Bei der Reduzierung der Feinstaub- und Schadstoffemissionen bestehe Handlungsbedarf, so der Sukkus beim Expertengespräch zum Thema Umweltzone am Mittwoch in Graz. Aus fachlicher Sicht stehe die Umweltzone (UWZ) außer Streit, sagte der Leiter des Umweltamtes der Stadt Graz, Werner Prutsch. Jürgen Schneider vom Bundesumweltamt erklärte, aus fachlicher Sicht sei die Umweltzone alternativenlos, die Frage sei, was genau politisch gewollt sei. Es gebe ja auch andere Modelle, etwa Citymaut, extreme Parkraumbewirtschaftung in Kombination mit Öffi-Förderung. "Das Wie ist der EU egal, sie schaut in erster Linie auf die Zielerreichung", so Schneider in Hinblick auf das drohende Vertragsverletzungsverfahren wegen Überschreitungen der Feinstaubwerte.
Etliche Punkte stünden außer Streit, so die Experten, z. B. über die Hauptverursacher von Feinstaub PM10 - Verkehr, Raumwärme und Industrie. Unstrittig sei auch, dass die bisherigen Maßnahmen Erfolg gezeitigt hätten, etwa im Zusammenhang mit Raumwärme und Fernwärmeanschlüssen. Fakt sei, dass der Verkehr ein wesentlicher Verursacher der Feinstaubbelastung sei. Und Fakt sei weiters, dass zahlreiche Maßnahmen in allen Bereichen gesetzt wurden, nur noch nicht beim motorisierten Individualverkehr: Also bestehe hier Handlungsbedarf, vor allem bei alten Dieselautos mit hoher Fahrleistung im Stadtgebiet.
Hanns Moshammer von der Med-Uni Wien fasste im Namen seiner drei anderen Kollegen die Aussagen der vierköpfigen Ärztegruppe im Workshop zusammen: Vor allem ungeborene Kinder würden sehr empfindlich auf Feinstaub reagieren. Auch von der Krebsforschung sei bestätigt, dass Rußpartikel ein erhebliches Lungenkrebsrisiko hervorriefen und es bei Kinder zu u.a. verzögertem Lungenwachstum führen könne. Es sei letztlich eine politische Entscheidung: "Man muss sich drüber trauen, im Bewusstsein, dass viele Wähler eben Autobesitzer sind", so Moshammer: "Aber Erfahrungen aus Deutschland zeigen, dass letztlich weniger Probleme auftreten als erwartet - die Betroffenen können offenbar damit umgehen".
Prutsch sagte, mit einer reinen Reduktion von Ruß werde man die erlaubten 35 Überschreitungstage im Jahr nicht einhalten, es müsse auch die Fahrleistung reduziert werden, weil diese ja auch - unabhängig ob Diesel oder Benzin zu Abrieb und Aufwirbelung von Feinstaub (zwei Drittel des gesamten PM10 in der Luft, Anm.) beitragen würden. Festgehalten werden müsse auch, dass Leibnitz und das slowenische Maribor ähnliche Probleme hätten. Im Falle einer UWZ gehe es vor allem um ein phasenweises Einführen.
Jürgen Schneider vom Bundesumweltamt sagte, es gebe bereits etliche Erfahrungen in anderen EU-Ländern mit Maßnahmen, Berlin etwa habe eine relativ große Umweltzone. Wenn man sich für die Umweltzone entscheide, so Schneider, dann sollten auch Umstiegsmöglichkeiten auf Öffis und Förderungen für sozial Schwache dabei sein. Der Fokus sollte auf jene Fahrzeuge gelegt werden, die am meisten zum Problem beitragen.
Die Grüne Vizebürgermeisterin Lisa Rücker sah sich in ihrer Linie bestätigt: "Sämtliche Experten haben bestätigt, dass dringender Handlungsbedarf besteht und die Umweltzone eine notwendige Maßnahme ist. Insofern kann ich noch weniger verstehen, dass ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl in dieser wichtigen Frage seine Verantwortung ab- und die Umweltzone einer Befragung preisgibt."
(APA)
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