diskriminierende Tendenzen verstärken“. Jugendliche hätten, wie alle anderen auch, Vorurteile gegenüber anderen Subkulturen, aber nicht zuletzt durch Begegnungen und etwa durch Gespräche mit Jugendarbeitern würden diese abgebaut. Die in der Studie gewählte Fragestellung, ob es in Österreich zu viele Türken gebe, sei bedenklich. Und den Befund, dass Wiens Jugend besonders fremdenfeindlich sei, würde Yalcinkaya keinesfalls unterschreiben.

Dass einige Medien nach der Präsentation der Studie mit genau dieser Türkenfeindlichkeit titelten, wundert Yalcinkaya aber nicht. Die Jugend sei für Medien dann besonders interessant, wenn es Skandalöses zu berichten gebe. Wenn Jugendliche gemeinsam mit Jugendarbeitern etwa Konzerte organisieren und selbst auf der Bühne stehen, habe das noch nie einen Journalisten angelockt.

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31 Kommentare
 
1 2
Gast: Frustriert?
04.01.2012 17:12
3 0

Ich glaube dieses beruht auf Gegenseitigkeit.


Aber sehr interessant dass andere Volksgruppen dieses Problem nicht haben.

Wie schauts mit Problemen von Türken mit anderen Volksgruppen aus?

9 0

also

1.: Hr. Ercan ist in Österreich geborener und aufgewachsener Türke. an einer integration ist er offensichtlich nicht interessiert. 2.: seine UETD pflegt ein besonderes naheverhältnis zur AKP von hr erdogan und organisiert sogar dessen wahlkampfauftritte in zb deutschland (wo assimilation als menschenrechtsverletzung erklärt wird). 3. die ablehnung der türken kommt nicht von ungefähr, denn: diese gruppe belegt nach wie vor den letzten platz in den bereichen:
- erwerbstätigenquote
- bildung
- erwerb der deutschen sprache
- arbeitslosenrate - lohniveau (=steuerleistung)
als ausgleich dafür aber den ersten platz bei der inanspruchnahme der medizinischen versorgung.
und 4. dies sind fakten, da braucht man nix „verstärken“.
es mag durchaus einige geben auf die die angaben nicht zutreffen. nur in meinem bezirk stimmts zum größtenteil. dort sieht zuzug aus der türkei bzw. muslimischer zuzug und deren familiennachzug wie folgt aus. bodenlangen mantel und kopftuch, man spricht kaum/nicht deutsch, wohnt im gemeindebau (weil von sp ruckzuck eingebürgert) und lebt vom sozialtransfer.
zusammenfassend gibt’s aus dem zuzug der türken nur einen gewinner: ein wiener großpartei deren wähler sie zu einem großen teil bereits stellen.
ansonsten war dieser zuzug und der sinnlose familiennachzug ein schuss ins knie.
auch der hunderste artikel über die süpertürken wird das nicht ändern – und auch die zenszur nicht.

17und4
04.01.2012 09:51
7 0

vielleicht ist es die Erfahrung, die diese Meinung

bei den Jugendlichen begündet.
"dass es gesellschaftlich verbreitete Diskurse, Institutionen und Strukturen sind, die Rassismus verbreiten und reproduzieren.“"
eine solche Schlussfolgerung zeigt jedenfalls nicht von wissenschftlicher Redlichkeit, wie es vermutlich gar nicht das Ziel dieser Studie war.

keyzor
04.01.2012 07:54
6 0

Vielleicht sollte man in Zukunft die Jugendlichen einfach nicht mehr fragen!


Sinus17
04.01.2012 07:48
15 0

Die Jugendlichen sind noch nicht poliltisch korrekt verblödet.


Es ist die Existenzfindungskrise

Die Adoleszenz ist die Lebensphase mit dem häufigsten Auftreten von Lebenskrisen.
Insbesondere die Existenzfindungskrise macht den Jugendlichen das Leben schwer und lässt sie an ihren eigenen Zukunftschancen zweifeln. Konkurrenzängste sind eine Folge davon.
Hier besteht die Aufgabe der Erwachsenen darin, den Jugendlichen den Weg zu zeigen , der dazu führt, sich einen guten Platz in der Gesellschaft durch Anerkennung für gute Leistung zu erwerben. Selbstvertrauen, Geduld und Zuversicht der Jugend hängen vom Verhalten der Erwachsenen ab.

18 0

die jugend hat zu einem beachtlichen teil

die überzeugung, dass türken sich weniger integrieren als andere migrantengruppen- die reaktion darauf: erzieht doch die jugendlichen um ("Ruf nach pädagogischen Lösungen" hört sich natürlich viel besser an)!
jeder, der sich die demographischen prognosen österreichs auch nur 5 minuten ansieht, wird nicht verleugnen, dass österreich in gewissem umfang zuwanderung braucht und brauchen wird. aber diese sollte aus osteuropa, südamerika, ostasien kommen.
ich weigere mich zu verstehen, wieso man in der ubahn in wien chinesische oder philippinsche kinder (deren eltern übrigens regelmässig aus bildungsfernen, bitterarmen regionen stammen) untereinander ein gepflegteres deutsch sprechen als der durchschnittsösterreicher, und dies bei türkischstämmigen jugendlichen in viel zu häufigem fall einfach nicht so ist.
und immer wieder versucht man uns einzureden, dass "unsere gesellschaft" daran schuld ist und verleugnet man jede selbstverantwortung.

Re: die jugend hat zu einem beachtlichen teil

Erdogan ist schuld.

Gast: Johan C.
03.01.2012 22:41
12 0

Einfaches Rezept für Integration:

Durchmischung der Kulturen - türkische Männer dürfen ungestraft österreichische Frauen anbraten, aber türkische Frauen dürfen nicht mal türkische Männer anschauen. Da fängts mal an.

Man hat bei Moslems permanent das Gefühl, als Nicht-Moslem schmutzig und unwert zu sein - es ist eine Frage der Einstellung. Sie tolerieren uns (noch) - aber akzeptieren oder gar teilhaben wollen sie nicht.

So wird Integration nicht funktionieren.

Das Problem haben wir übrigens auch mit anderen Kulturen, denn ich habe mittlerweile selbst gehört und erlebt, daß Kroaten nur mit Kroaten und Serben nur mit Serben Beziehungen beginnen. Russen, Tschechen und Ungarn sind da eher nicht so. Wie's bei Polen, Slowaken und Slowenen ausschaut, kann ich nicht sagen.

Gast: zu einseitig
03.01.2012 22:34
14 0

Wie wärs, wenn mal

das Phänomen "Inländerfeindlichkeit" genauer untersucht würde? Rassismus ist keine Einbahnstraße. Vielleicht wäre ein besseres Miteinander möglich, wenn man die Schuld an "Vorurteilen" nicht nur Medien und Politik in die Schuhe schiebt, sondern auch mal das Verhalten von einigen Mitgliedern der "eigenen" Community kritisch hinterfragt.


Gast: gasti
03.01.2012 22:27
8 0

genau, weil ja alle jungendlichen statt facebook, youtube und co. den ganzen tag orf schauen

kommt jetzt die r. keule für die neuen medien?

Gast: überraschung überraschung
03.01.2012 22:20
8 0

Wieder so ein Artikel

in dem kein normaler Kommentar durchgeht

Gast: sobiesky
03.01.2012 22:20
15 0

Vielleicht sollte man die Schuld dort suchen, wo sie vorhanden ist

Schutzgelderpressungen beginnen bereits in den Schulen. Türkische Gangs terrorisieren in den von ihnen dominierten Bezirken, Gemeindebauten, Parks und Schulen einheimische Jugendliche.
Das sollte doch eigentlich reichen, um abgelehnt zu werden - oder???

Gast: bergziege
03.01.2012 22:03
23 0

Jugendliche brauchen keine Medien

Sie machen ihre eigenen Erfahrungen. In der Schule, im Park, in der Disco, etc. Das sind keine Vorurteile sondern Erfahrungswerte, wenn so manche daher Türken ablehnen. Verallgemeinern darf niemand. Es gibt aber sehr wohl gerechtfertigte Gründe. In den Medien hingegen wird sehr oft - aus welchen Gründen immer - schöngefärbt.

20 0

was für ein Umkehrschluss...

Da gibt es Jugendliche, die schlechte Erfahrungen gemacht haben. Man schaut aber nicht darauf, was die Jugendlichen stört, sondern unterstellt ihnen gleich mal "Fremdenfeindlichkeit". Als nächstes unterstellt man dann Juwelieren, die sich vor Überfällen fürchten, "Paranoia".

Gast: Garst
03.01.2012 20:56
3 4

Ich glaube dieses Ergebnis ebenfalls nicht.


Wolfi
03.01.2012 20:35
18 0

"Eine Jugendstudie ergab, dass Wiener Jugendliche besonders türkische Migranten ablehnen."

Zum 2. Mal:
Warum wundert mich das nicht?

Antworten Frau53
03.01.2012 22:12
17 0

Re: "Eine Jugendstudie ergab, dass Wiener Jugendliche besonders türkische Migranten ablehnen."

Ich weiß über viele Jahre hinweg von schmerzhaften und demütigenden Erfahrungen, die junge Leute, zum Teil Buben ab ca 8-10 Jahren mehrfach mit gewalttätigen und in Gruppen auftretenden türkischen Jugendlichen in Wien gemacht haben.

Das sind schwere seelische Verletzungen die tief sitzen und Realität sind. Ein oder zwei Buben können sich allein schwer gegen brutale Übergriffe einer Gruppe wehren und müssen dann mit diesen Erfahrungen leben.

Sagen sie Jahre später was sie denken wird ihnen Rassismus umgehängt und die Presse muss dazu noch als Sündenbock herhalten.

Antworten Antworten Gast: Fairness für alle
05.01.2012 12:07
1 0

Danke, dass Sie das Thema erwähnen.

Übrigens -negative Erfahrungen machen auch einige Mädchen, die beleidigt und gedemütigt werden.
Leider ist diese Form des Rassismus (oder gibts andere Gründe, bestimmte Jugendliche als Opfer auszusuchen?) kein Thema für die Medien, und auch nicht für Zara. in Deutschland findet darüber schon ein öffentlicher Diskurs statt (siehe Doku in der ARD, diverse Artikel in Qualitätsmedien, Alice Schwarzer, Seyran Ates etc)
Die traumatisierenden Erfahrungen dieser Jugendlichen werden von Politik, Medien und auch Wissenschaft (Sozialogie, Rassismusforscher u.a.) großteils anscheinend verdrängt oder überhaupt tabuisiert.
Eine offene und ehrliche, kritische öffentliche Aufbereitung des Themas wäre hingegen konstruktiver und einem guten Zusammenleben aller Gruppen dienlicher als politisch korrekte Scheuklappen und falsche Schamhaftigkeit. Denn wenn ALLE Opfer ernst genommen werden und sich ernst genommen fühlen dürfen, kann man Polarisierung, gegenseitige Ressentiments und Feindseligkeit verhindern.
Wenn aber von vorneherein schon zugewiesen wird - und zwar hauptsächlich wegen der Herkunft, wer Täter und wer Opfer ist, obwohl die Wirklichkeit vielschichtiger ist, braucht über Frustration und aufgestaute Emotionen bei betroffenen Jugendlichen, die sich teilweise in Onlineforen und eben auch in Umfragen bemerkbar machen, nicht überrascht sein.

Gast: b754
03.01.2012 20:25
4 3

man muss ja nur die presse lesen


Gast: kochererbse
03.01.2012 20:22
10 1

Die 'Österreich'-Überschrift von heute:

IRAN DROHT MIT WELTKRIEG

tomschi
03.01.2012 20:22
25 0

Genau, die Medien sind schuld,...

... was bringen sie auch Berichte vom Schicksal "Ungläubiger" in Ländern mit muslimischer Mehrheitsbevölkerung. "Wart' nur, kriegst Du Watsche mit Fuß" oder "ich mach Disch Messer" darf man hingegen nicht verantwortlich machen, für die schlechte Meinung, die die Jugendlichen von den Türken haben, die verstehen doch, dass das nur Spaß ist, oder?

Antworten Gast: xxxx
03.01.2012 20:47
1 21

Re: Genau, die Medien sind schuld,...

Hat Ihnen ein Pizzabote einen Parkplatz weggenommen?

Gast: mmm
03.01.2012 20:11
1 8

Ach nein!

Hagen Rether zu genau diesem Thema, sehr empfehlenswert:

http://www.youtube.com/watch?v=fTBaFra4NQE&feature=related

Und jetzt dürft ihr mich rot anmalen.

Antworten 17und4
04.01.2012 10:03
4 0

Re: Ach nein!

ein unbillger Populismus, den hier Rether da abführt. Es spricht keinen einzigen der Kritikpunkte an, sondern verbreitet nur emotion, und zwar Emotion gegen die, deren Ansichten, ob begründet oder nicht, ernicht mag, und belobigt die, deren Ansichten er, ob begründet oder nicht, auch die seinen sind.
Das ist genau das, was man Jahrmarktpopulismus nennt.
Intellektuelle Qualität ist da nicht zu erkennen!

1 0

Re: Re: Ach nein!

Hagen Rether kann man vergessen.

 
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