Bern/Ag/Wb. Die Schweiz verabschiedet sich von der Atomkraft. Allerdings nicht sofort. Nach einer vierstündigen Sitzung des Bundesrats ist seit Mittwoch das Ende der Kernenergie besiegelt. Das erste AKW soll 2019 vom Netz genommen werden, das letzte 2034. Neubauten wird es keine mehr geben. Der Beschluss ist eine Folge des verheerenden Atomunfalls im japanischen Fukushima.
Nach dem GAU in Fukushima müsse das Restrisiko neu beurteilt werden, so die Bundesrätin Doris Leuthard. Dies gelte insbesondere für ein so dicht besiedeltes Land wie die Schweiz. Derzeit stammen rund 20 Prozent des Schweizer Stroms aus Kernenergie, 56 Prozent wird durch Wasserkraft gewonnen. Bis zum Abschalten der AKW will die Regierung ausreichend Alternativen schaffen. Aus Sicht des Bundesrats ist der Ausstieg „technisch möglich und wirtschaftlich verkraftbar“.
Veraltete Atomanlagen
Die Schweiz verfügt im internationalen Vergleich über besonders alte Atomanlagen. Das älteste Kraftwerk Beznau-I ist seit 1969 in Betrieb. Darin befindet sich der älteste Druckwasserreaktor der Welt. Nun soll dieses AKW noch bis 2019 in Betrieb bleiben. Der modernste und leistungsstärkste Meiler im aargauischen Leibstadt soll erst 2034 vom Netz genommen werden.
Die Regierung ist beim Enddatum letztlich einen Kompromiss eingegangen. Zuletzt hatten sich die Grünen vehement für einen Ausstieg bis 2029 ausgesprochen. In der Regierungsvorlage war noch 2044 angepeilt worden. Zuletzt hatte die Schweiz massive Proteste von Atomkraftgegnern erlebt. Am vergangenen Sonntag demonstrierten im Kanton Aargau 20.000 Menschen gegen die Atomkraft.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.05.2011)
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