Braucht eine Landeshauptstadt von 52.000 Einwohnern, die nicht einmal eine erstklassige Fußballmannschaft aufweisen kann, ein neues, hochmodernes Fußballstadion mit 8000 Sitzplätzen? Diese Frage drängt sich auf, wenn man durch den Sportbezirk von St. Pölten spaziert. Eingekeilt zwischen der Traisen, Vorstadtsiedlungen, Megaplex-Kino und Naherholungsgebiet samt Großteich stehen dort, im Norden der Stadt, nun nicht mehr nur Mehrzweckhallen, -plätze und Tenniscourts der niederösterreichischen Landessportschule.
Am Samstag wurde die „NV-Arena“, die neue Heimat des SKN St. Pölten, mit großem Tamtam aus der Taufe gehoben. 26 Millionen Euro haben sich die Stadt St. Pölten, das Land Niederösterreich und der Bund die eineinhalb Jahre dauernde Errichtung des Stadions kosten lassen – genau so viel, wie beim Beschluss des Projektes 2008 veranschlagt worden war. Sechs Millionen davon hat die umliegende Infrastruktur gekostet, der Bau des Stadions selbst schlägt mit 18 Millionen Euro zu Buche.
Ob die 8000 (auf 13.000 erweiterbaren) Sitzplätze jedoch immer so voll besetzt sein werden wie bei der Eröffnung am Samstag – da lieferten sich neben dem SKN auch Rapid Wien und Sparta Prag Schaukämpfe –, darf man aber bezweifeln: Zum Abschiedsspiel des SKN auf dem alten „Voith-Platz“ hatten sich gerade einmal 3700 Zuschauer eingefunden. Und für andere Sportarten als Fußball ist die „NV-Arena“ nicht ausgelegt – nur Veranstaltungen wie Konzerte kämen für eine alternative Nutzung infrage, was Petra Bohuslav, niederösterreichische Sportlandesrätin (ÖVP), gegenüber der „Presse“ relativiert: „Das muss von Fall zu Fall entschieden werden.“ Experten hätten empfohlen, das Projekt als „reines Fußballstadion“ zu konzipieren.
Potenzial nach oben – und damit auch in eine publikumsträchtigere Klasse – hätte der SKN jedenfalls: Die Mannschaft von Trainer Martin Scherb hat im Vorjahr in der zweiten Leistungsklasse den fünften Rang belegt. Bereits mehrmals wurde man als möglicher Titelkandidat in der „Heute für Morgen“-Liga genannt, die Konkurrenz aber war in der Vergangenheit immer zu stark. Sollten sich aber Erfolge einstellen, kommen auch die Fans ins Stadion. Auf dem legendären Voith-Platz platzte etwa einmal das Oval mit 12.000 Zuschauern gegen die Wiener Austria aus allen Nähten.
Frauenfußball im Stadion
Das soll nun mit der neuen Arena Geschichte sein – Bohuslav verneint zwar, dass es seitens der Politik einen „Masterplan“ gebe, den SKN in die erste Liga zu pushen, „die Weichen sind aber in die richtige Richtung gestellt“. Ein immer wieder kolportiertes – und zuletzt von beiden Vereinen dementiertes – Gerücht über einen Linzenztransfer von Wiener Neustadt an den SKN sei jedenfalls „Sache der Vereine“, so die Landesrätin. Ihr sei wichtig, dass die Arena nicht nur Heimat des SKN sei, sondern auch für andere Fußball-Events zur Verfügung stehe: „Ich denke da an Frauenfußball, aber auch an die Möglichkeit internationaler Bewerbe.“
Ein anderer Aspekt, unter dem man das St. Pöltener Stadion betrachten kann, ist, dass es das gute Verhältnis zwischen VP-dominiertem Land und seiner SP-regierten Hauptstadt beweist: Während Landeshauptmann Erwin Pröll (VP) gemeinsame Termine mit SP-Landeschef Josef Leitner seit geraumer Zeit meidet, funktioniert die Zusammenarbeit mit Bürgermeister Matthias Stadler (SP) fast friktionsfrei.
Auch beim Beschluss des Baus war man sich schnell einig: ÖVP, SPÖ und FPÖ stimmten 2008 im Landtag dafür – nur die Grünen tanzten damals aus der Reihe: „Wenn der SKN den Aufstieg nicht schafft, wer wird dann das Stadion, das 26 Millionen Euro verschlingen wird, bespielen?“, fragte damals der Grün-Abgeordnete Emmerich Weiderbauer – eine Antwort darauf blieb bisher aus. [Gepa]
NV-Arena: 8000 Zuschauer fasst das neue Stadion – bei Bedarf kann auf 13.000 Zuschauer erweitert werden. Der SKN St.Pölten, der in der Ersten Liga spielt, bestreitet hier künftig seine Heimspiele – man hofft auf einen Aufstieg in die Bundesliga. Insgesamt wurden in Stadion und Infrastruktur 26 Millionen Euro investiert.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.07.2012)
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