Prag/REUTERS. Während sich die meisten Länder infolge der Katastrophe in Fukushima vor einem halben Jahr von der Atomkraft abwenden, plant Tschechien den Bau neuer Atomkraftwerke. Das geht aus einem Konzept hervor, das Reuters vorliegt.
Das Papier des Industrieministeriums besagt, dass bis 2060 die Atomkraft 80 Prozent des Energiebedarfes decken soll. Tschechien betreibt sechs nukleare Reaktoren und hat das Ausschreibungsverfahren für zwei weitere eröffnet. Tschechien exportiert seinen Strom unter anderem nach Deutschland. Die Deutschen wollen sich komplett von der Atomenergie abwenden. In politischen Kreisen in Prag fürchtet man nun wachsenden Druck gegen die geplanten neuen Kraftwerke aus Deutschland.
Prag rechnet mit Protesten
Auch aus Österreich erwarten die Tschechen Widerstand. Schließlich ist Temelin nur 50 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Und auch bei diesem AKW sollen bis 2025 neue Reaktorblöcke gebaut werden. Industrieminister Martin Kocourek sagte, Atomenergie sei als billige Energiequelle unerlässlich. Erneuerbare Quellen würden nicht ausreichen.
„Ein Teil der Europäischen Union bewegt sich in eine andere Richtung. Sie kümmern sich wohl nicht so sehr um ihre Wettbewerbsfähigkeit“, so der Minister. Derzeit trägt die nukleare Energie ein Drittel zur gesamten Stromproduktion Tschechiens bei.
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