Mega-Staudamm im Amazonas: Gericht ordnet Baustopp an

Im Amazonas-Becken soll der drittgrößte Staudamm der Welt errichtet werden. Nun wurde das Projekt gestoppt, weil der Bau die Ureinwohner am Fischen hindere.

Belo Monte hindere die Ureinwohner am Fischen, so die Begründung des Gerichts.
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Belo Monte hindere die Ureinwohner am Fischen, so die Begründung des Gerichts.
(c) AP (HUMBERTO PRADERA)

Mit einer Leistung von 11.000 Megawatt soll das Projekt Belo Monte im brasilianischen Amazonas-Becken der drittgrößte Staudamm der Welt werden. Etwa 16.000 Menschen müssten dafür umgesiedelt werden, eine Fläche von 500 Quadratkilometern soll geflutet werden. Das Projekt hat wütende Proteste von Umweltschützern und indianischen Ureinwohnern ausgelöst. Belo Monte ("Schöner Berg") wurde von seinen Gegnern kurz Belo Monstro ("Schönes Monster") getauft.

Am Mittwoch hat ein brasilianisches Gericht einen Baustopp für das umstrittene Staudamm-Projekt angeordnet. Der Bau hindere die Ureinwohner am Fischen, hieß es zur Begründung. Das Baukonsortium Norte Energia dürfe keine Infrastrukturmaßnahmen vornehmen, die den natürlichen Fluss des Xingu-Flusses, einem Seitenarm des Amazonas, und damit den Fischbestand und das Fischen der Ureinwohner beeinträchtigten, urteilte der Richter.

Elf Milliarden Dollar teures Projekt


Das elf Milliarden Dollar (8,1 Milliarden Euro) teure, rund 40 Kilometer von der Stadt Altamira entfernte Projekt wird von der brasilianischen Regierung als zentral für die nationale Energieproduktion angesehen. Der Streit um Belo Monte beschäftigt die Gerichte bereits seit Jahren. Anfang Juni erteilte die brasilianische Umweltbehörde die Baugenehmigung für das heftig umstrittenen Mega-Projekt.

In Brasilien warnen Kritiker nicht mehr nur vor massiven Schäden für Umwelt und Bevölkerung. Auch ökonomische Bedenken werden ins Spiel gebracht. Der Aufwand sei zu hoch, das Kraftwerk zu teuer, meinte auch der frühere Finanzminister und prominente Wirtschaftsexperte Rubens Ricupero. Belo Monte sei ein "gefährliches Projekt".

Gelassenheit bei Andritz AG

Das umstrittene Kraftwerk am Xingu soll in der ersten Phase 2015 in Betrieb gehen. Für Bau und Betrieb ist das Konsortium Norte Energia SA verantwortlich. Auf Zuliefererseite gibt es mit der Andritz AG einen heimischen Akteur. Im Februar 2011 sicherte sich der börsennotierte österreichische Anlagenbauer einen Auftragsanteil in dreistelliger Millionenhöhe.

Bei der Andritz AG reagierte man "sehr gelassen" auf den nun verhängten Baustopp. Es handle sich um keine endgültige Einstellung. Die Baustelle sei noch nicht eingerichtet, und Andritz sei noch gar nicht vor Ort an der Arbeit, so ein Sprecher des Unternehmens: "Wir gehen davon aus, dass wir den Auftrag ausführen werden".

Bei dem Unternehmen argumentierte man, auch der erste Baustopp Mitte Februar dieses Jahres sei von einem lokalen Gericht verhängt worden, ein übergeordnetes Gericht habe diesen nach wenigen Tagen wieder aufgehoben. Es habe praktisch "null Verzögerung" gegeben. "Auch diesmal erfolgte die Anordnung zur vorläufigen Einstellung der Arbeiten auf Anordnung eines lokalen Gerichts, so der Sprecher. Dies zeige auch auf, dass Brasilien ein funktionierender Rechtsstaat sei.

(Ag.)

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