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Umweltzone Graz: Für Experten "alternativenlos"

13.06.2012 | 17:38 |   (DiePresse.com)

Es bestehe Handlungsbedarf, meinte die Grüne Vizebürgermeisterin Lisa Rücker. Letztlich sei es eine politische Entscheidung.

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Bei der Reduzierung der Feinstaub- und Schadstoffemissionen bestehe Handlungsbedarf, so der Sukkus beim Expertengespräch zum Thema Umweltzone am Mittwoch in Graz. Aus fachlicher Sicht stehe die Umweltzone (UWZ) außer Streit, sagte der Leiter des Umweltamtes der Stadt Graz, Werner Prutsch. Jürgen Schneider vom Bundesumweltamt erklärte, aus fachlicher Sicht sei die Umweltzone alternativenlos, die Frage sei, was genau politisch gewollt sei. Es gebe ja auch andere Modelle, etwa Citymaut, extreme Parkraumbewirtschaftung in Kombination mit Öffi-Förderung. "Das Wie ist der EU egal, sie schaut in erster Linie auf die Zielerreichung", so Schneider in Hinblick auf das drohende Vertragsverletzungsverfahren wegen Überschreitungen der Feinstaubwerte.

Etliche Punkte stünden außer Streit, so die Experten, z. B. über die Hauptverursacher von Feinstaub PM10 - Verkehr, Raumwärme und Industrie. Unstrittig sei auch, dass die bisherigen Maßnahmen Erfolg gezeitigt hätten, etwa im Zusammenhang mit Raumwärme und Fernwärmeanschlüssen. Fakt sei, dass der Verkehr ein wesentlicher Verursacher der Feinstaubbelastung sei. Und Fakt sei weiters, dass zahlreiche Maßnahmen in allen Bereichen gesetzt wurden, nur noch nicht beim motorisierten Individualverkehr: Also bestehe hier Handlungsbedarf, vor allem bei alten Dieselautos mit hoher Fahrleistung im Stadtgebiet.

Hanns Moshammer von der Med-Uni Wien fasste im Namen seiner drei anderen Kollegen die Aussagen der vierköpfigen Ärztegruppe im Workshop zusammen: Vor allem ungeborene Kinder würden sehr empfindlich auf Feinstaub reagieren. Auch von der Krebsforschung sei bestätigt, dass Rußpartikel ein erhebliches Lungenkrebsrisiko hervorriefen und es bei Kinder zu u.a. verzögertem Lungenwachstum führen könne. Es sei letztlich eine politische Entscheidung: "Man muss sich drüber trauen, im Bewusstsein, dass viele Wähler eben Autobesitzer sind", so Moshammer: "Aber Erfahrungen aus Deutschland zeigen, dass letztlich weniger Probleme auftreten als erwartet - die Betroffenen können offenbar damit umgehen".

Prutsch sagte, mit einer reinen Reduktion von Ruß werde man die erlaubten 35 Überschreitungstage im Jahr nicht einhalten, es müsse auch die Fahrleistung reduziert werden, weil diese ja auch - unabhängig ob Diesel oder Benzin zu Abrieb und Aufwirbelung von Feinstaub (zwei Drittel des gesamten PM10 in der Luft, Anm.) beitragen würden. Festgehalten werden müsse auch, dass Leibnitz und das slowenische Maribor ähnliche Probleme hätten. Im Falle einer UWZ gehe es vor allem um ein phasenweises Einführen.

Jürgen Schneider vom Bundesumweltamt sagte, es gebe bereits etliche Erfahrungen in anderen EU-Ländern mit Maßnahmen, Berlin etwa habe eine relativ große Umweltzone. Wenn man sich für die Umweltzone entscheide, so Schneider, dann sollten auch Umstiegsmöglichkeiten auf Öffis und Förderungen für sozial Schwache dabei sein. Der Fokus sollte auf jene Fahrzeuge gelegt werden, die am meisten zum Problem beitragen.

Die Grüne Vizebürgermeisterin Lisa Rücker sah sich in ihrer Linie bestätigt: "Sämtliche Experten haben bestätigt, dass dringender Handlungsbedarf besteht und die Umweltzone eine notwendige Maßnahme ist. Insofern kann ich noch weniger verstehen, dass ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl in dieser wichtigen Frage seine Verantwortung ab- und die Umweltzone einer Befragung preisgibt."

(APA)

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4 Kommentare
Gast: Seth9752
27.06.2012 06:59
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Das Problem ist, das niemand freiwillig einen alten Wagen fährt.
Finanziell schwache Familien können sich das Autofahren dann eben nicht mehr leisten.
Finanziell starke Familien haben keine Probleme, sie können auch Autos fahren die 12,13 oder 14 Liter auf 100km verbrauchen. Da würde man nichts verändern.

Umweltzone in DE

Was sagen denn die Experten zu dem Umstand, dass die Umweltzonen in Deutschland den gewünschten Effekt NICHT bringen?
Wie viel Sinn macht eine Maßnahme von der man jetzt schon weiss, sie bringt nur wenig bis gar nichts?
Oder will man in Graz, trotz des praktisch fehlenden öffentlichen Verkehrsmittel, einfach mal den Leuten die Mobilität verbieten?
Diese kriminalisierung des Autofahrers geht schön langsam zu weit!
Den einzigen Effekt, und der ist sicher, den die UWZ haben wird ist jener, der Vernichtung von Wirtschaftsleistung und Arbeitsplätzen in Graz.....
Wenn Nagl das zulässt gehört er mit einem nassen Fetzen aus Graz gehagt!

Gast: Gustav Gast
14.06.2012 13:24
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Was sind denn das für Experten?

Merkwürdig, im Gegensatz zu den Österreichischen Experten sind die Schweizer Kollegen nach sorgfältiger Prüfung vor gut einem Jahr zur Einsicht gelangt, dass der Nutzen einer Umweltzone in keinem Verhältnis zum Aufwand steht. Vielleicht hat das auch mit zwei unfreiwilligen Grossversuchen zu tun: Als gegen Ende des Jahres 2001 wegen eines Tunnelbrandes die mit dem Lkw-Verkehr Italien-Deutschland stark frequentierte Gotthardtransitstrecke für zwei Monate gesperrt wurde, konnte deswegen keine niedrigere Feinstaubbelastung nachgewiesen werden. Oder zweitens mit der Feinstaubbelastung an den Wochenenden, wo das Verkehrsaufkommen europaweit nur etwa einen Drittel beträgt (ausbleibender Berufsverkehr) und der Schwerverkehr wegen dem Sonntagsfahrverbot praktisch auf Null sinkt. Trotzdem vermindert sich die Feinstaubbelastung nur wenig, selbst am Fahrbahnrand (wo nach EU – ihr lieben Experten - gar nicht gemessen werden dürfte). Der kleine Rückgang hat zudem hauptsächlich andere Ursachen als das kleinere Verkehrsaufkommen.

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Alternativlos

so wie das Verschenken von Milliarden nach Griechenland? Auch das war ja alternativlos.

Das Feinstaubthema ist außerdem wieder einmal ein Paradebeispiel für dümmliche EU-Gleichmacherei. Da werden pauschal Grenzwerte festgelegt, ohne sich um Unterschiede und Erreichbarkeit zu scheren. Eine alpine Beckenlage wird natürlich weniger durchlüftet, wie Flachland am Meer. Weiters funktioniert auch der logische Schluss: Autos produzieren Feinstaub, also sinkt die Feinstaubbelastung wenn weniger Autos fahren auch nicht, denn Feinstaub wird via Wind oft von weit her verfrachtet. Der ADAC in Deutschland hat da bestehende Umweltzonen evaluiert, vor allem solche wo eine weitere Stadt in unmittelbarer Nähe ist z.B. Berlin (Umweltzone) vs. Potsdam (keine Zone). Das Ergebnis war, dass keinerlei signifikanter Einfluss der Umweltzone feststellbar war. Also ein sündteuerer bürokratischer Unfug (für Deutschland ergab eine Studie 2009 die Kosten von 12,1Mrd €!), nur um ein paar realitätsverweigernde Brüsseler Öko-Planwirtschaftler zufriedenzustellen.

Wobei ohnehin die Frage ist, was das Thema Feinstaub die EU überhaupt anzugehen hat.