Klimakonferenz: Mit dem Hammer gegen das Debakel

09.12.2012 | 11:16 |   (DiePresse.com)

Das Kyoto-Protokoll zur Reduktion der Treibhausgase soll bis 2020 verlängert werden. Die Ergebnisse von Doha sind dennoch mager. Russland und China blockierten die Verhandlungen.

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Abdullah bin Hamad Al-Attiyah hat keine Lust mehr, noch einmal die Büchse der Pandora zu öffnen. "Ich habe das jetzt so entschieden", ruft der katarische Präsident des UN-Klimagipfels den Delegierten aus 194 Staaten zu. Er nennt sie "meine lieben Brüder und Schwestern". Der Hammer fällt: Kyoto-Protokoll bis 2020 verlängert. Arbeitsprogramm für den ab 2020 geplanten Weltklimavertrag angenommen. Zusagen für Klimaschutzhilfen in Milliardenhöhe beschlossen. Und während die einen noch staunen, erheben sich Russland und China zum Protest.

"Ich habe viel Zeit. Ich kann hier ein Jahr mit Ihnen sitzen", hatte er noch am Freitag die Delegierten in Doha wissen lassen. Doch dann wurde es Abend und wieder Morgen und wieder Abend. Seine neuen Kompromissvorschläge drohten von Einzelinteressen zerrieben zu werden. Als schon ein Aus für die Verlängerung des Kyoto-Protokolls drohte, weil Russland blockierte, holte Al-Attiyah den Hammer heraus. Er rettete zumindest den Prozess, aber Doha war auch ein Weckruf.

Allianz ist zerfallen

Die EU ist zerstritten und mit der Eurokrise beschäftigt. Eine Allianz mit rund 100 Inselstaaten und Entwicklungsländern, die 2011 in Durban das Ziel eines globalen Klimaschutzabkommens durchgesetzt hatte, ist weitgehend zerfallen. China und die USA blockieren wie eh und je. 194 Staaten bedeutet 194 Klimaschutzeinzelinteressen. Die Erderwärmung steigt, aber die Beschlüsse sind nicht dazu geeignet, die CO2-Emissionen zu begrenzen. UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon könnte daher das Thema bald wieder auf die Ebene der Staatschefs hieven, damit es bis 2015 mit dem Gerüst für den Weltklimavertrag klappt. Daher war es auch so wichtig, dass Doha nicht scheitert.

Russland ist verärgert

Der deutsche Umweltminister Peter Altmaier (CDU) meinte, Al-Attiyah habe den Eindruck gehabt, "dass die Abstimmung zu dem Zeitpunkt die Einigkeit der Vertragsstaaten widergespiegelt hat". Übersehen hatte er wohl Russland, es war sehr verärgert und kündigte ein Nachspiel an. Eigentlich gilt das Einstimmigkeitsprinzip, und Entscheidungen fallen nach stundenlanger Aussprache, wo es oft zu neuen Blockaden kommt. Russland hatte bis zuletzt gegen die Kyoto-Verlängerung opponiert.

"Es ist unfassbar"

Umweltschützer sind von dem Ergebnis des Gipfels jedenfalls enttäuscht. Nach Meinung des Klimaexperten Jan Kowalzig von Oxfam hält es die Welt auf Vier-Grad-Kurs, statt die Emissionen so zu senken, dass die Erwärmung auf noch beherrschbare zwei Grad begrenzt werden kann. Zudem sind die Finanzzusagen äußerst vage. "Es ist unfassbar, wie die Regierungen auf diesen Klimakonferenzen vor allem versuchen, nicht den Klimawandel, sondern den Klimaschutz zu vermeiden - auf Kosten der Menschen in den armen Ländern, deren Ernten vertrocknen oder von den Feldern gespült werden", kritisiert Kowalzig.

Höhere EU-Ziele würden Druck machen

In Kyoto II werden vorerst nur Verpflichtungen fortgeführt, die die EU und die zehn weiteren noch mitmachenden Staaten ohnehin schon eingegangen sind. Ein Schritt nach vorn wäre, das EU-Ziel von 20 Prozent weniger Emissionen bis 2020 auf 30 Prozent anzuheben. Auch um ein Signal zu senden, die EU kann noch Vorreiter sein. Alle Staaten, die sich nicht für ein Kyoto II verpflichten (über 150), können bis zu einem Weltklimavertrag weitermachen wie bisher. Aber höhere EU-Ziele würden den Druck auf diese Länder klar erhöhen.

"Beichtstuhlverfahren"

Altmaier will nun verstärkt für die 30 Prozent kämpfen. Dafür muss er zunächst in Deutschland die FDP gewinnen und dann noch das Kohleland Polen, das nur mit Müh und Not von einer Blockade von Kyoto II abgehalten werden konnte. Nach einem für ihn schweren Start in die Konferenz verhandelte er bis zur Erschöpfung. Als nicht mehr viel ging, bestimmte Al-Attiyah Altmaier zu einem Chefunterhändler: Im "Beichtstuhlverfahren" musste der 54-Jährige die Wünsche von vom Untergang bedrohten Inselstaaten und den USA unter einen Hut bekommen. Nach einem der längsten Klimagipfel sagte der von Schlafmangel gezeichnete Minister: "Ich lebe noch."

Russland sitzt auf CO2-Boni

Eine der größte Hypotheken dürfte nach Doha heiße Luft bleiben. Russland ist zwar bei Kyoto II nicht mehr dabei, hatte aber als Gegenleistung für das Mitmachen bei der ersten Periode so geringe Auflagen zur CO2-Ausstoßminderung bekommen, dass es nun auf riesigen Mengen an überschüssigen CO2-Boni ("Heiße Luft") sitzt, die sich im besten Fall als Art Gelddruckmaschine entpuppen könnten.

Da die heiße Luft in Doha nicht eliminiert werden konnte - aber gegen den Wunsch Russlands auch nur unter Auflagen gehandelt werden darf (daher die Blockadehaltung gegen die Verlängerung des Kyoto-Protokolls), droht ein Nullsummenspiel. Greenpeace fürchtet, dass die USA und China die CO2-Boni nach 2020 kräftig einkaufen könnten.

(APA/sda)

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10 Kommentare
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"Ein Schritt nach vorn wäre, das EU-Ziel von 20 Prozent weniger Emissionen bis 2020 auf 30 Prozent anzuheben. Auch um ein Signal zu senden, die EU kann noch Vorreiter sein"

"Aber höhere EU-Ziele würden den Druck auf diese Länder klar erhöhen."

Nein, da würde kein Druck erhöht. Die anderen Länder würden sich nur krumm und bucklig lachen über die dummen Europäer die ihre hocheffiziente Industrie für irgendwelche absurden CO2-Fantastereien ruinieren.

Die EU geht da schon lange nicht mehr voraus, sondern sie geht vollkommen alleine, während der Rest der Welt diesem CO2-Ziele und Zertifikatehandel schon abgeschworen hat.

Schade, dass diese Veranstaltung

nicht völlig gescheitert ist. Nebenbei: warum finden die lächerlichen "Klimakonferenzen" immer in heißen Gegenden statt, wo sinnlos Energie für Klimaanlagen - nämlich jene der Konferenz - verschwendet wird. Ich würde den Leuten z.B. Nowosibirsk vorschlagen.
Da die Klimafrage inzwischen auf quasireligöser Basis, und somit rationalem Denken entzogen, stattfindet, auch weil gern mit den "Wissenschaftlern" die die These des IPCC unterstützen, argumentiert wird, sei nur zweierlei fest gestellt
1. das IPCC ließ bei der berüchtigten Klimakonferenz in Bali nichts anbrennen und hat sicherheitshalber mehrheitlich Wissenschaftler eingeladen, die von Naturwissenschaft keine Ahnung haben: Politologen, Soziologen, Psychologen..u.a. Daher stand der Zustimmung zum vorbereiteten "Resultat" ncihts im Wege.
2. über 200 internationale Wisenschaftler, darunter Nobelpreisträger, haben vor den Schlussfolgerungen gewarnt und einen Brief verfasst. Hier der Link
http://www.klimamanifest-von-heiligenroth.de/bali2.htm
Der Brief wurde von Herrn Ban ebenso ignoriert wie von den Medien und den meisten Politikern. Klar, es geht um Milliarden. Um Milliarden der Steuerzahler. Da ist jede Panikmache recht.
Dank an Russland und andere Staaten, die den Unfug nicht mitmachen.

Mit dem Hammer gegen das Debakel

in den letzten 30 Jahren war Energieeffizienz für niemanden interessant ,der Strom kam ja aus der Steckdose.
Reden hat nichts genutzt, Geldeinsparungen wollte man gar nicht, denn dahinter standen diejenigen die mit dem steigenden Verbrauch Geld verdient haben. Heute sind es genau diejenigen die uns erzählen wollen wie man Energie einspart und es sind die Selben die damit Geld verdienen. Die Welt ist eben so.
Das Problem das sich dabei jedoch stellt ist eine ganz einfache Rechnung.
Ignorierte Technik 30 Jahre alt, ist eben 30 Jahre alt. Die Zeit ist nicht stehen geblieben, die Entwicklung ist 30 Jahre weitergelaufen. Wo sind diese 30 Jahre Entwicklung ?? In den Schubladen. ?

Österreich hat zum Beispiel sehr viel Wald, die Sauerstoffproduktion ist höher als der CO² Ausstoß. Warum muß als eine CO² Abgabe bezahlt werden. Messen kann man dies nicht, aber behaupten. Genau da liegt das Problem.
Energie geht nicht verloren. Die sich ausserhalb des natürlichen Energiekreislaufes eingebrachte Energie über Fossile Brennstoffe in den Energiekreislauf der Erde, bewirkt eine andere Verteilung bzw. Ausgleich des Energiekreislaufes. Die Energieverteilung rund um die Erde ist eine Mäander.
Niemand kann genau vorhersagen wie sich das Klima verändert. Steigt der Wasserspiegel der Meere, erhöht sich der atesiche Druck, es kann zu gewaltigen Vulkanausbrüchen kommen, die das Wetter ganz anders beeinflussen als alle Vorhersagen.

Am Besten mit allen auf die Saualm

da sind sie dem Co2 besonders nahe.

Versteh ich das recht,

.... dass das bedeutet, dass wir zahlen und die meisten anderen nicht?

Re: Versteh ich das recht,

Österreich hat, wenn ich die "Presse"-Meldungen der letzten Jahre zusammennehme bis Ende 2012 1,3 Milliarden Euro für CO2-Zertifikate und CO2-sparende Investitionen in anderen Ländern verschwendet!

Und das alles nur, weil die öst. Delegierten in Kyoto den Mund nicht voll genug nehmen konnten und die zweithöchsten CO2-Einsparungen der Welt versprochen haben, obwohl sich fast alle Versprechungen der anderen auf die Umstellung von Kohle oder Öl auf Erdgas bezogen und Österreich damals das einzige westliche Land war, das diese Umstellung mit sowjetischem Erdgas (das die anderen abgelehnt hatten) schon hinter sich hatte!

Österreich hätte es machen sollen wie Frankreich, das gesagt hat, wir haben 60 % Atomstrom, der kein CO2 ausstößt und ersparen deshalb gar nichts! Österreich hatte 60% Wasserkraft und hätte genau so argumentieren können, da hätten wir uns sinnlose 1300 Millionen Euro erspart!

Re: Versteh ich das recht,

Genau das.

Unsere Politiker haben soviele Steuergelder erwirtschaftet, dass sie damit die ganze Welt vor dem bösen CO2 retten werden.

Diese Bande gehört alle in einen Sack und dann feste drauf. Die Farbe spielt da keine Rolle.

Was wäre denn mit ...

... ein paar Stunden Recherche und anschließend eine Zusammenfassung für Leser, die sich nicht Tag und Nacht aus Sorge um die Weltrettung die Nächte um die Ohren schlagen und anderen dafür das Geld aus der Tasche ziehen?

Da machen sich die Schaumschläger wichtig, die keine Ahnung haben, was die Wissenchaftler im IPCC-Bericht (AR4, The Physical Science Basis) geschrieben haben!


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Re: Da machen sich die Schaumschläger wichtig, die keine Ahnung haben, was die Wissenchaftler im IPCC-Bericht (AR4, The Physical Science Basis) geschrieben haben!

Was habens denn geschrieben?

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