Testamentbetrug: „Faules Ei in Justiz"

28.06.2012 | 16:47 |   (DiePresse.com)

Schlussplädoyers im Prozess um die Vorarlberger Testamentsfälschungen. Über Jahre sollen systematisch Testamente gefälscht wurden sein.Das Urteil wird aber erst für den 31. Juli erwartet.

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Salzburg/C. L. Der Prozess um gefälschte Testamente am Bezirksgericht Dornbirn geht in die Schlussphase. Donnerstag hielten die Verteidiger die Plädoyers, Richter Andreas Posch will das Urteil über die verbliebenen sechs von zehn Angeklagten Ende Juli verkünden.
Einmal mehr ging es um die Frage, ob der Hauptbeschuldigte und Kronzeuge der Anklage, Jürgen H. ein Einzeltäter war oder ob es ein ganzes Team gab, um mit geschickt gefälschten Dokumenten an das Geld wohlhabender, meist alleinstehender und dementer Leute zu kommen. „Jürgen H. war ein faules Ei in der Justiz, es gab keine Bande", sagte einer der Anwälte, die die ehemaligen Kollegen von Jürgen H. am Bezirksgericht Dornbirn verteidigen.

Trinkgelage im Gericht

Seit Mitte April müssen sich der frühere Geschäftsstellenleiter des Bezirksgerichts Dornbirn, Jürgen H., und drei Kollegen in Salzburg vor dem Richter verantworten. Sie sollen über Jahre systematisch Testamente gefälscht haben.
Angeklagt ist auch die frühere Vizepräsidentin des Landesgerichts Feldkirch, Kornelia Ratz. Ihr wird vorgeworfen, ein Testament zugunsten ihrer Mutter und ihrer Tante bei Jürgen H. in Auftrag gegeben zu haben. Auch Freunde sowie Verwandte des Hauptangeklagten stehen vor dem Richter, weil sie als Scheinerben fungiert bzw. das Vermögen verwaltet haben. Vier geständige Scheinerben wurden schon in den vergangenen Wochen verurteilt.

Jürgen H. ist voll geständig, belastet aber seine ehemaligen Kollegen, die ebenso wie die Richterin jede Schuld von sich weisen, aber durchaus Missstände am Bezirksgericht wie Winkelschreiberei oder regelmäßige Trinkgelage geschildert haben. Insgesamt geht es im Prozess um eine Schadenssumme von zehn Millionen Euro und 158 geprellte Erben, die sich gemeldet haben. Die Staatsanwälte Andreas Pechatschek und Manfred Bolter forderten Schuldsprüche. Der Justiz sei immenser Schaden entstanden, betonte Bolter. Klaus Grubhofer, Verteidiger des Hauptangeklagten, bat um ein mildes Urteil. Sein Mandant sei psychisch sehr angeschlagen, zeige Reue und habe durch sein umfassendes Geständnis viel zur Aufklärung beigetragen. Jürgen H. wäre kein Einzeltäter. Die Fälschungen wären ohne Wissen und Duldung anderer nicht durchführbar gewesen.

Das wollen die anderen Verteidiger nicht gelten lassen. „Was für ein Motiv sollte mein Mandant gehabt haben. Es würde niemand nur wegen einer beruflichen Bekanntschaft seine Existenz aufs Spiel setzen", fragte der Verteidiger von Kurt T. Richter und Schöffen. Jürgen H. sei „ein Fälscher allererster Güte. Er hat die Leute nach Strich und Faden beschissen", so der Anwalt wörtlich. Das Urteil wird für 31. Juli erwartet.

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11 Kommentare

Insiderhandel

ist an der Börse strengstens verboten.

Bei der ösi-Justiz "Hausbrauch."

Faules Ei in der Justiz?

Eines?? Deren gibt es eine Unmenge - und alle werden sie still, heimlich und absolut ungestört ausgebrütet und von den Herrschaften um jeden Preis (den immer andere zu zahlen haben) am Leben gehalten.
Rechts - Staat in Reinkultur.

Gast: Blankensteiner Husar
29.06.2012 07:52
1 0

Die sogenannte "Justiz"! Hahahahahahaha!

Wenn man sich die vielen Superurteile ansieht, die esm nicht mal bis in die Medien schaffen!
Mal Bezirks- und Landesgerichte ein wenig beäugeln. Da gibts Gerichtsurteile, da kann man hemmungslos lachen, außer man ist selbst betroffen.
Da glaubt man eher man ist beim Adi und seinen braunen Stadtmusikanten. Oder beim Kasperl in der Unrania.

Justiz

Na, da gibt's einige faule Eier in diesem Verein!
Von voreingenommenen und inkompetenten Richtern sind wir ja überhäuft!

Gast: Max Maulwurf
29.06.2012 03:10
0 0

Testamentbetrug: Wo bleibt der Protest!

Wo sind die 300 Moralaposteln die vor kurzem in Wien protestiert haben?

Doppelmoral?

0 0

...

bin fuer eine totalueberwachung der korruptionsstaatsanwaltschaft um die anderen faelle aufzudecken die nicht geschoben sind.

Gast: Kruzi Türken
28.06.2012 23:08
3 0

also bitte!

Faules Ei im faulen Nest von verrotteter Henne gelegt. Nicht aufs faule Ei konzentrieren. Der Henne den Garaus machen.

Gast: Wiener Ente
28.06.2012 19:42
4 0

Es wird kommen müssen:

Bei diesem Fall, der ja nur die Spitze eines Eisberges ist und viele andere noch unter der harmlos erscheindenden justiziellen Decke verborgen sind, zeigt sich auffallend, dass die Selbstreinigungskraft(Diziplinarsenate oder Vorgesetzte) und innere Kontrolle der Justiz vollkommen fehlt. Deshalb muss es in Zukunft eine von ihr völlig unabhängige Instanz geben, welche diese Justizschädlinge unerbitterlich aussiebt und von ihren normalerweise unkündbaren Posten enthebt und richtet. Anders wird es nicht gehen!
Die Justiz wird es spätestens nach den nächsten Nationalratswahlen glauben müssen.
Der Unwillen in der Bevölkerung ist zwar leise aber groß!

Gast: 1. Parteiloser
28.06.2012 18:15
4 0

Schlau und Taktisch!

Das geplante Luluurteil passt viel besser ein Haupturlaubszeit, weil es so weniger Aufregung gibt.

Vielleicht einige Monate bedingt und das direkte Rutschen in den wohlverdienten Ruhegenuss?

Wenn man sich die Urteile bei Beamten, welche schwere Verfehlungen gemacht haben, anschaut, dann muss man etwas Ähnliches wie obige Prognose befürchten.

Antworten Gast: wieni
28.06.2012 20:02
1 0

Re: Schlau und Taktisch!

Was wird schon sein? Den geständigen Rechtspfleger werden sie ordentlich eintunken und die Drahtzieher, die Richterin werden freigehen oder Bagatellstrafen bekommen, die man dann in der Instanz applaniert.

Antworten Antworten Gast: Also nein
28.06.2012 23:10
3 0

Re: Re: Schlau und Taktisch!

Nicht nur Richterin: Vizepräsidentin des Gerichtshofs! Dieses Gfrast gehört ........

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