Die freiwilligen Maßnahmen der Getränkewirtschaft zur Beschränkung von weggeworfenen Plastikflaschen sind gescheitert: Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von PricewaterhouseCoopers (PwC) im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Auch wenn die Ergebnisse nicht direkt auf Österreich übertragbar sind, haben sie hierzulande eine heftige Diskussion über eine Wiederbelebung von Mehrwegflaschen ausgelöst.
"Die klassische Mehrwegflasche ist Einweg-Getränkeverpackungen nicht nur ökologisch, sondern unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten auch ökonomisch und sozial deutlich überlegen", so die Autoren der Studie zur Situation in Deutschland. Auf Österreich ließen sich die Ergebnisse wegen der unterschiedlichen Märkte und Sammelsysteme nicht ableiten.
Laut dem aktuellen Umsetzungsbericht zur Nachhaltigkeitsagenda der Österreichischen Getränkewirtschaft ist der Mehrweganteil bei Wasser, Bier, Limonade, Fruchtsaft und Milch seit 2007 von 24,2 auf 18,3 Prozent gesunken, heißt es in den Presseunterlagen. Damit landeten bereits vier von fünf Plastikflaschen im Müll. Zu einem gänzlich anderen Ergebnis kommt der Verpackungsverwerter ARA: Ihren Daten zufolge werden vier von fünf PET-Getränkeflaschen getrennt gesammelt und verwertet.
Gesetzliche Mehrwegquote gefordert
Statt "freiwilliger, wirkungsloser" Vereinbarungen fordert er daher gesetzlich festgelegte Mehrwegquoten. Wiederverwertbare Flaschen sind laut PwC kosteneffizienter und ökologisch vorteilhafter, via Lenkungsabgabe könnte man diese stärken.
Die österreichische Politik habe im vergangenen Jahrzehnt ausschließlich auf freiwillige Vereinbarungen von Industrie und Handel gesetzt, um Mehrwegflaschen anzubieten. Dass diese wirkungslos seien, zeige sich besonders am Beispiel Mineralwasser: Hier sei der Mehrweganteil seit 2000 von 64,6 auf 16,3 Prozent geschrumpft. "Auch das aktuelle Sozialpartnerabkommen wird daran nichts ändern - es fehlen verbindliche, sanktionierbare Ziele, um die Wahlfreiheit der KonsumentInnen im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel wiederherzustellen", konstatiert Universitätsprofessor Gerhard Vogel von der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien.
Ökobonusmodell vorerst auf Eis
Umweltminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) hat bereits Anfang 2010 eine Arbeitsgruppe installiert, die ein Bonus/Malus-System ausgearbeitet hat. Konkret sah das Ökobonusmodell vor, die Mehrwegquote von 2012 bis 2018 in drei Schritten auf 50 Prozent zu erhöhen. Händler, die zu viele Wegwerfflaschen anbieten, sollten eine Strafe zahlen, Unternehmen, die die Quote übererfüllen, einen Bonus bekommen. Der Vorschlag wurde wegen Widerstands aus der Wirtschaft bis dato nicht umgesetzt, der Ball an die Sozialpartner weitergespielt. Im Sommer 2011 legten diese ein Konzept vor, das wieder auf Freiwilligkeit setzt: Der Handel wurde ersucht, Mehrweggebinde prominenter in den Supermarktregalen zu platzieren und zu bewerben.
Der Vorstand des Österreichischen Ökologie-Instituts, Christian Pladerer, fordert Berlakovich nun auf, das Ökobonusmodell oder vergleichbare rechtlich verbindende Maßnahmen "endlich" umzusetzen. Zumal Berlakovich im Jahr 2008 in seiner damaligen Funktion als Umweltlandesrat des Burgenlands die Forderung der Landesumweltreferentenkonferenz nach "verbindlichen Rahmenbedingungen für den Erhalt und Ausbau von Mehrwegsystemen" mitbeschlossen habe.
Handel und Industrie hatten sich in der Vergangenheit stets gegen das Ökobonusmodell ausgesprochen. Argumentiert hatten sie dies unter anderem mit dem hohen administrativen Aufwand und dem Verhalten der Kunden. Diese hätten in den letzten Jahren eben vermehrt zur Plastikflasche gegriffen, weil sie nicht mehr bereit seien, schwere Glasgebinde nach Hause zu schleppen. Lenkungsmaßnahmen seien kontraproduktiv und außerdem ungerechtfertigt. In den 1990er hatte der Mehrweganteil bei Getränkeverpackungen teils noch über 90 Prozent betragen, bis dato ist er auf etwa ein Fünftel geschrumpft.
(APA)
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