EU: Stopp für Ökostrom-Subventionen

03.02.2013 | 20:05 |  MATTHIAS AUER (Die Presse)

Europas Umstieg auf erneuerbare Energiequellen schafft mehr Probleme, als er löst. Die EU fordert ein Ende nationaler Förderungen für grünen Strom.

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Wien. „Die erneuerbaren Energieträger müssen wettbewerbsfähig werden“, sagt Philip Lowe, Generaldirektor für Energie in der EU-Kommission. Der hochrangige Brüsseler Beamte stimmt damit in den Chor jener Energieexperten ein, die seit Monaten über die Folgen der deutschen Energiewende klagen: Da der subventionierte Ökostrom im Netz immer Vorrang hat, werden andere Kraftwerke unrentabel. Gleichzeitig bringen die unberechenbaren Wind- und Solaranlagen die Netze an ihre Belastungsgrenzen – auch außerhalb Deutschlands. Nun zieht die EU-Kommission die Reißleine und fordert eine Bremse bei nationalen Subventionen für Ökostrom.

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„Wir werden in der nächsten Woche ein Grünbuch für Energie und Klimaschutz nach 2020 auf den Tisch legen“, sagt Lowe zur „Presse“. Darin will die Kommission mit einigen Problemen aufräumen. Der größte Dorn im Auge Brüssels sind die nationalen Förderregimes für Ökostrom. Sie sollen von einem einheitlichen europäischen Modell abgelöst werden. Einigen Betreibern alternativer Stromkraftwerke will die EU den Subventionshahn am liebsten gleich komplett abdrehen.

 

Den günstigsten Weg suchen

Spätestens 2020 werden die erneuerbaren Energieträger in Europa wettbewerbsfähig sein, ist Lowe überzeugt. Windkraftanlagen auf dem Land und Solaranlagen kämen wohl auch vorher schon ohne Subventionen aus. Stattdessen sollten Unternehmen nach den kommerziell günstigsten Wegen suchen, grüne Energie zu liefern.

Der Mahnruf der EU kommt keine Sekunde zu früh. Denn knapp zwei Jahre nach Fukushima, als Deutschland mit dem definitiven Atomausstieg die Energiewende endgültig besiegelt hat, ist die Situation alles andere als zufriedenstellend. Die Deutschen haben Milliarden an Euro in die flächendeckende Förderung von Solaranlagen und Windkraftanlagen in der Nordsee gesteckt. Die Rechnung zahlen die deutschen Stromkunden. Der Ökostromzuschlag ist mittlerweile genauso hoch wie der Marktpreis für eine Kilowattstunde Strom. In Österreich liegen die Kosten infolge des Deckels bei der Ökostromförderung für die Haushalte mit rund 62 Euro pro Jahr bei etwas mehr als einem Drittel des deutschen Wertes.

 

Unberechenbarer Wind

Die im Netz entstehenden Probleme schlagen aber auch hierzulande durch. In ernste Bedrängnis kommen manche Energiekonzerne. Denn im Netz hat grüne Energie stets Vorrang – egal, wie groß die aktuelle Nachfrage nach Strom ist. Damit werden aber jene Kraftwerke unrentabel, die notwendig sind, um kurzfristig einzuspringen, wenn der Wind plötzlich nicht mehr bläst oder Wolken die Sonne verdecken. Die Ratingagentur Moody's hat deshalb erst kürzlich das Kreditrating der gesamten Branche kollektiv unter Beobachtung gestellt.

Nicht einmal die erhofften CO2-Einsparungen sind Realität geworden. Da sich Gaskraftwerke infolge der Verwerfungen auf dem Markt derzeit überhaupt nicht mehr rechnen, greifen viele Versorger zur kostengünstigeren Variante und verbrennen Kohle aus den USA. Die Nachfrage nach dieser ist dank des Schiefergasbooms in Amerika stark gesunken, weshalb sie billig nach Europa geliefert werden kann.

In einigen EU-Ländern stieg der Kohleverbrauch im Vorjahr um 50 Prozent. Das Problem: Es gibt keine klimaschädlichere Methode, Strom zu erzeugen als mit dem Verbrennen von Kohle. So liefert die grüne Energiewende ein paradoxes Resultat: Obwohl mehr Ökostromanlagen als je zuvor Europa mit Strom beliefert haben, stieg 2012 der CO2-Ausstoß in der Stromproduktion laut Bloomberg um drei Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2013)

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252 Kommentare
 
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Knallharter Blödsinn!

Man klicke auf EEX
Tatsache ist, der Stromverbrauch sinkt. Alleine die Umstellung auf Energiesparlampen und jetzt LEDs auch für Industrie und Straßenbeleuchtung reduziert die Nachfrage enorm.

Energiemanagement kappt die Nachfrage an Spitzenstrom und Solar liefert genau dann Strom wenn Klimageräte saugen würden.

Speziell D und A könnten sogar die Förderung für PV zurückfahren, denn die Module sind heute schon so effizient, dass Grid Parity erreicht ist.

Bezahlte Einschaltung

Muss eine solche nicht gekennzeihcnet sein?
1. " Da sich Gaskraftwerke infolge der Verwerfungen auf dem Markt derzeit überhaupt nicht mehr rechnen, greifen viele Versorger zur kostengünstigeren Variante..." was kann denn da die Erneuerbare Energie dafür?
2. " Damit werden aber jene Kraftwerke unrentabel, die notwendig sind, um kurzfristig einzuspringen, wenn der Wind plötzlich nicht mehr bläst oder Wolken die Sonne verdecken..." Hier wird bewusst verschwiegen, dass Technologien um Energie bei Überschuss zu speichern und transportabel zu machen (etwa durch Syngas) bereits marktreife haben. Und in dem Tenor gehts weiter mit der Werbeeinschaltung.

die schönste freude ist....

einen presseartikel mit einem anderen zu "verlinken".

http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/1340849/Foerderung-fuer-Oel-und-Gas-als-Staatsfeind-Nummer-1?from=gl.home_wirtschaft

ps: was ich noch nicht verstanden habe ist die bewertungsmethode mancher user hier. wird grün/rot verstanden als gut/schlecht oder wahr/falsch???
bis dato war ich tatsächlich der meinung, dass es um inhalte geht und weniger um emotionen...

die bewertung meines vorigen kommentares weiter unten hat mich einens besseren belehrt. das berichten von fakten, wird negativ bewertet.... "populismus schau oba"

Ihr

Eco

Re: die schönste freude ist....

Wieviel wurde letztes Jahr alleine in die MWSt Befreiung bei Diesel für Landwirte und andere Unternehmen ausgegeben? Wieviel für die Pendlerpauschalen, Befreiungen von Ökostromumlagen für Konzerne etc...! Wieviel für die Haftungen von Gasturbinenbauern, welche jetzt von den Erneuerbaren bedroht werden! Vor ein paar Jahren hat hier die EVN, Verbund und andere Haftungen bzw. Anleihen vom Bund bzw Land bekommen!.http://www.youtube.com/watch?v=Cl8XEH48_6c&sns=em

Re: die schönste freude ist....

Zwei Anmerkungen.

Der Vergleich weltweiter Subventionen für Energiegewinnung ist unredlich.

Wenn Venezuela die Ölproduktion oder den Vertrieb über die Staatsgesellschaft subventioniert, hat das für Europa genau keine Relevanz. Und wenn China als Staat massiv in Kohlekraftwerke und den Kohleabbau investiert genauso wenig.

Wir beziehen dennoch unser Öl und unsere Kohle zu Weltmarktpreisen, während Wind- und Solaranlagen zu Tode gefördert werden.

Sellafield ist kein "normales" Atomkraftwerk, sondern eine Atomwaffenfabrik. Daher ist es auch logisch und richtig, wenn der Staat für den Rückbau aufkommt.

Re: die schönste freude ist....

wahr/falsch kann man ausschließen! ;-)

Es geht um eher um Gesinnung oder Glaubensgemeinschaft.

!

Nix mehr gehört gefördert.
Entweder etwas rechnet sich auch ohne Förderung oder eben nicht.

Alle Förderungen sind des Teufels !!!

Sie verzerren die Wirtschaft und sind eine der wichtigsten Quellen für die Korruption !

Re: Alle Förderungen sind des Teufels !!!

Meinen Sie jetzt generell die Förderungen, oder allein die Wirtschaftsförderung?

Also die Politik nutzt die Förderungen ja dazu etwas zu kontrollieren und zu steuern. Da sie mit den Förderungen viel Macht ausüben können. Zeigt sich in der Landwirtschaft.

Re: Re: Alle Förderungen sind des Teufels !!!

Ja, ich meine generell alle Förderungen!

Re: Re: Re: Alle Förderungen sind des Teufels !!!

Das ist absoluter Nonsens.
Eine Förderung - wie bei den EE ist eine Investition - in die Zukunft.

Jeder der Wirtschaft erfolgreich betreibt, investiert und hat Kosten, die sich nicht sofort aber über die Laufzeit seiner Investition rentieren.

Re: Re: Re: Re: Alle Förderungen sind des Teufels !!!

Jede Investitionsentscheidung, die nur einer Förderung wegen getätigt wird, ist von vorneherein völliger Unsinn !!!

Auch die Wirtschaft ist durch die Grundversorgung für alle ohnehin subventioniert.

Re: Re: Re: Re: Re: Alle Förderungen sind des Teufels !!!

Die Förderungen werden nicht aus Jux und Tollerei gegeben, sondern bezwecken eine Lenkungseffekt damit wir uns Strom auch in Zukunft leisten können und noch dazu eine gesunde Umwelt haben.

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Alle Förderungen sind des Teufels !!!

Blablablabla...

Diese "Grünstromförderungen" verteuern jetzt schon den Strom erheblich und das mit der gesunden Umwelt ist überhaupt der größte Witz dabei!!!!

Sagen Sie , bezahlt Sie der Berlakovich für diesen Unsinn ?? Der Mann ist ein Bauernvertreter, der ausschließlich die Einkommensmaximierung der (Groß-)Bauern und der RaiKa im Auge hat und dem die Umwelt einschließlich Klima aber so was wie wurscht ist !!!!!

Re: Re: Re: Alle Förderungen sind des Teufels !!!

Also auch Kindergeld, Schülerfreifahrt, Pendlerpauschale, Kulturförderung, Heizkostenzuschuss, Zuschüsse für Firmen die Langzeitarbeitslose oder eingeschränkte Personen einstellen, Wohnraumsanierung, geförderte Häuslbauerkredite, Tierseuchenprävention, Naturschutzförderungen, geförderte Wohnungen, Vereinsförderungen, Forschungsförderung, ...???

Was soll der Staat/Land/Gemeinden mit dem Geld machen? Steuern senken? Wer zahlt die meisten Steuern?

Re: Re: Re: Re: Alle Förderungen sind des Teufels !!!

Alle Förderungen ohne Ausnahme sind des Teufels, sie führen nur zur Korruption und behindern eine gesunde Entwicklung !!

Die Förderungen werden durch eine bedingungslose Grundversorgung für jedermann vom Säugling bis zum Greis ersetzt, die allerdings deutlich unter der Armutsgrenze zu liegen hat. Wer einen höheren Lebensstandard haben will, muß eben dazuverdienen was er unbeschränkt nach Höhe und Zeitdauer darf.

Re: !

Bin ich dafür, Förderungen sollten dem Fördern von etwas dienen bis es auf eigenen Beinen steht.

Ich befürchte die Politik wird das nicht durchsetzten. Den Krieg in Mali müssten dann zb. die Stromkunden zahlen! Irak, Libyen, die Autofahrer. Die Vorbereitungen zum Irankrieg?
Die Pensionen? Die Landes und Gemeindestraßen?

Ein paar Faktensplitter zur Diskussion.

Beim Thema Atomstrom kommt es oft zu einer Mischung aus naturwissenschaftlichen Unwissen, ökonomischen Unverständnis und tief vorhandenen irrationalen Ängsten, wie man an diesem Forum auch deutlich sehen kann.
Das ist keine gute Ausgangslage für eine pragmatische rationale Lösung.

Weder müssen wir den Atommüll in gleicher Weise zehntausende Jahre lagern, noch sind die Kosten dafür unendlich hoch.

Atommüll hat den Vorteil, dass er sich im Rahmen des Zerfallsprozesses von alleine abbaut und daher immer weniger abgeschirmt gelagert werden muss. Insbesondere hoch strahlender Atommüll zerfällt sehr schnell und ist nur für wenige Jahre problematisch, während langsam zerfallender Atommüll weniger strahlt.

Das ist zum Beispiel ein Unterschied zu den meisten Chemieabfällen, die für sehr lange Zeiträume unverändert toxisch bleiben und vielfach noch viel geschützter gelagert werden müssen. Aber um diese gibt es in der Öffentlichkeit interessanter Weise kaum eine Diskussion.

Die Kosten der laufenden Endlagerung sind im Vergleich zur Errichtung und dem Abbau eines AKWs gering. Es macht auch bei Betrachtung der Gesamtkosten (aufgrund des Zinseffekts) keinen nennenswerten Unterschied, ob ein Lager 100 Jahre, 1000 Jahre oder unendlich lange erhalten werden muss.

Da Atomstrom als wesentlicher Grundpfeiler der europäischen Energieversorgung auch weiterhin bestehen bleiben wird, sollten wir möglichst rational und effizient damit umgehen und nicht in irgendwelche Wunschfantasien flüchten.

Re: Ein paar Faktensplitter zur Diskussion.

Warum muss man die ASSE dann ausräumen?

Re: Ein paar Faktensplitter zur Diskussion.

Na gut, bei nicht gerade wenigen Reaktoren fällt Plutonium an, das ja bekanntlich nur wenig strahlt und extrem sehr rasch zerfällt und sehr bekömmlich ist. (Ironie aus)
Die Kosten für eine Stilllegung eines AKWs bestehen nicht nur in der LAgerhaltung von atomaren Abfällen, sondern auch im Abbau des AKWs, von denen manche Teile sehr stark strahlen, ergeben sich auch aus diesem GRund sehr erhebliche Kosten.
Ich bin zwar bei Ihnen, dass das Problem AKW rational diskutiert werden soll, da aber die Menschen überwiegende nur zu 10% rational handeln und denken und zu 90% emotional, stehen die Chancen für eine solche Diskussion eher schlacht.

Re: Re: Ein paar Faktensplitter zur Diskussion.

Plutonium zerfällt überwiegend unter Abgabe von Alpha-Strahlung und lässt sich daher bereits durch einfachste Mittel abschirmen. Gefährlich wird es nur, wenn es ins Innere eines Organismus gelangt.

Größere Probleme bei der Lagerung von Plutonium bereiten die Wärmeentwicklung sowie das nachhaltige Verhindern unkontrollierter Kettenreaktionen.

Re: Re: Re: Ein paar Faktensplitter zur Diskussion.

Ich bin schon erleichtert, wenn ich weiß, daß ein solch ausgemachter Kapazunder, wie Sie einer zu sein scheinen, sich der Atomprobleme annimmt! Dann kann ja wirklich nichts mehr passieren.

Re: Re: Re: Ein paar Faktensplitter zur Diskussion.

Das ist schon richtig, begründet aber auch die sehr erheblichen Probleme bei der Lagerung, wozu auch die lange Halbwertszeit prolematisch ist.

Re: Ein paar Faktensplitter zur Diskussion.

Irgendwo tief in der Erde was verbutteln, man sieht's dann nicht mehr, ist keine sichere Lösung. Wir reden da von sehr großen Zeiträumen, die kein Mensch abschätzen kann.

Re: Re: Ein paar Faktensplitter zur Diskussion.

Die Halbwertszeiten und Zerfallsketten der radioaktiven Isotope sind sehr genau bekannt.
Insofern lässt sich das Verhalten der radioaktiven Stoffe selbst sehr gut abschätzen.

Was sich schon schwerer abschätzen lässt, ist die menschliche Entwicklung (wie dokumentiere ich die Endlagerstätten für die nächsten 500 Jahre, insbesondere wenn sie rückholbar sein sollen?) und in gewissem Maße langfristige geologische Veränderungen in der Lagerstätte.

Re: Re: Ein paar Faktensplitter zur Diskussion.

Wenn man etwas nicht abschätzen kann, dann braucht man darüber auch nicht zu diskutieren. Weder als Befürworter noch als Gegner.

 
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