Klimagipfel: Dramatische Appelle, zurückhaltende USA

28.11.2011 | 18:11 |   (DiePresse.com)

Die US-Delegation will beim Kilmagipfel in Durban offenbar nicht über ein konkretes Kyoto-Nachfolgeabkommen verhandeln.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Mit dramatischen Appellen von Politikern und Umweltschützern für mehr Klimaschutz hat im südafrikanischen Durban der 17. UN-Klimagipfel begonnen. Für Afrika gehe es im Kampf gegen den Klimawandel "um Leben und Tod", sagte Südafrikas Präsident Jacob Zuma zum Auftakt am Montag. Die US-Delegation will dagegen in Durban gar nicht über ein konkretes Kyoto-Nachfolgeabkommen verhandeln.

Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre sei niemals höher, die Auswirkung des Klimawandels niemals deutlicher und die Notwendigkeit zum Handeln niemals dringender gewesen als heute, betonte die Leiterin des UN-Klimasekretariats, Christiana Figueres. Insbesondere den Verletzlichsten müsse signalisiert werden, dass etwas für sie getan werde.

Mehr zum Thema:

Trotz der eindringlichen Worte dominierten skeptische Stimmen den Start der Konferenz, zu der etwa 20.000 Delegierte, Experten, Politiker, Funktionäre und Journalisten aus rund 190 Staaten gekommen sind. Im Mittelpunkt der zwölftägigen Veranstaltung steht das Bemühen um ein Folgeabkommen für den Kyoto-Vertrag, der Ende 2012 ausläuft.

>> Hintergrund: Worüber verhandelt wird

USA und China sträuben sich

Vor allem in den USA und in China ist der Widerstand gegen international verbindliche Regeln zur Begrenzung der Treibhausgase groß. Für die USA gehe es in Durban vor allem um die Ausgestaltung der bei dem vorangegangenen Klimagipfel in Cancun vereinbarten Punkte, betonte US-Unterhändler Jonathan Pershing in Durban.

Dazu gehört die Errichtung eines Fonds, der 100 Milliarden Dollar (74 Milliarden Euro) pro Jahr ab 2020 bereitstellt. Damit sollen ärmeren Staaten die Anpassung an den Klimawandel und klimafreundliche Entwicklungsprojekte erleichtert werden. "Das wäre ein beachtlicher Schritt vorwärts im Kampf gegen den Klimawandel", sagte Pershing. Zu Verhandlungen über international rechtlich verbindliche Abmachungen seien die USA derzeit nicht bereit. Zunächst müssten viele andere Fragen geklärt werden.

Südafrikas Präsident Zuma forderte von der internationalen Gemeinschaft rasche Entscheidungen zum gemeinsamen Vorgehen gegen den Klimawandel und seine Folgen. Aufgrund der globalen Erwärmung drohe die Agrarproduktion in vielen afrikanischen Ländern bis 2050 um die Hälfte zu sinken, warnte er. Auch Südafrika leide vermehrt unter extremen Wetterphänomenen, etwa unter enormen Niederschlägen in einigen Regionen mit verheerenden Überschwemmungen als Folge.

Inselstaaten pochen auf Einigung

Auf eine rasche Einigung auf ein neues Klimaschutzabkommen haben indes die Inselstaaten gepocht. Es sei ihre "moralische und ethische Pflicht", alle Entscheidungen abzulehnen, die nicht ihr Überleben garantierten, erklärte die Allianz der Kleinen Inselstaaten (AOSIS) am Montag.

"Warum sollten wir einem Abkommen zustimmen, dass langfristig und unvermeidlich unser eigenes Verschwinden zur Folge hätte?", fragte die AOSIS-Präsidentin Dessina Williams in einer kurz vor Beginn der Konferenz im südafrikanischen Durban veröffentlichten Erklärung. Eine Einigung sei "dringend". Die Inselstaaten weigerten sich, bis 2020 darauf zu warten, dass die großen Industriestaaten ein verpflichtendes Abkommen zur Reduzierung ihres Kohlendioxidausstoßes akzeptierten.

Hilfsorganisationen sehen schon "bitteren Vorgeschmack"

Die Hilfsorganisation Oxfam warnte, die jüngsten Wetterturbulenzen seien nur ein "bitterer Vorgeschmack" auf weitere Folgen des Klimawandels. In den vergangenen 18 Monaten habe es infolge von Dürren drastische Preisschübe bei Grundnahrungsmitteln gegeben, die für Millionen Menschen ein Abgleiten in die Armut bedeuteten. Oxfam drängte die Konferenzteilnehmer auch zu einer Einigung beim sogenannten Grünen Klimafonds.

Caritas international forderte unterdessen eine Ausweitung der Katastrophenvorsorge in den von Wetterextremen besonders betroffenen Regionen. "Die dramatische Zunahme von Überschwemmungen, Dürren und schweren Stürmen kann für die Betroffenen nur durch verstärkte Katastrophenprävention abgemildert werden", erklärte Oliver Müller, der Leiter des Hilfswerks der deutschen Caritas. Karin Kortmann von der Organisation Care nannte die Verhandlungen einen "Poker mit dem Leben von Millionen Menschen".

Die Umweltstiftung WWF warnte vor dem Verschwinden vieler Wälder. Der WWF rechnet bis 2030 mit einem Verlust von 1,25 Millionen Quadratkilometern Wald. Die gigantische Abholzung setze mehr Emissionen frei als der gesamte Verkehr in der Welt.

 

 

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

  • "Everything seems impossible - until it's done."

    Heute wurde die Klimakonferenz „COP 17“ mit mächtigem Trommelwirbel eröffnet. Eine afrikanische Gruppe mit Lendenschurz...

  • Worüber in Durban verhandelt wird

    Bild: (c) dapd (Apichart Weerawong) Im Mittelpunkt der zwölftägigen Veranstaltung steht das Bemühen um ein Folgeabkommen für den Kyoto-Vertrag, der Ende 2012 ausläuft.

  • Für Millionen Chinesen wird das Wasser knapp

    Bild: (c) AP (GREG BAKER) Bei der am Montag beginnenden Klimakonferenz im südafrikanischen Durban verspricht China, inzwischen der größte CO2-Sünder der Welt, eine konstruktive Rolle zu spielen.

  • Klimapolitik ist klinisch tot

    Bild: (c) AP (Israel Leal) Die Verhandlungen über ein globales Klimaschutzabkommen stecken in einer Sackgasse. Ein Ausweg ist auch bei der UN-Klimakonferenz in Durban nicht in Sicht. Die Gräben zwischen den Staaten sind tiefer denn je.

  • Die Krise zeigt: Ökologie ist Ökonomie

    Die Debatte über die Erderwärmung hat sich abgekühlt, die akademischen Wurzelseppen sind ruhiger geworden, die Welt geht vielleicht doch nicht unter.

  • Klimaforschung: Die Nebel lichten sich, aber nur ein wenig

    Bild: (c) AP (Anonymous) Vieles liegt nach wie vor im Nebel, denn die Klimamodelle haben noch viele unbekannte Größen. Auch die Klimafolgen für die Kontinente sind schwer prognostizierbar, vor allem die in kleinem regionalen Maßstab.

  • 2010 brachte Rekord-CO2-Ausstoß

    Bild: (c) Www.BilderBox.com (Www.BilderBox.com) Die Energieeffizienz nimmt seit zwei Jahren ab, sagt die Internationale Energieagentur (IEA) in ihrem aktuellen „World Energy Outlook“. Noch bis zum Jahr 2017 bleibt Zeit für das internationale Zwei-Grad-Ziel.

  • Umweltsünder hemmen Wachstum

    Bild: (c) Erwin Wodicka - wodicka@aon.at (Erwin Wodicka) Allein in den USA kostet die Luftverschmutzung jährlich 184 Milliarden Dollar an Wirtschaftswachstum. Laut einer Studie von US-Wissenschaftlern vernichten Kohlekraftwerke doppelt so viel Wert, wie sie schaffen.

  • Nicaragua: "Das Wetter spielt immer mehr verrückt"

    Bild: (c) EPA (Yuri Cortez) Im Oktober 1998 verwüstete der gewaltige Hurrikan "Mitch" das Land, er veränderte sogar seine Topografie. Über 4000 Menschen starben, 7000 gelten bis heute als vermisst. Und die Wirbelstürme kommen immer öfter.

  • Mehr

Mehr aus dem Web

11 Kommentare

Das Kioto-Protokoll

ist tot und das ist gut so!

Erspart uns Steuerzahlern(innen) viel Geld.

Gast: geh mir
28.11.2011 16:38
1 6

aus der sonne

es schert die öllobby und gasbarone einen dreck ob inseln absaufen und wieviel menschen durch den klimawandel sterben werden... traurig aber wahr..

2 0

Re: aus der sonne

Dieses Inselabsauf-Märchen glauben nur noch ein paar Naivlinge. Bis heute ist keine Insel abgesoffen und auch in Zukunft wird keine absaufen, da es sich nur um eine weitere Umwelt-NGO Propagandalüge handelt, um Panikmache zu betreiben.

http://diepresse.com/home/panorama/klimawandel/108211/Tuvalu-versinkt-nicht-definitiv-nicht-

0 0

Re: Re: aus der sonne

Hier übrigens noch ein Artikel zum Tuvalu-Absaufmythos:

http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,715383,00.html

Speziell Teil 2 ist aussagekräftig:

"Afafoa Irata, Staatssekretär im Außenministerium, gibt freimütig zu: "Wir sensationalisieren das Thema." Was er sich davon verspreche? "Geld und Pässe." Denn die Emigration in reiche Nachbarstaaten ist auch dann für viele Insulaner attraktiv, wenn keine Evakuierung droht. Wer darüber negativ berichte, so Irata, komme auf eine schwarze Liste."

Und zum Schluss:

"Das Flugzeug landet. Es spuckt wieder Weiße aus. Ein Fotograf, eine Soziologin, zwei Volunteers, die Bäume pflanzen wollen. The show must go on."

Re: Re: aus der sonne

hahahahahah..danke..der link ist einfach super!!! zuerst berichtet christian suhr aus dem büro des generalkonsuls, das die insel nicht versinkt, weil vor drei monaten war sie noch da, und dann wird anhand eines messgeräts in hawaii und eines (neueren modells) in australien festgestellt, das auch der meeresspiegel überhaupt nicht steigt. noch ein paar so hochwissenschaftliche links auf lage? ich lach so gerne.

Re: Re: Re: aus der sonne

bruuuuuuhahahahah..ich glaub ich sterb vor lachen...ich hab mir jetzt noch das datum des artikels den herr gerald gepostet hat:6.2. 2007!!!"versinkt nicht, definitiv nicht"..hahahahahaha..bitte, da steig ich aus: das ganze weitet sich ja noch in eine extrem spezifische diskussion aus...:P

0 0

Re: Re: Re: Re: aus der sonne

Schlichte Gemüter sind halt leicht zu unterhalten. Mit dem Lesen haben Sie es allerdings weniger. Im Artikel steht nicht, dass ein Messgerät in Hawaii ist und das andere in Australien, sondern lediglich, dass eines von der University of Hawaii zur Verfügung gestellt wurde und das zweite von der Flinders University in South Australia, befinden tun sich diese aber auf Tuvalu und haben beide fast keine Änderung des Meeresspiegels (0,07 mm pro Jahr!) gemessen.
Tuvalu selbst hat ja weder eine Universität noch sonst irgendwie technische Möglichkeiten den Meeresspiegel in dieser Genauigkeit zu erfassen.

Re: Re: Re: Re: Re: aus der sonne

ok chef, aber es gibt soviele andere messungen. es gibt satelliten messungen. es gibt soviele neuere links zu dem thema. ob die insel in den nächsten hundert jahren untergeht, weiss ich nicht, aber dass der meeresspiegel seit ca. 1990 schneller ansteigt als vorher, ist glaub ich erwiesen.., da hilft auch keine university of hawaii. ich find den artikel, als einzige quelle zu dem thema, nicht besonders vertrauenswürdig, da gibts mehr information im net als presselinks. ich hab wirklich gelacht, wie ich gelesen hab, das der christian die insel vor drei monaten, und das war in dem fall 2006, noch vorgefunden hat...ansonsten liebe grüse von tuvalu

0 0

Re: Re: Re: Re: Re: Re: aus der sonne

" dass der meeresspiegel seit ca. 1990 schneller ansteigt als vorher, ist glaub ich erwiesen"

Nein, das ist keineswegs erwiesen. Der Meeresspiegel verhält sich auch nicht überall gleich. An manchen Messtellen ist er in den letzten Jahrzehnten gestiegen, an manchen Messstellen sogar gesunken. Die Inselabsauf-Behauptung gehört genauso ins Reich der Panikmeldungsmythen, wie viele andere rund um den Klimawandel.

Re: aus der sonne

Welche Inseln saufen ab?

Re: Re: aus der sonne

deine nicht weil du hast keine

Wetter

  • Aktuelle Werte von
    08:00
    Wien
    16°
    Steiermark
    18°
    Oberösterreich
    18°
    Tirol
    13°
    Salzburg
    15°
    Burgenland
    16°
    Kärnten
    18°
    Vorarlberg
    18°
    Niederösterreich
    13°

Jetzt Panorama-Newsletter abonnieren

Der tägliche Überblick mit den wichtigsten Meldungen zu den Themen Chronik, Wien und Umwelt. Kostenlos.

Newsletter bestellen

Code schwer lesbar? » Neu laden

AnmeldenAnmelden