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Integration: Die zweite Generation startet durch

16.04.2011 | 18:20 |  von Doris Kraus (Die Presse)

Stiftung "Neuer Wind": Cäcilia, David, Armin und Fatma sind ehrgeizig, erfolgreich und engagiert. Deshalb sollen sie jetzt auch andere Jugendliche mit Migrationshintergrund inspirieren.

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Sie wissen nicht ganz genau, wohin mit ihren Händen. Sie wissen auch nicht ganz genau, wohin mit ihrer Freude. Verlegen stehen sie da, hin- und hergerissen zwischen Stolz und Unbehagen. David (17) ist „sehr dankbar“, Armin (18) „einfach sprachlos“, und Cäcilia (17) glaubt, dass sie erst am Abend, wenn sie in ihrem Zimmer liegt, so richtig realisieren wird, „dass ich zu den Gewinnern zähle“.

Gewinner sind sie auf jeden Fall – auch ohne den Preis der Stiftung „Neuer Wind“, die die Spitzenköchin Sohyi Kim ins Leben gerufen hat. Kim, selbst Südkoreanerin, wollte damit zeigen, dass die Mischung „Jugendliche“ und „Migrationshintergrund“ kein Rezept für Desaster sein muss. Dass daraus etwas anderes werden kann als das, was dem Wiener im Straßenbild so oft negativ auffällt: beschäftigungslose junge Menschen mit zu viel Zeit und zu viel Wut. Cäcilia, Fatma, David und Armin sollen beweisen, dass es anders geht. Dafür wurden sie aus zahlreichen Bewerbern ausgewählt und werden von „Neuer Wind“ bei der Aus- und Weiterbildung ihrer Wahl finanziell unterstützt. Als Gegenleistung sollen sie Jugendlichen aus Zuwandererfamilien ein positives Beispiel geben.

Die vier mussten allerdings schon gut sein, ehe sie für wert befunden wurden, in Richtung „noch besser“ gefördert zu werden. Ihre intellektuelle Leistung wurde nach einem strengen asiatisch inspirierten Maßstab gemessen, ihr Engagement für die Gesellschaft an europäisch-karitativen Prinzipien. Dazu kam eine besondere Hürde: Sie mussten Migrantenkinder der zweiten Generation sein, das heißt, dass die Eltern im Ausland geboren wurden.

„Kleiner Piefke mit Schlitzaugen“. Cäcilia vereint diese Ansprüche sozusagen schon in ihrem vollen Namen: Cäcilia Soon Maria Ottenthal. Die Tochter einer Sängerin und Restaurantmanagerin aus Südkorea und eines Tirolers – die Eltern sind mittlerweile getrennt – wuchs in Deutschland auf und übersiedelte mit ihrer Mutter vor acht Jahren nach Österreich. Ihren Migrationshintergrund bekam sie da gleich in doppelter Hinsicht zu spüren. „Am Anfang war ich immer der kleine Piefke“, sagt Cäcilia. „Allerdings manchmal auch der kleine Piefke mit Schlitzaugen.“ Dennoch gibt sie sich große Mühe, die Österreicher als „sehr integrationsfreundlich“ zu empfinden. Gleichzeitig erkennt sie aber an, dass Menschen, die sichtbar einem anderen Kulturkreis angehören (zum Beispiel durch das Kopftuch), es nicht sehr leicht haben.

Probleme mit ihrem Migrationshintergrund geben auch David Pinchasov (17) und Armin Etemadi (18) nicht gern zu. Doch genauso wie Cäcilia strahlen auch sie aus, dass sie, im Gegensatz zu vielen in Österreich geborenen Jugendlichen, laufen müssen, wenn andere es gemütlicher angehen können. Immer das kleine bisschen mehr leisten, immer besser sein als die anderen, um sich gleichwertig zu fühlen. Gleichzeitig aber immer hübsch bescheiden bleiben, um nicht als überheblich abgestempelt zu werden.

Davids Eltern kamen über die USA aus Russland nach Österreich, Vater und Mutter haben hier einen Handelsbetrieb aufgebaut. David hat einen Notendurchschnitt von 1,33, spricht Deutsch, Russisch, Englisch, Spanisch und Hebräisch, spielt seit neun Jahren Saxofon, gibt nebenbei (wann nebenbei eigentlich?) jüngeren Schülern Nachhilfe. Wird David von seinen Eltern angetrieben, besser als der Rest zu sein? „Nein“, sagt er. „Meine Eltern unterstützen mich. Der Einsatz kommt von mir.“ Wie schafft er das alles? „Ich bin eben gut organisiert.“

Das gilt auch für Armin Etemadi (18). Seine Familie stammt aus dem Iran, die Mutter studiert nebenbei Zahnmedizin, der Vater arbeitet. Armin hat bereits jetzt ein glasklares Bild von seiner Zukunft. Er will Medizin studieren, daneben noch ein zweites Fach – Mathematik, Informatik oder Chemie. Dafür übt er schon jetzt. Seine Freizeit nützt er für Fortbildung, vor allem auf naturwissenschaftlichem Gebiet.

Für den Burschen, der gern Fußball spielt und Taekwondo betreibt, hängt der Erfolg von Migrantenkindern „vor allem davon ab, wie weit sie bereit sind, sich zu integrieren“: „Wenn sie das nicht tun, haben sie es sehr schwer.“ Seine Freunde, sagt er, seien hauptsächlich Österreicher.

„Komplett meine Heimat“. Auffällig ist, dass die drei jungen Leute überhaupt nicht daran denken, Österreich zu verlassen. Während es österreichische Schüler und Studenten häufig ins Ausland zieht, steht für David, Armin und Cäcilia fest, dass sie hier bleiben wollen. „Österreich ist komplett meine Heimat“, sagt Armin. Einzig Cäcilia kann sich vorstellen, während des Studiums ein Auslandsjahr – „oder vielleicht doch nur ein Semester“ – zu absolvieren.

Sie will „etwas von dem zurückgeben, was ich bekommen habe“. Ein Satz, der offenbar nicht nur im Überschwang der Preisverleihung gesagt wurde. Schon jetzt engagiert sich Cäcilia in dem Projekt „Soco4you“, in dem es um Behinderung, Alter und Krankheit geht. Und sie betreut eine Kindergruppe in der Koreanisch-Presbyterianischen Kirche, in der ihre Mutter aktiv ist. Beruflich will sie einmal „ungefähr das machen, was Sie gerade tun“. Was? Hektisch seitenweise Papier vollschreiben und hoffen, dass man es später noch lesen kann? „Genau“, grinst Cäcilia. Und beweist, dass die erfolgreichen Kandidaten bei ihrer Eigenbewertung offenbar nicht geschummelt haben. Humor ist nicht nur auf dem Papier eine von Cäcilias Stärken.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.04.2011)

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15 Kommentare
Gast: Franz78
17.04.2011 19:10
0 0

STOLZ

ich bin österreicher 78j, FPÖ wähler und sag i ganz laut " I BIN STOLZ AUF SOLCHE KINDER !!!!
IHR SEID ÖSTERREICHER UND NICHT MIGRANTEN
Franz aus Meidling

3 1

Nun, was sich hier zeigt ist, aß dei Geförderten schon aus recht erfolgreichen (Unternehmer, Akademiker) Elternhäusern kommen.

Und das, worüber die sich beklagen müssen, darüber muß sich jeder "Zuagraste" in seinem Heimatland beklagen, wenn er von einer Provinz in die nächste übersiedelt.
Und das sind auch nicht die Leute aus den Familien, deren Kinder typischerweise arbeitlos, Schulaabbrecher, kriminell, ... sind!


Gast: Hinsichtlich & Rücksichtlich
17.04.2011 12:07
2 0

Verkehrsberuhigte Zonen in Paris.....

Alles exzellentes Fachpersonal, Ingenieure, Ärzte, Techniker etc...

http://www.pi-news.net/2011/04/bilder-aus-paris-vom-8-april-2011/

Gast: Messalina-X
17.04.2011 11:16
4 0

wenn ich weiterkommen will

muß ich immer mehr leisten als andere, egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund

Gast: 12345
17.04.2011 10:52
2 1

Startet durch zur Heimreise....


7 1

Was soll der Blödsinn

Wir leben in einer freien Marktwirschaft. Jede Förderungn der einen Gruppe, geht auf Kosten einer anderen Gruppe. In der Wirtschaft muss es für jeden Gewinner irgendwo auch einen Verlierer geben. So ist das nun mal. Wenn ich jetzt krampfhaft Migranten oder Frauen oder SPÖ/ÖVP Haberer irgendwie auf Positionen hebe, die sie alleine nicht erreichen würden, dann habe ich vor allem Eins erreicht, dass sie einem anderen die Position wegnehmen, der wahrcheinlich (um nicht zu sagen mit Sicherheit) besser qualifiziert ist. Wir drängen Menschen aus Positionen herraus, um sie krampfhaft mit Migranten zu besetzten und feiern das dann als Integrationserfolg. Dabei würde die Marktwirtschaft das Ganze ja von alleine regeln. Wer "angeblich" so gut ist (und das behaupten die Migranten und die angeschlossene linke Presse ja permanent von sich), der wird sich doch problemlos durchsetzten. Nur Unfähige müssen gefördert und geschützt werden (Beamte, Emanzen, Migranten, SPÖ/ÖVP Haberer, ..). Das ist aber mittelfristig der Untergang unseres Systems und des Wohlstands in diesem Land.

Antworten Orator
17.04.2011 17:45
0 1

Re: Was soll der Blödsinn

Stimme mit Ihnen überein.

Gutes Kommentar und diesem ist nichts hinzuzufügen.

Antworten Gast: Messalina-X
17.04.2011 11:19
5 1

Re: Was soll der Blödsinn

wie recht sie haben, außerdem ist diese "positive Diskriminierung" (Affirmative Action) ja in den USA schon in die Hose gegangen

6 0

und was ist mit ...

unserem kleinasiatischen, bildungsfernen import?
solche beiträge unterstreichen nur die bekannte tatsache dass man eben nicht "die zuwanderer" hat sondern sehr wohl differenzieren kann und muss.


Gast: ralph giodano bruno
17.04.2011 04:14
2 0

musikindustrie, plattenfirmen

und jeder, der wissen wollte, wusste es.

niemanden interessiert das produkt. niemand wollte "die botschaft" hören - noch weniger sehen und schon gar nicht kaufen. aber dennoch machte die musikindustrie, die plattenfirmen weiter.

sie pushten ihre ungewollten produkte, vestärkten den druck (auf ihre schützlinge)... der rest ist bekannt - danke für die zeitungen. s war schön bis hierhin. aber es ist vorbei. over and out.

zombie1969
17.04.2011 00:53
1 0

Die zweite Migranten-Generation muss unter allen

umständen ausgeschafft werden. Jetzt sind alle verfügbaren Ressourcen für die armen Nordafrikaflüchtlinge bereitzustellen. Sind zwar keine Frauen und Kinder unter denen, aber um das Gewissen zu beruhigen reichen auch junge Männer aus. Ferner werden sie dann noch das Rotlichtmilieu in A ordentlich aufmischen, man will schliesslich auch etwas vom grossen Kuchen.

Gast: Vorderseer
16.04.2011 23:25
0 0

Fatma

Was ist mit Fatma? Die kommt nur im zweiten Absatz unter der Schlagzeile vor, danach nicht mehr.

Gast: Kümmel T
16.04.2011 20:40
10 1

Vergeblich

Multi Kulti ist gescheitert!
Da kann sich die Presse noch so abmühen, zensurieren und schönreden!

Gast: human rights watch
16.04.2011 20:11
11 1

Immer positiv denken!

Und die täglich positive Integrationsgeschichte darf nicht fehlen. Was will man mit dem ständigen Wiederholen diverser Geschichten denn erreichen? Diese "positiven" Geschichten ändern nichts an der brisanten Situation in der sich Europa momentan durch die großen Flüchtlingsströme befindet. Was machen die politisch Verantwortlichen, nichts, außer noch immer alle Schwierigkeiten zu negieren.

Diese "rosaroten" Geschichten gehen einem allmählich auf die Nerven. Vor allem, dass die mehr leisten müssten als die Österreicher mit Deutsch als Muttersprache. In Wiener VS-Schulen sind viele österreichischen Kinder,deutsche Muttersprache, in der Minderheit. Es ist eine grosse Herausforderung für diese Kinder sich durchzusetzen.

Außerdem stammt keiner der oben Genannten von einem gewissen kleinasiatischen Steppenvolk ab.


El Barato
16.04.2011 19:35
11 0

Schöne Multikulti-Welt

Die - ohne ihnen zu nahe treten zu wollen - mit dem Silberlöffel großgezogenen Sprösslinge von international mobilen Upper-Class-Familien werden vor den Vorhang geschleift, und die Gutmenschen-Camarilla darf sich wieder mal in Selbstgerechtigkeit suhlen.

An den Problemen, die durch systematischen Unterschicht-Import entstehen, ändert das kein Iota.