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E-Control: Freifahrt für alle in öffentlichen Verkehrsmitteln

03.07.2008 | 19:09 |   (Die Presse)

Ein ungewöhnlicher Vorschlag: Kostenloser öffentlicher Verkehr soll Energie sparen helfen. Bereits jetzt stammt nur ein kleiner Teil der der Umsätze von privaten Kunden.

wien (jaz).Etwa zwölf Prozent der gesamten in Österreich verbrauchten Energie fließen in den Transport von Personen. „Und dies ist der Bereich mit dem größten Wachstum in den vergangenen Jahren“, sagt E-Control-Chef Walter Boltz. Vor allem der individuelle Autoverkehr nimmt stark zu. „Sämtliche Einsparungen bei den Fahrzeugen wurden durch die steigende Fahrleistung wieder wettgemacht“, so Boltz weiter. Deshalb hat die E-Control im Rahmen des Maßnahmenpakets für mehr Energieeffizienz, das sie im Auftrag des Wirtschaftsministeriums erstellt, nun einen ungewöhnlichen Vorschlag: Der öffentliche Verkehr sollte für jeden Österreicher kostenlos sein.

„Beim öffentlichen Verkehr werden rund 70 Prozent der Kosten ohnehin vom Steuerzahler gezahlt. Daher ginge es lediglich um die Kostenverteilung der anderen 30 Prozent“, sagt Boltz. Durch eine weitgehend kostenlose Netzkarte für jeden erwartet er sich einen deutlichen Anstieg bei der Nutzung des öffentlichen Verkehrs.

Im öffentlichen Verkehr stammt schon jetzt nur die Minderheit der Umsätze von privaten Kunden. So erzielte beispielsweise die Personenverkehrstochter der ÖBB im Vorjahr 615 Mio. Euro Umsatz am Markt. Weitere 783,2 Mio. Euro erhielt sie von der öffentlichen Hand für sogenannte gemeinwirtschaftliche Leistungen, wie beispielsweise die Schülerfreifahrt. Die Ausgaben für den Betrieb des Schienennetzes werden ebenfalls großteils vom Staat getragen.


Milliarden für die „Öffentlichen“

Ähnlich ist die Situation bei den meisten städtischen Verkehrsbetrieben – wie etwa den Wiener Linien. Dort gibt es einen Kostendeckungsgrad von rund 50 Prozent (inklusive Schülerfreifahrt). Allerdings ist der U-Bahn-Ausbau nicht eingerechnet. Insgesamt zahlt der Bund knapp zwei Mrd. Euro pro Jahr für den öffentlichen Verkehr. Darüber hinaus gibt es Zahlungen von Ländern und Gemeinden.

„Ein komplett kostenloses Angebot des öffentlichen Verkehrs würde aber weitere Milliarden kosten“, meint Gabriela Moser, die Verkehrssprecherin der Grünen. Sie ist daher gegen den Vorschlag der E-Control. „Wir können nicht so viel Geld verschenken. Außerdem hat Mobilität ihren Wert.“ Dem stimmt Christian Gratzer vom – dem öffentlichen Verkehr gegenüber freundlichen – VCÖ zu: „Die Erfahrungen zeigen, dass nicht so sehr der Preis, sondern das Angebot für die Kunden entscheidend ist. Ein kostenloser öffentlicher Verkehr hätte wahrscheinlich sogar einen negativen Effekt, da sich langfristig die Qualität verschlechtern würde.“

Vom Verkehrsministerium heißt es dazu, dass man sich bemühe, Aktionen für Senioren, Schüler, Studenten und Vielfahrer zu machen. Die öffentlichen Verkehrsmittel für alle kostenfrei zur Verfügung zu stellen, würde „den Rahmen des Möglichen bei weitem sprengen“.

Neben der Gratis-Netzkarte hat die E-Control noch einige weitere Ideen für mehr Energieeffizienz im Verkehr. „Man wird wahrscheinlich auch stärker eingreifende Maßnahmen wie die City-Maut brauchen“, sagt Boltz. Außerdem sollte die Raumordnung so verändert werden, dass künftig nicht mehr so viele neue Streusiedlungen gebaut werden. „Wenn man weiter zulässt, dass einzelne Häuser weit abseits von jeglichem öffentlichen Verkehr gebaut werden, dann werden die Bewohner dieser Häuser die nächsten 100 Jahre mit dem Auto fahren.“

Auf einen Blick

Die E-Control erstellt im Auftrag des Wirtschaftsministeriums einen Maßnahmenkatalog für mehr Energieeffizienz. Einer der Vorschläge ist, dass der öffentliche Verkehr kostenlos sein soll. Von VCÖ und Grünen gibt es Ablehnung für diese Idee.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2008)


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31 Kommentare
 
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Von Gast: Fips am 04.07.2008 um 20:22

Typisch:

die Grünlinge und der lustige VCÖ sind gegen innovative Vorschläge, weil sie nicht von ihnen gekommen sind - reiner intellektueller Neid.

Antworten Von hw am 05.07.2008 um 20:33

denkens

etwas was ansich schon knapp ist (die energie zum betreiben von verkehrsmittel), auch noch zu verschenken ist grenzenloser blödsinn!

man müsste eigentlich den rücktritt verlangen!

Von MS Deutschland am 04.07.2008 um 12:47

PKWs brauchen NICHT mehr Sprit und verfahren auch in Summe immer weniger Sprit in Österreich!

Es stimmt schlichtweg nicht, dass der private Individualverkehr mehr Sprit verbraucht als vor 10 Jahren. Richtig ist, dass die privaten Autonutzer weniger Benzin und Diesel verbrauchen, obwohl sie mehr und zahlreicher fahren. Der steigende Dieselverbrauch in Österreich kommt großteils vom LKW-Transit. LKWs tanken in Österreich, da hier der Sprit billiger ist als in den meisten Nachbarländern. Dies füllt die Staatskassen aber nicht wirklich, da ein LKW oder Bus die Straße etwa 300.000 mal mehr belastet als ein Durchschnittsauto (hierbei geht es um Gewicht und das Gesetz der 4. Potenz).

Eine Analyse der Tankrechnungen von Tankstellen beweist meine Aussage - die Anzahl der Kunden die mehere hundert Liter tanken (LKW) steigt, die Zahl der Kunden die bis zu 100 l tanken stagniert hingegen.

Weiters bedenkt die E-Control nicht, dass die Kapazität für mehr Kunden bei den Öffis gar nicht in dem Ausmaß vorhanden ist und sehrwohl große Mehrkosten entstehen würden.

Antworten Von MS Deutschland am 04.07.2008 um 12:55

LÖSUNG

Wie kann man nun das Problem der hohen Treibstoffkosten - in Wahrheit sind die gar nicht das Hauptproblem, das Hauptproblem werden die viel stärker steigenden Heizkosten - in den Griff bekommen.

Ganz einfach: Man muss die freien Kapazitäten in den PKWs und LKWs nutzen und die PKW- und LKW-Fahrer müssen eben für jeden Kilometer, den sie einen Fahrgast mitnehmen z. B. 10 Cent bekommen. Das senkt die Kosten für Treibstoff pro Liter um etwa 15 Cent!

100 % Subventionierung von Mitfahrern kann sich der Staat leisten, da 4 * 15 gerade mal 60 macht und die verdient der Staat an Steuern pro Liter verkauftem Benzin. Wer also 4 Menschen mitnimmt - via Handy kann man die Entfernungen messen und abrechnen - fährt steuerfrei, da er dem Staat einen Dienst erweist und armen Menschen, die sich kein Auto leisten können oder zu dumm sind um einen Führerschein zu machen, hilft.

Citiymaut ist nur in der FPÖ-Version denkbar (kostenneutral Garagen gratis) wodurch die 1. Garage angesteuert wird.

Von Herman am 04.07.2008 um 10:29

da werden sich die Maserati, Daimler und dergleichen freuen

. . . weg mit den armen Schluckern; rein in d' Tram, Bahn und Bus damit.
Nein, wer Auto fährt, soll brennen - und auch nicht abschreiben. Weg mit den Lastern am Brenner und auf die Schiene.
Parken müsste frei und unbeschränkt sein, damit jeder eine Chance hat, doch eine Strassenseite sollt' für die Radler bleiben.

Von Gast: Aster Lavister am 04.07.2008 um 10:17

Unausgereifte Ideen, aber gut, dass darüber geredet wird

Freifahrt für alle wäre ein Signal des Überflusses. Ich wäre dagegen für den Einbau von Zugangssperren bei den Ubahnen wie in fast jeder zivilisierten Stadt. Wenn die 50% Schwarzfahrer/innen zahlten, könnte der Fahrpreis um die Hälfte gesenkt werden.

Citymaut ist ein weiterer Faktor, um Menschen aus dem Wohngebiet Innenstadt zu vertreiben. In Städten wie London ist das sekundär, weil ja der Citymaut-Bereich kaum mehr bewohnt wird. Es sein denn, die Innenstädter werden davon ausgenommen, doch die werden von Herrn Häupl ja bevorzugt gemolken: Parteifremdes Gesindel...

Von roger am 04.07.2008 um 10:06

Super Vorschlag

Es wäre sicher sinnvoller, das Geld, mit dem wir CO2-Zertifikate kaufen müssten, für die kostenlose Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu investieren. Das Geld für die CO2-Zertifikate ist ohnehin hinausgeschmissen.

Von Gast: Kontrapunkt am 04.07.2008 um 10:06

So werden bei uns Ideen behandelt

Statt sich alle Argumente erläutern zu lassen, kommen sofortige Absagen. Positiv ist doch jedenfalls, dass mehrere Ziele durch ein "pull" statt ein "push" durch Steuern erzielt werden soll.
Was mir dazu einfällt:
Unternehmen würden Ihre Mitarbeiter wahrscheinlich dazu drängen ihre Dienstfahrten vermehrt mit der Bahn durchzuführen. Inlandsflüge wären noch unattraktiver.
In der Bahn-Administration ließe sich viel einsparen.
Die Annahme des Angebots könnte zu Mehrbedarf und zu einer Erhöhung der Frequenzen führen, somit würden die MA aus der Admin. wieder neue Jobs bekommen, und die Attraktiviät der Öffis würde weiter steigen, etc., etc.
Argumente anhören, bewerten, entscheiden - bitte in dieser Reihenfolge.

Antworten Von oitzinger am 04.07.2008 um 20:37

So sehe ich das auch ...

... zumindest einen Versuch wäre es wert.

Von freeman am 04.07.2008 um 09:42

Woher kommt der innere Zwang,

sich für die Energiereinsparungen Anderer stark machen zu müssen, und das am besten noch durch Einschränkung von deren Optionen (siehe zB Raum"ordnung")?

Der Markt mit den in letzter Zeit stetig steigenden Preisen bietet mehr als genug Motivation für den Einzelnen, dies zu tun.

Sicher kann eine generelle Freifahrt wohl einige aus wirtschaftlichen Überlegungen zum Unsteigen bewegen, aber auch hier gilt (wie überall, wo Dinge scheinbar gratis sind) "there is no such thing as a free lunch".

Antworten Von Gast: nick1 am 04.07.2008 um 10:25

Re: Woher kommt der innere Zwang,

Es ist nicht gratis sondern volkswirtschaftlich sinnvoll, weil Energie und andere Ressourcen besser genutzt werden.

Antworten Antworten Von hw am 05.07.2008 um 20:41

glaubens?

und viele züge und busse eingeschoben werden müssen, weil man dann gratis und auslangeweile herumfahren.

Antworten Antworten Von freeman am 04.07.2008 um 12:48

"Volkswirtschaftlich sinnvoll"

ist kein Kriterium in einem freien Land.

Das zwangsweise Ausrichten des Lebens des Individuums am "volkswirtschaftlich sinnvollen" ist ein Kennzeichen des totalitären Staates.

Letztendlich kommt die Volkswirtschaft über den Markt schon zu ihrem Recht, wenn man sie nur lässt.

Von Gast: Crusader am 04.07.2008 um 08:58

Die Grünen und der VCÖ sind dagegen...

Klar sind auch die zwei dümmsten, bürger und umweltfeindlichsten Vereine.
Tolle Idee der E Control! Damit würden endlich die Einnahmen aus dem Auotverkehr der Allgemeinheit (auch den Autofahrern die zum Teil umsteigen könnten) zu Gute kommen.
Aber gute Vorschläge haben in Österreich nie viel Zukunft gehabt...

Von parapente am 04.07.2008 um 08:57

50 % runter mit dem Preis

ALLER Öffis - wäre schon drinnen.
Aber im Moment werden´s ja teurer!

Antworten Von hw am 05.07.2008 um 20:44

gibts ja

ÖBB Vorteilscard und schon fahrens 50% günstiger.

Von Kantig am 04.07.2008 um 08:26

Alt aber gut - mein Vorschlag dieser Art ist nachzulesen!

Autofahrer bekommen ein Ticket in der Randgarage und schon ist der Umwelt und dem Individualverkehr Gutes getan.

Wer weiter (Zubringerdienste gibt es) mit dem eigenen Auto in der Stadt fahren will, soll für die Belastung und Belästigung der anderen heftig löhnen - nicht nur immer teureren Treibstoff.

Von oitzinger am 03.07.2008 um 23:34

Streusiedlungen ...

... sind nicht die Basis des Problems. Zur Zeit ist es die Energieform.

Bescheidet sich man mit einem Elektrofahrzeug und lädt dies zudem über eine private Photovoltaikanlage auf, so sehe ich zumindest aus Energiesicht kein Problem.

Siehe http://tiny.cc/hjvAN

Antworten Von hw am 04.07.2008 um 00:49

Re: Streusiedlungen ...

na was glaubens, warum man früher zusammen gerückt ist?
die energieform ist es mit sicherheit nicht, wenn schon "die gewinnung" der primär energie.
die solar energie und akkus sind halt auch nicht gratis.

Antworten Antworten Von oitzinger am 04.07.2008 um 20:47

"Früher" ist ein sehr weiter ...

... Begriff.

Jedes Dorf hatte zudem auch einen gewissen Schutzcharakter.

Ich glaube auch, dass es eher die Minderheit sein wird, die sich derart extrem entlegen sich ansiedeln möchte.

Allerdings sollte meines Erachtens das Wohlbefinden des einzelnen Menschens im Vordergrund stehen. Und was ich als letztes haben möchte, sind eine Vielzahl von Wohnsilos in denen Menschen, ähnlich wie Tiere in einer Käfighaltung "gehalten" werden.

Man beachte allein die Zunahme an Aggressionen im urbanen Bereich.

Nun Sie mögen schon Recht haben, die Gewinnung von Solarenergie ist nicht ganz gratis, jedoch die Energieform als solche sehr wohl.

Es ist nur eine Frage der Zeit, sprich technische Entwicklung der Photovoltaikzellen, politischer Entscheidung, sowie der Höhe der Ölpreises.

Die Idee wäre einen Versuch wert, ausgelegt auf die nächsten zehn Jahre und dann wird untersucht, in wie weit sich das Verhalten der Gesellschaft geändert hat. Wahrsager sind wir alle nicht.

Antworten Antworten Antworten Von hw am 05.07.2008 um 20:49

re

"..Allerdings sollte meines Erachtens das Wohlbefinden des einzelnen Menschens im Vordergrund stehen.."

das soll auch so sein, nur das sollte einem auch was wert sein!
"wohnsilo" hat keiner verlangt

Von oitzinger am 03.07.2008 um 23:24

Diese Idee kommt mir jedesmal, ...

... wenn leere Zugsgarnituren und fast leere Busse an mir vorbeifahren.

So phantastisch sie auch aufs Erste klingt, es wäre wirklich mal wert sämtlich Vorteile dieser Idee darzulegen.

Wie schon Vorkommentatoren richtig erkannt haben, dass dadurch enorm viel an Administration eingespart werden könnte.

Gerade am Land, wo es doch viele Autobesitzer gibt, wird dem Auto der Vorzug gegegeben, weil ja KFZ-Steuer und Versicherung ohnehin bezahlt werden müssen.

Zieht man dann noch volkwirtschaftliche Gründe ins Kalkül wird es interessant.

Ein Versuch wäre es allmal wert.

Meine Gratulation an die Personen der E-Control, dass sie sich auch einmal wagen, Gewagtes auszusprechen. Bravo!


Antworten Von hw am 04.07.2008 um 00:52

Re: Diese Idee kommt mir jedesmal, ...

nicht alles was wohltut, ist auch langfristig gesund!

... wenn leere Zugsgarnituren und fast leere Busse an mir vorbeifahren...

man kann halt nicht die waggons dort abstellen, wo die leute aussteigen. wenns einkaufen fahren, ist die hinfahrt auch eine "leerfahrt". verstanden?

Von Gast: supper am 03.07.2008 um 22:48

endlich

mal ein guter vorschlag.

Von kremser am 03.07.2008 um 22:44

wenn alle gratis mit den öffis fahren dürfen

wo bleibt dann der unterschied zu nseren werten politikern ?
die sind schon lange soweit

(neben dem sehr komfortablen dienstlimousinen)

 
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