Auch "Westbahn" darf im Bahnhof Tullnerfeld halten

Ein monatelanger Streit ist zu Ende: Die ÖBB wird in Richtung Salzburg einen Stopp im Regionalbahnhof einlegen, die Westbahn übernimmt den Halt in der Gegenrichtung.

Ab 9. Dezember geht der Bahnhof Tullnerfeld in Betrieb.
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Ab 9. Dezember geht der Bahnhof Tullnerfeld in Betrieb.
Ab 9. Dezember geht der Bahnhof Tullnerfeld in Betrieb. – (c) DiePresse.com/Pitour

[Wien/stef] Um Superlative war Erwin Pröll nicht verlegen, als er am Montag das neue Konzept für die Westbahnstrecke zwischen Wien und St. Pölten vorstellte. Von einem „Jahrhundertprojekt“ sprach der niederösterreichische Landeshauptmann, von einer „neuen Zeitrechnung“, gar von einer „Revolution“ im Bahnverkehr.
Ab 9. Dezember sollen Pendler in 27 Minuten von St. Pölten nach Wien gelangen, derzeit beträgt die Fahrzeit 45 Minuten. Und auch der monatelange Streit zwischen ÖBB, Westbahn und Land Niederösterreich rund um die Haltestelle Tullnerfeld ist beigelegt. 42 Züge pro Tag werden in dem 25 Millionen Euro teuren Bahnhof halten.
Bis zuletzt war unklar, ob überhaupt regelmäßig Züge Pendler aus Tullnerfeld mitnehmen werden. Die ÖBB weigerten sich, mit dem Railjet einen zusätzlichen Stopp einzulegen. Das erhöhe die Fahrzeit nach Salzburg und bedeute einen entscheidenden Wettbewerbsnachteil gegenüber der Straße. Lediglich zehn Stopps von Regionalzügen waren eingeplant. Die Investitionen der Politik in den neuen Bahnhof hätten sich nie und nimmer rentiert.

Als der private Anbieter Westbahn erklärte, in Tullnerfeld zu halten, änderten auch die ÖBB ihren Kurs. Das führt zu einer ungewöhnlichen Aufteilung: Die Westbahn wird 15 Mal täglich in Tullnerfeld halten – aber nur in Richtung Wien. Die ÖBB bedienen den Bahnhof auch mit Intercity-Zügen – aber nur in Richtung St. Pölten.

Probleme mit den Tickets


Für Monats- und Jahreskartenbesitzer im Verkehrsverbund Ostregion ist das kein Problem. Ihre Tickets gelten für Westbahn und ÖBB. Unangenehm könnte die Lösung aber für Besitzer der ÖBB-Österreich-Card werden. Sie gilt nicht in der Westbahn. Man arbeite an einer Lösung dieses Problems, sagt ÖBB-Chef Christian Kern.
Der Neubau der Westbahnstrecke kostet die Steuerzahler 1,6 Mrd. Euro. Für den Betrieb der Strecke müssen Länder und Bund den Bundesbahnen nichts überweisen. Die Westbahnstrecke ist profitabel – als einzige Hauptverkehrsstrecke Österreichs.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.07.2012)

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