EU fordert AKW-Nachrüstung: 25 Mrd. an Investitionen nötig

Die EU sieht einen Nachrüstungsbedarf für Atomkraftwerke. Zehn bis 25 Mrd. Euro müssten investiert werden, um die Sicherheit zu gewährleisten. Verbesserungen für praktisch alle Reaktoren werden gefordert.

fordert AKWNachruestung Investitionen noetig
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fordert AKWNachruestung Investitionen noetig
Das Bild trügt - es muss mehr in Sicherheit bei AKWs investiert werden - hier das AKW in Leibstadt in der Schweiz. – REUTERS/Arnd Wiegmann

Die AKW-Stresstests stellten ein verheerendes Zeugnis über die europäischen Atomkraftwerke aus. Nun setzt die EU-Kommission noch eins drauf: Sie sieht einen gesamten Sicherheits-Nachrüstungsbedarf für alle Atomkraftwerke in Europa in der Größenordnung von zehn bis 25 Milliarden Euro. Dies geht aus den Empfehlungen im Gefolge der AKW-Stresstests hervor, die EU-Energiekommissar Günther Oettinger am Donnerstag in Brüssel vorstellte und dazu meinte: "Wir mahnen rasche Handlung an."

Der Investitionsbedarf ergibt sich aus Hochrechnungen auf Grundlage der in Frankreich durchgeführten "Stresstests". Bis Jahresende müssen die nationalen Aufsichtsbehörden der Länder mit AKW Aktionspläne vorlegen, 2014 will die EU-Kommission den Fortschritt bewerten.

"Es besteht kein Anlass zur Selbstzufriedenheit", sagte Oettinger. Nach den Unfällen in Three Miles Island (USA) 1979 und Tschernobyl (Ukraine) 1986 seien zwar Nachrüstungen angekündigt worden, aber nicht erfolgt. "Wir mahnen ein, was dem Stand der Technik gemäß heute gemacht werden kann", sagte der Kommissar.

Keine Empfehlung zur Schließung von Reaktoren

Die EU-Kommission gibt keine Empfehlung zur Schließung von Reaktoren, urgiert aber praktisch für alle AKW-Anlagen in Europa Verbesserungen. So gebe es zu wenig Einheitlichkeit in der Notfallplänen bei Naturkatastrophen, einschließlich Erdbeben, Überflutung und extremer Wetterbedingungen. Die Westeuropäischen Atomaufsichtsbehörden (WENRA) sollen daher Leitlinien vorlegen.

Die Europäische Nuklearsicherheits-Regulatorengruppe (ENSREG) wird aufgefordert, regelmäßige Sicherheitskontrollen durchzuführen, mindestens alle zehn Jahre. Außerdem müsse die Prävention gegen Unfälle wegen Naturkatastrophen verbessert werden, empfiehlt die Kommission. Dies umfasse Bunker für Ausrüstung, Kommunikationseinrichtungen und die Bereitschaft von Rettungsteams am Unfallort.

145 Reaktoren in 64 AKWs überprüft

 Im Zuge der AKW-Stresstests im Gefolge der Fukushima-Reaktorkatastrophe wurden 145 Reaktoren in insgesamt 64 Atomkraftwerken in ganz Europa überprüft. Die europäischen Experten statteten 54 Reaktoren einen Besuch an Ort und Stelle ab.

>>KARTE: Atomkraft in Europa: Wer aussteigt, wer dabei bleibt

Die EU-Experten statteten unter anderem allen tschechischen, ungarischen und dem slowenischen AKW Krsko sowie der Anlage Mochovce in der Slowakei einen Besuch ab. Für die tschechischen Atomkraftwerke Dukovany und Temelin empfiehlt die EU-Kommission etwa, dass Notfallausrüstung entsprechend gelagert werden muss, dass Leitlinien für schwere Unfälle vorliegen müssen, Wasserstoff-Explosionen in solchen Fällen verhindert werden müssen und Filter installiert werden, die ein Austreten von Radioaktivität beim Ablassen von Druck verhindern.

Derartige Filteranlagen werden auch etwa für das ungarische AKW Paks empfohlen. Für die beiden slowakischen Atomkraftwerke Bohunice und Mochovce werden vollständige Unfallpläne, Maßnahmen gegen Wasserstoff-Explosionen und Filter eingemahnt. Auch für Krsko empfiehlt die EU-Kommission den Einbau entsprechender Filter und Schutz gegen Wasserstoff-Explosionen. Detaillierte Leitlinien für den Umgang mit schweren Unfällen werden auch für alle deutschen Atomkraftwerke eingemahnt.

 

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