Für den Flughafen Wien gibt es diese Woche einen entscheidenden Fortschritt für das nächste Mega-Projekt: den Bau der dritten Piste. Die zuständige Behörde, das Amt der Niederösterreichischen Landesregierung, hat am Dienstag das Umweltverträglichkeitsprüfungs-Verfahren (UVP) abgeschlossen. Der positive (erstinstanzliche) Bescheid wird noch am Freitag per Edikt zugestellt. Danach bleibt den Gegnern der dritten Piste bis 24. August Zeit dagegen zu berufen, sagte Friedrich Zibuschka, der in der niederösterreichischen Landesregierung für große Infrastruktur-Projekte zuständig ist.
Der Flughafen Wien begrüßte die Entscheidung, will aber frühestens im Spätherbst eine Kostenschätzung für die dritte Piste abgeben. "Wir erwarten den Genehmigungsbescheid bis Ende dieser Woche, erst dann kennen wir die Auflagen", sagte Pressesprecher Peter Kleemann. Die Baukosten hängen stark von den Auflagen aus dem UVP-Bescheid ab.
Zibuschka nannte erste Details: So müsse südlich der neuen Piste ein kilometerlanger und rund fünf Meter hoher Lärmschutzdamm erreichtet werden. Der Fluglärm sei das Hauptthema im Verfahren gewesen. Außerdem müsse, wie bereits bekannt, die Bundestraße B10 verlegt werden.
Zeitplan für Bau ungewiss
Ob die dritte Piste tatsächlich gebaut wird, steht aber noch in den Sternen ("Presse"-Bericht vom 7. April). Vor allem weil der Flughafen erst beobachten muss, wie sich die Passagierzahlen entwickeln – was nicht zuletzt von den Plänen der Lufthansa für die Zukunft der AUA abhängen wird.
Außerdem ist von einem Einspruch gegen den jetzigen Bescheid auszugehen. In zweiter Instanz ist dann der Umweltsenat zuständig. Einen endgültigen Bescheid werde es erfahrungsgemäß Ende 2015 geben, sagte Zibuschka. Mit dem Bau würde dann frühestens 2016 begonnen werden.
Rot-Grün gespalten
"Wir begrüßen den Bau der dritten Piste, da er ein substanzieller Beitrag zur Sicherung und zum Ausbau der wirtschaftlichen Position Wiens und der Centrope-Region darstellt", meinte Erich Valentin, Umweltsprecher der Wiener SPÖ. Er unterstrich allerdings, dass die Bundeshauptstadt bereits im Verfahren betont habe, dass negative Auswirkungen für die Bevölkerung - vor allem Fluglärm - minimal gehalten werden müssten.
Anders sah das der Regierungspartner, die Wiener Grünen. Verkehrssprecher Rüdiger Maresch prophezeite via Aussendung, dass das Projekt für die Anrainer noch mehr Fluglärmbelastung bedeuten werde. Außerdem würde das Vorhaben die Steuerzahler bis zu zwei Milliarden Euro kosten, rechnete Maresch vor. Er plädiert für eine Kooperation mit dem Flughafen Bratislava.
1331 Einwendungen eingebracht
Das UVP-Verfahren war das größte in der österreichischen Geschichte, mit einer Dauer von fünf Jahren, heißt es in einer amtlichen Mitteilung des Landes Niederösterreich. Das Projekt sei strengstens geprüft worden. Insgesamt 35 Sachverständige in 38 Sachgebieten waren involviert. Laut Zibuschka haben die Sachverständigen im Interesse der Anrainer relativ niedrige Lärm-Grenzwerte festgelegt. 50 Parteien haben 1331 Einwendungen eingebracht. Im Vergleich: Bei der heftig umstrittenen dritten Piste am Flughafen München seien über 100.000 Einwendungen eingebracht worden.
(APA/red.)

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