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Stresstest: Fast alle Atomkraftwerke haben Mängel

04.10.2012 | 12:45 |  ANNA GABRIEL (Die Presse)

Das Ergebnis der europaweiten AKW-Überprüfung gibt Anlass zur Sorge. Die Reparatur der 134 untersuchten Kraftwerke könnte bis zu 25 Milliarden Euro kosten. Frankreich kommt bei den Tests besonders schlecht weg.

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Wien/Brüssel. Sicherheitsmängel und Defekte in so gut wie allen europäischen Atomkraftwerken: Es ist ein verheerendes Zeugnis, das die Europäische Kommission in ihrem Abschlussbericht zu den AKW-Stresstests diese Woche vorlegt. Die Nachrüstung der 134 untersuchten Kraftwerke in der EU werde insgesamt bis zu 25 Milliarden Euro kosten, heißt es darin. Eine Empfehlung für die Schließung eines Reaktors gibt es aber nicht.

Frankreich kommt bei den Tests, die nach der Atomkatastrophe von Fukushima im März 2011 vereinbart wurden, besonders schlecht weg: Keines der 58 Kraftwerke soll die Sicherheitsstandards der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) erfüllen, berichtet die Zeitung „Le Figaro“. So hätten allein 19 AKW keine seismischen Messinstrumente. Doch die Prüfer nationaler Behörden und der EU-Kommission stellten unter anderem auch in einigen deutschen, britischen und schwedischen Reaktoren unzureichende Sicherheitsstandards fest.

 

AKW nahe Österreich in der Kritik

Bei den deutschen Kraftwerken bemängelten sie insbesondere die unzureichende Ausstattung mit Erdbebenwarnsystemen. Diese müssten in allen in der Bundesrepublik geprüften AKW nachgebessert werden. Auch die Leitlinien für schwere Unfälle seien ungenügend umgesetzt.

Besonders scharfer Kritik sehen sich laut einem Bericht des „Wirtschaftsblattes“ auch vier Kraftwerke in Österreichs unmittelbarer Nachbarschaft ausgesetzt: die Reaktoren Dukovany und Temelin in Tschechien sowie Bohunice und Mochovce in der Slowakei.

Die Mängel dieser AKW reichen von unzureichenden Notfallplänen über Defizite an technischen Einrichtungen zur Vermeidung von Wasserstoffexplosionen bei Unfällen bis zu fehlenden Filtersystemen für die Entlüftung der Reaktorhülle bei Überdruck, berichtet das Blatt.

Die EU-Staaten müssen nun bis Jahresende konkrete Aktionspläne zur Umsetzung zusätzlicher Sicherheitsmaßnahmen vorlegen. Fest steht aber schon jetzt: So gut wie alle AKW müssen weiter in die nukleare Sicherheit investieren – je nach Reaktor zwischen 30 und 200Millionen Euro.

Am morgigen Donnerstag will die Kommission offiziell ihre Mitteilung zur Risiko- und Sicherheitsbewertung der Kraftwerke vorlegen und Empfehlungen für jede einzelne Anlage abgeben. Diese sind für die Mitgliedstaaten aber rechtlich nicht bindend, weshalb sie weitreichendere Kompetenzen bei der Überwachung der Atomkraftwerke fordert. Zudem will sie neue Gesetzesvorschläge für die Verschärfung geltender europäischer Sicherheitsstandards unterbreiten.

Atomkraftkritikern geht das noch nicht weit genug: Im EU-Parlament wurden bereits Forderungen nach der Schließung jener Kraftwerke laut, die bei den Stresstests besonders schlecht abgeschnitten haben. Dies wäre ein Schritt zu mehr Glaubwürdigkeit, betonte Österreichs grüne Europaabgeordnete Ulrike Lunacek. Der deutsche Umweltminister Peter Altmaier (CDU) will auf Konsequenzen aus den Stresstests drängen. Er werde „darauf bestehen, dass dieser Bericht nicht ad acta gelegt wird“, so Altmaier. Auch Österreich will nach den mangelhaften Testergebnissen nicht einfach „zur Tagesordnung übergehen“, wie Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) nach dem Ministerrat betonte.

 

Folgen von Erdbeben untersucht

Bei den europaweiten Stresstests werden seit Juni 2011 AKW auf ihre Widerstandsfähigkeit gegen Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Überflutungen überprüft. Materialabnutzung wichtiger Teile und interne Ereignisse wie menschliches Versagen oder Brände wurden ebensowenig untersucht wie die Gefahr bei Kriminalität oder terroristischen Angriffen. Auch die Konsequenzen von Flugzeugabstürzen waren nicht Teil der Tests der EU-Experten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.10.2012)

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65 Kommentare
 
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sofort entlassen und anklagen!

ach ja, hab ganz vergessen: wie gesagt - das zahlen sich die betreiber alles selber, kein cent aus öffentlicher hand!! aber vor allem ausserdem: das war gemeingefährliche gefährdung, es müssen alle leiter sofort fristlos gehen und angeklagt werden. das war/ist fahrlässiger und gefährlicher als alles, was bisher geschehen ist.

Gast: b745
04.10.2012 18:26
0 0

25 milliarden

wieviel könnte man damit erreichen wenn man das geld in alternativen stecken würde und diese zeitbomben abdrehen würder

Antworten Gast: Halbwissen
04.10.2012 20:34
0 0

Re: 25 milliarden

Grundsätzlich ein guter Vorschlag !

Allerdings gehören die AKWs ja jemanden.
Es sollten also scharfe Auflagen gemacht werden, so das AKWs entweder sicher ( ist nicht mglich ) gemacht werden oder sich der Betrieb nicht lohnt.
Es wäre ein Fehler Rechtsunsicherheit herzustellen. Da die Betreiber aber versichert haben das AKWs sicher sind und dies nicht der Fall ist sind scharfe Auflagen gerechtfertigt.

Gast: uburoi
04.10.2012 18:00
0 0

wer nachplappert ist immer im nachteil?

tatsächlich gehts um 2, 5 billionen und die kosten für atomlager, die niemand beziffern konnte.

*irks*

Die EU reguliert jeden Blödsinn ...

... und schreibt so wichtige Dinge wie die Krümmung der Banane vor.

Aber bei den erheblichen Risiken die von der Atomkraft ausgehen und die vor keiner Grenze halt machen, da überlässt sie es den einzelnen Staaten, was sie tun oder - besser - nicht tun.

Hier gibt es erheblichen Handlungsbedarf, wie man sieht!

Aber muss zuerst auch in Europa ein Atomkraftwerk in die Luft fliegen, bevor die EU hier (sinnvollerweise) mit klaren Vorgaben aktiv wird? Ich hoffe nicht.

Re: Die EU reguliert jeden Blödsinn ...

Nur damit mich nicht ein Schlaumeier korrigiert: Bei der Banane wird von der EU die Größe aber nicht die Krümmung geregelt. Dafür ist diese bei der Gurke festgelegt ;-)

Antworten Antworten Gast: toro
04.10.2012 16:13
2 0

Re: Re: Die EU reguliert jeden Blödsinn ...

Korrektur: nichts von dem wurde von der EU vorgeschrieben, sondern von den Handelsverbänden freiwillig implementiert, um Handelsklassen besser erfassen zu können.
Sollte man eigentlich wissen, ist ein uralter Hoax.

Antworten Antworten Antworten Gast: kußmeier
04.10.2012 18:04
0 0

Re: Re: Re: Die EU reguliert jeden Blödsinn ...

die regel stimmt aber nur in bestenfalls einem sechstel der verfahren.

sollte man nicht vergessen, ist allbekannt.

Im ESM liegen noch ein paar Milliarden die darauf warten sinnvoll verbraucht zu werden ....

.... ... bevor uns die Banken um die Ohren fliegen tschebberts wahrscheinlich im AKW.

Re: Im ESM liegen noch ein paar Milliarden die darauf warten sinnvoll verbraucht zu werden ....

Auch die Aufkündigung des Kioto-Protokolles würde uns mindestens 700 Mio Euro jährlich ersparen.

Und auf jeden Fall: Selber zahlen!!

nur darf das auf keinen fall wieder der öffentlichen hand auf den kopf fallen! das sollen die ganzen betreiber und e-abzocker selbst zahlen. aus den vergangenen gewinnen, denn da waren ja ganz offensichtlich schwerste versäumnisse, während man sich ausbezahlt hat - was bei der Sicherheit "eingespart" wurde.

Gast: Halbwissen
04.10.2012 13:38
1 1

Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld ?

- die Eigentümer natürlich nicht ( wurden ja auch von den Managern ausgeraubt )

- die Öffentlichkeit könnte, aber die druckt nur Geld für die Banken

- bleiben nur die Stromkunden, wobei die Unternehmen wegen den Standortdruck ausgenommen sind. Beamte bekommen einen Inflationsausgleich und daher zahlen alles die Leute in der freien Wirtschacht.


Endlich gibt es Kostenwahrheit!

Diese Prüfung zeigt eindeutig warum Atomkraft in den letzten Jahrzehnten eine Bereichungsmaschine für Manager war.

Endlich ist auch klar, warum Deutschland nach der Abschaltung seiner AKWs plötzlich aufatmen konnte und der Netzzusammenbruch nicht stattgefunden hat.

Endlich ist auch klar, wieviel die Aussagen von Energiemanagern über technische Problem und Lösbarkeiten wert sind.

Re: Endlich gibt es Kostenwahrheit!

Und Windfloder-Parks mit gigantischen öffentlichen Förderungen bereichern grüne Firmen!

Den grünen Visor abnehmen,Jordi!

Gast: Eyjaffjallalljoekul
04.10.2012 13:10
0 4

Ah, die Atomkraft, sehr schön.

Die saubere Energie der Zukunft. Warum haben wir in Österreich keine gebaut? Sind/waren unsere Politker denn so blind?

Unser Politiker sind kreativ genug

... sind andere Einnahmequellen als die Atomlobby zu suchen. Ausnahmen bestätigen natürlich diese Regel in strahlendem Gedenken an Wolfi Schüssel.

Re: Unser Politiker sind kreativ genug

Windparks mit öffentlichen Förderungen bringen auch Profit!

Die dabei getöteten Vögel und Fledermäusde spielen da keine Rolle.

Ist ja Öko-Energie oder doch nicht,

Mister dau wauuzzi!

Gast: antiatom
04.10.2012 13:06
2 1

einfach strompreis rauf und gut ists

is eh alles wurscht, zahlen tuts ja sowieso der bürger.........

Gast: Elektriker
04.10.2012 12:51
4 3

Gut angelegtes Geld

Das Geld ist dafür wesentlich besser angelegt als es den Bankstern vie Griechenland oder sonstigen PIIGS in den Rachen zu schieben, oder in unnützen Windrädern aka Subventionsgräber zu vergeuden.

Gast: mmmh
03.10.2012 05:39
4 1

naja

aber abschalten können wir den schrott auch nicht, da ja zb in deutschland viele länder die meiler erst durch abnahmagarantien überhaupt ermöglicht haben...
wollma hoffen, dass der schrott noch ein paar jährchen zusammenhält, wenn nicht freut sich die weltwirtschaft über den untergang europas...

Sinnlos auf Sicherheit zu prüfen

Für Sanierungen, um die Reaktoren wenigstens ein bissl sicherer zu machen hat die EU sowieso kein Geld, das brauchen wir für die Griechen.
Und beim nächsten Super-Gau (der bestimmt früher oder später kommt), da wird dann gejammert und irgendein Mist erzählt.

Antworten Gast: UDo5H
03.10.2012 09:11
4 2

Das sind private Kraftwerke,

das sollen die privaten Betreiber bezahlen, die haben schliesslich fürstlich verdient.

Antworten Antworten Gast: Die Gewinne werden Privatisiert, die Folgen sozialisiert.
03.10.2012 14:20
2 3

Re: Das sind private Kraftwerke,

Die Gewinne dürfen die Betreiber und ihre Aktionäre behalten, die Kosten für die Entsorgung, sowie diverse Sicherungsmaßnahmen haben gefälligst die Staaten und Gemeinschaften zu zahlen, wo kämen wir hin, wenn die armen Betreiber ihr mühsam erzielten gewinne in derartigen Blödsinn wie Sicherheit stecken müßten.

Das einzige was mich beruhigt, gibt es ein Katastrophe, sitzen jene die dafür Verantwortlich sind ebenso im Dreck wie alle anderen auch, ein paar können sich ins Ausland absetzten schon richtig, nur was ist das für ein Leben die Heimat für immer verloren zu haben, nie wieder in jene Wälder gehen, in denen man die Jugend verbracht hat, nie wieder ein Blick vom Fenster wie davor...

Ich denke nicht, das sich jemals wer gedankten darüber gemacht hat, wenn Städte wie München, London und Pars für immer unbewohnbar werden, nie wieder ein Oktoberfest, nie wieder eine Liebeserklärung am Eifelturm, nie wieder Sommerspiele in London, nie mehr wieder französischen Wein und Käse,...

Re: Re: Das sind private Kraftwerke,

Im Katastrophenfall haben die Veranwortlichen längst den Privatjet in Richtung sichere Destination bestiegen und lachen sich nicht einen Ast sondern einen ganzen Wald ab.

Re: Re: Re: Das sind private Kraftwerke,

Durch EHEC-Bakterien

auf Bio-Öko-Sojasprossen sind mehr Menschen gestorben

als durch die Atomkatastrophe in Fukushima.

Ist aber wie bei der irrationalen Angst vor dem Weissen Hai,

denn durch Haie sterben jährlich nur ca. 30 Menschen,

aber 70 Menschen werden jährlich

von Kokosnüssen erschlagen.

Re: Re: Re: Re: Das sind private Kraftwerke,

So einen Blödsinn hab ich auch noch nie gehört! Wenn das eh alles so ungefährlich ist, dann könnens ja nach Tschernobyl ziehen und mal ausprobieren, wie es sich dort lebt.

Und was die Finanzierung betrifft muss ich echt sagen, ist mir lieber die Steuern werden in die Sanierung gesteckt als immer wieder nach Griechenland geschickt, die sich damit dann eine neue Rennstrecke bauen.
Wenn nämlich nähe Österreich ein AKW in die Luft geht, dann betrifft mich das genauso und ich hab leider keinen Privat-Jet mit dem ich mich in Sicherheit bringen kann.

 
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