Parkplätze für die, die hier wohnen – das ist das Ziel eines Pilotprojekts, das nun in drei Bezirken Wiens gestartet wird: Heute, Montag, wird das Büro von Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou die Details des Pilotprojektes Anrainerparkplätze in Mariahilf, Josefstadt und Neubau präsentieren. In Mariahilf wurden die „Parken nur für Parkpickerl-Inhaber“-Schilder bereits aufgestellt. 60 Parkplätze rund um das Raimundtheater sind ab heute für Parkpickerl-Besitzer des sechsten Bezirks reserviert.
Die Umgebung des Raimundtheaters ist hart umkämpftes Gebiet. Ziel des Bezirkes ist, dass Theaterbesucher mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kommen und nicht die Parkplätze verstellen, die die Anrainer bräuchten. Parken Autofahrer ohne Parkpickerl für den jeweiligen Bezirk auf einem dieser Plätze, müssen sie mit Strafen rechen – auch ein korrekt ausgefüllter Kurzparkschein reicht nicht. Daneben sind in Mariahilf auch eigene Anrainerplätze für Motorräder geplant.
Die meisten Anrainer begrüßen das Pilotprojekt. Aus der Bezirksvorstehung Neubau ist etwa zu hören, dass durchwegs positive Rückmeldungen eingelangt seien. 46 Anrainerparkplätze werden demnächst um den unteren Spittelberg entstehen, das entspricht zirka zehn Prozent der Gesamtparkplätze in diesem Gebiet (480). Diese Regelung – zehn Prozent einer ausgesuchten Zone für Anrainer – gilt auch in den anderen Pilotbezirken.
Brief an die Anrainer
In Neubau wurden die Anrainer bereits mit einem Brief des grünen Bezirksvorstehers Thomas Blimlinger über die genaue Lage der Parkplätze benachrichtigt; die meisten befinden sich in der Neustiftgasse (Hausnummern 2, 3 bis 5, 18 bis 22) und der Burggasse (47 bis 51, 24, 12 bis 16).
Wie das Gebiet um das Raimundtheater in Mariahilf ist auch der Spittelberg in Neubau ein Kultur-Hotspot – auch hier sollen Besucher animiert werden, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Aus dem Rathaus heißt es, dass diese drei Bezirke gerade aufgrund ihren vielen (kulturellen) Treffpunkte und Lokale ausgewählt worden seien. Bewährt sich das Pilotprojekt, ist eine Ausweitung „geplant“ und „denkbar“, wie es heißt. Für alle drei Bezirke wurde eine Beobachtungsphase von einem Jahr einkalkuliert.
In der Josefstadt hat der Bezirk die Details zu den Anrainerparkplätzen auch bereits festgelegt. Die meisten werden sich in der Lammgasse (1 bis 3, 10 bis 12), Lange Gasse (45 bis 47, 56 bis 60) und Piaristengasse (43, 60 bis 62) befinden (rund um das Theater in der Josefstadt). Wann genau die Schilder hier aufgestellt werden, könne man aber noch nicht sagen, heißt es aus dem Bezirksamt.
ÖAMTC: Nur Garagen eine Lösung
Dass die ausgewiesenen Parkplätze „zersplittert“ sind und nicht großflächig in einem Bereich entstehen, wird von der Stadt als bestmögliche Lösung in den grundsätzlich eng verbauten Innenstadtbezirken gesehen. Kritiker hingegen befürchten einen Schilder-Overkill. Der ÖAMTC kritisiert etwa, dass so nicht mehr Parkplätze geschaffen, sondern nur der Druck verschoben würde. Es bestehe die Gefahr, dass Anrainer aus demselben Bezirk, aber aus einer anderen Zone, die Parkplätze belegen. Dadurch seien die wirklichen Anrainer weiterhin benachteiligt. Laut ÖAMTC bringen nur kostengünstige Garagen eine Lösung für das Parkplatzproblem.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.06.2012)
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