DiePresse.com

DiePresse.com | Panorama | Jugend | Artikel DruckenArtikel drucken


Jugend und Drogen: Konsum steigt langsam, aber konstant

25.08.2008 | 20:43 |  (Die Presse)

TRENDS. Die heimische Jugend konsumiert mehr Cannabis und Pilze, bei Partys löst Alkohol Ecstasy wieder ab.

WIEN (eko). Österreichs Jugendliche konsumieren mehr Drogen. Vor allem bei biogenen Substanzen - etwa Pilzen oder Pflanzen wie die Engelstrompete - beobachten Experten ein langsames, aber stetiges Wachstum. Auch bei Ecstasy, Amphetaminen und Kokain gab es in den vergangenen zwei Jahren einen leichten Anstieg, berichtet Wiens Drogenkoordinator Michael Dressel. „Es ist noch nicht dramatisch", meint er, „aber hier müssen wir sicherlich aufpassen".

Generell spricht er sich für einen panikfreien Umgang mit Drogen aus: „Es greift ein gewisser ,Alarmismus‘ um sich", so Dressel, „überall heißt es ,immer früher‘ und ,immer mehr‘ ". Wichtig sei, sich reale Zahlen anzuschauen. Zahlen, die Dressel dem Wiener Drogenbericht 2006-2007 entnimmt, der im September erscheint, interpretiert er als nicht alarmierend. Zwar habe es in einigen Bereichen leichte Steigerungen gegeben, doch insgesamt zeige der Drogenkonsum Jugendlicher „keine dramatischen Veränderungen".

„Größere Selbstaggression"

Wichtig sei der Blick aufs Detail, soll heißen auf das Konsumverhalten. Bei Großveranstaltungen sei etwa ein Rückgang illegaler Substanzen zu bemerken - dafür sei der Alkoholkonsum gestiegen. Ein Grund dafür: Die früher zumeist illegalen Raves sind zunehmend kommerzialisiert, dadurch komme es zu mehr Kontrollen. In kleineren Subszenen im Underground würden illegale Partydrogen wie Amphetamine jedoch weiter regelmäßig konsumiert.
Nicht nur die Art der Drogen unterliegt einem Wandel, auch der Umgang mit legalen und illegalen Substanzen hat sich geändert: „Die Selbstaggression ist größer geworden, der Trend geht zum Narkotisieren", erklärt der Drogenkoordinator.

Sei es früher darum gegangen, etwas zu spüren, gehe es jetzt eher darum, nichts mehr zu spüren. Dennoch warnt Dressel davor, spektakuläre Einzelfälle, die bekannt werden, überzubewerten. Denn dass immer mehr Jugendliche trinken, ließe sich durch Zahlen nicht belegen. Ein Beispiel rund um die „Komatrinken"-Debatte: Nach eigenen Angaben trinkt etwas mehr als ein Viertel (27 Prozent) der Wiener Bevölkerung regelmäßig bzw. relativ häufig Alkohol, so ein Ergebnis des Wiener Suchtmittelmonitorings. Bei jungen Menschen zwischen 15 und 29 Jahren sind es dagegen mit 20 Prozent deutlich weniger als im Bevölkerungsschnitt. Erhöht habe sich allerdings gegenüber dem Jahr 2005 der Anteil der unter 30-jährigen Frauen. Und auch das Einstiegsalter sei in den vergangenen Jahren von 15 auf 13,4 Jahre gesunken.

Schwer, an Drogen zu kommen

Erfreut zeigt sich der Wiener Drogenkoordinator über die Ergebnisse einer EU-weit durchgeführten Umfrage, laut der es in Österreich für junge Menschen schwieriger als im EU-Schnitt sei, an illegale Drogen heranzukommen. Laut der Einschätzung der befragten Jugendlichen gehört Österreich zu den fünf Ländern, in denen der Zugang zu Drogen am schwierigsten ist. So meinen etwa 80 Prozent (EU: 72), dass man schwer an Heroin komme, bei Kokain sind es 76 (EU: 61), bei Cannabis 50 (EU: 34) Prozent.
Allerdings: 96 Prozent der jungen Österreicher halten Tabak für leicht erhältlich, Alkohol gar 97 Prozent. Damit liegt man ziemlich genau im EU-Durchschnitt.

 


© DiePresse.com