Brasilien gibt grünes Licht für Mega-Staudamm

Die Proteste von Bischof Kräutler, Eingeborenen und Umweltschützern blieben ohne Erfolg: Die Umweltbehörde genehmigt das Belo-Monte-Projekt im Amazonas-Gebiet.

Protest Mega-Staudamm Amazonas
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Protest Mega-Staudamm Amazonas
Ein Indio protestiert in Brasilia gegen den Bau des Belo-Monte-Projekts – (c) AP (Eraldo Peres)

Im brasilianischen Amazonasgebiet können die Hauptbauarbeiten für das weltweit drittgrößte Wasserkraftwerk beginnen: Die Umweltbehörde Ibama haben den Bau des Belo-Monte-Projekts genehmigt und damit den Weg endgültig frei gemacht. Das geplante Kraftwerk am Fluss Xingú wird von Menschenrechtlern, Umweltschützern, indigenen Gruppen und der katholischen Kirche, allen voran der aus Österreich stammende Bischof Erwin Kräutler, heftig kritisiert.

Das staatliche Institut für Umwelt und Naturressourcen (Ibama) teilte am Mittwoch mit, dem Baukonsortium Norte Energia die Lizenz zum Bau des Belo-Monte-Staudamms erteilt zu haben. Die Entscheidung fuße auf einer "robusten technischen Analyse", in der geplante Ausgleichsmaßnahmen für die zu erwartenden Folgen des Staudammprojekts für Mensch und Umwelt berücksichtigt worden seien. Bereits im Jänner war eine Teilgenehmigung für die vorbereitenden Bauarbeiten und die Rodung von 240 Hektar Wald ergangen.

Bau mit österreichischer Beteiligung

Mit einer Leistung von 11.233 Megawatt soll das Wasserkraftwerk Belo Monte am Fluss Xingú der drittgrößte Staudamm der Welt werden, nach dem Drei-Schluchten-Staudamm in China und dem binationalen Itaipú-Werk an der Grenze Brasiliens zu Paraguay. Allerdings wird mit einer weitaus geringeren Durchschnittsleistung von 4419 Megawatt gerechnet.

Die Regierung in Brasília hält das Wasserkraftwerk rund 40 Kilometer von der Stadt Altamira entfernt zur Sicherung der Energieversorgung für notwendig. Die Baukosten wurden mit elf Milliarden Dollar (7,7 Milliarden Euro) veranschlagt. Norte Energia will 2015 die erste Turbine in Betrieb nehmen, die letzte dann bis 2019. Die deutsche Firma Voith Hydro und das österreichische Unternehmen Andritz konnten sich Turbinen-Aufträge in dreistelliger Millionenhöhe sichern.

Proteste von Umweltschützern und Indios

Das Projekt hatte wütende Proteste von Umweltschützern und Ureinwohnern ausgelöst. Sie verwiesen darauf, dass amtlichen Angaben zufolge eine Fläche von 500 Quadratkilometern geflutet werden und 16.000 Menschen umgesiedelt werden müssen. In ihrem Protest wurden die Ureinwohner von der katholischen Kirche unterstützt. Die Menschenrechtskommission der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) forderte, das Bauprojekt so lange auf Eis zu legen, bis die Ureinwohner konsultiert und über die Folgen des Baus aufgeklärt worden seien. Auch die Justiz des Bundesstaates Pará war gegen das Projekt vorgegangen und hatte es als "Affront gegen Umweltgesetze" bezeichnet.

Die brasilianische Regierung beteuert jedoch, Ländereien von Ureinwohnern seien nicht bedroht. Außerdem seien hohe Summen ausgegeben worden, um mögliche Folgen im sozialen und im Umweltbereich abzufedern.

(Ag.)

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