EU fördert Autos ohne Fahrer

21.12.2012 | 18:41 |  WOLFGANG BÖHM (Die Presse)

Ein von der EU finanziertes Projekt entwickelt Alternativen für den urbanen Nahverkehr: Elektrofahrzeuge, die nach Bedarf und selbstständig Personen befördern.

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Wien/Brüssel. Seit April 2011 können sich Besucher des Londoner Flughafens Heathrow mit Autos ohne Fahrer chauffieren lassen. Vier Personen und ihr Gepäck haben in den kleinen Elektromobilen Platz, die ein Parkhaus mit dem Terminal 5 verbinden. Die Wartezeiten sind gering, denn immer wenn Bedarf besteht, fährt eines der 21 automatischen Fahrzeuge vor. 94 Prozent der Passagiere warten weniger als eine Minute auf ihre Abfahrt. Dann geht es freilich gemütlich, mit 35 km/h auf einer eigens vorgesehenen Straße dahin. Das Testprojekt ersetzt ein wenig effizientes Transportsystem mit Bussen und wurde laut den Betreibern von den Flughafengästen gut angenommen.

Elf Millionen Euro hat die EU in das Forschungsprojekt „Citymobil“ investiert, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, derartige Alternativen für den Nahverkehr zu entwickeln. Insgesamt belaufen sich die Kosten des Projekts auf über 40 Millionen Euro. Das Ziel ist ambitioniert: Die neue Transporttechnologie soll Zeit sparen, eine bessere Auslastung, weniger Umweltbelastung und einen günstigeren Betrieb gewährleisten. Bewusst wird auf Personal verzichtet. Citymobil hat mehrere Tests bereits abgeschlossen. So wurden beispielsweise in der spanischen Stadt Castellón öffentliche Busse mit einem selbst navigierenden System ausgestattet. Hier kamen zwar Fahrer zum Einsatz, doch mussten sie nicht lenken, sondern konnten in Gefahrensituationen einschreiten. In der französischen Stadt La Rochelle wurden sogenannte „Cybercars“ getestet, die selbstständig eine Route quer durch die Stadt abfuhren. Auch sie waren mit einem automatischen Navigationssystem ausgestattet. Zwei 180-Grad-Spezialscanner beobachteten ständig die Umgebung der Fahrzeuge und gaben die Informationen an die automatische Steuerung weiter. Auf einen Fahrer beziehungsweise auf eine Aufsichtsperson, die im Notfall eingreifen kann, wurde hier ebenso wie in Heathrow verzichtet. Bemerkenswert war an diesem Test, dass die Fahrzeuge auch eine zweispurige, viel befahrene Straße queren mussten.

Die Betreiber des Projekts, das von einer Forschungsgruppe in den Niederlanden geleitet wird, haben vor allem eine Erfahrung gemacht: Die größten Probleme bei der Umsetzung eines revolutionären Verkehrssystems ist nicht die Technologie, sondern das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen. Denn bisher herrscht die Meinung – nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch bei den Verantwortlichen in der Verwaltung – vor, dass ein automatisches System weniger sicher ist als ein von Menschenhand gesteuertes System. Die Testversuche, bei denen die Bevölkerung eingebunden wurde, dienten deshalb nicht nur dem Sammeln technischer Erfahrungswerte, sondern auch der Überzeugungsarbeit. In La Rochelle etwa wurden die Fahrgäste systematisch befragt. 40 Prozent von ihnen hielten das System für „zu langsam“. Denn es war aus Sicherheitsgründen lediglich ein Tempo von 10 km/h vorgesehen. Nur acht Prozent hielten das Transportmittel für „unsicher“.

 

„Fahrzeuge sind technisch realisierbar“

Das Forschungsteam sieht sich bestätigt. „Wir haben bewiesen, dass diese Fahrzeuge technisch realisierbar sind“, so Suzanne Hoadley, belgische Vertreterin einer der 29 Partnerorganisationen. In Zukunft sollen fahrerlose Fahrzeuge generell im Nahverkehr zum Einsatz kommen. Sie können beispielsweise Städte mit deren Flughäfen verbinden oder, wie bei einem Testprojekt in Rom, einen Verkehrsknotenpunkt mit einem Ausstellungszentrum. Sie eignen sich überall dort, wo je nach Tageszeit oder aufgrund anderer Rahmenbedingungen sehr unterschiedlicher Transportbedarf zu bewältigen ist. Während viele Stadtbusse nur in den Hauptverkehrszeiten gefüllt sind, kommen die kleinen Transportfahrzeuge, ähnlich wie Lifte in Hochhäusern, nur nach Bedarf zum Einsatz.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.citymobil-project.eu/

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.12.2012)

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20 Kommentare

Skuril


40 millionen euro

für 21 elektroeier, die jeweils 4(!) personen befördern als ersatz für busse, hauptsache, man braucht keinen fahrer zu bezahlen...

das ende wird bitter...

Mich wundert gar nichts mehr , denn schliesslich fördert die EU ja auch Politik ohne Hirn.


Re: Mich wundert gar nichts mehr , denn schliesslich fördert die EU ja auch Politik ohne Hirn.

wollen sie die rückkehr zur kutsche? na klar fördert die eu solche innovativen projekte, die - wie man in london sieht- bereits realisiert werden. und das finde ich das tolle an der eu, eben dass sie solche sinnvollen sachen fördert, die allen menschen zugute kommen werden. denn ich bin der meinung, dass der individualverkehr in der jetzigen form keine zukunft mehr hat, er kollabiert bereits jetzt, macht die stadtbewohner krank, vorallem die kinder.

Vernünftiges Vorhaben

Mir wäre ein abrufbares Auto lieber als ein eigenes. Und meistens steht das eigene herum. Aussteigen, Auto fährt weg, keine Parkplatzsuche, ein Traum. So was habe ich mir immer schon gewünscht. Eine echte Alternative zur kundenfeindlichen ÖBB.

Re: Vernünftiges Vorhaben

Gibt's schon. Heisst Taxi.

Re: Re: Vernünftiges Vorhaben

wer kann sich das heute noch leisten? höchsten die, die mit ihren superschlitten 50 m weit zum einkaufen fahren. aber gerade die sparen lieber!

Re: Vernünftiges Vorhaben

abrufbare autos die nach dem aussteigen wegfahren und nicht die meiste zeit rumstehen gibt es schon lange. 4 buchstaben, der dritte ein 'x'.

Re: Feind der ÖBB und ...

ein Auto, dass seinen Parkplatz sucht?

...In Zukunft sollen fahrerlose Fahrzeuge generell im Nahverkehr zum Einsatz kommen...

.
Ein sehr interessantes Projekt für Städte in den hoch entwickelten Industrieländern.

Wie könnte der Massenverkehr in den Ballungszentren der Schwellenländer aussehen?

Transporte in luftigen Höhen erscheinen machbar.

Wir arbeiten daran...

http://so-for-humanity.com2000.at


Alle unsere neuen Technologien wurden nur mit immensen Subventionen des Staates entwickelt ...

... wie z.B.
- Die Dampfmaschine
- Der Verbrennungsmotor
- Das Internet
- Der Elektromotor
- Der Buchdruck
- ...
u.s.w.
Wann werden wir endlich merken, dass die öffentliche Hand nichts anderes kann, als das Entgelt für unsere Leistung zu verjubeln und sinnlos zu verbrennen.

Re: Alle unsere neuen Technologien wurden nur mit immensen Subventionen des Staates entwickelt ...

Sie meinen, es wäre besser wir lebten noch immer ohne die genannten "Errungenschaften".

Lockführer bezweifle ich, dass Sie sind. Aber die nachfolgend genannten Einrichtungen benützen Sie auch nicht?

Re: Re: Alle unsere neuen Technologien wurden nur mit immensen Subventionen des Staates entwickelt ...

???? Äh?
Die Dampfmaschine wurde von einer Bergwerksgesellschaft erfunden. Der Buchdruck auch von keinem Kaiser oder Herzog.
Es war natürlich ironisch gemeint und meinte, dass die Wirtschaft dauernd tolle, bahnbrechende und epochale Dinge erfindet und den Menschen zur Verfügung stellt, während einige Dumpfbacken in der Politik für irgendwelchen "heiligen Ziele" unser Geld rausplempern und verbrennen.

Am besten hat die Innovation dort funktioniert, wo sich der Staat z.B. 100% um die Innovation gekümmert hat: Im Rumänien Caoceskus, im China Maos oder der Sowjetunion Stalins.

Man muss schon sehr wenig Ahnung haben, um der politischen Schaffenskraft zu vertrauen.

Ein Vergnügen für Hacker....


danke eu

so werden Arbeitsplätze im großen Stil vernichtet, warum schafft ihr nicht das Parlament ab? ihr seit nur mehr peinlich

Wir foerdern Europa ohne EU

Nur das Heilige Roemische Reich kann Europa wieder zu Prosperitaet in Frieden fuehren.

wenn

ich mir n zukunft kein individualfahrzeug kaufe sondern einfach nur mobilität, dann ist das für mich eine interessante variante, denn: ich wollte schon immer zeitunglesen während ich von a nach b komme....

Re: wenn

ein sehr vergleichbares erlebnis ist die fahrt mit einem taxi. einfach mal ausprobieren !

Die EU löst keine Probleme, sie ist ein Problem. Seit dem Ende des Sozialismus ist sie der massivste Versuch, die Bürger zu entmündigen und die Gesellschaft zu entdemokratisieren

Fragen?

http://www.welt.de/print/die_welt/debatte/article112159634/Europa-oh-weh.html

Re: Die EU löst keine Probleme, sie ist ein Problem. Seit dem Ende des Sozialismus ist sie der massivste Versuch, die Bürger zu entmündigen und die Gesellschaft zu entdemokratisieren

sehr wenig substanz, der artikel aus der "welt". und dann noch das fahle beispiel mit dem tabak und "antirauch", da habe ich gleich schon wieder einen verdacht auf eine gewisse journalistische spezie.

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