EU fördert Autos ohne Fahrer

Ein von der EU finanziertes Projekt entwickelt Alternativen für den urbanen Nahverkehr: Elektrofahrzeuge, die nach Bedarf und selbstständig Personen befördern.

„Citymobil“
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„Citymobil“ – http://www.citymobil-project.eu

Wien/Brüssel. Seit April 2011 können sich Besucher des Londoner Flughafens Heathrow mit Autos ohne Fahrer chauffieren lassen. Vier Personen und ihr Gepäck haben in den kleinen Elektromobilen Platz, die ein Parkhaus mit dem Terminal 5 verbinden. Die Wartezeiten sind gering, denn immer wenn Bedarf besteht, fährt eines der 21 automatischen Fahrzeuge vor. 94 Prozent der Passagiere warten weniger als eine Minute auf ihre Abfahrt. Dann geht es freilich gemütlich, mit 35 km/h auf einer eigens vorgesehenen Straße dahin. Das Testprojekt ersetzt ein wenig effizientes Transportsystem mit Bussen und wurde laut den Betreibern von den Flughafengästen gut angenommen.

Elf Millionen Euro hat die EU in das Forschungsprojekt „Citymobil“ investiert, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, derartige Alternativen für den Nahverkehr zu entwickeln. Insgesamt belaufen sich die Kosten des Projekts auf über 40 Millionen Euro. Das Ziel ist ambitioniert: Die neue Transporttechnologie soll Zeit sparen, eine bessere Auslastung, weniger Umweltbelastung und einen günstigeren Betrieb gewährleisten. Bewusst wird auf Personal verzichtet. Citymobil hat mehrere Tests bereits abgeschlossen. So wurden beispielsweise in der spanischen Stadt Castellón öffentliche Busse mit einem selbst navigierenden System ausgestattet. Hier kamen zwar Fahrer zum Einsatz, doch mussten sie nicht lenken, sondern konnten in Gefahrensituationen einschreiten. In der französischen Stadt La Rochelle wurden sogenannte „Cybercars“ getestet, die selbstständig eine Route quer durch die Stadt abfuhren. Auch sie waren mit einem automatischen Navigationssystem ausgestattet. Zwei 180-Grad-Spezialscanner beobachteten ständig die Umgebung der Fahrzeuge und gaben die Informationen an die automatische Steuerung weiter. Auf einen Fahrer beziehungsweise auf eine Aufsichtsperson, die im Notfall eingreifen kann, wurde hier ebenso wie in Heathrow verzichtet. Bemerkenswert war an diesem Test, dass die Fahrzeuge auch eine zweispurige, viel befahrene Straße queren mussten.

Die Betreiber des Projekts, das von einer Forschungsgruppe in den Niederlanden geleitet wird, haben vor allem eine Erfahrung gemacht: Die größten Probleme bei der Umsetzung eines revolutionären Verkehrssystems ist nicht die Technologie, sondern das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen. Denn bisher herrscht die Meinung – nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch bei den Verantwortlichen in der Verwaltung – vor, dass ein automatisches System weniger sicher ist als ein von Menschenhand gesteuertes System. Die Testversuche, bei denen die Bevölkerung eingebunden wurde, dienten deshalb nicht nur dem Sammeln technischer Erfahrungswerte, sondern auch der Überzeugungsarbeit. In La Rochelle etwa wurden die Fahrgäste systematisch befragt. 40 Prozent von ihnen hielten das System für „zu langsam“. Denn es war aus Sicherheitsgründen lediglich ein Tempo von 10 km/h vorgesehen. Nur acht Prozent hielten das Transportmittel für „unsicher“.

 

„Fahrzeuge sind technisch realisierbar“

Das Forschungsteam sieht sich bestätigt. „Wir haben bewiesen, dass diese Fahrzeuge technisch realisierbar sind“, so Suzanne Hoadley, belgische Vertreterin einer der 29 Partnerorganisationen. In Zukunft sollen fahrerlose Fahrzeuge generell im Nahverkehr zum Einsatz kommen. Sie können beispielsweise Städte mit deren Flughäfen verbinden oder, wie bei einem Testprojekt in Rom, einen Verkehrsknotenpunkt mit einem Ausstellungszentrum. Sie eignen sich überall dort, wo je nach Tageszeit oder aufgrund anderer Rahmenbedingungen sehr unterschiedlicher Transportbedarf zu bewältigen ist. Während viele Stadtbusse nur in den Hauptverkehrszeiten gefüllt sind, kommen die kleinen Transportfahrzeuge, ähnlich wie Lifte in Hochhäusern, nur nach Bedarf zum Einsatz.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.citymobil-project.eu/

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.12.2012)

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