Nach dem Atom-Unglück im japanischen Fukushima im März 2011 hat die EU Stresstests für sämtliche Atomkraftwerke in der Union in Auftrag gegeben. Den Abschlussbericht will EU-Energiekommissar Günther Oettinger am Mittwoch vorstellen. Medienberichten zufolge zeichnet sich schon ab, dass Mängel gefunden wurden. Besonders schlecht sollen dabei Anlagen in Österreichs Nachbarändern wegkommen.
Der Entwurf des Stresstest-Abschlussberichts stellt "bei praktisch allen Reaktoren" in der EU die "Notwendigkeit für Sicherheitsverbesserungen fest", so die Nachrichtenagentur AFP. "Die Identifizierung von Hunderten notwendigen Sicherheitsverbesserungen für die existierenden Nuklearanlagen erfordern eine Gesamtinvestition zwischen zehn und 25 Milliarden Euro in den kommenden Jahren", zitiert die deutsche "Welt" den Abschlussbericht.
AKW nahe Österreich besonders schlecht
Die Sicherheitsstandards in den österreichischen Nachbarländern, Tschechien und Slowakei sollen besonders schlecht wegkommen. Das berichtet das "WirtschaftsBlatt" am Dienstag. In zumindest der Hälfte der getesteten Sicherheitskategorien hätten die Prüfer Mängel in den tschechischen Standorten Dukovany und Temelin sowie den slowakischen Kraftwerken Bohunice und Mochovce festgestellt, so die Zeitung.
In Dukovany und Temelin sei die Ausrüstung zur Bekämpfung von Notfällen nicht sicher genug untergebracht. Zudem gebe es keinen ausreichenden Notfallplan, um das Kraftwerk komplett hinunterfahren zu können. Auch die Management-Richtlinien für den Fall ernsthafter Unfälle seien nicht oder nicht ausreichend umgesetzt. Darüber hinaus fehlten technische Einrichtungen zur Vermeidung von Wasserstoffexplosionen bei Unfällen ebenso wie Filtersysteme für die Entlüftung der Reaktorhülle bei Überdruck. In Temelin seien zudem die seismischen Messinstrumente überholungsbedürftig. Ähnlich kritisch sei die Lage bei den slowakischen Kraftwerken in Bohunice und Mochovche.
Faymann: Jedes AKW einzeln prüfen
Österreichs Bundekanzler Werner Faymann reagierte am Dienstag auf die Vorab-Berichte. Seiner Ansicht nach zeigt das Ergebnis sowohl, dass Stresstests grundsätzlich nötig sind, aber auch, dass man noch genauer hinschauen müsse. Dies werde man auch beim Europäischen Rat zur Sprache bringen: "Man kann nicht einfach zur Tagesordnung übergehen." Österreich werde sich für eine "Prüfung jedes einzelnen Kernkraftwerks in der EU" stark machen, kündigte er nach dem Ministerrat an.
>> Karte: Atomkraft in Europa
(APA/AFP/dpa)
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