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Vier von fünf Plastikflaschen landen im Müll

18.01.2012 | 15:43 |   (DiePresse.com)

Eine deutsche Studie regt in Österreich die Diskussion über Mehrweg an. Die freiwilligen Vereinbarungen seien gescheitert, so das Ergebnis. Die Abfallverwerter ARA kommen zu einem anderen Ergebnis.

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Die freiwilligen Maßnahmen der Getränkewirtschaft zur Beschränkung von weggeworfenen Plastikflaschen sind gescheitert: Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von PricewaterhouseCoopers (PwC) im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Auch wenn die Ergebnisse nicht direkt auf Österreich übertragbar sind, haben sie hierzulande eine heftige Diskussion über eine Wiederbelebung von Mehrwegflaschen ausgelöst.

 

"Die klassische Mehrwegflasche ist Einweg-Getränkeverpackungen nicht nur ökologisch, sondern unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten auch ökonomisch und sozial deutlich überlegen", so die Autoren der Studie zur Situation in Deutschland. Auf Österreich ließen sich die Ergebnisse wegen der unterschiedlichen Märkte und Sammelsysteme nicht ableiten.

Laut dem aktuellen Umsetzungsbericht zur Nachhaltigkeitsagenda der Österreichischen Getränkewirtschaft ist der Mehrweganteil bei Wasser, Bier, Limonade, Fruchtsaft und Milch seit 2007 von 24,2 auf 18,3 Prozent gesunken, heißt es in den Presseunterlagen. Damit landeten bereits vier von fünf Plastikflaschen im Müll. Zu einem gänzlich anderen Ergebnis kommt der Verpackungsverwerter ARA: Ihren Daten zufolge werden vier von fünf PET-Getränkeflaschen getrennt gesammelt und verwertet.

Gesetzliche Mehrwegquote gefordert

Statt "freiwilliger, wirkungsloser" Vereinbarungen fordert er daher gesetzlich festgelegte Mehrwegquoten. Wiederverwertbare Flaschen sind laut PwC kosteneffizienter und ökologisch vorteilhafter, via Lenkungsabgabe könnte man diese stärken.

Die österreichische Politik habe im vergangenen Jahrzehnt ausschließlich auf freiwillige Vereinbarungen von Industrie und Handel gesetzt, um Mehrwegflaschen anzubieten. Dass diese wirkungslos seien, zeige sich besonders am Beispiel Mineralwasser: Hier sei der Mehrweganteil seit 2000 von 64,6 auf 16,3 Prozent geschrumpft. "Auch das aktuelle Sozialpartnerabkommen wird daran nichts ändern - es fehlen verbindliche, sanktionierbare Ziele, um die Wahlfreiheit der KonsumentInnen im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel wiederherzustellen", konstatiert Universitätsprofessor Gerhard Vogel von der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien.

Ökobonusmodell vorerst auf Eis

Umweltminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) hat bereits Anfang 2010 eine Arbeitsgruppe installiert, die ein Bonus/Malus-System ausgearbeitet hat. Konkret sah das Ökobonusmodell vor, die Mehrwegquote von 2012 bis 2018 in drei Schritten auf 50 Prozent zu erhöhen. Händler, die zu viele Wegwerfflaschen anbieten, sollten eine Strafe zahlen, Unternehmen, die die Quote übererfüllen, einen Bonus bekommen. Der Vorschlag wurde wegen Widerstands aus der Wirtschaft bis dato nicht umgesetzt, der Ball an die Sozialpartner weitergespielt. Im Sommer 2011 legten diese ein Konzept vor, das wieder auf Freiwilligkeit setzt: Der Handel wurde ersucht, Mehrweggebinde prominenter in den Supermarktregalen zu platzieren und zu bewerben.

Der Vorstand des Österreichischen Ökologie-Instituts, Christian Pladerer, fordert Berlakovich nun auf, das Ökobonusmodell oder vergleichbare rechtlich verbindende Maßnahmen "endlich" umzusetzen. Zumal Berlakovich im Jahr 2008 in seiner damaligen Funktion als Umweltlandesrat des Burgenlands die Forderung der Landesumweltreferentenkonferenz nach "verbindlichen Rahmenbedingungen für den Erhalt und Ausbau von Mehrwegsystemen" mitbeschlossen habe.

Handel und Industrie hatten sich in der Vergangenheit stets gegen das Ökobonusmodell ausgesprochen. Argumentiert hatten sie dies unter anderem mit dem hohen administrativen Aufwand und dem Verhalten der Kunden. Diese hätten in den letzten Jahren eben vermehrt zur Plastikflasche gegriffen, weil sie nicht mehr bereit seien, schwere Glasgebinde nach Hause zu schleppen. Lenkungsmaßnahmen seien kontraproduktiv und außerdem ungerechtfertigt. In den 1990er hatte der Mehrweganteil bei Getränkeverpackungen teils noch über 90 Prozent betragen, bis dato ist er auf etwa ein Fünftel geschrumpft.

(APA)

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6 Kommentare
Gast: biersauer
01.02.2012 09:30
0 0

Ich erlaube mir, m,ein Eigentum, diese Plastikfladschen,..

in meinem Heizkessel wiederzuverwenden, wäre doch schade diese pure Energie weg zu werfen!

Gast: m3j
22.01.2012 13:20
0 2

Pfandsystem

Pfand auf Plastikflaschen muss her - und aus den weggeworfenen (vielen ist der Pfand vermutlich ohnehin egal) den öffentlichen Verkehr stützen (der müsste sowieso gratis sein)

periskop
19.01.2012 17:17
1 1

Totaler Unsinn!

Plastik wird aus Erdgas oder Erdöl erzeugt. Diese Brennstoffe müssen wir auf jeden Fall importieren.
Wenn ein Teil davon vor seiner Verbrennung noch als Plastikflasche nützlich ist, ohne zusätzliche Materialressourcen zu verbrauchen, so ist das nur zu begrüßen!

Antworten periskop
19.01.2012 17:36
0 0

Re: Totaler Unsinn!

Für Plastikflaschen, die nicht gleich verbrannt werden, muss entsprechend mehr Erdgas oder Erdöl importiert werden. Ressourcen werden damit nicht geschont!

Transport, Lagerung und Reinigung gebrauchter Plastikflaschen verursachen einen erheblichen Aufwand, der völlig nutzlos ist und den man sich wirklich ersparen sollte!

Gerald
19.01.2012 12:13
0 0

Überschrift ist falsch

Da gehört in die Überschrift wohl ein "angeblich" eingebaut, denn das Ergebnis dieser Studie ist mehr als zweifelhaft vor allem angesichts des Auftraggebers. Ich halte die Zahlen der ARA jedenfalls für seriöser, wonach 4 von 5 PET-Flaschen getrennt gesammelt werden. Denn die ARA hat wohl einen besseren Überblick darüber was in welchen Mengen in ihren Sammelcontainern landet wie PwC. Vor allem hat die ARA wohl auch kein Interesse daran die Sammelquote in irgendeiner Art und Weise zu verfälschen, während es sich bei PwC wohl um eine Auftragsstudie handelt. Die DUH hat bestellt und PwC geliefert.

DerMike
19.01.2012 06:01
0 0

Ich behaupte...

...daß fünf von fünf Plastikflaschen im Müll landen, aber wahrscheinlich vier von fünf im Restmüll