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CO2: Deutschland gegen Italien und Frankreich

16.07.2012 | 18:39 |  Von Jakob Zirm (Die Presse)

Der jüngste Vorschlag der EU-Kommission für verschärfte CO2-Grenzwerte bei Autos eröffnet eine neue Front im wirtschaftspolitischen Konflikt der drei großen EU-Länder. Eine Analyse.

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Wien. In der wirtschaftspolitischen Causa prima Europas – der Schuldenkrise südeuropäischer Länder – sind die Fronten klar abgesteckt. Während Italiener oder Franzosen für die offene Vergemeinschaftung der Schulden oder das Anwerfen der Notenpresse plädieren, ist Deutschland bisher strikt dagegen. Und aufgrund seiner gut funktionierenden Exportwirtschaft befinden sich die Deutschen dabei auch in einer Position der Stärke. Wichtiger Teil dieser Exportwirtschaft ist nicht zuletzt die deutsche Autoindustrie, deren Produkte sich in China oder den USA größter Beliebtheit erfreuen. Und gerade rund um dieses wichtige Standbein der Deutschen Industrie bahnt sich der nächste Konflikt zwischen den drei Ländern an.

Grund dafür ist der Vorschlag über verpflichtende CO2-Grenzen für Neuwagen ab dem Jahr 2020, den EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard in der Vorwoche vorgelegt hat, „Die Presse“ berichtete. Demnach soll der Ausstoß von Kohlendioxid pro gefahrenem Kilometer in den nächsten acht Jahren auf 95 Gramm fallen. Im Vorjahr waren noch 135,7 Gramm erlaubt, bis zum Jahr 2015 soll dieser Wert laut derzeit gültiger Regelung auf 130 Gramm fallen.

 

3,7 Liter auf 100 Kilometer

Dies bedeutet jedoch nicht, dass ab 2020 jedes Auto weniger als 95 Gramm pro Kilometer emittieren muss. Denn dieser Kohlendioxid-Ausstoß entspricht einem durchschnittlichen Verbrauch von 3,7 Litern auf 100 Kilometer. Ein Wert, mit dem Sportwagen oder große und schwere Limousinen auch bei großem technischem Fortschritt in der heutigen Form technisch nicht mehr machbar sind. Für Unternehmen wie Porsche würde dies also de facto ein Verbot der Geschäftstätigkeit bedeuten.

Um dies zu vermeiden, wurde schon bei der – ebenfalls heftig umkämpften – Einführung der derzeitigen Regelung im Jahr 2007 festgelegt, dass die Grenze nur als Durchschnitt der gesamten Produktion eines Herstellers gilt. Mit genügend hergestellten Kleinwagen kann so also rechnerisch der Ausstoß eines großen Spritschluckers wieder ausgeglichen werden. Dies ist auch einer der strategischen Gründe für die Eingliederung von Porsche in den VW-Konzern. Denn nur mit genügend verkauften Lupo und Polo ist auch in Zukunft die Existenz von 911 und Cayenne gesichert.

Zusätzlich wird die Last auch unterschiedlich zwischen den Herstellern aufgeteilt. Dank einer komplizierten Formel dürfen jene Produzenten, die vor allem große und schwere Autos im Programm haben, in Summe über dem Grenzwert liegen. Dies betrifft vor allem die deutschen Konzerne VW, Daimler und BMW. Im Gegenzug müssen jene Hersteller, die vornehmlich Kleinwagen produzieren, mit ihrem Flottenausstoß noch unter der Grenze liegen. Dies gilt etwa für Fiat oder Peugeot.

 

„Dickere sollen mehr abnehmen“

Diese Regelung gab es schon bisher, im neuen Vorschlag für 2020 wurde jedoch ein Wert geändert, wonach große Autos in Relation stärker an Effizienz zulegen müssen als kleinere. „Dickere Menschen sollen ja auch mehr abnehmen als dünnere“, wurde diese Änderung bei der Präsentation des Vorschlages in der Vorwoche kommentiert.

Eine ursprünglich geplante noch stärkere Verschärfung hat der mächtige Verband der deutschen Automobilindustrie zwar bereits „weglobbyiert“. Dennoch wollen die Deutschen auch die übrig gebliebene Änderung nicht kampflos hinnehmen. Vor allem, da es auch Gründe abseits der Umweltpolitik dafür gibt: So soll sich etwa der französische Binnenmarktkommissar Michel Barnier für diese Verschärfung starkgemacht haben. Nach Ansicht der Deutschen, um der französischen Autoindustrie das Leben zu erleichtern.

 

Widerstand im EU-Parlament

Innerhalb der Kommission sind die Verhandlungen mit der Präsentation des Vorschlages zwar weitgehend abgeschlossen. Um endgültig Realität zu werden, muss die Regelung jedoch noch im Europäischen Parlament und im Rat der Fachminister beschlossen werden. Und dort zeichnet sich bereits jetzt an, dass Vertreter Deutschlands das Paket noch einmal aufschnüren und die bisher gültigen Werte beibehalten wollen.

Sollte dies nicht der Fall sein, müssten die Deutschen ihren Flottenverbrauch stärker als bisher geplant absenken. Laut Branchenexperten ginge dies vor allem über einen Ausbau der Modellpalette am unteren Spektrum – also mehr Kleinwagen von BMW, Daimler und Audi. Eine Strategie, die von den deutschen Herstellern in den vergangenen Jahren bereits kräftig forciert wurde. Gelitten haben darunter nicht zuletzt die italienischen und französischen Hersteller, die so neue Konkurrenten in ihrem Segment erhielten.

Auf einen Blick

Ab 2020 sollen Neuwagen laut einem Vorschlag der EU-Kommission im Schnitt maximal 95 Gramm CO2 je Kilometer emittieren dürfen. Dieser Schnitt ergibt sich, indem größere Autos mehr und kleinere Autos weniger Kohlendioxid ausstoßen. Die EU will nun aber, dass größere in Relation zu kleineren stärker an Effizienz zulegen. Aus Deutschland regt sich Widerstand dagegen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.07.2012)

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9 Kommentare
Gast: otto f.krammer
23.07.2012 08:15
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Lithiumzellen sind für E-Mobilität systemimmanent!

Leider haben es die Politiker verabsäumt, solche Batrteriezellen in Europa zu erzeugen und nun müssen diese aus Fernost, teuer und weither importiert werden.
Die Chinesen fahren bereits in ihren Reggionalbussen mittels solcher Batterien und ersparen 2/3 der Betriebskosten eines Erdölbus.
Elektrofahrräderproduktion in China:
210.000 Stück (1999) auf rund 120 Millionen (2009).
Deshalb brauchen die Chinesen den DreiSchluchtenDamm und sie haben die größten Windkraftwerke für den Strom ihrer E-Vehikel.

die vorstellung, dass das anthropogene CO2 das Klima beeinflussen kann, ist absurd!

Die Wissenschaftler, die von der politischen, nicht wissenschaftlichen Organisation IPCC (Weltklimarat) beauftragt wurden, "den vom Menschen gemachten Klimawandel zu beobachten", konnten dem nicht direkt widersprechen und haben gesagt, dass es "likely" wäre, dass der Mensch in der 2. Hälfte des 20. Jhdts. einen Beitrag zur Erderwärmung geleistet hat. Gleich 10-mal wird aber dazugesagt, dass man aus Zeiträumen unter 50 Jahren keine Schlüsse ziehen kann. Bei näherem Hinsehen, sprechen sie aber nur von der Zeit von 1970 bis 2005, also weniger als 50 Jahren, womit sie zeigen, dass es kein Indiz dafür gibt, dass die 6 Zehntelprozent, die der Mensch zum Treibhauseffekt beisteuert, irgend etwas bewirken. Dieser winzige Beitrag geht in den starken Schwankungen des Wasserdampfs, der 60 Prozent des Treibhauseffektes bewirkt und den Schwankungen des bodennahen Ozons völlig unter!
Meine Anfrage an Herrn BM Berlakovich, ob es einen Beweis für einen Einfluss des Menschen auf das Klima gibt, ergab nur den Hinweis auf diese Textstelle im IPCC-Bericht. Es gibt also einen solchen Beweis nicht!

Frau Regling hat diesen IPCC-Bericht offenbar nie gelesen und glaubt noch immer, dass man den menschlichen CO2-Ausstoß beschränken soll! Und deshalb will sie uns zu schwachbrüstigen, extrem leichten Autos ohne technische Sicherheitseinrichtungen zwingen womit sie für hunderte Verkehrstote verantwortlich sein würde!

Gast: Trakkonta
17.07.2012 09:24
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Deutschland okkupiert

mal wieder Europa. War ja klar, dass die EU für Berlin nur ein Mittel ist, Herrschaft über die anderen Länder auszuüben.

'darf' der bürger zu seinem glück gezwungen werden?

zb dazu, kleinere und verbrauchsgünstigere autos zu kaufen, um damit einen positiven beitrag für die eigene geldbörse und vor allem für die allgemeinheit zu leisten.

ein beispiel von einer anderen baustelle:
noch in den 90ern war es durchaus üblich, sein haus mit einer ölheizung auszustatten. es war die damals billigste variante.
doch schon damals war klar, dass öl zunehmend teurer werden würde und das co2 ein großer, vorerst der allgemeinheit zufallender kostenfaktor ist.
wie groß wäre damals der aufschrei gewesen, wenn ölheizungen verboten/finanziell unattraktiv geworden wären? riesig vermutlich. entmündigung mündiger bürger usw hätte es geheissen...
mittlerweile allerdings ist die ursprünglich günstige ölheizung alles andere als günstig. und die umrüstkosten von 15 jahre alten anlagen schlagen auch mächtig zu buche.


Der religiöse Hass

der Deutschen gegen das CO2

erinnert irgendwie an die Hexenverfolgungen und Teufelsaustreibungen im Mittelalter.

Die Deutschen waren diesbezüglich auch führend in Europa.

Gast: gast111
16.07.2012 23:29
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sind die franzosen und italiener nicht intelligente politiker

glauben wenn sie den flottenverbrauch per gesetz verringern, dann gehte s ihren fiats, peugeots usw besser, genau das gegenteil ist der fall, nämlich die schwachen fiats und peugeots bekommen mercedes, bmw & co als konkurrenz

ein schönes eigentor, und sie kapieren es immer noch nicht, die politiker aus frankreich und italien

das ist so wie damals, als die engländer produkte aus deutschland im WK I brandmarken wollten und das made in germany erfanden, das heute ein qualitätssiegel darstellt

Antworten Gast: otto f.krammer
23.07.2012 11:10
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Re: sind die franzosen und italiener nicht intelligente politiker

Europa sitzt leider in der Erdölfalle gefangen und bleibt weiterhin von den Erdölscheichs abhängig.
Dazu kommt, dass bereits 25% der OMV, den Erdölscheichs gehören und da besteht kein Interesse, den Elektroverkehr zu fördern.

Antworten Gast: otto f.krammer
23.07.2012 08:24
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Re: sind die franzosen und italiener nicht intelligente politiker

Europa sitzt leider in der Erdölfalle gefangen und bleibt weiterhin von den Erdölscheichs abhängig.
Dazu kommt, dass bereits 25% der OMV, den Erdölscheichs gehören und da besteht kein Interesse, den Elektroverkehr zu fördern.

Gast: Hanibal L.
16.07.2012 19:34
11 1

vom C02 Schwindel zu CO2 Absurdität

Widerstand gegen EU-Kommissions-dummheit ist eine gerechte Sache. Aber bis zur Realisierung ist die EU ohnehin Geschichte^^.