Die Tarifreform der ÖBB war auch eine Tarif-Bereinigung, das war auch schon in der Ankündigung klar. Die durchschnittlichen Preiserhöhungen von acht Prozent sollten durch eine billigere Österreichcard (gilt in allen ÖBB-Zügen) kommunikativ wettgemacht werden. Bei der Lichtung des Tarif-Dschungels ist allerdings auch das beliebte Minimax-Ticket dem Sparstift zum Opfer gefallen. Mit der Konsquenz, dass es für Vorteilscard-Besitzer keine brauchbare Gruppenermäßigung mehr gibt.
Vor der Tarifreform, die mit 2. Juli in Kraft getreten ist, war es so: Mehrere Vorteilscard-Besitzer kauften sich ihr Ticket gemeinsam am Automat und bekamen automatisch einen Rabatt abgezogen. Das ist nun vorbei. Die ÖBB verweisen auf die billigeren Gruppentarife, bei denen gestaffelte Vergünstigungen - je nach Personenanzahl - berechnet werden. Ab zehn Personen vergünstigt sich das Ticket pro Person um 30 Prozent. Vorteilscard-Besitzern nützt das wenig. Der Tarif gilt nämlich für alle, auch Reisende ohne Vorteilscard bekommen diesen Rabatt. Wer eine Vorteilscard besitzt, fährt mit einem Einzelticket aber günstiger, da damit Tickets um bis zu 50 Prozent billiger gekauft werden können. Doppelrabatte seien abgeschafft worden, erklären die ÖBB gegenüber DiePresse.com.
ÖH Innsbruck: "Inakzeptable Preiserhöhung"
Hauptbetroffen davon sind viele Studenten, die ihre Wochenendfahrten in die Heimat gemeinsam organisiert haben. "Gerade Vorarlberger, aber auch Studierende aus anderen Bundesländern, verabredeten sich in der Vergangenheit und fuhren gemeinsam nach Hause. Mit der damaligen Konstellation - nämlich Gruppenticket und ÖBB-Vorteilscard - konnte einiges an Geld gespart werden", erklärt der Vorsitzende der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) an der Universität Innsbruck, Benjamin Rohrer (AktionsGemeinschaft). Monats- oder Jahrestickets zahlen sich bei nur wenigen Fahrten im Jahr nicht aus.
"Nach dem Wegfall des Nahverkehrmonatstickets für Hochschüler ist dies der nächste Tiefschlag in der Studierendenpreispolitik der ÖBB", führt Rohrer weiter aus. Das bisherige Vorteilscard-Gruppenticket kostete in der Vergangenheit beispielsweise auf der Strecke Wien-Brenner 17 Euro, seit 2. Juli muss man schon 32 Euro berappen. "Diese Preissteigerung von fast 80 Prozent ist einfach inakzeptabel und hindert viele Studierende daran, an Wochenenden nach Hause zu fahren und soziale Kontakte und ehrenamtliches Engagement aufrecht zu erhalten", zeigt sich Rohrer besorgt.
ÖBB: "Unfaire Nutzung"
Doch genau der oben beschriebene Fall von organisiertem Ticketkauf sei auch der Anlass gewesen, das Minimax-Ticket zu streichen. "Das Ticket war nicht mehr zeitgemäß und wurde unfair genutzt. Es war ursprünglich als Gruppenausflugsticket geplant, aber es haben sich fremde Menschen teilweise auf sozialen Medien organisiert. Das Unternehmen ÖBB hat dadurch einen jährlichen Verlust von zwei Millionen Euro verzeichnet", erklären die ÖBB.
Als Alternative wird die Sparschiene (9 - 29 Euro-Tickets, die allerdings auf beliebten Strecken rasch ausverkauft sind) und das Einfach-Raus-Ticket beworben (bis zu fünf Personen fahren einen Tag lang um 32 Euro in allen Regionalzügen). Für den Fall der Studenten, die eine Fernreise mit Schnellverbindungen planen, keine Alternative. Wer eine Vorteilscard hat, schaut bei eher spontaneren Gruppenreisen seit 2. Juli durch die Finger.
(klepa)
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