Der Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und Klimaschutzbeauftragte der deutschen Bundesregierung, Hans Joachim Schellnhuber, hat vor einer dramatischen Beschleunigung des Klimawandels gewarnt. "In fast allen Bereichen verlaufen die Entwicklungen schneller als bisher angenommen", sagte Schellnhuber der "Saarbrücker Zeitung" (Montagausgabe).
"Wir sind auf dem Weg zur Destabilisierung des Weltklimas viel weiter fortgeschritten, als die meisten Menschen und ihre Regierungen denken", sagte Schellnhuber. So schmelze das arktische Meereis schneller als erwartet. Auch gebe es Anzeichen, dass das gesamte Klimamuster am Nordpol "bereits in einen neuen Zustand umgeschlagen ist". Für die Arktis sei bei der jetzigen Erderwärmung von 0,8 Grad die Grenzlinie offenbar überschritten.
Achilles-Ferse des Planeten
Beim Grönlandeis, "der Achilles-Ferse des Planeten schlechthin" liege die Grenze bei einer Erderwärmung von etwa zwei Grad. Es schmelze ebenfalls schneller als gedacht. Wenn es komplett kollabieren sollte, würde der Meeresspiegel um sieben Meter ansteigen: "Dann gäbe es die heutigen Küsten nicht mehr", sagte er.
Um die Erderwärmung zu begrenzen müsse der globale CO2-Ausstoß bis 2050 halbiert werden, was für die Industrieländer ein Minus von 80 bis 90 Prozent bedeute. Bis 2020 müsse dieser Prozess eingeleitet sein. "Wenn nur eine Seite versagt, Industrieländer oder Schwellenländer, dann ist ein desaströser Klimawandel unvermeidbar", sagte Schellnhuber.
(APA)
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