Deutschland droht Milliardenloch bei CO2-Zertifikaten

Die Preise sind niedrig. Die EU-Kommission will Zertifikate zurückhalten. Deutschland könnte einen Verlust von bis zu 1,4 Milliarden Euro einfahren.

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Archivbild – (c) APA (Robert Jaeger)

Wegen des Preisverfalls beim EU-weiten Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten droht Deutschland heuer ein weiterer Einnahmeausfall von 1,2 bis 1,4 Milliarden Euro. Das geht aus einer Antwort des Parlamentarischen Finanz-Staatssekretärs Steffen Kampeter (CDU) auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zunächst hatte die "Süddeutsche Zeitung" darüber berichtet. Statt ursprünglich kalkulierter 17 Euro je ausgestoßener Tonne Kohlendioxid müssen Energieunternehmen und Industrie derzeit teils nur drei oder vier Euro zahlen. Dadurch wird gerade die klimaschädliche Kohleverstromung wieder lukrativer.

Kampeter betonte, wie hoch die Einnahmen am Ende letztlich sein werden, hänge stark von der Marktentwicklung ab. Die Gelder speisen den Energie- und Klimafonds (EKF) der deutschen Regierung, aus dem wichtige Energiewendeprojekt mitfinanziert werden, etwa eine Förderung für energetische Gebäudesanierungen, Speicherprojekte, nationale Klimaschutzprojekte oder die Elektromobilität.

Zertifikate zurückhalten

Umweltminister Peter Altmaier (CDU) stützt den Vorschlag von EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard: Sie will vorerst wegen des Preisverfalls 900 Millionen CO2-Zertifikate vom Markt zurückhalten. So sollen der Preis wieder gesteigert und Anreize gesetzt werden, um das Klima zu schützen. Doch Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) blockiert den Vorschlag aus Sorge um zusätzliche Belastungen für die Industrie. Ohne Einigung der Bundesregierung dürfte der EU-Vorschlag scheitern, eine Entscheidung soll bis März fallen.

(APA/dpa)

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