Ölförderung in der Arktis: Havarie von Bohrinsel gibt Gegnern Auftrieb

04.01.2013 | 17:25 |  Von unserem Korrespondenten Gert Braune (Die Presse)

Auch wenn eine Naturkatastrophe nach dem Stranden der Kulluk vor Alaska diesmal verhindert werden kann: Es ist ein herber Rückschlag für Shells umstrittene Ölförderpläne. Der Konzern übt sich im Beschwichtigen.

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Ottawa. Der Ölkonzern Royal Dutch Shell übt sich Tage nach der Havarie seiner Ölplattform Kulluk vor Alaska weiter im Beschwichtigen: Ja, die Plattform sei zwar beschädigt, und laut den Berichten eines Bergungsteams sei auch Wasser eingedrungen. Und, nein, in umgekehrter Richtung trete kein Öl aus, hieß es am Freitag.

Auch wenn der Zwischenfall tatsächlich glimpflich und also ohne Umweltschäden verlaufen sollte, ist er ein herber Rückschlag für Shell bei der Umsetzung der umstrittenen Pläne, im Arktischen Ozean Öl zu fördern. Der Mineralölkonzern steht an der Spitze derer, die den Arktischen Ozean für Öl- und Gasgewinnung nutzen wollen. Und die Kulluk ist eine von zwei Bohrinseln, die Shell im Sommer einsetzte, um in der Tschuktschen- und Beaufort-See mit Probebohrungen zu beginnen. „Wir wissen, wie man in Regionen wie dieser arbeitet“, zitieren die „Anchorage Daily News“ Firmensprecher Curtis Smith. Aus Zwischenfällen wie dem der Kulluk werde man lernen.

Alaska: Gestrandete Shell-Bohrinsel abgeschleppt

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Ed Markey, Vertreter der Demokraten im für Bodenschätze zuständigen Ausschuss des US-Repräsentantenhauses, sieht das anders: „Die Ölunternehmen sagen, dass sie die Arktis bezwingen können, aber die Arktis ist anderer Meinung.“ Nach einer Reihe von Zwischenfällen sei klar, dass die Ölkonzerne derzeit dort nicht sicher bohren könnten. Eine Ausweitung der Bohrungen „könnte sich als desaströs für die sensible Umwelt erweisen“, sagt Markey.

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Havarie nahe Exxon-Valdez-Unglücksort

Schauplatz der Havarie ist nicht der Arktische Ozean, sondern der Golf von Alaska, etwa 1500 Kilometer südlich der Bohrfelder im Eismeer. Der Unfall hat dennoch die Debatte über die Sicherheit der Ölsuche in der Arktis neu angefacht und die Frage aufgeworfen, was im Arktischen Ozean passieren kann, wenn nicht einmal das Abschleppen der Bohrinsel in südlichere Gewässern sicher ist. Es war nicht der erste Rückschlag für Shell. Technische Probleme hatten im Sommer dazu geführt, dass Shell zwar den Meeresboden anbohren, nicht aber in ölführende Schichten vordringen konnte.

Anfang Oktober hat Shell die Arbeiten eingestellt und begonnen, die Kulluk durch die Bering-Straße nach Süden zu schleppen. Sie soll in einer Werft in Seattle überholt werden. Zugschiffe und Plattform gerieten an den Weihnachtstagen in einen heftigen Sturm, am Silvesterabend lief die Kulluk südlich der Kodiak-Insel auf Grund.

An Bord der Plattform lagern 540.000 Liter Dieseltreibstoff und rund 45.000 Liter Schmier- und Hydrauliköl. Der Havarieort liegt etwa 500 Kilometer südwestlich des Prince William Sounds, wo sich 1989 die Ölkatastrophe der Exxon Valdez ereignet hatte.

Schwere Stürme auch in Arktis häufig

Mit dem Schwund des Meereises durch den Klimawandel ist das Interesse an der Ölförderung im Eismeer gestiegen. Das „Bureau of Ocean Energy Management“ der USA vermutet im äußeren Kontinentalschelf Alaskas unentdeckte, technisch abbaubare Ölreserven von 26 Milliarden Barrel und Gasreserven von 3,7 Bio. Kubikmeter. Shell hat 2008 für zwei Mrd. US-Dollar Förderlizenzen erworben und annähernd fünf Mrd. Dollar in die Bohrungen investiert.

Kritiker verweisen darauf, dass heftige Stürme wie jetzt im Golf von Alaska auch die Tschuktschen- und Beaufort-See prägen. Die beiden Randmeere des Arktischen Ozeans sind nur wenige Monate nicht eisbedeckt, aber selbst dann treiben oft große Eisflächen in diese Gebiete, die die Bohrinseln gefährden können. Umweltschützer bezweifeln, dass unter diesen Bedingungen sicher Öl gefördert werden kann und verweisen darauf, dass das Gebiet Lebensraum von Eisbären, Walen, Robben und Meeresvögeln ist.

Ein Problem ist laut Eleanor Huffines von der PEW Environment Group, dass es keine getestete Ausrüstung für die Reaktion auf eine Ölpest unter diesen Bedingungen gebe. „Dieses neueste Missgeschick ist eine schmerzliche Erinnerung, dass arktische Bohrungen einfach nicht sicher sind“, ergänzt Deirdre McDonnell vom Center for Biological Diversity. Es sei nicht nachzuvollziehen, warum US-Präsident Barack Obama die Ölbohrungen im Eismeer erlaubt habe.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.01.2013)

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13 Kommentare

Steuerflucht

Ich kann mir nicht vorstellen das dieser Rotschild Konzern ueberhaupt Steuern zahlen muss

Sollten wir alles Öl verbrennen?

viel mehr sollte sich die Menschheit überlegen ob sie alles Öl verbrennen will! Wenn weiterhin die Zins und Renditeerwartungen so hoch bleiben, dann werden wir in etwa 400 Jahren 90 Grad mehr haben! Alleine 6 Grad mehr für dieses Jahrhundert wird für die Meere etc desaströs! Hier eine Studie dazu: http://peakaustria.blogspot.co.at/2012/12/klimawandel-studie-was-passiert-mit.html

Re: Sollten wir alles Öl verbrennen?

Supa, dann kann ich mir den Stom fuer die Sauna sparen. Derzeit kosten mich die 90 Grad noch viele kWh...

Re: Sollten wir alles Öl verbrennen?

Lt. Wissenschaftlicher Studien sind die Erdölreserven bereits seit 12 Jahren erschöpft. Vor 40 Jahren hatte eine kleine Eiszeit begonnen. Es ist also längst alles eingefroren. Seit 20 Jahren gibt es nach dem großen Waldsterben keine Wälder mehr. Sie sind also in Wirklichkeit garnicht mehr da. Das bilden Sie sich nur ein.

Ich bin erstaunt, dass es immer noch Leute gibt, die diesen Unfug glauben.

Re: Re: Sollten wir alles Öl verbrennen?

Man muss schon noch ein wenig differenzieren.
Die Menge der neu gefundenen Ölvorkommen ist mittlerweile kleiner als der Verbrauch. Dass es nicht billiger wird merkt jeder beim Tanken. Dass das was mit Angebot und Nachfrage zu tun hat liegt auf der Hand. Ist auch gesteuert, aber nicht nur.
Dass die Wälder nicht total kaputt wurden hat damit zu tun, dass ausnahmsweise die Politik mal richtig reagiert hat und die Schwefelemissionen per Gesetz deutlichts reduziert hat. Die Bodenversauerung durch Regen mit schwefeliger Säure war ein Problem in den 80er-Jahren das Gott sei Dank gelöst wurde. Heute wird so gut wie kein Schwefel mehr emittiert und daher kein Waldsterben. Gesund sind die Forste aber auch nicht so wie man das gerne hätte, das nur nebenbei.
Zwischeneis- und warmzeiten gibt es immer wieder, das sind aber keine dramatischen Veränderungen.
+90°C ist natürlich extremer Schwachsinn, die Oberflächentemperatur der Erde ergibt sich aus fast ausschließlich aus der Energiebilanz, und die ändert sich nur wenn die Sonne mehr oder weniger abstrahlt. Die Sonne ist aber vergleichsweise ein konstanter Strahler. Dass der Klimawandel doch nicht wie vorhergesagt stattfindet (Nasa-Messungen belegen, dass die Erwärmung nicht so stattfindet wie vorhergesagt) liegt wohl an der Unzulänglichkeit der Rechenmodelle, die in die Zukunft rechnen wollen. Das gelingt aber nicht so wie man das gerne hätte. Und einen eindeutigen wissenschaftlichen Beweis für eine Erwärmung durch CO2 gibt es gar nicht.

Re: Re: Re: Sollten wir alles Öl verbrennen?

Ja, nachträglich gibt es immer genauso tolle wissenschaftliche Erklärungen, warum etwas nicht eingetreten ist. In den letzten 45 Jahren sind jedenfalls _alle_ panikmachenden Vorhersagen _nicht_ eingetreten.

Dass es _wieder_ wärmer wird nach der Kleinen Eiszeit im 18. Jahrhundert ist nachvollziehbar.

Dass es einen Strafenden Gott gibt, der die Sünden der Menschen mit Unwettern bestraft war schon im Mittelalter ein wirksames Mittel, die Leute in Angst und Schrecken zu versetzen und ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Früher waren es Kirchenleute, heute sind es systemtreue Wissenschaftler mit ihren Studien, die als Quelle dienen. Wissenschaftler, die zu "falschen" Ergebnissen kommen werden diskreditiert und bekommen keine Fördermittel. So funktioniert das wie geschmiert.

Re: Re: Sollten wir alles Öl verbrennen?

Man muss schon noch ein wenig differenzieren.
Die Menge der neu gefundenen Ölvorkommen ist mittlerweile kleiner als der Verbrauch. Dass es nicht billiger wird merkt jeder beim Tanken. Dass das was mit Angebot und Nachfrage zu tun hat liegt auf der Hand. Ist auch gesteuert, aber nicht nur.
Dass die Wälder nicht total kaputt wurden hat damit zu tun, dass ausnahmsweise die Politik mal richtig reagiert hat und die Schwefelemissionen per Gesetz deutlichts reduziert hat. Die Bodenversauerung durch Regen mit schwefeliger Säure war ein Problem in den 80er-Jahren das Gott sei Dank gelöst wurde. Heute wird so gut wie kein Schwefel mehr emittiert und daher kein Waldsterben. Gesund sind die Forste aber auch nicht so wie man das gerne hätte, das nur nebenbei.
Zwischeneis- und warmzeiten gibt es immer wieder, das sind aber keine dramatischen Veränderungen.
+90°C ist natürlich extremer Schwachsinn, die Oberflächentemperatur der Erde ergibt sich aus fast ausschließlich aus der Energiebilanz, und die ändert sich nur wenn die Sonne mehr oder weniger abstrahlt. Die Sonne ist aber vergleichsweise ein konstanter Strahler. Dass der Klimawandel doch nicht wie vorhergesagt stattfindet (Nasa-Messungen belegen, dass die Erwärmung nicht so stattfindet wie vorhergesagt) liegt wohl an der Unzulänglichkeit der Rechenmodelle, die in die Zukunft rechnen wollen. Das gelingt aber nicht so wie man das gerne hätte. Und einen eindeutigen wissenschaftlichen Beweis für eine Erwärmung durch CO2 gibt es gar nicht.

Re: Re: Re: Sollten wir alles Öl verbrennen?

Ach ja? In Kanada kostet das Rohoel mittlerweile weniger als 50$/bbl. Warum? Weil Obama GESETZESWIDRIG den Bau von Pipelines unterbindet. Und ohne Pipeline kann man das Oel eben nicht zur Raffinerie bringen.... Lasst uns 10000 Windmuehlen pflanzen! Und die Buerger gleich mit dazu.

Diese polemische, einseitige Berichterstattung muss aufhoeren.

Der Grund, warum die Kulluk letztendlich gestrandet ist: Der STAAT, also die Coast Guard, hat dem Schlepper befohlen, die Schlepptaue zu kappen. So wie bereits beim Macondo Disaster, ist die Obama Administration daran interessiert, die Oelindustrie moeglichst schlecht dastehen zu lassen, und die oeffentliche Meinung gegen sie aufzuhetzen. Ein guter Journalist wuerde hier ein wenig recherchieren.

Re: Diese polemische, einseitige Berichterstattung muss aufhoeren.

Quellen?

Quellen

sind natuerlich die Fachpresse.

Re: Quellen

also dann genaue url und angabe des artikels name! :)

Re: Diese polemische, einseitige Berichterstattung muss aufhoeren.

sie haben aber schon einen "kleinen" Verfolungswahn

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