Wien. Die Stadt ist nicht perfekt. Aber wenn die Wiener jammern, jammern sie auf hohem Niveau. Denn zahlreiche internationale Studien und Umfragen zeigen, dass Wien in einigen Bereichen keineswegs schlecht abschneidet. „Die Presse“ bringt einen (unvollständigen) Überblick über die positiven Seiten der Stadt.
•Lebensqualität. In Wien lebt es sich gut. Erst im November des Vorjahres hat die Stadt ihren Titel als lebenswerteste Stadt der Welt erfolgreich verteidigt. Wien siegt laut dem US-Beratungsunternehmens Mercer vor Zürich und Auckland (Neuseeland).
•Wien als Marke. Im April wurde der „City Brand Value Index“ veröffentlicht. Anhand von Studien, Eurostat- und Weltbankdaten wurden die Entwicklung und die Wettbewerbssituation in Hinblick auf Stadtmarken und dazu ein Wertindex ermittelt. Dabei belegt Wien von 100 untersuchten Städten den dritten Platz, muss sich nur Paris und London geschlagen geben.
•Innovationen. Eine Stärke der Stadt sind innovative Unternehmen. Wien punktet laut „City Brand Value Index“ mit zukunftsweisenden Stadttechnologien. Ein Beispiel: Die Stadt setzt verstärkt auf Biotechnologie. Und auch im Wohnbau werden Innovationen umgesetzt. Auf den Aspanggründen im dritten Bezirk entsteht gerade die größte Passivhaussiedlung Europas – als geförderter Wohnbau. Dazu kommt: Der US-Wissenschaftler Boyd Cohen hat eine Liste von „Smart Cities“ erstellt, bewertet wurden vor allem Nachhaltigkeit und Innovation. Gewinner ist Wien vor Toronto, Paris und New York.
•Umwelt. Trotz der öfter auftretenden Feinstaubproblematik ist Wien im Umweltbereich international im Spitzenfeld. Der „City Brand Value Index“ bezeichnet Wien sogar als „Umweltmusterstadt“. Er hält fest, dass Wien die ökologisch „sauberste Millionenstadt Europas“ ist. In der Gesamtwertung (30 europäische Hauptstädte wurden untersucht) liegt Wien auf dem vierten Platz. Der Index wird von Siemens und der renommierten Economist Intelligence Unit erarbeitet.
•Wohnen. Die Mietpreise in Wien steigen deutlich. Doch ohne den sozialen Wohnbau, der Druck aus dem privaten Sektor nimmt, würden diese Preise noch massiver steigen. Denn Wien besitzt 220.000 Wohnungen, die zu einem sozial verträglichen Zins vermietet werden. Und dieser Zins steigt (im Gegensatz zum privaten Sektor) nur marginal, während gleichzeitig jährlich tausende neue, geförderte Wohnungen gebaut werden.
•Öffentlicher Verkehr. Einer der großen Pluspunkte der Stadt ist der öffentliche Verkehr. Im „Euro-Test 2010“ des ÖAMTC belegt Wien bei den „Öffentlichen“ Platz drei hinter München und Helsinki – 23 Städte wurden untersucht.
•Sicherheit. Wien gilt als eine der sichersten Metropolen weltweit – auch wenn das subjektive Sicherheitsgefühl vieler Wiener oft dagegen spricht. In der Mercer-Studie liegt Wien von 221 Städten auf dem guten fünften Platz.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2012)
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