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Hausbesuche bei Migranten: Arbeit statt Tee

29.05.2012 | 18:16 |  ANIA HAAR (Die Presse)

Seit 2007 werden bildungs- und sozial benachteiligte Wiener Migrantenfamilien von Betreuerinnen daheim besucht. Das Programm „Hippy“ soll vor allem Kindern helfen, aber auch Frauen aus der Isolation führen.

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Wien. „Euch schickt Allah!“ So euphorisch begrüßte eine türkische Mutter ihren Besuch. Und nein, es waren keine Familienmitglieder, Freunde oder Bekannte, die da vor der Tür standen. Es war eine Mitarbeiterin des Hausbesuchsprogramms Hippy, die zu Besuch vorbeigekommen war.

Hippy, das steht für „Home Instruction for Parents of Preschool Youngsters“ und ist ein Programm, das bildungs- und sozial benachteiligte Familien mit Kindern im Alter von drei bis sieben Jahren fördern soll. Die Idee hinter dem Programm ist simpel: Einmal pro Woche wird die Familie besucht – von einer aus der Zielgruppe stammenden, geschulten Multiplikatorin. Soll heißen, die Hausbesucherin ist selbst Mutter mit Migrationshintergrund. „Der Ablauf ist streng strukturiert“, sagt Liesl Frankl von der Hippy-Projektleitung. „Es wird nicht miteinander gegessen und auch kein Tee getrunken, sondern gearbeitet.“

 

Spielerisch Deutsch lernen

Nach der kurzen Begrüßung folgt ein Wochenrückblick: Wie oft hat die Mutter in der Vorwoche mit dem Kind gearbeitet, welche Aktivitäten haben am meisten Spaß gemacht? Dann kommt eine Vorschau auf kommende Übungen. Die Spiel- und Lernübungen, die die Mutter in der laufenden Woche selbstständig mit ihrem Kind machen soll, werden beim Besuch trainiert: Die Mutter schlüpft in die Rolle des Kindes, die Hausbesucherin in die der Mutter. Die Hippy-Materialien sind in einfachem Deutsch geschrieben und anschaulich illustriert. Dadurch und durch die Übersetzungshilfe der Hausbesucherin verstehen Kinder und Mütter rasch, worum es geht. Und lernen auf spielerische Art und Weise Deutsch.

Obwohl es bei Hippy in erster Linie um die ganzheitliche Förderung der Kinder geht, profitieren in der Praxis auch die Mütter davon. Denn sie erfahren das, was ihnen oft am meisten fehlt, nämlich die Anerkennung durch ihre Kinder und Familien. Auch machen sie selbst positive Lernerfahrungen, werden dadurch selbstsicherer und selbstständiger. In der Folge hilft ihnen die Selbstständigkeit, aus sozialer und kultureller Isolation auszubrechen.

2011 wurden in Wien 88 Familien mit drei- bis siebenjährigen Kindern betreut. Laut dem Endbericht des Vereins beratungsgruppe.at, der das Projekt seit 2007 betreut, haben 31 Prozent der Teilnehmerinnen während des Projektverlaufs mit einem Kurs oder einer Weiterbildung begonnen, 19 Prozent einen Job angenommen, weitere 19 Prozent suchen nach einem Job. 26 Prozent haben vor, sich weiterzubilden.

 

Große Hemmungen

Die Frauen kommen oft aus ländlichen Gegenden und haben sehr wenig Schulbildung. „Sie wünschen sich aber nichts mehr als Bildung“, sagt Frankl, „nur haben sie große Hemmungen, zum Beispiel Sprachkurse zu besuchen, denn dort sitzt vielleicht eine relativ gut gebildete Frau, neben einer, die gerade einmal fünf Jahre in der Schule war und schlecht lesen und schreiben kann.“ In vielen Kulturkreisen wird es zudem als Schande empfunden, Fehler zu machen.

Dass eine Betreuerin zu Familien nach Hause kommt, wird deshalb gern angenommen. Streng wird dabei die Termintreue gehandhabt. „Damit sollen die Frauen Verbindlichkeit lernen“, sagt Liesl Frankl, „es ist ein Arbeitstreffen.“ Viele der betreuten Frauen berichten, dass sie gelernt haben, sich die Zeit so besser einzuteilen.

Schwierigkeiten gibt es vor allem dabei, die Frauen zu erreichen, denn viele lesen keine geschriebenen Informationen – auch nicht in ihrer Muttersprache. Hippy findet den Zugang zu ihnen über Multiplikatorinnen aus der Zielgruppe – sie gehen auf die Frauen zu. „Denn jede Mutter will das Beste für ihr Kind“, sagt Frankl, „und hier knüpfen wir an.“

„Es kommt darauf an, den Frauen auf Augenhöhe begegnen“, sagt Wolfgang Kratky, der das Projekt in Österreich etabliert hat und in Wien leitet. Die Zusammenarbeit zwischen Profis und Hippy-Betreuerinnen läuft sehr gut, sagt Kratky. „Wir bekommen Anrufe von Kindergärten, Schulen oder Ämtern, dass sie eine Familie für Hippy haben. Den Kontakt zu dieser Familie bekommen wir aus Datenschutzgründen nicht, also wartet die Hausbesucherin zum Beispiel vor dem Kindergarten und bietet jenen Müttern Hippy an, denen vorher bereits von der Kindergartenpädagogin das Programm empfohlen wurde.“ Inzwischen habe sich aber der Nutzen der Aktion schon herumgesprochen.

 

Ausweitung geplant

„Oft wird kritisiert, dass es nur von Laien gemacht wird“, meint Kratky. Doch internationale Erfahrungen hätten gezeigt, dass dieses Konzept mit studierten Psychologinnen oder Pädagoginnen nicht so gut funktioniert. Dass es funktioniert, ist mittlerweile auch in der Politik angekommen. Zuletzt kündigte Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (VP) an, das Projekt auch in anderen Bundesländern starten zu wollen.

Auf einen Blick

Projekt: Das Hippy-Programm wurde in den 1970er-Jahren in Israel entwickelt. Seither wurde es für zahlreiche Länder adaptiert.

Österreich: 2007 rief der Verein beratungsgruppe.at das Hippy-Programm in Österreich ins Leben. Die Finanzierung kommt vom Innenministerium, den Ländern und den Gemeinden. Heuer sollen 150 weitere Plätze entstehen. 2011 wurde beratungsgruppe.at für das Projekt mit dem Österreichischen Integrationspreis ausgezeichnet.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.hippy.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.05.2012)

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23 Kommentare

Alles klar: Wie wählen Migranten?

Laut der Studie von Ifes/Trendcom, die dem Nachrichtenmagazin "profil" vorliegt, deklarieren sich unter den Wienern mit türkischen Wurzeln 78 Prozent für die SPÖ, 16 für die Grünen, fünf für die ÖVP und nur zwei für die FPÖ.

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Dieses Programm

ob für gut befunden oder nicht, zeigt doch nur, dass wir in Österreich die Versäumnisse der Türkei korrigieren müssen. Ist das unsere Aufgabe? Wenn man in ein Land zieht, dann muss man sich klar darüber sein, dass dort eine andere Sprache gesprochen wird und dass man von diesem Land nicht erwarten kann, dass es einem in allen sozialen Belangen unterstützt. Man ist für sein Leben selbst verantwortlich und nicht der Staat.

Gast: frage an die mod
30.05.2012 10:24
8 1

Warum die strenge Zensur?

Keiner meiner 3 Kommentare widersprach den Forenregeln, aber anscheinend waren sie nicht ganz pressesubventionstauglich?

Re: Warum die strenge Zensur?

Wenn man nicht mit dem Mainstream schwimmt, kann man schon einmal Probleme bekommen. Viele meiner Kommentare wurden nicht veröffentllicht, da sie dem Mainstream nicht entsprachen. Doch mit der Zeit gewöhnt man sich daran, denn man weiß doch, in welchem Land man lebt und wie es da mit der Meinungsfreiheit aussieht.

Gast: Sakl D
30.05.2012 09:23
15 4

Der hundertste Förderverein für bildungsferne Migranten

Wie viele Millionen uns das ganze schon gekostet hat sagt keiner!

Ein Fass ohne Boden das ständig Millionen Steuer verschluckt nur damit Rot Grün gestärkt wird.

Antworten Gast: salk a
30.05.2012 09:55
1 8

Re: Der hundertste Förderverein für bildungsferne Migranten

was kostet den staat mehr...

..eine familie, bei der die elternteile erwerbstätig sind und die kinder eine ausbildung machen....

..oder eine familie, die von sozialhilfe lebt, deren kinder die schule nicht schaffen weil sie nicht genug gefördert wurden (weil ihre eltern nicht gut genug deutsch sprechen)

denken, denken...nochmal denken...dann antworten

6 1

Re: Re: Der hundertste Förderverein für bildungsferne Migranten

Erstere Familie aufnehmen und die sich erstmal integrieren lassen (passiert von selber). Zweitere Familie allerdings gar nicht erst reinlassen.

Antworten Antworten Gast: denken denken und nochmals denken - hier das Ergebnis
30.05.2012 10:19
6 0

prinzipiell richtig, aber eine Zuwanderungspolitik nach australischem und kanadischem Vorbild

wäre mindestens so sinnvoll und vernünftig (gewesen)

Antworten Antworten Antworten Gast: salk a
30.05.2012 12:03
1 4

Re: prinzipiell richtig, aber eine Zuwanderungspolitik nach australischem und kanadischem Vorbild

man muss aus dem was man hat, das beste machen...und dazu braucht es in diesem fall einfach förderung

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: denken, denken und nochmals denken
30.05.2012 21:55
2 0

man kann aber trotzdem Schlüsse für die Zukunft ziehen

und da wird man um eine strengere "kanadische" Zuwanderungspolitik nicht herumkommen.

steuerzahler

Bin steuerzahler, wie so viele andere immigranten, und es freut mich, dass ein bisschen von meinem steuergeld in so einen projekt fliesst. Es gibt nicht nur Österreichishe Steuerzahler! Und ich bin nicht aus der Türkei!

Gast: gasti
29.05.2012 22:02
29 6

„Euch schickt Allah!“

wieder nicht kapiert, die schickt (ungewollt) der österreichische steuerzahler

Antworten Gast: mutterlernt
29.05.2012 22:39
7 19

Re: „Euch schickt Allah!“

Also dir ist es nicht recht, dass geschaut wird, dass die Mutter mit den Kindern lernt?

Gast: hippiest
29.05.2012 22:02
24 2

kostenwahrheit

2011 wurden in Wien mit "Hippy" 88 Familien mit drei- bis siebenjährigen Kindern betreut. Nachdem das Projekt aus öffentlichen Mitteln finanziert wird, hat die steuerzahlende "Öffentlichkeit" das Recht, über Details informiert zu werden: wie hoch ist das Jahresbudget dieses Vereins?
Wieviele Angestellte/Personalkosten pro Jahr?
19% = wieviele Personen haben einen Job angenommen? Und wenn schon Prozentangaben: wie war der Nationalitätenschlüssel?

Gast: Korn F
29.05.2012 21:48
23 2

Der österreichische Weg war:

Quote vor Qualität bei der Zuwanderung. Das hat uns dieses Dilema eingebrockt.

Antworten Gast: metala
30.05.2012 12:07
1 3

Re: Der österreichische Weg war:

danke für diese weisheit...wenn sie eine zeitmaschine erfunden haben können sie sich nochmal melden, sonst bitte nur konstruktive kommentare

Antworten Antworten Gast: Zeitmaschine
30.05.2012 13:01
1 1

es gibt auch eine Zukunft

und Möglichkeiten, Zuwanderungs- und Integrationspolitik den Gegebenheiten des Arbeitsmarktes und der Infrastruktur anzupassen

Bitte um Aufklärung...

...ich höre immer dass wir so dringend Schlüsselarbeitskräfte benötigen, und permanent lese und höre ich von Migranten meist aus der Türkei die aus ländlichen Gegenden kommen und fast keine Schulbildung haben und kein Deutsch sprechen. Sorry, aber brauchen wir die hier????

Antworten Gast: leesen
29.05.2012 22:41
2 14

Re: Bitte um Aufklärung...

Es geht hier um Leute, die schon hier sind. Außerdem steht in diesem Artikel nicht drin, ob die besuchten Migranten arbeiten oder nicht.

Antworten Gast: heimalz
29.05.2012 22:09
23 3

Re: Bitte um Aufklärung...

"Wir" ist relativ.

Die SPÖVP braucht sie zum Kreuzerlmachen am Wahltag.

Deshalb ist "uns" für "sie" nichts zu teuer.

Antworten Antworten Gast: heimsalz
30.05.2012 12:09
2 4

Re: Re: Bitte um Aufklärung...

wieviel % der stimmen machen "sie" aus? das wissen Sie nicht?

18 3

Re: Bitte um Aufklärung...

sie haben vollkommen recht.
die gut ausgebildeten Migranten machen einen weiten Bogen um unser Land.
Die Politik hat sich jahrelang nicht gekümmert.
Jetzt kommen eben Menschen die kaum oder nur wenig Bildung haben.. und diese müssen sie auf Kosten der Allgemeinheit /Steuerzahler nachholen.

Antworten Antworten Gast: ojaleider
30.05.2012 10:32
3 0

Re: Re: Bitte um Aufklärung...

leida

doch schon in wenigen jahren werden sie alle schon ganz alleine die schuhe
zubinden können