Vahrenholt: "Ich war der Hero der Umweltschützer"

18.10.2012 | 18:23 |  MATTHIAS AUER (Die Presse)

Die Klimakatastrophe findet nicht statt, sagt der frühere Ökostrom-Chef bei RWE, Fritz Vahrenholt, im Interview mit der "Presse". CO2 werde "überschätzt", Europas Energiewende sei "von Angst geleitet".

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Die Presse: Herr Vahrenholt, Sie behaupten, die Klimakatastrophe findet nicht statt. Wie kommt der

frühere Ökostrom-Chef des Energiekonzerns RWE zu der Erkenntnis?

Fritz Vahrenholt: Wir haben vor Jahren festgestellt, dass die Prognosen des Weltklimarates nicht eintreffen. So blieb etwa der vorhergesagte Wind aus, mit dem wir Windkraftproduzenten gerechnet haben. Auch die Temperatur ist in den letzten 15 Jahren nicht stark gestiegen. Grund dafür sind natürliche Effekte, die gegen die Erderwärmung wirken. Erstens sind das wiederkehrende Meereströmungen. Hier steuern wir auf eine Kaltphase zu. Zweitens haben wir die Sonne aus unserer Rechnung eliminiert. Die Sonnenaktivität war zwischen 1950 und 2000 besonders hoch. Auch da kommt eine Abkühlung.

Viele Kritiker halten Ihre Entwarnung für unbewiesen und überzogen.

Der Weltklimarat geht davon aus, dass 95Prozent der Klimaveränderung auf den Menschen zurückzuführen sind, der Rest vor allem auf die Sonne. Er sieht aber nur die Sonneneinstrahlung, das Sonnenmagnetfeld lässt er außer Acht. CERN-Forscher haben einen Zusammenhang zwischen Magnetfeld der Sonne und Wolken nachgewiesen. Wenn sich das Magnetfeld der Sonne abschwächt, gibt es mehr Wolken und damit Abkühlung.

Ob sich das in der Natur auch so verhält, ist allerdings nicht bewiesen.

Hier gibt es tatsächlich ungelöste Fragen. Wir dürfen nicht so tun, als ob die Wissenschaft am Ende ist. Wir müssen aber skeptisch werden, wenn die Theorie mit der Realität nicht übereinstimmt. Klimamodelle bilden Meeresströmungen nicht ab. Wechseln sich wirklich alle 30 Jahre Wärme- und Kältephasen ab, dann haben wir in dem Jahrhundert keine extreme Erwärmung zu erwarten. Daran kann man zweifeln. Die Sonne kann auch niemand berechnen. Ich rechne aber damit, dass der Mensch nur zu 50 Prozent an der Erderwärmung schuld ist.

Können wir uns dann den Umstieg auf erneuerbare Energieträger sparen, wenn CO2 keine große Rolle spielt?

Nein, CO2 ist ein Klimagas, aber wir haben es überschätzt. Letztlich wird der Mensch die Temperatur der Erde in dem Jahrhundert maximal um ein Grad Celsius nach oben treiben. Wir haben also mehr Zeit für die Energiewende. Wenn Deutschland 50Prozent der Stromnachfrage mit Ökostrom deckt, ist viel erreicht. Alles darüber schadet entweder Umwelt, Wettbewerbsfähigkeit oder Akzeptanz.

Setzen wir zu stark auf Ökostrom?

Auf jeden Fall. 2020 werden wir wissen, ob die Klimamodelle stimmen. Bis dahin sollten wir nicht zwanghaft Energieziele erfüllen, die es nur gibt, weil wir mit einer Klimakatastrophe rechnen. Wir überfördern Ökostrom. Die Politik ist von Angst geleitet. Alles, was wir mit Riesenanstrengungen in zehn Jahren erreichen, macht China in drei Monaten zunichte. Fast 50 Prozent der globalen Solarkapazität sind in Deutschland. Da greift man sich an den Kopf.

Sie kritisieren den Weltklimarat dafür, dass er Thesen ausklammert. Suchen Sie sich nicht auch genau die Studien, die Ihnen in den Kram passen?

Es stimmt, natürliche Ursachen wie Sonne oder oszillierende Meeresströmungen kommen nicht in der Langfassung des IPCC-Berichts vor. In der Kurzfassung für Politiker werden sie ausgeblendet.

Machen Sie es in Ihrem Buch anders?

Nein, ich habe bewusst ein Anti-IPCC-Buch geschrieben. Wie der Weltklimarat habe auch ich aus der Literatur die tausend Quellen genommen, die meine Hypothese stützen. Ich habe guten Gewissens eine Antithese formuliert. Die Politik muss das zusammenführen. Ich hoffe, dass sie die natürlichen Klimaschwankungen registriert. Das war ja lange verpönt.

Wie viel Lust an der Provokation liegt da beim Alt-68er-Umweltaktivisten Vahrenholt drinnen?

Ich bin ein streitbarer Mensch, der etwas tut, wenn Dinge in die falsche Richtung laufen. Vor 30 Jahren habe ich gegen die Chemieindustrie geschrieben. Damals war ich in der Chemieindustrie verpönt. Heute verlassen viele Klimaforscher den Raum, wenn sie mich sehen. 15 Jahre später hieß es in der Chemiebranche aber: Gut, dass jemand darüber geschrieben hat. Ich habe 20 Jahre lang Erneuerbare gemacht und viele Fehler gesehen. Ich wusste: Wenn nichts passiert, werden sich die Menschen von den Erneuerbaren abwenden.

Klimaskeptiker leben von der Unsicherheit in der Klimadebatte auch ganz gut.

Ich hätte mir das Leben leichter machen können. Ich war der Hero der Umweltschützer. Heute steht auf meiner Wikipediaseite nicht mehr „Vater der Umweltbewegung“. Heute steht: „umstrittener Wissenschaftler“. Das hätte ich mir nicht antun müssen.

Bereuen Sie, dass Sie das Buch geschrieben haben?

Ich muss offen sagen: Die Härte der Reaktionen habe ich nicht erwartet. Aber ich sehe auch, dass ich etwas bewege. Es zeigt Wirkung, wenn ein deutscher Umweltschützer nachdenklich wird.

Wird Ihre Meinung vom natürlichen Klimawandel einmal Mainstream sein?

Ja.

Wenn es so weit ist, wo wird dann der Provokateur Vahrenholt stehen?

(lacht) Naja, ich bin sicher kein Wendehals. In der Chemiedebatte habe ich auch geschrieben, dass sich die Chemie geändert hat, Fabriken sauber wurden. Das müssen wir akzeptieren. Da hieß es gleich: „Um Gottes willen, du nimmst Druck raus.“ Den doppelten Rittberger werden Sie von mir nicht erleben.

Auf einen Blick

Fritz Vahrenholt,63, eckt gerne an. In den Siebzigerjahren bekämpfte er giftige Chemiefabriken. In seinem Buch „Die kalte Sonne“ zweifelt der Ex-Ökostrom-Chef der RWE und SPD-Politiker den vom Menschen verursachten Klimawandel an.
[Bloomberg]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.10.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

12 Kommentare

Die Ökostrombetrüger lügen ja meistens nur da hat er einmal nicht gelogen:

"So blieb etwa der vorhergesagte Wind aus, mit dem wir Windkraftproduzenten gerechnet haben."

Deshalb muss auch unser verlogenes milchbubi von Wirtschaftsminister ständig die Förderungen für den Unsinn erhöhen.

Gast: otto f.krammer
22.10.2012 06:06
0

Die Solarstromgewinnung hat bereits heute ...

ein Ausmaß erreicht, dass dessen Einfluss auf das Klimageschehen nicht mehr bedeutungslos ist.
Daher sind die Erwartungen konterkariert und sowohl die "Pro" als auch die "Contra" sind dezerniert.
Was da derzeit abläuft ist halt Beschäftigungstherapie!
Aber vielleicht könnte einer mit dem Blindenstock auf diese Tatsache hinweisen
Blind und ahnungslos eben!

Re: Die Solarstromgewinnung hat bereits heute ...



Deutschland erhält von der Sonne im Jahr eine Energie von etwa 180. 000 GWh, von den ca. 10.000 MW Installierter Solarleistung in Deutschland erhält man im Jahr etwa 8,5 GWh. Das ist 0,005 % der gesamten Sonnenenergie und ist natürlich für das Klima völlig bedeutungslos!


Antworten Antworten Gast: otto f.krammer
23.10.2012 11:56
0

Re: Re: Die Solarstromgewinnung hat bereits heute ...

..ihre Oberflächlichkeit erstaun immer wieder!
Denn auch die Wind und Wasserkraftwerke zählen zur Sonnenenergie!
Informieren SIe sich mal, wie hoch ist weltweit diese Energiegewinnung und dann sagen Sie das ist bedeutungslos.

Re: Re: Re: Die Solarstromgewinnung hat bereits heute ...

Wind- und Wasserkraft kommen natürlich genau so von der Sonnenenergie wie Erdgas, Erdöl und Kohle. Die einzige hier genützte Energieform, die nicht ursprünglich von der Sonne stammt, ist die Atomenergie. Wenn man aber das alles "Sonnenenergie" nennt, kennt sich überhaupt niemand mehr aus!

Das Buch "Die kalte Sonne" von Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning ist längst nicht mehr neu!

Wie mir der leider vor kurzem mitten in der Arbeit plötzlich verstorbene Chefklimatologe der ZAMG, Reinhard Böhm mitteilte, beruht dieses Buch auf der Svensmark-Hypothese (die im Buch nicht erwähnt wird), die meint, das Magnetfeld der Sonne würde kleinste Teilchen in der Atmosphäre ionisieren, sodass sie als Kondensationskerne für Wolken dienen. Deshalb würde der Bedeckungsgrad mit Wolken hier vom Magnetfeld der Sonne beeinflusst.
Diese Theorie sollte vom CERN in Genf überprüft werden, was laut diesem Artikel hier schon geschehen ist.
Ein Prozent Änderung am Bedeckungsgrad wirkt genau so, wie eine Verdoppelung(!) des CO2-Gehaltes der Atmosphäre!
Das Sonnblick-Observatorium hat auch seit 1887 Sonnenscheindauer und Temperatur gemessen. Beide verlaufen ganz parallel. Man braucht also gar nicht das CO2 bemühen um die Erderwärmung zu erklären!

Wenn Vahrenholt im letzten Bericht des Weltklimarates nicht nur die Einpeitscher-Artikel, sondern auch das, was die Forscher, die beauftragt waren, "den vom Menschen gemachten Klimawandel zu untersuchen" in ihrem Berichtsteil "The Physical Science Basis" geschrieben haben, so wüsste er, dass es so gut wie unmöglich ist, dass der Mensch die Erderwärmung verursacht. Die Behauptung, dass 95 Prozent vom Menschen stammen, ist völlig aus der Luft gegriffen und widerspricht den Erkenntnissen der Forscher massiv!

na gottseidank verbreitet sich diese Erkenntnis nun auch ins Grüne Eck.

Dran bleiben Herr Vahrenholt!

Gast: mmmh
19.10.2012 05:33
0

lassen

wir die klimafrage beiseite und sehen wir, dass das verfeuern fossiler energieträger zur stromerzeugung sehr bald zu teuer wird. weiters kommt die kernenergie ohne förderungen auch nicht weiter und niemand hat mich überzeugt, dass es eine befriedigende lösung zur endlagerung gibt (sauteuer!). zentrale energieproduktion braucht transportinfrastruktur, die in europa derzeit bekanntermassen erneuerung benötigt (wie viele milliarden waren das noch?) fängt auf diesem kontinent endlich jemand richtig zu rechnen an?
die lösung kann nur heissen: dezentral und alternativ. jedes hausdach ist ein potentielles karftwerk und jeder first hat eine prise. dazu müssen wir die landschaft nicht verschandeln!

Re: lassen

Windstrom und Sonnenstrom kommen in unvorhersehbaren Stößen mit großen Lücken. Windräder liefern in Deutschland so viel Strom, als ob sie nur ein Fünftel der Zeit, Solaranlagen so als ob sie ein Zehntel der Zeit mit Vollast arbeiten würden.

So lange man diesen Strom nicht speichern und dann abrufen kann, wenn er gebraucht wird, ist er für den Netzbetrieb völlig unbrauchbar!

Die Energieversorger müssen zwar die üppigen Einspeistarife zahlen, an den Strombörsen muss man diesen Strom aber verschenken oder sogar noch dazuzahlen, damit ihn jemand nimmt!

"Die Presse" jubelt zwar vor ein paar Tagen darüber, dass dieser Strom ein "Billgststrom" ist, sie vergisst aber, dass der nur so billig ist, weil ihn niemand brauchen kann!

Re: lassen

das stimmt schon im großen und ganzen:
ABER, mit künstlich geschaffenen Märkten, die nurdurch Subventionen entstehen und nur durch Subventionen erhalten werden (Fotovoltaik) löst man kein Problem sondern schafft nur viele neue.
Die Energiepreis steigen ohnehin durch die Verknappung der Primärenergieträger und den weltweit steigenden Bedarf von selbst. D.h. der Markt wird es regeln: es werden sich die konkurrenzfähigen Alternativen von selbst durchsetzen.
Und ob bis dahin das Öl und das Gas in Europa oder in China verfeuert wird ist dem Weltklima herzlich egal! Öl und Gas wird nämlich verfeuert werden, solange es da ist und man sich das verfeuern finanziell noch leisten kann - machen Sie sich darüber keine Illusionen.

Gast: Hans Berger
18.10.2012 22:29
7

Der größte und teuerste Betrug aller Zeiten fliegt auf!


Endlich .....

..... die Wahrheit über den Klimawandel!

Wetter

  • Aktuelle Werte von
    20:00
    Wien
    Steiermark
    10°
    Oberösterreich
    10°
    Tirol
    Salzburg
    Burgenland
    Kärnten
    10°
    Vorarlberg
    10°
    Niederösterreich

Jetzt Panorama-Newsletter abonnieren

Der tägliche Überblick mit den wichtigsten Meldungen zu den Themen Chronik, Wien und Umwelt. Kostenlos.

Newsletter bestellen

Code schwer lesbar? » Neu laden

AnmeldenAnmelden