Seit mehreren Jahren sorgt die Planung des Wasserkraftwerks Obere Isel für Diskussion zwischen Naturschutzvereinen und der Politik. Wenige Tage nachdem für die Europäische Kommission "eine Nachmeldung" des Gletscherflusses Isel in Osttirol als "Natura 2000-Gebiet für erforderlich schien", haben sich die Bürger der betroffenen Gemeinden nun in einer Bürgerbefragung für den Bau eines Kraftwerks ausgesprochen.
Am Sonntag sprachen sich 72,43 Prozent der Wahlbeteiligten in Virgen für den Bau des 142 Millionen Euro teuren Projekts aus, in Prägraten lag die Zustimmung bei 60,05 Prozent. Nach Meinung der beiden Bürgermeister sei damit der "Virgentaler Weg bestätigt" worden. Demnach würden sich die Gemeinden Virgen und Prägraten an der Planung, dem Bau und dem Betrieb eines umweltverträglichen Kraftwerks an der Oberen Isel beteiligen.
"Sozialverträgliches Projekt"
"Uns war es von Anfang an wichtig, die Bürger in dieses Projekt einzubinden und ein sozialverträgliches Projekt zu realisieren", fügten die Gemeindeoberhäupter Dietmar Ruggenthaler von Virgen und Anton Steiner von Prägraten hinzu. Dadurch solle die Zukunft des Virgentals nachhaltig gesichert werden. Nach dem positiven Voting wird der Gesellschaftsvertrag für die zu gründende Projektgesellschaft Wasserkraft Obere Isel GmbH in den Gemeinderäten behandelt.
Kritik kam bereits vor der Abstimmung von der größten Oppositionspartei im Tiroler Landtag, der Liste Fritz - Bürgerforum Tirol. "Finger weg von der Isel, kein Kraftwerk an Osttirols Goldader", forderte Klubobmann Bernhard Ernst in einem Schreiben.
"Das Ergebnis kann nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass das Kraftwerk ökologisch nicht genehmigungsfähig ist", meinte WWF-Flussexperte Christoph Litschauer in einer Aussendung. Die Europäische Kommission habe vor wenigen Tagen festgehalten, dass die Isel österreichweit einer der zwei bedeutendsten Vorkommensgebiete der streng geschützten Deutschen Tamariske sei und deshalb "Natura 2000-Gebiet" werden müsse, wiederholte er. Nun müsse Umweltminister Nikolaus Berlakovich (V) die entsprechenden Schritte zum Schutz der Isel einleiten, forderte Litschauer.
(APA)
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