Auch "Westbahn" darf im Bahnhof Tullnerfeld halten

16.07.2012 | 15:46 |   (Die Presse)

Ein monatelanger Streit ist zu Ende: Die ÖBB wird in Richtung Salzburg einen Stopp im Regionalbahnhof einlegen, die Westbahn übernimmt den Halt in der Gegenrichtung.

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[Wien/stef] Um Superlative war Erwin Pröll nicht verlegen, als er am Montag das neue Konzept für die Westbahnstrecke zwischen Wien und St. Pölten vorstellte. Von einem „Jahrhundertprojekt“ sprach der niederösterreichische Landeshauptmann, von einer „neuen Zeitrechnung“, gar von einer „Revolution“ im Bahnverkehr.
Ab 9. Dezember sollen Pendler in 27 Minuten von St. Pölten nach Wien gelangen, derzeit beträgt die Fahrzeit 45 Minuten. Und auch der monatelange Streit zwischen ÖBB, Westbahn und Land Niederösterreich rund um die Haltestelle Tullnerfeld ist beigelegt. 42 Züge pro Tag werden in dem 25 Millionen Euro teuren Bahnhof halten.
Bis zuletzt war unklar, ob überhaupt regelmäßig Züge Pendler aus Tullnerfeld mitnehmen werden. Die ÖBB weigerten sich, mit dem Railjet einen zusätzlichen Stopp einzulegen. Das erhöhe die Fahrzeit nach Salzburg und bedeute einen entscheidenden Wettbewerbsnachteil gegenüber der Straße. Lediglich zehn Stopps von Regionalzügen waren eingeplant. Die Investitionen der Politik in den neuen Bahnhof hätten sich nie und nimmer rentiert.

Als der private Anbieter Westbahn erklärte, in Tullnerfeld zu halten, änderten auch die ÖBB ihren Kurs. Das führt zu einer ungewöhnlichen Aufteilung: Die Westbahn wird 15 Mal täglich in Tullnerfeld halten – aber nur in Richtung Wien. Die ÖBB bedienen den Bahnhof auch mit Intercity-Zügen – aber nur in Richtung St. Pölten.

Probleme mit den Tickets


Für Monats- und Jahreskartenbesitzer im Verkehrsverbund Ostregion ist das kein Problem. Ihre Tickets gelten für Westbahn und ÖBB. Unangenehm könnte die Lösung aber für Besitzer der ÖBB-Österreich-Card werden. Sie gilt nicht in der Westbahn. Man arbeite an einer Lösung dieses Problems, sagt ÖBB-Chef Christian Kern.
Der Neubau der Westbahnstrecke kostet die Steuerzahler 1,6 Mrd. Euro. Für den Betrieb der Strecke müssen Länder und Bund den Bundesbahnen nichts überweisen. Die Westbahnstrecke ist profitabel – als einzige Hauptverkehrsstrecke Österreichs.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.07.2012)

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16 Kommentare
Gast: alatheus
17.07.2012 13:30
0

Kann mir jemand erklären,

wieso man mitten in der "Pampa" einen riesigen neuen Bahnhof errichtet, wenn die Leute dann erst recht ein Auto benötigen um diesen auch nutzen zu können?

So ein Beispiel gibt es auch in Graz: den "P&R Fölling". Ein dauernd leer stehender Großparkplatz östlich der Basilika Mariatrost, der nur über eine Busanbindung verfügt. Und das auch noch in einer Gegend mit mäßiger Verkehrsbelastung, während die eigentliche "Problemzone" erst im Bereich der Kreuzung Mariatroster Straße-Kirchbergstraße beginnt, also im Zentrum des Bezirks.

Gast: Tullnerfelderin
17.07.2012 07:56
0

Bahnhof Tullnerfeld Verar****

In den letzten Jahrzehnten wurde den vom Bau der HLAG betroffenen Bürgern von Seiten der (Regional-)Politik u. ÖBB vorgegaukelt, die Bahn wäre eine Aufwertung für die Region und der Weg für die vielen Pendler würde auf ein Minimum verkürzt werden.

Und dann ist es nicht fixiert, dass zumindest Morgens und Abends die Verbindung Bahnhof Tullnerfeld - Wien, Wien - Bahnhof Tullnerfeld besteht ????


Gast: Das ist ein nettes Ei!
16.07.2012 23:59
0

Und die größte Kundenpflanzerei seit langem!

Damit können beide tatsächlich Wien-St.Pölten in 29min bedienen, ansonsten wäre der Fahrzeitgewinn von 15min weder von der ÖBB noch von der WestBahn zu halten gewesen. immerhin kostet der Halt samt bremsen, beschleunigen, abfertigen 10min...

Tatsache ist und bleibt, man hat mehrere 100e Millionen in diese Strecke gesteckt ohne auch nur eine einzige Minute Fahrzeitgewinn, das dürfte weltweit die langsamste Hochleistungsneubaustrecke sein die jemals gebaut wurde und das in einer Bauzeit die im negativen Sinn alle Dimensionen sprengt!

Spätestens mit dem Fahrplanwechsel wird auch der Rechnungshof aufwachen und Aktiv werden.

Auf die Luftlinie gerechnet bewegen sich die Züge mit sagenhaften 110.7 km/h bei 29min Fahrzeit, (Westbahnhof, St. Pölten Hbf.), in Österreich gehen halt die Uhren noch ein bißchen anders...

Antworten Gast: schreker
17.07.2012 08:27
0

Re: Und die größte Kundenpflanzerei seit langem!

Also, falls Sie das alles glauben, was Sie da so daherschreiben, dann sollten Sie damit wirklich nicht hausieren gehen, denn da blamieren Sie sich ganz entsetzlich.

Ich dachte der ICE mit seinen beworbenen 250km/h

wäre ein Fernverkehrszug; wenn er dann ja eh überall hält wie ein Pendlerzug (Amstetten, Steyr, Vöcklabruck werden sicher bald auch reklamieren) hält, ist das Auto wieder mal die schnellste Variante, oder das Flugzeug.
Dafür hätte man aber nicht so viel Geld ausgeben müssen, das hat auch auf der "alten Westbahn" schon funktioniert. Und Wien hätte keinen Mrd.-teuren Haupbahnhof bauen mussen. Denn was machen denn all die Pendler, die dann zwar schnell aber in einem verkehrstechnischen Niemandsland in Wien ankommen? Zur U1 hatschen? Die sind mit dem kaum langsameren "Pendler" am Westbahnhof deutlich besser bedient.

Antworten Gast: bodo
17.07.2012 09:19
0

Re: Ich dachte der ICE mit seinen beworbenen 250km/h

1. Der ICE fährt als Eurocity großteils nach Deutschland und wird aller Voraussicht nicht im Bf Tullnerfeld halten.
2. Der Railjet fährt hauptsächlich als Eurocity(Wien-Zürich,Wien-Innsbruck-Bregenz,München ) und wird ebenfalls kaum halten.
3. Der Öbb-Intercity fährt großteils Wien Salzburg-Wien(wird auch mit Railjetgarnituren geführt aber nicht immer) wird im Bf Tullnerfeld Richtung Sankt Pölten halten.
4.Die "Westbahn" fährt nur Wien-Salzburg-Wien und wird Richtung Wien im neuen Bahnhof Tullnerfeld halten.
5. Außerdem werden alle Züge, die von Tulln über Traismauer-Herzogenburg nach Sankt Pölten über die alte Strecke fahren ebenfalls im Bf Tullnerfeld halten.
Zumindesrt stellt sich das derzeitige Bild in den Medien so dar.
mit freundlichem Gruß

Antworten Gast: schreker
17.07.2012 08:29
1

Re: Ich dachte der ICE mit seinen beworbenen 250km/h

Also, für diejenigen, die es immer noch nicht kapiert haben: Der neue Hauptbahnhof liegt tatsächlich sehr nahe an der U1. Der mediale Aufruhr über die nicht vorhandene U-Bahn-Anbindung bezog/bezieht sich auf die noch nicht gebaute U2-Verlängerung. Und da sollten Sie sich bei der Wiener SPÖ bedanken, nicht bei den ÖBB.

Antworten Gast: Stimmt nicht ganz!
17.07.2012 00:12
0

Re: Ich dachte der ICE mit seinen beworbenen 250km/h

Die WestBahn hat Züge mit einem enormen Beschleunigungswert der den ÖBB nicht zur Verfügung steht, so fährt die WestBahn annährend so schnell wie der ICE/RailJet zwischen Salzburg und Wien, trotz dessen das RailJet auf vMax 230km/h und die WestBahn "nur" vMax 200km/h kommt, die Beschleunigung steht nicht mal ICE Zügen zur Verfügung, die WestBahn kann damit sehr gut auch das ausspielen, das das Hochleistungsnetz zwischen Salzburg und Wien noch immer mehr einem Schweizer Käse gleicht als einer durchgehenden Linie!

Der Plan die Westbahn über Steyr zu führen wurde schon längst aufgegeben, vielleicht wird's mal den einen oder anderen direkt Zug von dort nach Wien geben, mehr ist sowohl wegen der Streckenauslastung als auch dem mangelnden Bedarf weiterhin nicht drinnen.

Re: Ich dachte der ICE mit seinen beworbenen 250km/h/pjaschke

"ICE" auf der Weststrecke und ein Halt in Steyr? Wohl nix g'lernt während Ihrer Schulzeit? :o((

1/4-Stundentakt

versprochen, wird aber nicht kommen!!
ÖBB-Chef Kern hat bei der Publikumsdiskussion vergangene Woche in Purkersdorf von 4 Zügen pro Stunde gesprochen. Das kann man zwar als Viertelstundentakt auslegen oder auch nicht.
zurzeit gibt es zwischen 7:00 und 8:00 4 Züge, doch davon kommen 3 zwischen 7:00 und 7:30 und danach erst der nächste um ca. 7:45/7:50.

Ich hoffe wirklich, dass 4 Züge pro Stunde auch wirklich Viertelstundentakt heißt.

Kartell???????

Zitat: "Die ÖBB werden dabei die Fahrtrichtung Wien - Salzburg bedienen, die mehrheitlich private Westbahn übernimmt die Gegenrichtung."

Die AUA fliegt auch offenbar nur nach Berlin und AirBerlin übernimmt die Passagiere in die Gegenrichtung.

Eine derartige Lösung, sich das Geschäft gezwungenermaßen 50:50 aufzuteilen, konnten auch nur unsere Politiker erfinden.

Gast: bodo
16.07.2012 16:51
0

Bahnhof Tullnerfeld

Die Schildbürger müssen irgendwo zwischen Wien und Sankt Pölten sitzen,

Bahnhof Tullnerfeld

Jetzt wirds dann doppelt so teuer.
Richtung St.Pölten mit der Zeikarte der Öbb, Richtung Wien dann mit der Zeitkarte der neuen Westbahn, oder wird das alles Ververkehrsverbund?
Die Vorteilscardbesitzer fahren dann wie????
Wieder eine Superlösung für alle Beteiligten, nur nict für die Bahnfahrer.

Re: Bahnhof Tullnerfeld

1)es gibt für diese strecke nur verbund-zeitkarten-diese gelten schon jetzt bei beiden!! 2)einzeltickets gibts' bei der westbahn zum halbpreis im zug;problem:wer nicht aufpasst und im öbb-zug landet,riskiert €60 SB-abzocke... 3)der abwechselnde halt sichert kürzere umsteigezeiten-deshalb!!!!

Ist das ein Scherz???

"Die ÖBB werden dabei die Fahrtrichtung Wien - Salzburg bedienen, die mehrheitlich private Westbahn übernimmt die Gegenrichtung."

Das ist ja ein Lehrstück eines absurd-abstrusen Kompromisses! Wie kommen die Leute nur immer auf solche Ideen?

Na bitte, es geht doch

Zwei Konkurrenten die jetzt sogar zusammenarbeiten. Das nenne ich wirkliches "fair play". So und jetzt lieber NÖ-Landeskaiser, lass die was einfallen und tu was für die Nebenbahnen in deinem Reich. Zusperren ist nicht der Weisheit letzter Schluss, siehe Thayatal-Bahn u. a. Ausbauen bzw. modernisieren wäre besser. In anderen Ländern ist man schon erfolgreich auf Schiene, nur in NÖ hapert es noch. Also umdenken, das gilt auch für den Landesverkehrsplaner!

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