Mega-Staudamm im Amazonas: Gericht ordnet Baustopp an

29.09.2011 | 11:10 |   (DiePresse.com)

Im Amazonas-Becken soll der drittgrößte Staudamm der Welt errichtet werden. Nun wurde das Projekt gestoppt, weil der Bau die Ureinwohner am Fischen hindere.

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Mit einer Leistung von 11.000 Megawatt soll das Projekt Belo Monte im brasilianischen Amazonas-Becken der drittgrößte Staudamm der Welt werden. Etwa 16.000 Menschen müssten dafür umgesiedelt werden, eine Fläche von 500 Quadratkilometern soll geflutet werden. Das Projekt hat wütende Proteste von Umweltschützern und indianischen Ureinwohnern ausgelöst. Belo Monte ("Schöner Berg") wurde von seinen Gegnern kurz Belo Monstro ("Schönes Monster") getauft.

Am Mittwoch hat ein brasilianisches Gericht einen Baustopp für das umstrittene Staudamm-Projekt angeordnet. Der Bau hindere die Ureinwohner am Fischen, hieß es zur Begründung. Das Baukonsortium Norte Energia dürfe keine Infrastrukturmaßnahmen vornehmen, die den natürlichen Fluss des Xingu-Flusses, einem Seitenarm des Amazonas, und damit den Fischbestand und das Fischen der Ureinwohner beeinträchtigten, urteilte der Richter.

Elf Milliarden Dollar teures Projekt


Das elf Milliarden Dollar (8,1 Milliarden Euro) teure, rund 40 Kilometer von der Stadt Altamira entfernte Projekt wird von der brasilianischen Regierung als zentral für die nationale Energieproduktion angesehen. Der Streit um Belo Monte beschäftigt die Gerichte bereits seit Jahren. Anfang Juni erteilte die brasilianische Umweltbehörde die Baugenehmigung für das heftig umstrittenen Mega-Projekt.

In Brasilien warnen Kritiker nicht mehr nur vor massiven Schäden für Umwelt und Bevölkerung. Auch ökonomische Bedenken werden ins Spiel gebracht. Der Aufwand sei zu hoch, das Kraftwerk zu teuer, meinte auch der frühere Finanzminister und prominente Wirtschaftsexperte Rubens Ricupero. Belo Monte sei ein "gefährliches Projekt".

Gelassenheit bei Andritz AG

Das umstrittene Kraftwerk am Xingu soll in der ersten Phase 2015 in Betrieb gehen. Für Bau und Betrieb ist das Konsortium Norte Energia SA verantwortlich. Auf Zuliefererseite gibt es mit der Andritz AG einen heimischen Akteur. Im Februar 2011 sicherte sich der börsennotierte österreichische Anlagenbauer einen Auftragsanteil in dreistelliger Millionenhöhe.

Bei der Andritz AG reagierte man "sehr gelassen" auf den nun verhängten Baustopp. Es handle sich um keine endgültige Einstellung. Die Baustelle sei noch nicht eingerichtet, und Andritz sei noch gar nicht vor Ort an der Arbeit, so ein Sprecher des Unternehmens: "Wir gehen davon aus, dass wir den Auftrag ausführen werden".

Bei dem Unternehmen argumentierte man, auch der erste Baustopp Mitte Februar dieses Jahres sei von einem lokalen Gericht verhängt worden, ein übergeordnetes Gericht habe diesen nach wenigen Tagen wieder aufgehoben. Es habe praktisch "null Verzögerung" gegeben. "Auch diesmal erfolgte die Anordnung zur vorläufigen Einstellung der Arbeiten auf Anordnung eines lokalen Gerichts, so der Sprecher. Dies zeige auch auf, dass Brasilien ein funktionierender Rechtsstaat sei.

(Ag.)

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11 Kommentare
Gast: Miri
14.02.2012 03:11
0

en contra

Im Amazonas-Becken soll der drittgrößte Staudamm der Welt errichtet werden. Nun wurde das Projekt gestoppt, weil der Bau die Ureinwohner am Fischen hindere.

Para nada, estan locos, para hacer esto a la vez que nosotros en Europa estamos luchando para la naturaleza?

Bueno, tendran que ser no estar locos!


Gast: Otto F. Krammer
30.09.2011 20:01
0

Den Waagner Biro hats damals allerdings erwischt,..

als die GrünInnen den Fred Sinowatz dazu genötigt haben, den Bau von Haunburg zu verschieben.
Denn diese Firma hat bereits das fertige Kraftwerk auf Lager liegen gehabt und musste die Arbeit schließlich verschrotten
So ist wegen des unschlüssigen Sinowatz (es ist alles so kompliziert), Hainburg nicht gebaut worden und eine österr. Firma ist zugrunde gegangen.
So sind die Österreicher ohne eigenes AKW zu
Atomstrombeziehern geworden.
Aber kommt eh aus der Steckdose.

Gast: Ösi
29.09.2011 22:24
0

Ich nehm' mal salopp an, dass weitergebaut wird; da fährt die Eisenbahn drüber!

Und zwar eine wie die Öbb, die merken gar nicht, dass die Waggontscherl schon alle auf der Wiese nebenan mitgeschliffen werden....

ÖBB-geistig ned auf der Höh'!

lg
Ösenpower

Gast: Ardaga Widor
29.09.2011 21:52
0

Schoene Gruesse den Anditzern aus Brasilostan

Bei der Andritz AG reagierte man "sehr gelassen" auf den nun verhängten Baustopp. Es handle sich um keine endgültige Einstellung. Die Baustelle sei noch nicht eingerichtet, und Andritz sei noch gar nicht vor Ort an der Arbeit, so ein Sprecher des Unternehmens: "Wir gehen davon aus, dass wir den Auftrag ausführen werden".

Dies zu lesen, diese Praepotenz oesterreichischer Zerstoerungskapitalisten, die sich ins geile Taeschchen lachen, wohlwissend um die Leichtigkeit Rechtsprechung und Rechtsstaat in unsrem endemischen Korruptionspantanal Brasilostan auszuheben, macht uns nonkonformistische Opferobjekte so wuetend, dass es, im schlimmsten Falle, eine Pflicht sein wird, Andritzmaschinen und -infrastruktur gegengebuehrend zu empfangen!

Gast: Kibietz
29.09.2011 15:14
0

Natur- und Artenschutz

Dort leben einege Viecherln die schon auf der roten Liste stehen. Auch wird ein eizigartiges Naturparadies das über Jahrtausende gewachsen ist zerstört.

Brasilien ist ein großes, sonniges Land mit einer langen Küste, Gezeitenkraftwerge, Windräder und Solarenergie wären das richtige!

James Cameroon meinte dazu das die betroffernen Ureinwohner (20tsd - 30tsd) sich auch bewaffnet wehren wollen.

Und wer ist wieder dabei? Richtig Andritz!. Erinnert mich irgendwie an ein Stauseeprojekt in der Türkei.....

Gast: Ösi
29.09.2011 14:33
0

Aber später wollens sicher die ersten sein, denen eine Glühbirne die Erdhöhle ausleuchtet!

Haben die keine Bulldozer?
Haben die keine Fekter?

so long
Ösenpower

Gast: spartacus
29.09.2011 11:33
2

Leider nur Alibiaktionen

die Interessen der Industrie siegen über die Rechte der Ureinwohner. In Europa sind es halt die Banken, um deretwillen die Demokratie zu Grabe getragen wird und die mittels EU Rettungsschirmen massenhaft Milliardenbeträge verschlingen. Zulasten der der Bildung, der sozial Schwachen und den Sparguthaben der Bevölkerung.

Gast: Eigendlich ein Grüner
29.09.2011 10:39
1

Leistung von 10 grossen AKWs für die fisch

Ich bin ja eher ein Grüner, aber in einem 500km² großen See wirds wohl auch Fische geben.

Wenn die Brasilianer dafür 5000km² Wald wieder aufforsten (der auch als Lebensraum für was weiß ich alles dienen könnte) bin ich erst recht für den Bau.

Nachdem das nächste AKW eine Havarie hatte wird der Bau sowieso durchgezogen - irgendwie schade, aber in der derzeitigen Phase der Menschheit leider nötig.

Antworten Gast: Da Bese
29.09.2011 12:59
0

Re: Leistung von 10 grossen AKWs für die fisch

Nur weil in Österreich die Richterschaft schwerst korrupt ist und immer zu Gunsten von Konzernen entscheidet - so es nicht um winzige Summen geht, die dem Konzern egal sind - dürfen Brasiliens Richter durchaus auch nach der Gesetzeslage entscheiden und die besagt nun mal, dass die Fischereirechte der Indianer vor den Interessen von Konzernen, die mit einem Projekt Geld verdienen wollen gehen.

Ist schon klar, dass im Endeffekt der Staudamm doch fertiggestellt werden wird, aber die Indianer werden einen höheren Anteile an den Gewinnen bekommen. Einfach so drüberfahren wie in Österreich über die Interessen von Grundstückseigentümern, die praktisch nicht entschädigt werden, da Richter eben auf eine Beförderung hoffen, wenn sie zu Gunsten ihres Arbeitgebers (Staat) bzw. der Lobby entscheiden, die den staatlichen Entscheidungsträgern nahe steht, spielte es in dem Fall in Brasilien eben nicht.

Manche Richter haben eben noch andere Ideale als dicke Kuverts mit Geldscheinen oder Urlaubsreisen oder sonstigen Zuwendungen von Konzernen.

An sich ist es ja schon ein Alarmsignal, wenn es eine Sensation ist, wenn ein Konzern Rücksicht z. B. auf Fischereirechte von Indianern nehmen muss.

Gast: k.u.k Feldmarschall
29.09.2011 09:34
1

Da gehts auch schon los, wie bei uns damals mit den Grünen!

Ein paar Egoisten wollen Millionen anderen Menschen ihre Lebesweise und ihren Willen aufzwingen.
Müssen halt alle Südamerikaner wieder in den Urwald ziehen!

Antworten Gast: Analyst 829
29.09.2011 11:15
0

Re: Da gehts auch schon los, wie bei uns damals mit den Grünen!

Warum sollen die Indianer nicht pokern und mehr rausschlagen. Wenn sie ein Grundstück hätten, auf dem etwas gebaut wird, das ANDEREN sehr viel Geld bringen wird, das sie aber selbst nur sehr ineffizient z. B. für Fischfang nutzen, würden sie es doch auch nicht herschenken wollen.

Natürlich wird das Projekt nicht wirklich gestoppt durch den richterlichen Entscheid, aber der Richter war eben der Meinung, dass die Grundstückseigentümer besser entschädigt werden müssen. Sie müssen eben mal wie ein christlicher brasilianischer Richter denken, dann verstehen sie den Entscheid auch.

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