Zum zweiten Mal innerhalb von 24 Stunden sind über dem Bereich zwischen Mooskirchen und Voitsberg-Köflach in der Weststeiermark am Freitagnachmittag heftige Gewitter niedergegangen. Dabei schlugen Blitze in ein Umspannwerk ein, was zu Stromausfällen in mehreren Tunnels der Südautobahn (A2) im Bereich der Pack führte. Die Strecke wurde in beiden Richtung zeitweise gesperrt. In einigen Bereichen wurden wieder Keller überflutet, Hagel richtete Sachschaden an.
Auf der Südautobahn waren zwischen der Anschlussstelle Packsattel und Steinberg in beiden Richtungen die Fahrbahnen wegen der Stromausfälle in den Tunnels gesperrt, gleiches galt für den Kalcherkogeltunnel an der Landesgrenze zwischen Kärnten und Steiermark. Sowohl aus Richtung Kärnten als auch aus Richtung Graz bildete sich Rückstau, an der Behebung des Stromausfalls wurde gearbeitet. Die Exekutive ersuchte die Autofahrer, die Dauer der Sperre abzuwarten.
Gefährliche Reparaturarbeiten
Nach Angaben der Energie Steiermark sollte die Stromversorgung in den frühen Abendstunden wieder hergestellt sein. "Es handelt sich um eine extrem gefährliche Arbeit", sagte der Sprecher des Landesenergieversorgers am frühen Abend. Die Monteure seien in unwegsamen Gelände unterwegs, um die an mehreren Stellen vom Sturm und von stürzenden Bäumen zerrissenen Leitungen wieder zusammenzuflicken. Um 20.00 Uhr meldeten Energie Steiermark und Asfinag, dass Beleuchtung und Lüftung der Tunnel wieder funktionierten.
Auch anderswo hatten die Freiwilligen Feuerwehren mit den Aufräumarbeiten noch alle Hände voll zu tun. Insgesamt standen im Raum Köflach, Rosental und Umgebung (Bezirk Voitsberg) 23 Wehren mit insgesamt 450 Helfern im Einsatz, so Feuerwehrsprecher Franz Fink. Die Unwetter richteten auch erhebliche Schäden in der Landwirtschaft - vor allem in Oberösterreich - an. Die österreichische Hagelversicherung VVAG bezifferte in einer ersten Bilanz den österreichweiten Schaden für die Landwirtschaft mit 4,3 Millionen Euro.
Häuser und Straßen überflutet
Das Unwetter in der Weststeiermark war am Freitag gegen 13 Uhr mit rund 100 Litern pro Quadratmeter niedergegangen. Innerhalb kürzester Zeit seien Keller, Häuser und Straßen überflutet worden. Die B70 Packer Straße stand in Rosental unter Wasser und auch die L346 St.-Martiner-Straße war gesperrt. In der Gemeinde Rosental mussten 20 Familien vorübergehend aus ihren Häusern und durften erst wieder zurück, als die Pegel wieder sanken. Über die aktuelle Lage auf den steirischen Straßen informiert die Asfinag.
Neusiedl im Starkregen
Starkregen und Gewitter sind Freitagnachmittag auch über Teilen des Burgenlands niedergegangen. In den Ortschaften Illmitz und Apetlon (Bezirk Neusiedl am See) wurden durch Sturmböen zwischen 17.00 und 17.30 Uhr ein Baum entwurzelt und Hausdächer beschädigt. In Illmitz stürzte ein durch den Sturm abgebrochener Ast auf das Fahrzeug einer 48-jährigen Lenkerin. Der Pkw wurde schwer beschädigt, die Frau blieb dabei aber unverletzt, wie die Polizei mitteilte.
Feuerwehr löschte Waldbrand
In Oberösterreich waren bis Donnerstagabend etwa 100 Feuerwehren mit knapp 3.000 Kräften bei mehr als 250 Einsätzen gefordert, meist ging es um überflutete Keller oder umgestürzte Bäume, aber auch eingeschlossene Personen mussten aus ihren Fahrzeugen geborgen werden. Zudem löste ein Blitzschlag gegen 19.15 Uhr ein Feuer in einem Wald an der Nordseite des Hohen Sarsteins (Bezirk Gmunden) aus. Ein Baumstrunk stand in Vollbrand, die Flammen hätten sich weiter ausbreiten können. Die Feuerwehr flog Löschmaterial ein und konnte um 21.30 "Brand aus" geben.
Beim Golfplatz in Maad (Bezirk Schärding) beschädigte ein Blitz einen Transformator, weswegen das darin enthaltene Öl austrat. Da sich in einem Transformator 200 Liter befinden, wurde ein Öleinsatzfahrzeug alarmiert. 130 Liter konnten die Feuerwehren auffangen, dennoch bestand durch die zuvor versickerte Flüssigkeit erhebliche Gefahr für das Grundwasser. Also wurde das kontaminierte Erdreich abgetragen, um einen Schaden für die Umwelt zu verhindern.
Landwirtschaft schwer getroffen
Im Burgenland traf es Wein- und Gemüsekulturen in den Bezirken Neusiedl und Oberpullendorf auf 1600 Hektar im Ausmaß von 500.000 Euro, in der Steiermark erwischte es Grünland, Obst und Wein im Bezirk Voitsberg auf etwa 600 Hektar. Die Einbußen betragen 700.000 Euro, so die Hagelversicherung. Den größten Schaden, 3,1 Millionen Euro, richteten die Unwetter in den oberösterreichischen Bezirken Eferding und Grieskirchen an. Sie wüteten auf 11.000 Hektar mit Gemüse, Getreide, Mais, Obst, Raps und Grünland. Die Schadensaufnahme habe bereits begonnen, damit eine rasche Entschädigung an die betroffenen Landwirte gewährleistet ist, betonte VVAG-Generaldirektor Kurt Weinberger.
Feuchtes Umland
Heftige Regenfälle haben am Freitag in Großbritannien Straßen unter Wasser gesetzt und zur Absage von Freiluftveranstaltungen und Konzerten geführt. Die Organisatoren des Formel-1-Rennens Großer Preis von Silverstone riefen die Fans auf, dem Qualifying am Samstag fernzubleiben. Durch den Regen waren einige der Parkplatzanlagen nicht mehr benutzbar. Zum Training am Freitag waren rund 80.000 Zuschauer gekommen, viele von ihnen steckten anschließend im Verkehr fest. Ein Musikfestival in Leeds, bei dem am Samstag unter anderem The Human League und Bob Geldof auftreten sollten, wurde wegen Unwetterwarnungen abgesagt. Landesweit wurden fast 200 Hochwasserwarnungen herausgegeben.
Unwetter-Tote in Südrussland
Bei Überschwemmungen im Süden Russlands sind in den beiden vergangenen Tagen mehr als 50 Menschen ums Leben gekommen. Wie die Behörden am Samstag mitteilten, wurden nach schweren Regenfällen allein im Bezirk Krimsk in der Schwarzmeerregion Krasnodar 42 Leichen geborgen. In der Küstenstadt Gelendschik kamen neun Menschen ums Leben, in der Hafenstadt Noworossijsk zwei weitere. Insgesamt sind in der Region fast 13.000 Menschen von den schweren Überschwemmungen betroffen.
Ausblick für das Wochenende
Schön soll der Samstag werden, zumindest im Süden. Dort präsentiert sich das Wetter ganztägig von seiner überwiegend sonnigen und trockenen Seite. Sonst folgt auf einen sonnigen Start in den Tag wieder vermehrt Quellbewölkung sowie vor allem über dem westlichen Bergland lokale Regenschauer und Gewitter. Der Wind weht schwach bis mäßig aus Südwest bis Nordwest. Die Tiefstwerte betragen 14 bis 24 Grad, die Tageshöchsttemperaturen 21 bis 30 Grad, am wärmsten wird es im Süden und Südosten.
Hitzig klingt das Wochenende am Sonntag aus. Anfangs überwiegt hier noch landesweit der Sonnenschein. Bereits am Vormittag bilden sich aber in Vorarlberg und Tirol vermehrt Quellwolken, die in der Folge zu Regenschauern und Gewittern führen. Im Tagesverlauf sind dann auch weiter im Osten lokale Gewitter nicht auszuschließen, die Haupttätigkeit beschränkt sich allerdings auf das Bergland. Dazu weht mäßiger Wind aus Südwest bis Nordwest. In der Früh liegen die Temperaturen zwischen 13 und 23 Grad, am Nachmittag werden 24 bis 35 Grad erreicht. Mit Beginn der neuen Arbeitswoche dürfte es österreichweit ein Ende mit Temperaturen jenseits der 30 Grad haben.
(APA)
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