Österreich ist der Hitze-Hotspot Europas. „Es gibt nicht viele heißere Orte“, erklärte ein Meteorologe der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) am Sonntag – nachdem der Juni mit Rekordtemperaturen zu Ende gegangen ist: 37,7 Grad wurden in der Wiener Innenstadt und in Bad Deutsch-Altenburg in Niederösterreich gemessen. Es war der heißeste Junitag seit Beginn der Aufzeichnungen. Und auch am Sonntag stieg das Thermometer (in der Wiener City) auf knapp 38 Grad.
Mithalten können hier nur wenige Städte. Im spanischen Valencia hat es knapp über 40 Grad, marginal heißer ist es auch noch in Griechenland. „Wir zählen grundsätzlich zu den heißesten Gebieten Europas“, so der Wetter-Experte, der für die nächsten Tage (vor allem im Westen) Gewitter ankündigt, die allerdings keine echte Abkühlung bringen sollen: „Derzeit haben wir eine Luftmassengrenze, die über Deutschland liegt.“ Dort entluden sich heftige Gewitter und Unwetter. Diese werden voraussichtlich zu Wochenbeginn in den Westen Österreichs weiterziehen. Von heftigen Regengüssen und Unwettern könnten am wahrscheinlichsten Vorarlberg, Tirol, Salzburg und Oberösterreich betroffen sein. Das große Fragezeichen sei derzeit, so der Experte, ob die Gewitter bis ins östliche Flachland ziehen und auch Wien erreichen.
Fest steht: An den hohen Temperaturen wird sich auch in den kommenden Tagen wenig ändern – zumindest im Osten des Landes bleibt die Hitze erhalten. Minimale Abkühlung ist vor allem im Westen und Südwesten zu erwarten. Die Frühtemperaturen erreichen zu Wochenbeginn 18 bis 26 Grad, die Tageshöchsttemperaturen betragen von West nach Ost 23 bis 36 Grad.
Hitze auch in den Urlaubsländern
Mit dem Beginn der Schulferien in einigen Bundesländern begann die Reisewelle in Richtung Süden. In einem der beliebtesten Urlaubsländer der Österreicher, nämlich Italien, können die Reisenden der Hitze allerdings nicht entfliehen. Denn Italien wird nun ebenfalls von einer Hitzewelle überrollt. Wetterexperten rechnen im weiteren Wochenverlauf mit Temperaturen um die 40 Grad. In 17 Städten haben die Behörden Hitzealarm gegeben. Das Gesundheitsministerium hat dazu aufgerufen, Vorbeugungsmaßnahmen zum Schutz von Älteren und Kranken zu ergreifen. Die italienischen Landwirte bangen um die Obst- und Gemüseproduktion. Wegen der Dürre in den vergangenen Wochen sind die Wasserreserven knapp geworden – laut Meteorologen hat Italien den zweitheißesten Juni seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt.
Die hohen Temperaturen in Österreich haben auch eine Schattenseite. Schwimmbäder und Seen werden gestürmt, womit die Gefahr von Badeunfällen steigt, die sich in den vergangenen Jahren auch ohne Rekordtemperaturen gehäuft haben – wobei immer mehr Jugendliche betroffen sind. Gab es 2009 genau 19 Badeunfälle mit Jugendlichen, waren es im Vorjahr bereits 25 Fälle, wie am Sonntag veröffentlichte Daten zeigen. Trotzdem verunglücken Erwachsene und Pensionisten am häufigsten. Im Vorjahr gab es hier 84 Unfälle. Gefährdet sind auch Kleinkinder unter fünf Jahren. Im Vorjahr wurden hier 15 Unfälle verzeichnet.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.07.2012)
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