Wegwerfflasche gleich umweltfreundlich wie Glasflasche

Durch das Recycling sind Einweg-Plastikflaschen ähnlich umweltfreundlich wie wiederverwendbare Glasflaschen, ergibt eine Studie im Auftrag des Umweltministeriums. Noch besser wären Mehrweg-PET-Flaschen.

Plastikflasche Glasflasche Recycling
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Symbolbild Plastikflasche – (c) www.BilderBox.com (Www.bilderbox.com)

Eine Studie widerlegt das verbreitete Image von den "bösen Plastikflaschen": Das deutsche Institut für Energie und Umweltforschung (IFEU) hat im Auftrag des österreichischen Umweltministeriums, der ARA sowie vom Fachverband der Nahrungs- und Genussmittelindustrie Flaschen verglichen und ist dabei zu dem Schluss gekommen, dass Wegwerfflaschen aus Plastik ökologisch gleich gut sind wie wiederbefüllbare Glasbehältnisse.

Untersucht wurden PET-Einwegflaschen für Mineralwasser und Limonade (1,5 und 2 Liter) sowie 1-Liter-Glasflaschen für Mineral und Limonade. Ergänzend stellten die Forscher auch Berechnungen für die 1,5-Liter-PET-Mehrwegflasche an, die jedoch in Österreich nicht mehr im Handel erhältlich ist. Die anderen Verpackungen decken den Großteil des Marktes ab.

"In Summe keine Vor- oder Nachteile"

Das überraschende Ergebnis: Der ökobilanzielle Vergleich zeigt "in Summe keinen Vor- oder Nachteil" der PET-Einwegflaschen gegenüber den Glas-Mehrwegflaschen, weder bei Mineral noch bei Limonade, heißt es in der am Freitag veröffentlichten Studie. Lediglich unter der Annahme eines regionalen Vertriebs (bis zu 60 Kilometer) schneiden die Glas-Mehrwegflaschen besser ab.

Im Wesentlichen ist das Ergebnis laut IFEU auf das hohe Recyclingniveau einschließlich des sogenannten Bottle-to-Bottle-Verwertung von Kunststoffflaschen in Österreich zurückzuführen. Es werden nämlich acht von zehn der hierzulande verkauften PET-Einwegflaschen zur Verwertung erfasst. Immerhin aus jeder zweiten Plastikflasche wird wieder Verpackungsmaterial für Lebensmittel.

Verbesserungspotenzial sehen die Forscher beim Flaschengewicht sowie beim verwendeten Anteil von PET-Rezyklat. Derzeit enthält eine Plastikflasche etwa 20 bis 35 Prozent einer alten Flasche.

Glasflaschen: Transport und Waschen

Die Glasflasche kann umwelttechnisch mit niedrigem Ressourcenverbrauch punkten: Das IFEU hat angenommen, dass sie etwa 30 Mal wiederbefüllt wird. Negativ auf die Ökobilanz wirkt sich hingegen die Distribution aus, denn Glasflaschen müssen viel öfter hin- und hertransportiert werden. Ein weiteres Manko ist die erforderliche Reinigung der Flaschen und Kisten.

Am besten hat übrigens die nicht mehr existente wiederbefüllbare Plastikflasche abgeschnitten: Diese ist einerseits leicht und kann andererseits mit geringeren Herstellungs- und Entsorgungslasten aufwarten.

Welche Verpackungsart die Kunden bevorzugen oder akzeptieren würden, wurde nicht untersucht, ebensowenig betriebswirtschaftliche Aspekte.

Mehrweganteil stark gesunken

Im Umweltministerium wollte man die Studie auf APA-Anfrage inhaltlich nicht kommentieren. "Wir haben schon im Dezember 2010 die Sozialpartner ersucht, bis Mitte 2011 Vorschläge zu erbringen", sagte eine Sprecherin von Minister Nikolaus Berlakovich (V). Man gehe davon aus, dass Wirtschaftskammer (WKÖ) und AK die Ergebnisse der IFEU-Studie einarbeiten.

AK-Umweltexperte Werner Hochreiter will jedenfalls die Potenziale der wiederbefüllbaren Plastikflasche ausloten. Das vom Handel strikt abgelehnte Ökobonusmodell ist für die AK noch nicht vom Tisch. Dieses hätte die schrittweise Erhöhung der Mehrwegquote sowie Strafen für Händler vorgesehen, die zu wenig Glasgebinde anbieten.

Für Richard Franta, Geschäftsführer des Gremiums Lebensmittelhandel in der WKÖ, sind Quoten hingegen "absolut sinnlos und nicht zielführend". Jegliche Lenkungsmaßnahmen seien kontraproduktiv, weil gegen das Kaufverhalten des Konsumenten gerichtet. "Man sollte den Wunsch des Kunden respektieren, den er in den letzten Jahren klar zum Ausdruck gebracht hat."

(APA)

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