EU: Stopp für Ökostrom-Subventionen

Europas Umstieg auf erneuerbare Energiequellen schafft mehr Probleme, als er löst. Die EU fordert ein Ende nationaler Förderungen für grünen Strom.

Stopp fuer oekostromsubventionen
Schließen
Stopp fuer oekostromsubventionen
(c) APA (Helmut Fohringer)

Wien. „Die erneuerbaren Energieträger müssen wettbewerbsfähig werden“, sagt Philip Lowe, Generaldirektor für Energie in der EU-Kommission. Der hochrangige Brüsseler Beamte stimmt damit in den Chor jener Energieexperten ein, die seit Monaten über die Folgen der deutschen Energiewende klagen: Da der subventionierte Ökostrom im Netz immer Vorrang hat, werden andere Kraftwerke unrentabel. Gleichzeitig bringen die unberechenbaren Wind- und Solaranlagen die Netze an ihre Belastungsgrenzen – auch außerhalb Deutschlands. Nun zieht die EU-Kommission die Reißleine und fordert eine Bremse bei nationalen Subventionen für Ökostrom.

„Wir werden in der nächsten Woche ein Grünbuch für Energie und Klimaschutz nach 2020 auf den Tisch legen“, sagt Lowe zur „Presse“. Darin will die Kommission mit einigen Problemen aufräumen. Der größte Dorn im Auge Brüssels sind die nationalen Förderregimes für Ökostrom. Sie sollen von einem einheitlichen europäischen Modell abgelöst werden. Einigen Betreibern alternativer Stromkraftwerke will die EU den Subventionshahn am liebsten gleich komplett abdrehen.

 

Den günstigsten Weg suchen

Spätestens 2020 werden die erneuerbaren Energieträger in Europa wettbewerbsfähig sein, ist Lowe überzeugt. Windkraftanlagen auf dem Land und Solaranlagen kämen wohl auch vorher schon ohne Subventionen aus. Stattdessen sollten Unternehmen nach den kommerziell günstigsten Wegen suchen, grüne Energie zu liefern.

Der Mahnruf der EU kommt keine Sekunde zu früh. Denn knapp zwei Jahre nach Fukushima, als Deutschland mit dem definitiven Atomausstieg die Energiewende endgültig besiegelt hat, ist die Situation alles andere als zufriedenstellend. Die Deutschen haben Milliarden an Euro in die flächendeckende Förderung von Solaranlagen und Windkraftanlagen in der Nordsee gesteckt. Die Rechnung zahlen die deutschen Stromkunden. Der Ökostromzuschlag ist mittlerweile genauso hoch wie der Marktpreis für eine Kilowattstunde Strom. In Österreich liegen die Kosten infolge des Deckels bei der Ökostromförderung für die Haushalte mit rund 62 Euro pro Jahr bei etwas mehr als einem Drittel des deutschen Wertes.

 

Unberechenbarer Wind

Die im Netz entstehenden Probleme schlagen aber auch hierzulande durch. In ernste Bedrängnis kommen manche Energiekonzerne. Denn im Netz hat grüne Energie stets Vorrang – egal, wie groß die aktuelle Nachfrage nach Strom ist. Damit werden aber jene Kraftwerke unrentabel, die notwendig sind, um kurzfristig einzuspringen, wenn der Wind plötzlich nicht mehr bläst oder Wolken die Sonne verdecken. Die Ratingagentur Moody's hat deshalb erst kürzlich das Kreditrating der gesamten Branche kollektiv unter Beobachtung gestellt.

Nicht einmal die erhofften CO2-Einsparungen sind Realität geworden. Da sich Gaskraftwerke infolge der Verwerfungen auf dem Markt derzeit überhaupt nicht mehr rechnen, greifen viele Versorger zur kostengünstigeren Variante und verbrennen Kohle aus den USA. Die Nachfrage nach dieser ist dank des Schiefergasbooms in Amerika stark gesunken, weshalb sie billig nach Europa geliefert werden kann.

In einigen EU-Ländern stieg der Kohleverbrauch im Vorjahr um 50 Prozent. Das Problem: Es gibt keine klimaschädlichere Methode, Strom zu erzeugen als mit dem Verbrennen von Kohle. So liefert die grüne Energiewende ein paradoxes Resultat: Obwohl mehr Ökostromanlagen als je zuvor Europa mit Strom beliefert haben, stieg 2012 der CO2-Ausstoß in der Stromproduktion laut Bloomberg um drei Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2013)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Kommentar zu Artikel:

EU: Stopp für Ökostrom-Subventionen

Schließen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen