Wegwerfflasche gleich umweltfreundlich wie Glasflasche

18.02.2011 | 14:54 |   (DiePresse.com)

Durch das Recycling sind Einweg-Plastikflaschen ähnlich umweltfreundlich wie wiederverwendbare Glasflaschen, ergibt eine Studie im Auftrag des Umweltministeriums. Noch besser wären Mehrweg-PET-Flaschen.

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Eine Studie widerlegt das verbreitete Image von den "bösen Plastikflaschen": Das deutsche Institut für Energie und Umweltforschung (IFEU) hat im Auftrag des österreichischen Umweltministeriums, der ARA sowie vom Fachverband der Nahrungs- und Genussmittelindustrie Flaschen verglichen und ist dabei zu dem Schluss gekommen, dass Wegwerfflaschen aus Plastik ökologisch gleich gut sind wie wiederbefüllbare Glasbehältnisse.

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Untersucht wurden PET-Einwegflaschen für Mineralwasser und Limonade (1,5 und 2 Liter) sowie 1-Liter-Glasflaschen für Mineral und Limonade. Ergänzend stellten die Forscher auch Berechnungen für die 1,5-Liter-PET-Mehrwegflasche an, die jedoch in Österreich nicht mehr im Handel erhältlich ist. Die anderen Verpackungen decken den Großteil des Marktes ab.

"In Summe keine Vor- oder Nachteile"

Das überraschende Ergebnis: Der ökobilanzielle Vergleich zeigt "in Summe keinen Vor- oder Nachteil" der PET-Einwegflaschen gegenüber den Glas-Mehrwegflaschen, weder bei Mineral noch bei Limonade, heißt es in der am Freitag veröffentlichten Studie. Lediglich unter der Annahme eines regionalen Vertriebs (bis zu 60 Kilometer) schneiden die Glas-Mehrwegflaschen besser ab.

Im Wesentlichen ist das Ergebnis laut IFEU auf das hohe Recyclingniveau einschließlich des sogenannten Bottle-to-Bottle-Verwertung von Kunststoffflaschen in Österreich zurückzuführen. Es werden nämlich acht von zehn der hierzulande verkauften PET-Einwegflaschen zur Verwertung erfasst. Immerhin aus jeder zweiten Plastikflasche wird wieder Verpackungsmaterial für Lebensmittel.

Verbesserungspotenzial sehen die Forscher beim Flaschengewicht sowie beim verwendeten Anteil von PET-Rezyklat. Derzeit enthält eine Plastikflasche etwa 20 bis 35 Prozent einer alten Flasche.

Glasflaschen: Transport und Waschen

Die Glasflasche kann umwelttechnisch mit niedrigem Ressourcenverbrauch punkten: Das IFEU hat angenommen, dass sie etwa 30 Mal wiederbefüllt wird. Negativ auf die Ökobilanz wirkt sich hingegen die Distribution aus, denn Glasflaschen müssen viel öfter hin- und hertransportiert werden. Ein weiteres Manko ist die erforderliche Reinigung der Flaschen und Kisten.

Am besten hat übrigens die nicht mehr existente wiederbefüllbare Plastikflasche abgeschnitten: Diese ist einerseits leicht und kann andererseits mit geringeren Herstellungs- und Entsorgungslasten aufwarten.

Welche Verpackungsart die Kunden bevorzugen oder akzeptieren würden, wurde nicht untersucht, ebensowenig betriebswirtschaftliche Aspekte.

Mehrweganteil stark gesunken

Im Umweltministerium wollte man die Studie auf APA-Anfrage inhaltlich nicht kommentieren. "Wir haben schon im Dezember 2010 die Sozialpartner ersucht, bis Mitte 2011 Vorschläge zu erbringen", sagte eine Sprecherin von Minister Nikolaus Berlakovich (V). Man gehe davon aus, dass Wirtschaftskammer (WKÖ) und AK die Ergebnisse der IFEU-Studie einarbeiten.

AK-Umweltexperte Werner Hochreiter will jedenfalls die Potenziale der wiederbefüllbaren Plastikflasche ausloten. Das vom Handel strikt abgelehnte Ökobonusmodell ist für die AK noch nicht vom Tisch. Dieses hätte die schrittweise Erhöhung der Mehrwegquote sowie Strafen für Händler vorgesehen, die zu wenig Glasgebinde anbieten.

Für Richard Franta, Geschäftsführer des Gremiums Lebensmittelhandel in der WKÖ, sind Quoten hingegen "absolut sinnlos und nicht zielführend". Jegliche Lenkungsmaßnahmen seien kontraproduktiv, weil gegen das Kaufverhalten des Konsumenten gerichtet. "Man sollte den Wunsch des Kunden respektieren, den er in den letzten Jahren klar zum Ausdruck gebracht hat."

(APA)

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24 Kommentare

Der Umweltminister und der Verteidigungsminister

die zwei lebenden Burgenländerwitze!

Gast: liebereinengutenbergalsherzverfettung
18.02.2011 18:43
0 0

In jeder Wissenschaft geht der Irrtum der Wahrheit voraus, aber es ist besser, er geht voran als hinterher!

Derzeit sind sie GLEICHAUF!

Gast: Gast
18.02.2011 18:08
1 0

Studie

'Wer hat diese Studie bezahlt? Hoferl oder Lidl

Gast: Eurrora
18.02.2011 16:23
2 1

Gleich umweltfreundlich und gesund ,wie Glasflaschen ?

Nach einer Studie vom Umweltministerium.
Normal wäre es ,wenn diese Leute ,welche diesen Stuss verzapfen ,sofort verhaftet und eingesperrt werden um nicht mehr Unheil anzurichten.
Wie sagen Manche : Dreck schwimmt immer oben auf.
Auf DVD gibt es den Film "Plastik Planet ".

Eines gleich Vorweg ....

...Pet-Flaschen enthalten weibliche Hormone und stehen unter Verdacht die Fruchtbarkeit einzuschränken respektive überhaupt zu schädigen.
Ebenso wird die Blechdose verdächtigt Alzheimer auszulösen (bei permanenten Konsum).
Liebe Leutchen, egal wie bequem ihr auch seid und wie schwer so eine Glasflasche auch ist, so empfehle ich immer und ohne Einschränkung GLAS!

Gast: MaG
18.02.2011 14:51
2 0

Bezahlte Studien & unkritische Journalisten?

http://marktcheck.greenpeace.at/8896.html

Re: Bezahlte Studien & unkritische Journalisten?

Ich mag die Wegwerfflaschen auch nicht, aber wenn gerade Greenpace von "tendenziös" spricht, dann entbehrt das einer gewissen Komik wohl nicht... ;-)

Antworten Gast: skeptischer mitbürger
18.02.2011 15:27
0 0

Re: Bezahlte Studien & unkritische Journalisten?

und umgekehrt ist es aber wenig überraschend, dass Greenpeace mit der Studie nicht zufrieden ist, oder?

Gast: H QC
18.02.2011 14:41
3 1

Na, wenn sie denn gleich gut sind

dann spricht nichts dagegen, die Plastikwegwerfflasche völlig zu verbieten oder? Damit ersparen wir uns den sauteuren Ölimport für Plastik und unnötiges Mülltrennen ...

Gast: Denka09
18.02.2011 14:35
2 0

Na, die ARA hat

sicher kein Interesse an Glasflaschen. Da macht sie bekanntlich keinen Umsatz. Detto der Fachverband der Nahrungs- und Genussmittelindustrie ...

Gast: leoLinks
18.02.2011 14:27
4 0

Leitungswasser

die Bequemlichkeit sollt doch dazu führen, Leitungswasser zu trinken!
Wie kommt man nur auf die Idee, Wasser literweise heimzutragen, wo wir doch beste Leitungswasserqualtität haben??
werd ich nie verstehen...

Gast: gast18
18.02.2011 13:56
3 2

Mehrwert-PET und Glas lebe hoch!

Ich denke für viele wäre es einmal hilfreich, sich den Film Plastic Planet anzusehen!!
Dieser zeigt drastische Details über Plastik - sprich Schädigung der Zeugungsfähigkeit - denn dieses Plastik enthält zumeist Bisphenol A oder die Platikteilchen selbst landen im Blut
Und ehrlich gesagt: Was machen wir in ca. 50-60 Jahren, wenn Öl zu einem sehr raren Gut wird, weil diese Quellen endlich sind?
Ich bin der Meinung eine Einführung von Mehrwert PET Flaschen für alle Größen wäre sinnvoll, den hier könnte noch mehr Plastik wiederverwertet werden, denn die Leute würden das Plastik nicht in den Restmüll mehr schmeißen
Doch am gesundheitsschonendsten betrachte ich sowieso die Glasflasche, denn hier gerät kein Teilchen ins Blut, das dann den Körper schädigen kann

Antworten Gast: gast19
18.02.2011 14:35
2 3

Re: Mehrwert-PET und Glas lebe hoch!

den film darf man meiner meinung nach nicht ernst nehmen, weil bei dieser jounalistischen qualität des films wirkt sogar michael moore noch seriös dagegen.
das argument von wegen irgendwann ist das öl aus zählt auch nicht (bezogen auf plastik), denn von 100 litern öl werden 50 sofort im motor verbrannt, 30 im kraftwerk verbrannt und nur 5 liter gehen in die kunststoffindustrie da soll man vorher autos mit weniger verbrauch bauen, da das enorm viel mehr öl spart als man jemals durch einsparungen am plastik sektor machen kann.

Re: da soll man vorher autos mit weniger verbrauch bauen, da das enorm viel mehr öl spart als man jemals durch einsparungen am plastik sektor machen kann

das eine schließt ja das andere nicht aus, oder?

die ölimport-abhängigkeit ist die große schwachstelle aller entwickelten volkswirtschaften (norwegen jetzt mal außen vor) - das sollte man schon aus ökonomischer vernunft reduzieren wo es nur geht.

Schwimmende Plastikinseln

In den Ozeanen treiben schwimmende Plasikinseln umher. Plastik gelangt in die Nahrungskette der Tiere, und letztendlich essen auch wir Menschen Plasik. Ist dieser Umstand auch in die Ökobilanz eingeflossen?

Antworten Gast: Biersauer
18.02.2011 15:55
0 2

Re: Schwimmende Plastikinseln

Kuriositäten gibts!
Esgibt sogar Menschen die essen Glühbirnen! (Gegen Bezahlung)
Aber ein altes Sprichwort sagt: Was dem einen sein Uhl ist dem andern die Nachtigall.
Ja un d ein Inder der lebt sogar (angeblich)nur von der Luft!
Ja und es gibt Mensche, welche sich daran stoßen.

Österreichische Plastikflaschen

enden eher selten im Ozean - wieso sollte dies dann für die Ökobilanz österreichischer Flaschen relevant sein?

BTW: Glasscherben liegen auch in der Gegend herum - und dort ist die Gefährdung von Mensch und Tier weit direkter.

Antworten Antworten Gast: Trernas
18.02.2011 14:36
3 1

Na, da irren Sie gewaltig.

Es gibt im Schwarzen Meer genug Plastik aus Österreich. Sie sollten die Förderkapazität der Donau nicht unterschätzen.

Gast: ZIgi
18.02.2011 12:52
2 0

Da gabs doch noch etwas...

....achja! Den Wasserhahn!

Antworten Gast: Geschäftemacherei
18.02.2011 14:17
4 0

Re: Da gabs doch noch etwas...

Genau!! Römerquelle (=Coca Cola), Vöslauer und Co wollen den Bürgern einreden, das Leitungswasser wäre minderwertig/verseucht. Das Geschäft mit dem stillen Mineralwasser ist halt sehr einträglich.

Vor ein paar Jahren haben viele noch ganz entrüstet gesagt "Warum soll ich stilles Wasser in Flaschen kaufen? Als nächstes versuchen sie wohl uns Luft zu verkaufen!"

Video dazu:
The Story of Bottled Water (2010)
Hochgeladen von storyofstuffproject
youtube.com

Umweltfreundlich?

Wer einmal entlang von Straßen und Autobahnen den Grünstreifen bewundert, erkennt wie umweltfreundlich Kunststoffe sind!

Gegen Einweg-Pet wäre auch weniger einzuwenden, würde sichergestellt werden, dass diese auch artgerecht und nicht einfach im nächsten Restmüll oder gar in freier Wildbahn entsorgt würden...

Selbiges gilt übrigens für Dosen.

Ansonsten gibt es auch schon hinreichend stabile Kunststoff-Ersätze aus Stärke u.Ä., die aber nach wenigen Monaten zersetzt werden, während Kunststoffe noch nach Jahrhunderten nur physisch zersetzt aber nicht abgebaut sind.

Re: Umweltfreundlich?

Das Problem hast aber auch mit 1x Glasflaschen.

Re: Umweltfreundlich?

dafür müsste man nur, so wie etwa in deutschland oder skandinavien ein flaschen- und dosenpfandsystem einführen und die müllbelastung würd sich deutlich reduzieren. zwar nicht weil weniger einfach so weggeworfen wird, sondern weil dann eben arme menschen die flaschen einsammeln um zum pfand zu kommen.

Hmmja.

Man fragt sich natürlich, ob der Anblick zerlumpter Altwarensammler mit Riesensäcken wie auf den Straßen von Entwicklungsländern wirklich wünschenswert ist.

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