Einen Tag nach dem unblutigen Ende der Geiselnahme in einer BAWAG-Filiale in Wien sorgt die Einmischung heimischer Medien bei Exekutive, Journalisten, Kommunikationswissenschaftern und Politikern für Kritik. Der Stadtsender "Puls TV" hatte das Geschehen vor der Bank stundenlang live ausgestrahlt, "Österreich" hatte vor dem Ende der Geiselnahme mit dem Täter ein Telefoninterview geführt.
Engelbert Washietl, Vorsitzender der Initiative Qualität im Journalismus, sagte, dass es eine "ungeschriebene Regel gibt, dass man Kriminellen kein Forum in den Medien geben darf". Der Schutz der Opfer und die Rücksichtnahme auf polizeiliche Ermittlung hätten zweifellos höheren Stellenwert gegenüber den Recherchepflichten von Journalisten.
Der Salzburger Kommunikationswissenschafter Roman Hummel sieht den - in Österreich nicht existenten - Presserat gefordert und die FPÖ, allen voran Barbara Rosenkranz, brachte eine parlamentarische Anfrage ein, mit der das Verhalten der Tageszeitung "Österreich" geklärt werden soll.
Das Telefonat mit dem Täter könnte auch strafrechtliche Folgen haben: Die Staatsanwaltschaft will die Sachverhaltsdarstellung der Polizei abwarten und dann prüfen, ob damit ein strafrechtlich relevanter Tatbestand erfüllt worden ist.
Innenminister Platter richtete am Mittwoch einen Appell an die Medien. Diese sollten "prinzipiell und insbesondere bei solch sensiblen Einsätzen" so vorgehen, dass "die Polizei ungehindert arbeiten kann". Solche Störungen können "fatale Folgen haben", sagte der Minister.
Unterdessen haben die ausführlichen Einvernahmen des Geiselnehmers begonnen. Der 39-jährige Günter B. dürfte demnach "massive Geldprobleme" gehabt haben. Zudem dürfte der Mann ein "persönliches Lebensproblem" gehabt haben, er habe sich mitteilen wollen.
(APA)