Abfallberater fordern Stadt Wien heraus

Die Wiener Abfallberater wollen nicht mehr in einem prekären Beschäftigungsverhältnis stehen und fordern eine feste Anstellung. Die Situation ist schon länger bekannt, zugespitzt hat sie sich Anfang des Jahres.

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(c) Clemens Fabry

Sie sind dort, wo hinsichtlich leerer Flaschen, Plastikmülls und Lebensmittelabfälle Erklärungen benötigt werden: in Volksschulen, auf Kinderspielplätzen und manchmal auch am Misttelefon. Seit den 1980er-Jahren informieren die „Abfallberater“ im Auftrag der Stadt Wien über den richtigen Umgang mit Müll.

Nun fühlen sich die 31 Männer und Frauen selbst wie „Mist“ behandelt: Sie wehren sich gegen ihr prekäres Beschäftigungsverhältnis. „Wir arbeiten auf Basis von Werkverträgen, die unserer Meinung nach keine sind. Wir haben fixe Arbeitszeiten, dürfen unsere Arbeit nicht delegieren und sind wirtschaftlich von der Stadt Wien abhängig“, sagt Abfallberaterin Anna Brem (Name geändert), die seit Jahren in diesem Beruf tätig ist. Jetzt fordern die Abfallberater eine Anstellung.

Die Situation ist schon länger bekannt, zugespitzt hat sie sich Anfang des Jahres. Anders als bisher wurden die Werkverträge nicht um ein Jahr, sondern nur um wenige Monate verlängert, Ende Juli laufen sie ganz aus.

 

Verträge nur für zehn Mitarbeiter

Zeitgleich wurden zehn Mitarbeitern fixe Verträge angeboten, der Rest sollte weiterhin auf Basis von Werkverträgen arbeiten. „Ein Witz“, wie Brem findet. Auch weil in den Verträgen weder die Vordienstzeiten noch die Ausbildung der Abfallberater (von denen viele Akademiker sind) einbezogen worden seien. In einem (mittlerweile öffentlich gemachten) Schreiben an die Stadt haben die Abfallberater versucht, auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Die daraufhin angebotenen Einzelgespräche wurden von den Abfallberatern aber abgelehnt – man wolle nur als Gruppe sprechen.

Mittlerweile werden nur mehr fünf der 31 Abfallberater von der Stadt Wien beschäftigt – ausgerechnet jene fünf, die sich im Nachhinein von dem Schreiben distanziert haben. Ein Zufall? „Im Sommer ist der Bedarf nicht so groß“, sagt Ulrike Volk, Sprecherin der für Abfallwirtschaft zuständigen MA 48.

Unterstützung bekommen die Abfallberater nun von der Gewerkschaft. Ein Anwaltsschreiben sei bereits an die Stadt gegangen, heißt es. Die MA 48 selbst gibt sich in der Sache wortkarg. „Wir möchten so etwas nicht über die Medien austragen“, sagt Volk. Auch die zuständige Stadträtin Ulli Sima war für ein Gespräch nicht erreichbar.

Eine Klage ist für die Abfallberater derzeit „der letzte Ausweg“. Wobei es für ihre Zukunft eher düster aussieht – denn laut Volk werde die MA 48 in Zukunft vermehrt ihre eigenen Mitarbeiter für die Abfallberatung einsetzen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2012)

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