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Immer mehr junge Mädchen treiben ab

11.06.2008 | 15:11 |   (DiePresse.com)

Jede neunte Abtreibung in der Klinik am Fleischmarkt erfolgt bei Mädchen unter 19 Jahren. Mehr als die Hälfte davon hat erst gar nicht verhütet. Das Unwissen der Jugendlichen ist eklatant.

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Immer mehr junge Frauen treiben ab. Der Anteil der 14- bis 19-Jährigen habe sich seit 2005 fast verdreifacht, schlug das Ambulatorium für Sexualmedizin und Schwangerenhilfe "pro:woman" am Wiener Fleischmarkt am Mittwoch bei einer Pressekonferenz Alarm. Im Vergleichszeitraum zwischen 2005 und 2007 ist der Prozentsatz der Klientinnen der Klinik in dieser Altersgruppe von vier auf elf Prozent gestiegen. Der Grund dafür sei oft mangelndes Bewusstsein. So hätten nur 54 Prozent der am Institut befragten Mädchen verhütet, sagte "pro:woman"-Geschäftsführerin Elke Graf.

Mangelnde Kommunikation über Verhütung

38 Prozent jener, die auf Verhütung verzichtet haben, gaben an, sicher gewesen zu sein, dass sie zum Zeitpunkt des ungeschützten Geschlechtsverkehrs nicht fruchtbar gewesen wären. Weitere 22 Prozent hatten ungeplanten Sex und daher keine Verhütungsmethode eingeplant. Acht Prozent der Frauen wollten nicht verhüten, bei weiteren drei Prozent wollte der Sexualpartner auf Kondom & Co verzichten. Für Graf steht daher fest, dass generell nicht ausreichend verhütet wird.

Die Gründe dafür seien unter anderem mangelndes Wissen oder fehlende Kommunikation zwischen den Sexualpartnern: Das Ansprechen von Verhütung "ist peinlich", das Benützen von Kondomen "lästig". Graf berichtete etwa von Mädchen, die sich mit Freundinnen die Pillen-Packung "teilen" oder Burschen, die glauben, dass Kondome durch Umdrehen wiederverwendbar sind.

17,5 Mio. Euro pro Jahr für Abtreibungen

In Österreich geben Frauen laut "pro:woman" rund 17,5 Millionen Euro pro Jahr für Schwangerschaftsabbrüche aus. Es gibt zwar keine Statistiken, das Institut schätzt die jährlichen Abtreibungen aber auf 30.000 bis 35.000.

Bei den 15- bis 19-Jährigen werden die Abtreibungen auf 17,5 pro 1.000 Frauen geschätzt. Im Europa-Vergleich hat die Schweiz mit 5,4 Abtreibungen auf 1.000 Frauen die geringste Quote, Russland mit 55,3 die höchste. Als besorgniserregend bezeichnete Graf die Statistik, wonach in Österreich nur 45 Prozent der Frauen moderne Verhütungsmittel verwenden. In den Niederlanden und Belgien verhüten beispielsweise etwa drei Viertel aller Frauen im gebärfähigen Alter. In Polen sind es nur knapp 20 Prozent. In den EU-Ländern verhüten durchschnittlich etwa 67 Prozent, in Osteuropa etwa 47 Prozent.

Vorbild Schweden? Von wegen ...

Blickt man auf das in vielen Bereichen genannte Vorzeigeland Schweden, zeige sich Erstaunliches, sagte der Gynäkologe Peter Bistoletti. Gerade dort, wo soziale Dienstleistungen progressiv angeboten werden, steigt die Zahl der jugendlichen ungewollt Schwangeren in noch viel bedenklichere Höhen als hierzulande. Der Anteil der jungen Mädchen liegt im Vergleich bei 21 Prozent. Bereits 25 von 1.000 schwedischen Frauen unter 19 Jahren hatten 2007 einen Schwangerschaftsabbruch, 2005 waren es noch 21, im Jahr 1995 noch 19 von 1.000 Frauen.

Mehr Geld für Aufklärung gefordert

Graf forderte von der Politik mehr Engagement zur Aufklärung der Jugendlichen ein. Würde die öffentliche Hand nur zehn Prozent der 17,5 Millionen Euro, die pro Jahr für Abtreibungen ausgegeben werden, für Sexualpädagogik zur Verfügung stellen, könnten bis zu 70 Sexualpädagogen beschäftigt und 350.000 Jugendliche professionell angesprochen werden.

In österreichischen Schulen gebe es keinen verpflichtenden sexualpädagogischen Unterricht, noch immer lehren Biologie- oder gar Religionslehrer das Wissen über Sexualität. Mädchen informieren sich vorwiegend in Printmedien, Burschen aus "bewegten Bilder" wie etwa Pornos aus dem Internet, erklärte Wolfgang Kostenwein, Leiter des österreichischen Instituts für Sexualpädagogik.

Bures für Aufklärung und "Pille danach"

Als erste Politikerin nannte sich Frauenministerin Doris Bures (SPÖ) zu Wort: Man müsse "alles tun, um Schwangerschaftsabbrüche zu verhindern", sagte sie in einer Aussendung am Mittwoch. Konkret trat sie für eine verstärkte Aufklärung an den Schulen ein - und bekräftigte ihre Forderung, die "Pille danach" rezeptfrei abzugeben.

"Wenn es ein Medikament gibt, mit dem wir jungen Frauen einen Schwangerschaftsabbruch ersparen können, müssen wir auch den hürdenfreien Zugang ermöglichen", meinte Bures. Gerade für junge Mädchen am Land sei es oft schwierig, innerhalb von zwölf Stunden - jener Zeitraum, wo die "Pille danach" am Wirksamsten ist - zu einem Rezept zu kommen, erklärte die Frauenministerin - und betonte einmal mehr ausdrücklich, dass es sich um keine "Abtreibungspille" handle, sondern um ein Medikament, das eine Schwangerschaft verhindert.

(APA)

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16 Kommentare
Gast: Kritiker
12.06.2008 07:44
0 0

Mir taugt der letzte Absatz mit Fr. Bures!

Warum wird das mit den Schangerschaftsabbrüchen nicht mit simpler Aufklärung angegangen? Warum wird jetzt die Pille danach gefordert, damit nur ja kein Kind zur Welt kommt?!?!?! Ist es nicht sinnvoller, die werdende Mutter auf andere Weise zu unterstützen?

Fakt ist ist für mich, daß die Emanzen (SPÖ) Kinder als Schadensfall sehen, perverserweise aber nicht aufklären oder helfen sondern das Heil in Abtreibungen suchen.

Noch dazu fragt man sich als Leser: Wo bleiben all die Väter, über die wird kein Wort verloren?!?!?! Wissen die wirklich, daß ihre Kinder abgetrieben werden?

Leider werden die doch kaum miteinbezogen oder einseitig an den Pranger gestellt...

Gast: Gast
12.06.2008 01:15
0 0

Die Scheinheiligkeit feiert wieder fröhliche Urständ!

Schuldzuweisungen, wie Rechtfertigungsversuche sind scheinheilig und sinnlos.
Abtreibung ist durch die teilweise gesetzliche Legalisierung ein Stück mehr Normalität geworden - immerhin sogar durch die sich christlich nennende Partei mitbeschlossen!
Nun zu lamentieren und die Schuld den betroffenen Frauen anzulasten bringt nix, das hätte man alles auch früher wissen und andere Lösungen suchen können.

Aber was solls, wir sind schließlich nicht die erste und nicht die letzte Gesellschaft, die an ihrer eigenen Dekadenz zugrunde geht.

Und wer glaubt, die Situation - wie sie sich heute darstellt,
sei politisch nicht gewollt, ist auf dem Holzweg.
An Zufälle glauben nur unverbesserliche Träumer.


Gast: 493875304
11.06.2008 19:29
0 0

1.080.000 Abtreibungen seit 1972

wenn das kein Grund zum Nachdenken ist. Da gäbe es weder "Pensionslücke" noch notwendige Einwanderung mit allen Folgeproblemen. Was da nicht drinnen steht: zur Faulheit und Blödheit und Verantwortungslosigkeit und mangelnden positiven Vorbildern im engeren Umfeld der Betroffenen kommt sicher oft auch Armut, besonders in Zeiten wie diesen - auch das ein Grund zum Nachdenken. 3 Kinder = unter der Armutsgrenze, das kann es auch nicht sein im angeblich drittreichsten Land Europas.

Antworten Lepanto
12.06.2008 09:25
0 0

Re: 1.080.000 Abtreibungen seit 1972


Tja,

das gesellschaftspolitische Programm von SPÖ[VP] trägt Früchte. Und zwar in sich selbst beschleunigendem Maße! Der Point of no return ist längst überschritten.

Ich freu mich schon darauf, wenn das Experiment der SPÖVP gewaltig um die Ohren fliegt.

harbard
11.06.2008 17:07
0 0

Das Unwissen der Jugendlichen ist eklatant

...trotz des sexualkunde-unterrichts in den schulen?
...was ist aus dem berühmten "sexkoffer" geworden?
...wurde der inhalt gar in den rektoraten "verludert"?
...oder liegt die lieferung noch verstaubt im ministerium?
...die bures und die schmied werdens schon richten!?!

Gast: Bösewicht
11.06.2008 16:08
0 0

Die Abtreibungsindustrie schlägt Alarm!

Es gibt noch immer zu wenige Abtreibungen. Daher muss jetzt in den Schulen noch mehr Werbung für möglichst frühzeitige sexuelle Kontakte gemacht werden - am besten in einem eigenen Unterrichtsfach. Man kann sexuelle Kontakte von Schülern sicher noch vervielfachen. Wenn sich die Effektivität der Verhütung dadurch um ein paar Prozent steigert, bleibt in Summe dennoch ein schönes Umsatzplus für die Abtreibungsindustrie.

Die Erfahrung mit der AIDS Aufklärung hat gezeigt, dass sämtliche "Aufklärungsmaßnahmen" in Summe einen Zuwachs der AIDS Infektionen und anderer Geschlechtskrankheiten gebracht haben (Syphillis +300% !) . Das geplante Marketingkonzept geht also voll auf.

Wenn die Abtreibung doch angeblich keinerlei Problem darstellt, warum soll es dann ein Problem sein, wenn junge Frauen abtreiben?

Antworten violet
11.06.2008 17:36
0 0

Ähhh ...


Antworten Antworten violet
11.06.2008 17:41
0 0

Re: Ähhh ...

Ich kann Ihnen da nicht ganz folgen. Gibt es Studien, die beweisen, dass die Zunahme der AIDS-Infektionen an der Aufklärung liegt?

Ich nehme eher an, dass diese Krankheit(en) generell im Vormarsch ist. Wer weiß, wie die Verbreitungsrate ohne Aufklärung aussähe!

Ich frage mich, ob mein Religionslehrer mich zu frühzeitigen sexuellen Kontakten verleiten wollte ... *ggg* War wohl eher abschreckend, und erst der Biologie-Unterricht *brr*

Ganz klar ist mir leider nicht, wie man Jugendlichen mehr Verantwortungsbewusstsein "beibringen" kann ... Moment! Vielleicht sollten wir Erwachsene ein gutes Beispiel vorleben?

Antworten Antworten Antworten Gast: Bösewicht
11.06.2008 20:23
0 0

Re: Re: Ähhh ...

Es gibt natürlich keine Studie die den Misserfolg der AIDS-Aufklärung beweist. Wo denken Sie hin. Wissen Sie denn nicht, wie Studien entstehen. Nein, ich beziehe mich auf eine seriöse Quelle: Die Statistik über die Zunahme von Syphillis just im genannten Zeitraum. Da ist genau in dem Zeitraum, in dem intensivst über AIDS aufgeklärt wurde, die Anzahl der Syphillis Erkrankungen in die Höhe geschnellt. Da die Verbreitungsmechanismen von Syphillis und AIDS doch sehr ähnlich sind (abgesehen von der Spritzeninfektion-die es bei Syphillis nicht gibt), können Sie die Zunahme an Neuerkrankungen - dank der als Aufklärung bezeichneten Werbemaßnahmen- einfach übernehmen.

Sie haben schon recht, man muss Jugendlichen mehr an gutem Beispiel liefern. Liveball, Broschüren des (ehemaligen) Gesundheitsministeriums, die Jugendliche zum Analverkehr anleiten udgl. sind aber wohl weniger geeignet.

Antworten Peregrin
11.06.2008 17:17
0 0

Re: Die Abtreibungsindustrie schlägt Alarm!

Daher sollen ja, wie vielerorts (nebenan) gefordert wird, auch die kleinen Maedchen in den Volksschulen schon moeglichst halbnackt herumlaufen. Frueh uebt sich!

Steininger
11.06.2008 15:16
0 0

Die Nachricht ist alarmierend:

Immerhin kann man von ungeschützem Sex nicht nur schwanger werden. Man kann sich auch allerhand Infektionen einfangen.
Das Level der Aufklärung über venerische Erkrankungen an unseren Schulen ist skandalös. Die Verantwortlichen sind wohl zu bigott um das zu ändern.

Antworten Peregrin
11.06.2008 15:37
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Re: Die Nachricht ist alarmierend:

Na klar, das bisserl weichgespuelter Religionsunterricht ist schuld, dass die linke Gesellschaftpolitik hinten und vorne versagt.

Antworten dionysos
11.06.2008 15:24
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Re: Die Nachricht ist alarmierend:

Kurios dass wieder einmal die Schulen hier die sein sollen, die die Verantwortung tragen. Haben die Schulen (und somit das Bildungsministerium) jetzt schon das Monopol auf Erziehung?

Antworten Antworten Steininger
11.06.2008 15:35
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Re: Re: Die Nachricht ist alarmierend:

Wer denn sonst? Die Eltern? Aber gehns, das klappt doch nie. Ausserdem sind Programme zur Sexualerziehung an Schulen viel besser aufgehoben weil man viel mehr Jugendliche erreichen kann!

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Re: Re: Re: Eltern

Ich würde mich als Elternteil verantwortlich sehen, nach Vorbild meiner Mutter: Sie hat mir mein erstes Aufklärungsbuch (sehr einfach) gegeben, ich konnte alles fragen und etwas später, als die Dates begannen, hat sie mich mit zum Frauenarzt genommen und mir auch wieder gute Literatur gegeben.

Die Themen Sexualität, Verhütung und Geschlechtskrankheiten waren weder unter- noch überrepräsentiert, sondern wurden nach Bedarf einfach und natürlich behandelt.

Nicht jedes Kind ist gleich, das weiß ich, aber ich habe das in guter Erinnerung (war locker, aber verantwortungsbewusst) und würde das auf alle Fälle so versuchen.

Gast: outsider
11.06.2008 14:29
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Zahlen umdrehen

Wenn 11% der Patientinnen der Klinik unter 20 sind, heisst das wohl, das 89% 20 oder aelter sind, also in einem Alter, in dem man eigentlich sein Leben im Griff haben und verantwortungsbewusster handeln sollte. Mir ist schon klar, dass eine ungewollte Schwangerschaft nicht immer daher ruehrt, dass die Frau bewusst nicht verhuetet hat (das gilt ja wohl aber fuer alle Altersgruppen), aber so betrachtet weiss ich nicht, ob somit die Jugend wirklich so viel unvorsichtiger ist als die Erwachsenen.