25.05.2012 20:22 | Meine Presse Merkliste 0

Vorstöße zum Wahlrecht für Ausländer

10.01.2012 | 18:17 |  CLARA AKINYOSOYE (Die Presse)

In Wien und Graz laufen Initiativen, Drittstaatsangehörigen den Zugang zu Wahlen zu ermöglichen. In Wien könnte schon Ende 2012 ein erweitertes Wahlrecht für ansässige EU-Bürger beschlossen werden.

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Wien. Ein österreichischer Staatsbürger macht am Wahltag sein Kreuz. Aber wen er wählt, hat ein nicht wahlberechtigter Migrant entschieden. „Wahlwechsel“ hieß die Aktion, mit der der Verein Enara (European Network Against Racism Austria) bei der Wiener Gemeinderatswahl 2010 auf das Wahlrecht für Nichtösterreicher aufmerksam machen wollte. Damit, so die Idee dahinter, kämen Nichtstaatsbürger zumindest indirekt zum Wählen.

Dass Aktionen wie diese letztlich reiner Aktionismus sind, darüber sind sich auch die Aktivisten einig. Doch auf politischer Seite gibt es bereits einige Anläufe, das Thema Wahlrecht neu zu ordnen – und auch Nichtstaatsbürger darin zu berücksichtigen. So erneuerten vergangenen November SPÖ, ÖVP, Grüne und KPÖ im Grazer Gemeinderat einen Beschluss, sich für die Einführung eines kommunalen Wahlrechts für Nicht-EU- Bürger einzusetzen. Das Bundesverfassungsgesetz solle so ergänzt werden, dass „den Ländern die verfassungsrechtliche Möglichkeit eingeräumt wird, Nicht-EU-BürgerInnen ein kommunales Wahlrecht einzuräumen“, hieß es im Antrag.

EU-Bürger dürfen derzeit auf Gemeindeebene – in Wien nur auf Bezirksebene – wählen, Drittstaatsangehörige gar nicht. Von bundesweiten Volksabstimmungen, Volksbefragungen oder Volksbegehren sind Nichtstaatsangehörige gänzlich ausgeschlossen. Das ist aber nicht überall so. Wahlrecht für Nichtstaatsbürger – das sogenannte inklusive Wahlrecht – sei weiter verbreitet, als man annehmen würde, sagt Gerd Valchars, Politikwissenschaftler mit Schwerpunkt Migration und Staatsbürgerschaft an der Universität Wien. Weltweit hätten 48 Länder „irgendeine Form des Wahlrechts für Nichtstaatsbürger“.

Einige Länder räumten etwa allen Zuwanderern nach einer bestimmten Aufenthaltsdauer ein Wahlrecht ein, andere – zum Beispiel Großbritannien – gestatten nur Zuwanderern aus bestimmten Staaten das Wählen, dafür aber auch auf nationaler Ebene. In der Schweiz existiere wiederum ein kommunales Wahlrecht für alle Zuwanderer – aber nicht im ganzen Land, sondern ausschließlich in sechs Kantonen, sagt Valchars.

Es sei aus demokratischen Gründen jedenfalls sinnvoll, beim Wahlrecht nicht nur die Staatsangehörigkeit, sondern auch die physische Anwesenheit in einem Land zu berücksichtigen. Entscheidend sei, dass diejenigen wählen, die auch von den politischen Entscheidungen betroffen sind – und das sind nicht nur österreichische Staatsbürger. Historisch gesehen war die Koppelung des Wahlrechts an die Staatsbürgerschaft „durchaus etwas Fortschrittliches“, meint Valchars. So war es davor mitunter an Geschlecht, soziale Stellung oder den Stand geknüpft. Doch „mittlerweile taugt die Staatsangehörigkeit als Kriterium für Betroffenheit nicht mehr“.

 

VfGH kippt Wahlrecht

Bei der rot-grünen Wiener Stadtregierung sieht man das ähnlich. Schon 2002 beschloss die damalige SPÖ-Regierung gemeinsam mit den Grünen – und gegen den Willen von ÖVP und FPÖ – ein inklusives Wahlrecht. Das wurde allerdings 2004 vom Verfassungsgerichtshof wieder gekippt. Doch die Frage um ein Wahlrecht für Nichtstaatsbürger ist weiter aktuell.

In der Arbeitsgruppe zur Wahlreform werde das selbstverständlich auch diskutiert, sagt David Ellensohn, Klubobmann der Wiener Grünen. Erklärtes Ziel: EU-Bürger und Drittstaatsangehörige sollen in Zukunft auf Gemeindeebene wählen dürfen. Es sei „lächerlich“ und „eine Zumutung“, dass hunderttausende Wiener nicht mitstimmen dürfen, wenn es etwa darum ginge, ob die U-Bahn nachts fährt. Volkspartei und Freiheitliche sind konsequent dagegen.

Rot-Grün wollen dennoch Ende 2012 ein neues Wahlrecht präsentieren. Wahrscheinlich ist, dass SPÖ und Grüne ein erweitertes Wahlrecht für EU-Bürger beschließen werden. Ob diese Regelung für Unionsbürger vor dem Verfassungsgerichtshof hält, ist noch unklar. Den Versuch werde man aber jedenfalls wagen, sagt Ellensohn. Mit oder ohne ÖVP.

Das Wahlrecht für Drittstaatsangehörige dürfte aber nicht allzu leicht durchzusetzen sein. Denn um ihnen ein kommunales Wahlrecht einzuräumen, ist eine Verfassungsänderung – und somit eine Zweidrittelmehrheit im Nationalrat – notwendig.

SP-Verfassungssprecher Peter Wittmann will sich noch nicht festlegen. Man müsse einen „offenen Diskussionsprozess führen“. Allein für Bundeswahlen sollten bestimmte Rechte österreichischen Staatsbürgern vorbehalten sein, so Wittmann. Ähnlich sieht das Wolfgang Gerstl, Verfassungssprecher der ÖVP. Denn ob Österreich eine Demokratie sei, es Gewaltentrennung gebe, oder man ein rechtstaatliches Prinzip habe, solle nur in der Entscheidungsgewalt österreichischer Staatsbürger liegen. Sonst drohe die Gefahr einer „Unterwanderung des Wahlrechts“.

Auf Kommunalebene fordert Gerstl allerdings Selbstbestimmung der Gemeinden. Ob man etwa ansässige Drittstaatsangehörige bei Fragen um Kindergartenplätze oder Zebrastreifen mitentscheiden lasse – „das muss der Bund nicht vorgeben“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.01.2012)

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151 Kommentare
 
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Gast: Gast:123
12.01.2012 09:13
1 0

..das ist eigentlich nur eine Weitergabe des Stimmrechts

Ein Österreicher, dem das Wählen kein Anliegen ist, läßt einen Nichtösterreicher für sich entscheiden. Sollte der sich aber für eine Partei entscheiden, die ihm absolut nicht passt (Beispiel: FPÖ), wird das Stimmrecht wohl doch nicht "verliehen" werden...

Gast: supi
12.01.2012 01:35
4 2

Also ich finde das süper

Man könnte es auch so machen, dass nur noch Drittstaatenangehörige wählen dürfen.

Gast: total crash
11.01.2012 19:27
3 11

Na ja,

warum ned?

Sie (die Dritstaatenangehörige) die die Arbeiten und Gesetzeskonform sind, Steuern/Abgaben/Gebühren usw zahlen und somit zum wirtschaftlich-sozial-gesellschaftlichen Gemeinwohl beitragen und, sich den politischen Entscheidungen unserer Regierung/Gesetzgebung
"Unterwerfen" müssen, aber ohne das sie in irgend einer Weise sich in eine politische Entscheidung einschalten zu können,ja das ist in einer gewissen Art und Weise ungerecht.
Das sie nur Bringschuldner und Stimmlos sind,dass kann`s ja nicht sein in einen modernen Staat wie`s angeblich Österreich ist.
Also Stimmrecht geben,spricht nichts dagegen,sie sollen auch Mitbestimmen/Entscheiden können,sie sind nicht so blöd wie`s manche Österreicher behaupten,die meisten aus dem Osten,viele aus dem Balkan haben höhere Schulbildung als unsereins,ich weiß es :)

Gast: boscha3245
11.01.2012 19:02
9 1

wozu gibt es dann staaten wenn eh jeder wählen darf?


2 6

Re: wozu gibt es dann staaten wenn eh jeder wählen darf?

so ein dummes Posting und ausschließlich gute Bewertungen. Die Presse mag eine Qualitätszeitung sein, aber das Forum hat mit Qualität so viel zu tun wie der Teufel mit Beten!

Antworten Antworten Gast: Der Steuerzahler
12.01.2012 09:51
0 5

Re: Re: wozu gibt es dann staaten wenn eh jeder wählen darf?

:)

Man kann sich die Poster nicht aussuchen

Luzius
11.01.2012 18:57
10 0

Rot-Grün wollen dennoch Ende 2012 ein neues Wahlrecht präsentieren.

wollten die Grünen vor ihrer Beteiligung in WIen nicht auch das sonderbare Wahlrecht in der Bundeshautstadt ändern ?

Worauf dieser Irrwitz aber abzielt scheint völlig klar zu sein, sieht man sich die vergangenen WahlErgebnisse an-)


erichhard
11.01.2012 18:39
13 0

Wenn ausm` letzten Eck vom Staat -

dann auch wird ein Kalifat,
aus olle Gossn unsres Wean -
wir den Muezzin dann hean,
d´ Achterl, d´ weissn und die roten -
striktestens dann sind verboten,
dann der Michl selbst erkennt -
irgendwas is doch schief g`rennt !

Gast: L.W.
11.01.2012 18:08
11 0

Sehr seltsam...

In der Presse scheint ein Richtungsstreit entbrannt zu sein.

Die paar wenigen nicht pc-Artikel die noch verfasst werden dürfen werden ein paar Stunden später insofern zurückgepfiffen, dass der Artikel plötzlich 'weg' ist.

Ich zumindest habe ihn nur mehr über den link 'meistkommentiert' auf der Hauptseite gefunden.

Im Innenpolitikteil (wo er hingehört) jedenfalls nicht.

Rätsel über Rätsel...

1 0

Re: Sehr seltsam...

tja, das ist halt ein Problem des Essens von Brot und des Singens.

Antworten Gast: Karl Huber
11.01.2012 18:39
3 0

Re: Sehr seltsam...

Vergessen...
Ich hab mir angewöhnt diese Artikel in der Merkliste zu hinterlegen GENAU aus dem von Ihnen angesprochenen Grund.

Gast: VOLXSTIMME
11.01.2012 17:58
0 3

Seit püber 70 Jahren haben wir das "Wahlrecht" und was haben wir zum "Wählen" bekommen?

Im Ostblock hat man eine Sorte Wurst im Laden gehabt und die war schrecklich.
Im Westen hat man mehrere Sorten seit 70 Jahren (Parteien) und die sind auch alle unfähig.

Also was soll die Herumlamentiererei mit dem Wahlrecht, wenn man eh nur ausgmachte Gackerl zu wählen hat?

Abaddon
11.01.2012 17:50
11 0

Zuerst Wahlrecht

zuerst Wahlrecht für 16-jährige, in der Hoffnung, dass diese Rot-Grün wählen und als man merkte, dass diese vorwiegend und größtenteils FPÖ wählen, forciert man nun das Wahlrecht für Ausländer.

Tja, liebe SPÖ und GrünInnen. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass in der Sonntagsfrage derzeit die FPÖ am ersten Platz liegt.

Gast: Lingus
11.01.2012 16:51
11 0

Wahlrecht nur für Staatsbürger

und ENDE!

0 0

Re: Wahlrecht nur für Staatsbürger

gutes Argument, jetzt bin ich überzeugt ;)

Antworten Gast: xxxx
11.01.2012 17:28
0 11

Re: Wahlrecht nur für Staatsbürger

Genau!
Am Stammtisch und am Würschtlstandl haben nur wir Staatsbürger das Wahlrecht!
Alle anderen bekommen die Bosna!

(Hicks!)

Antworten Gast: Der Steuerzahler
11.01.2012 17:09
0 8

Re: Wahlrecht nur für Staatsbürger

Ihre Argumente überwältigen mich und lassen mich sprachlos in Demut niedersinken

Gast: Ösinase
11.01.2012 16:40
10 0

Pasives Wahlrecht bitte!

Wer hier wohnt muss gewählt werden dürfen. Eigene Türken-, Jugo- oder Afrikanerparteien und Abgeordnete sollte es geben. Immerhin können die Sozialansprüche damit effektiver ausgebaut und der Nachzug verstärkt forsiert werden. Also aktives und passives Wahlrecht und kein ledigliches "ich-will-jetzt-die-Partei -wählen, welche-mich-gekauft-hat" - Recht.
Burschen bei aller Liebe - aber seid ihr noch normal? So ein Gutmensch kann man gar nicht sein, dass man das wirklich glaubt, dass man diesem Land etwas Gutes damit macht. Das soll doch nur linke Wähler generieren. Zum Glück wählen die meisten Jung-Immigranten die FPÖ, da die offensichtlich etwas mehr in Leben stehen, als unsere akademischen Sozialromantiker.

Gast: DerKetchuper
11.01.2012 15:56
0 9

Wer hier wohnt, der soll auch wählen MÜSSEN.

Soll sich keiner aus der Gestaltung und Mitverantwortung drücken können.
Früher war es ein Recht für das unsere Großväter kämpfen mussten; jetzt sollte es eine Pflicht sein, damit keiner leichtfertig dieses Recht wieder ad absurdum führt!

Antworten Gast: ösinase
11.01.2012 16:39
7 0

Re: Wer hier wohnt, der soll auch wählen MÜSSEN.

Wer hier wohnt muss gewählt werden dürfen. Eigene Türken-, Jugo- oder Afrikanerparteien und Abgeordnete sollte es geben. Immerhin können die Sozialansprüche damit effektiver ausgebaut und der Nachzug verstärkt forsiert werden. Also aktives und passives Wahlrecht und kein ledigliches "ich-will-jetzt-die-Partei -wählen, welche-mich-gekauft-hat" - Recht.
Burschen bei aller Liebe - aber seid ihr noch normal? So ein Gutmensch kann man gar nicht sein, dass man das wirklich glaubt, dass man diesem Land etwas Gutes damit macht. Das soll doch nur linke Wähler generieren. Zum Glück wählen die meisten Jung-Immigranten die FPÖ, da die offensichtlich etwas mehr in Leben stehen, als unsere akademischen Sozialromantiker.

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Wählen nur für Staatsbürger

Ende der Debatte.

Wenn jemandem an der Politik eines Landes so viel liegt, dann kann er ja die Staatsbürgerschaft beantragen. Erfüllt er die Voraussetzungen, wird er sie auch bekommen.
Zum Wahlrecht gehören auch entsprechende Pflichten.

Antworten Gast: DerKetchuper
11.01.2012 15:54
1 10

Re: Wählen nur für Staatsbürger

Na, jetzt erzählens mal welche Pflichten die -Innen so haben.
Präsenzdienst? Zivildienst?

Und jetzt erzählens uns doch bitte was Frauen für den Staat tun, was andere hier lebende Menschen nicht auch machen.

DerKetchuper

Antworten Gast: Der Steuerzahler
11.01.2012 15:17
1 9

Re: Wählen nur für Staatsbürger

Welche Pflichten? Seien Sie mal weniger kryptisch und zählen Sie doch zum leichteren Verständnis mal ein paar auf.

Wer in Österreich wohnhaft ist und Steuern zahlt, soll auch das Recht haben, mitzubestimmen.

mecreant
11.01.2012 13:48
11 1

ich bin dafür, dass Österreicher

gar nicht mehr wählen dürfen
entmündigt sind wir schon - folglich dürfen wir gar nicht mehr zur Wahl
den Vormund hat die EU übernommen, ebenso die Sachwalterschaft....

12 1

Neue Bundeshyme:

Land der Trottel, Land der geldgeilen Politiker,
Land mit Schulden - viel gerühmte Banenrepublik!

Antworten Gast: Der Steuerzahler
11.01.2012 13:41
0 18

Re: Neue Bundeshyme:

Sie wissen, wo der Flughafen ist? Sie haben die Freiheit, jederzeit und an viele Orte auszuwandern.

 
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