Erdwärmung: Wetterstationen nur falsch platziert?

Hat es in den vergangenen Jahrzehnten überhaupt eine Erwärmung gegeben? Klimawandelskeptiker kritisieren, dass viele Messstationen falsch platziert wurden. Etwa auf Flughäfen, wo sie von Abgasen beeinflusst wurden.

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(c) AP

Ging der Streit um die Erwärmung bisher um menschliche Fehler von Mitgliedern des UNO-Klimabeirats IPCC, kommt er nun an die Substanz, an die Daten: Hat es in den letzten Jahrzehnten überhaupt eine Erwärmung gegeben? Klimawandelskeptiker weisen schon lange darauf hin, dass viele Messstationen in Regionen errichtet wurden, in denen es aus anderen Gründen schon warm war – am Flughafen Rom etwa sollen Thermometer auch vom Abgas der Jets gewärmt werden – oder in denen es warm wurde, weil etwa eine früher ländliche Region inzwischen eine Stadt ist (und Städte wärmen).

Mit diesem Problem befasste sich Ende der 80er Phil Jones, früherer Direktor der Climatic Research Unit (CRU) der University of East Anglia und Schlüsselfigur von „Climategate“, dem Hackerangriff auf CRU, der den Verdacht weckte, die Forscher hätten Daten manipuliert und unterdrückt. Jones trat zurück, aber nun holt ihn seine frühe Arbeit ein: Er hat am Beispiel China gezeigt, dass lokale Effekte – Verstädterung etwa – nur geringe Einflüsse auf die Erwärmung haben, diese also global ist. Nature publizierte es 1990. 2007 widersprach ein Amateur, Doug Keenan: Viele Wetterstationen in China seien während Jones' Studie von kühlen in warme Regionen versetzt worden.

Jones konnte nichts dazu sagen, er hatte die Rohdaten nicht mehr. „Das ist nicht akzeptabel“, urteilt er heute über den Datenschwund. Und in der Sache: „Wahrscheinlich wurden die Stationen bewegt.“ Beides äußerte er gegenüber Nature, das nachfragte, ob er die Publikation zurückziehen werde: „Ich werde darüber nachdenken. Es ist die Überlegung wert“ (Naturenews, 15.2.).

Auch in das langfristige Klimageschehen bzw. das Wissen darüber kommt Bewegung: Waren die Eiszeiten überhaupt so wie gedacht, kamen und gingen sie im Rhythmus von 100.000 Jahren Kälte und 10.000 Jahren Wärme dazwischen? In dieser Sicht wurde es vor 115.000 Jahren kalt und vor 15.000 wieder warm, dazwischen war es kalt, die Meeresspiegel lagen bis 130 Meter tiefer als heute (weil so viel Wasser in Eis gebunden war).

 

Hohe Meere mitten in der Eiszeit

Aber zumindest bei Mallorca war das Meer vor 81.000 Jahren um einen Meter höher als heute, eine Gruppe um Jeffrey Dorale (University of Iowa) hat es aus Tropfsteinen in Höhlen gelesen, die mit dem Meer verbunden sind. Damals muss es sehr rasch warm geworden sein, in 4000 Jahren stieg das Wasser 80 Meter (Science, 327, S.863). Es kann also rasch gehen, das ist die eine Botschaft. Und es lag, zumindest in diesem Fall, an der Sonne bzw. der Stellung der Erde zu ihr – alle 40.000 Jahre bekommt die Nordhalbkugel aus himmelsmechanischen Gründen besonders viel Energie –, die Konzentrationen des Treibhausgases CO2 waren gering und erst am Ende der Eiszeit wieder hoch.

EISZEIT: Zyklen

Erde und Sonne stehen nicht immer gleich zueinander, die Bahn der Erde und ihr Neigungswinkel schwanken periodisch, Milutin Milankovi? bemerkte es 1920. Der längste Zyklus dauert 100.000 Jahre, mit ihm kommen und gehen die Eiszeiten. Ein zweiter pulsiert alle 40.000 Jahre. Von ihm muss das Phänomen vor 81.000 Jahren stammen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.02.2010)

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